Neuseeland, Das Cape Palliser

Bevor ich in Richtung Auckland weiterfahre, mache ich noch einen Abstecher in den Südosten der Nordinsel. Entlang der Küste windet sich der Cape Palliser Road insgesamt 35 Kilometer unmittelbar am Wasser entlang Richtung Osten. Zeitweise befindet sich zwischen dem Asphalt und der Brandung nicht mehr als ein vom Wetter verwitterter Straßenpfosten und ein guter Meter Höhenunterschied, so dass die größeren der großen Wellen ihr Wasser bis über die Straße spucken. Es ist ein rauer Tag. Der Himmel ist grau und von dicken Wolken behangen, der Wind peitscht eisig an die Küste und dringt bis durch die Kleidung. Ich habe Mühe damit, mein Auto auf meiner Fahrbahn zu halten und bin froh, dass ich bis auf wenige Ausnahmen das einzige Fahrzeug auf der Straße bin. Ich frage mich ernsthaft, ob dieser Abstecher hier zum entlegenen Cape Palliser, an dessen Ende sich ein Leuchtturm befindet, wirklich sein muss. Er muss!

Die Fahrt ist anstrengend und zu allem Überfluss fängt es zu regnen an. Kilometer für Kilometer taste ich mich voran, teilweise über unbefestigte Straßenabschnitte, teilweise über von aufgepeitschtem Ozeanwasser bedeckte Straßenabschnitte, teilweise über nur einspurige Straßenabschnitte, weil zu wenig Platz für zwei Spuren zwischen dem Meer und dem zerklüfteten Kliff vorhanden ist. Die See ist heute sehr stürmisch und aufgrund meiner kaum zu übertreffenden Nähe lerne ich sie einmal hautnah von einer anderen Seite kennen. Ehrfurchterregend!

Wenige Kilometer bis zum Leuchtturm weist mich schließlich ein großes Schild am Straßenrand darauf hin, dass auf dem Abschnitt vor mir Seebären den Küstenstreifen als Ruheort verwenden und kurze Zeit später sehe ich sie dann auch. Hunderte von Tieren liegen entlang des schmalen Streifen Lands zwischen Straße und Meer und dösen vor sich hin. Als ich vorbeifahre heben sie vereinzelt neugierig ihren Kopf und blicken in meine Richtung, bleiben allerdings liegen und kümmern sich auch nicht weiter um mich, als ich aus meinem Wagen steige und ein paar Meter auf sie zugehe, um ein Foto zu machen. Dann geht’s weiter bis zum Leuchtturm.

Auf dem Rückweg vom Cape Palliser biege ich auf etwa halber Strecke nach rechts, ins Landesinnere, ab und bringe meine Fahrzeug 200 Meter weiter auf einem Parkplatz zum stehen. Ein weiterer Herr der Ringe-Drehort ist auf meiner Neuseeland-Karte aufgeflammt und wenn ich schonmal hier bin…der Drehort befindet sich weiter im Hinterland und so kann ich das Ganze mit einem schönen Abenteuerspaziergang verbinden. Von meinem Auto aus führt mich ein ausgewiesener aber kaum zu erkennender Pfad zunächst auf einem ausgetrockneten Flussbett entlang Richtung Norden. Der Regen hat zwischenzeitlich eine Pause eingelegt und der Wind scheint von den wenigen Bäumen um das Parkplatzareal herum gut abgeschirmt zu werden, so dass das Vorankommen jetzt etwas leichter fällt. Die Landschaft neben dem Flussbett ist felsig und der Boden ist von hüfthohen Pflanzen mit hübschen Blüten aber dornigen Stielen bedeckt. Nach einigen hundert Metern führt ein kleiner Fußweg vom Flussbett weg und etwas steiler den Berg hinauf in ein Waldgebiet hinein. Fachmännisch wurden hier Stufen in den Hang geschlagen, um den Aufstieg zu erleichtern und so marschiere ich den Fußweg entlang, vorbei an allerlei verschiedenen Farnen, die ich so sehr liebe, bis ich vor einem Schild stehe. “300 Meter bis zu den Putangirua Pinnacles”. Ich befinde mich plötzlich wieder auf dem steinigen Flussbett, in dem sich ein kleiner Bach seinen Weg Richtung Tal sucht, und steige ab sofort wieder über Steine hinweg auf eine felsige Front voller seltsam aussehender Formationen zu. Als sich die spitzen Türme aus einem grauen Stein-Lehm-Gemisch links und rechts von mir Richtung Himmel strecken, das Flußbett schmaler wird, im Fels vereinzelte Nischen und enge Öffnungen zum Vorschein kommen, die sich nach wenigen Metern im Inneren der Felsen sowie hinter Kurven und Biegungen verlieren und bis auf das Plätschern des Baches und das leichte Heulen des Windes nichts mehr zu hören ist, wird mir etwas unheimlich. Wie aus dem nichts bläst prompt eine kräftige Windböe das steinige Flussbett vom Meer zu mir hoch hinauf und reißt mich fast von den Füßen, woraufhin ich mich für den Rückweg entscheide. Eine gespenstische Gegend. Genau die richtige Location, um die Herr der Ringe-Szene zu drehen, in der Aragorn, Legolas und Gimli den Pfad der Toten betreten, um die Armee der Toten aufzuspüren und für die finale Schlacht auf den Pelennor Feldern vor den Toren von Minas Tirith zu verpflichten…

Den Cape Palliser Road entlang in Richtung Osten…
Der Südosten der Nordinsel…
Der Südosten der Nordinsel…
Die Seebären…
Das Cape Palliser Lighthouse.
Der Blick vom Leuchtturm aus in Richtung Osten…
Den Cape Palliser Road entlang zurück in Richtung Westen…
Farn…
…ich liebe diese immergrünen Pflanzen!

The Putangirua Pinnacles.
The Putangirua Pinnacles.
The Putangirua Pinnacles.
The Putangirua Pinnacles.

Neuseeland, Wellington Movie Tour

Peter Jackson, der Regisseur der mittlerweile sechs Filme rund um Mittelerde ist in Wellington aufgewachsen und bis heute hier wohnhaft. Viele der Filmszenen aus “Herr der Ringe” und “Der Hobbit” wurden unmittelbar in oder um Wellington herum gedreht und ich entscheide mich dafür, eine Tagestour zu buchen, in der den Teilnehmern verschiedene Lord of the ring-Drehorte gezeigt, mehr zu den Dreharbeiten erklärt und allerlei spannende und auch witzige Geschichten vom Set erzählt werden.

Auf jeden Fall zu empfehlen…

Wellington Movietown
Bei Touren ist es immer wichtig, leise zu sein, wenn der Guide etwas erzählt.
Helm’s Deep und Minas Tirith wurden einfach mal direkt neben einem kleinen Zementwerk unweit von Wellington erbaut. Der Betreiber des Zementwerkes erhielt die Summe eines geschätzten Jahresumsatzes gezahlt und stellte dafür für diesen Zeitraum seinen Betrieb ein + überlies der Filmcrew für diesen Zeitraum seinen Grund.
Hier läuft „Andi, der Grau-Blaue“ mit seinem Umhang und Zauberstab durch die Gärten Isengards.
Der Eingang nach Bruchtal…
…und ich leiste meinen Grundwehrdienst beim Volk der Elben.
Hier stand einst Legolas mit gespanntem Bogen und posierte fürs Filmposter.
Hier rauchte schon Elijah Wood als Frodo 1999 sein Pfeifchen, während sein Reisegefährte Sam auf dem Boden das Abendessen zubereitete.
Witzig…Merry ist damals bei der Flucht vor dem Farmer Maggot an der gleichen Stelle diesen blöden Hang heruntergestürzt und hat sich auch seine Möhre gebrochen.
Heeeey!
F*ck!
Wie Gandalf schon sagte…

Neuseeland, Wellington

Nachdem gestern Abend keine Fähre mehr von Picton nach Wellington übergesetzt hat, als ich am Fährhafen angekommen bin, habe ich die Nacht über nochmal auf der Südinsel verbracht und nehme heute Morgen das erste Schiff nach Wellington.

Der Morgen ist kalt und stürmisch, die Nacht über hat es geregnet und schwere Gewitterwolken bedecken den Himmel, als ich am Fährhafen ankomme. Ich werde entsprechend meiner Wagenlänge und meines Gewichtes klassifiziert und warte mit meinem Fahrzeug in der Spur 4 schließlich auf weitere Instruktionen. Die Einweiser der Fähre koordinieren die klassifizierten Fahrzeuge der insgesamt 12 Spuren auf die 3 Stockwerke des gigantischen Schiffes und nach einer Stunde hat jedes Fahrzeug einen Platz gefunden. Pünktlich auf 9.00 Uhr legen wir ab. Das Wasser ist trotz des Windes überraschend ruhig, auf den beiden Außendecks zieht es allerdings unerträglich und ich verbringe den Großteil der gut 3 stündigen Fahrt im beheizten und geräumigen Inneren.

Angekommen im Hafen von Wellington, fahre ich direkt in die Stadt und parke auf einem großen Parkplatz in Zentrumsnähe. Aufgrund des eisigen Wetters, dass sich offenbar gerade überlegt, ob es zu regnen beginnen soll, entscheide ich mich spontan für einen Besuch des Nationalmuseums in der neuseeländischen Hauptstadt und widme mich der Kultur statt die Innenstadt zu erkunden.

Als ich am Ende der Ausstellung im zweiten von insgesamt sechs Stockwerken angekommen bin, in der ich etwas über die Maorikultur lernen durfte, erlebe ich ein neues “Abenteuer”. Ich steuere gerade auf einen kleinen Kinosaal zu, als ich prompt das Gefühl habe, schwammige Beine zu bekommen und vernehme ein leichtes Grollen in meinem Ohr. Ich halte kurz inne und lausche. Nichts mehr. Was war das denn? Habe ich mir da grad etwas eingebildet?

Ich betrete den kleinen Kinosaal und sehe, dass hier eine Maori-Dokumentation gezeigt wird, in der gerade ein Ureinwohner über sein Land spricht. Ich werfe einen Blick auf die vereinzelten Leute im etwa 30 Sitzplätze großen Saal, als das Grollen wieder zu hören ist. Dieses Mal lauter, irgendwo aus den Tiefen des Gebäudes beziehungsweise von irgendwo unter mir. Und ich bilde es mir nicht ein, wie ich an den großen, erstarrten Augen einer dunkelhaarigen Frau erkennen kann, die meinen Blick mit wartendem Gesichtsausdruck erwidert. Dann beginnt der Boden leicht zu zittern. Die Sitze im Saal quietschen leise, die Bilder zu meiner Rechten wackeln und die Rahmen klopfen gegen die Wand, an der sie befestigt sind. Ich halte die Luft an. 5 Sekunden, 6 Sekunden, 7 Sekunden, dann ist es still. Ich bin angespannt, nervös, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich entscheide mich, in das Erdgeschoss zu gehen. Wie ich unten ankomme, schaue ich zurück und sehe viele Leute, die offensichtlich die gleiche Entscheidung für sich getroffen haben. Eine große Menschenmasse drängt sich die Stufen runter. Ich begebe mich nicht nach draußen; ich entscheide mich, in den Souvenirladen des Museums zu gehen, weil ich prompt das starke Bedürfnis verspüre, unter Menschen zu sein. Hier ist bereits wieder Ruhe eingekehrt und lediglich die beiden jungen Kassiererinnen tuscheln noch aufgeregt miteinander. Es bleibt ruhig. Und ich konzentriere mich auf die hübschen Andenken, die man hier erwerben kann.

Jeden Tag finden durchschnittlich vier Erdbeben auf den beiden Inseln Neuseelands statt. Die meisten von ihnen sind so schwach, dass sie von den Bewohnern der Insel nicht wahrgenommen werden.

Goodbye, Picton!
Auf der Fähre durch die Marlborough Sounds…
Auf der Fähre durch die Marlborough Sounds…
Auf der Fähre durch die Marlborough Sounds…
Goodbye, Südinsel!
Goodbyyyeee!
Laaand in Siiicht!
Hello Nordinsel, hello Wellington!
Macht die Leinen fest!
Wellington Harbour.
Fish&Chips
Im Museum findet aktuell eine Ausstellung über den Einsatz der neuseeländischen Soldaten im zweiten Weltkrieg statt…
…und zwischen den Ausstellungsräumen, die sich immer auf die Geschichten Einzelner konzentrieren, finden sich Statuen der Charaktere.
Sehr realitätsnah. Sehr bewegend!