Myanmar, Mandalay, Das Umland

…und bei all der Zeit in Mandalay, hat es mich auf der Suche nach Abenteuern und guten Fotomotiven dann auch in Mandalay’s Umland getrieben:

Inwa, südlich von Mandalay
Inwa, südlich von Mandalay
Inwa, südlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay (Eines meiner Lieblingsbilder!)
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay (Ein weiteres meiner Lieblingsbilder!)
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay

Myanmar, Mandalay

Mandalay ist die zweitgrösste Stadt Myanmars. Die Stadt, über die ich nach Myanmar eingereist bin, in der ich für etwa 2 ½ Stunden verweilte, als ich vom Chin State in den Shan State übersiedelte, in die ich für zwei Nächte entspannten Schlaf nach so vielen Tagen Trekking zurückkehrte…und dann für 6 Nächte blieb, weil’s sich grad so anbot.

Mandalay ist nicht Hanoi, Mandalay ist nicht Chiang Mai. Und trotzdem hat Mandalay Charme. Birmanischen Charme.

Da gehört eigentlich noch ein braun-weiß gefleckter Hund mit ins Bild, der jedoch bei allen drei Versuchen das Weite gesucht hat…

Unverhofft auf dem Heimweg mit dem Fahrrad…DAS war unglaublich!

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day III)

06.00Uhr. Der Hahn kräht. Und dann der Hahn des Nachbarn. Und dann der Hahn vom anderen Ende des Dorfes. Und dann…wieso hat denn hier jeder nen eigenen Hahn in Myanmar? Wieso musste unser sch**ß Hahn der erste Schreihals sein? …insgeheim vermute ich, dass die Hähne bereits früher angefangen haben, den Tag zu begrüßen und ich lediglich aufgrund meines tiefen Schlafes erst jetzt aufgewacht bin. Es ist ja so viel einfacher, sich aufzuregen…bringt nur nix! Ich döse noch bis 06.45Uhr unter meinen zwei warmen Decken vor mich hin und dann geht der Alarm meines und auch des Handys von Ludek runter. Keine Zeitverschiebung zwischen Deutschland und der tschechischen Republik also.

Kurz vor 8 nehmen wir unsere Bambus-Wanderstöcke in die Hand und machen uns auf den Weg. Zurück nach Hsipaw. Während die Sonne höher und höher an den Himmel steigt und die Kälte der Nacht vertreibt, passieren wir den Grenzposten der Shan-Armee in gegengesetzte Richtung, folgen der Hauptstraße (ein breiter Feldweg, der vor wenigen Jahren in einem NGO-Projekt angelegt wurde) für etwa 60 Minuten und biegen dann erneut auf die klassischen Wald- und Wiesenpfade, die ich so sehr liebe. Es ist bereits Mittagszeit, als wir ein unscheinbares Feld passieren und unser Guide plötzlich “peanuts” ruft. Ich schaue mich irritiert um.

Wusstet ihr, dass Erdnüsse unter der Erde wachsen? Ich dachte immer, die wachsen an Büschen oder Bäumen, so wie es Nüsse normalerweise so tun. Anders die Erdnüsse! Die hängen über den Wurzeln unscheinbarer Gräser unter der Erde. Lange Rede, kurzer Sinn…ich kenne unbehandelte Erdnüsse bereits von meiner ersten Reise in Vietnam aber selbst geerntet schmecken die noch besser. Nachdem uns Arnoon zeigt, wie wir an die Nüsse kommen; den ganzen Strang umfassen und dann ziehen; fangen wir zu futtern an. Und dann halte ich plötzlich SIE in der Hand. Lang aber zierlich liegt SIE zwischen meinem Daumen und meinem Zeigefinger. Hart und robust, lässt SIE sich doch sanft und willig öffnen. Und als ich die beiden Schalenhälften auseinanderklappe und vier große, pralle Nüsse zum Vorschein kommen, weiß ich mit Bestimmtheit: Das ist die Königin. Die Königin der Erdnüsse, die Gebieterin des Ackers, die Regentin des Feldes. Die edle Mutter der Saatschaft, die Herrscherin unter Tage. Die Größte, die Schönste, die Tollste…sehr lecker.

Der Rest ist schnell erzählt. Wir marschierten nach etwa 15 Minuten weiter, kommen an einer riesigen Wassermelonen-Farm vorbei (auch sehr amüsant anzuschauen, da es ein bisschen etwas von Matrix hat, wie die kleinen Pflänzchen in Reih und Glied aus einer Plastikfolie hervorschauen, die den Boden bedeckt und unter der links und rechts am Pflänzchen Wasserleitungen vorbeiführen, die die noch junge Melone rund um die Uhr mit Wasser versorgen), laufen auf einem Feldweg durch herrliche, bereits abgeerntete Felder und haben so den Geruch von trockenem Gras und Kräutern in der Nase, während wir die Berge hinter uns lassen und schließlich nach etwa 2 Stunden unser Ziel Hsipaw und somit das Ende unseres Treks erreichen. Was für eine wunderschöne Gegend, was für wundervolle Menschen, was für ein Erlebnis.

“rok mai tan tan”, Arnoon!

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day II)

Nirgends habe ich diese Extreme bisher so sehr verspürt, wie hier in Myanmar. Sobald die Sonne am Himmel steht, was jeden Tag der Fall ist, so erstrahlt alles in warmen Licht und die Temperaturen liegen irgendwo bei 25°-32°C. Sobald die Sonne aber abends dann verschwunden ist, kühlt die Luft enorm runter und die Nächte sind mit etwas um die 10°C bitterkalt. Die letzte Nacht haben wir im Haus eines Onkels unseres Guides verbracht und wie überall im Land sind die Wände sehr dünn bzw. in den Dörfern dann meistens aus Bambus geflochten, wodurch sie nicht völlig geschlossen sind. Trotz drei Decken konnte ich die Kälte der Nacht spüren und bin froh, dass ein neuer Tag beginnt. Guten Morgen, Myanmar.

Nach dem Frühstück, zu dem in den südostasiatischen Ländern traditionell wie auch zum Mittag- und Abendessen Reis serviert wird, packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns zum Abmarsch bereit. Geplant ist ein etwa 2 ½ stündiger Trip bergabwärts zum Fluß, an dem wir fischen, baden und schließlich auch zu Mittag essen wollen, bevor wir uns dann an den etwa 2 ½ stündigen Aufstieg zurück zu unserem Quartier von letzter Nacht und dann auf den Weg zu unserem neuen Quartier in das etwa 60 Minuten entfernte Heimatdorf unseres Guides Arnoon machen, in dem er die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbracht hat, bevor er für sieben Jahre nach Mandalay ins Kloster gegangen ist.

Der Abstieg zum Fluß ist anstrengender als gedacht. Das volle Gewicht meines Körpers und meines Rucksacks lastet auf meinen Knien, denn Arnoon hat nicht übertrieben, als er meinte, der Weg würde steil sein. Der Weg ist für mich ohnehin nicht erkennbar in diesem Gebiet. Neben Arnoon begleitet uns heute sein Onkel, der den Tag frei genommen hat und am Fluß fischen möchte. Im Zickzack geht es durchs Unterholz, unter großen schattenspendenden Bäumen hindurch, den Berg hinab. Dass wir uns mit einem Wanderstock bei diesem Abstieg leichter tun, merken wir spätestens, als der Onkel mit seinem großen Messer (Klinge in etwa 40cm?), das etwas an ein Ninjaschwert erinnert, kurzerhand einen langen Bambusstamm absäbelt, mit geschickten Hieben zwei handliche 1,20 cm-lange Stäbe zurechtstuzt und uns diese in die Hand drückt. Nach etwa 90 Minuten verlässt uns der Onkel dann zu einem guten Platz zum Fischen etwas weiter Flußaufwärts und streckt mir, bevor er uns den Rücken zukehrt, sein Messer entgegen…nun habe ich das Schweeert!

Wir erreichen schließlich das Flußufer und Arnoon sammelt sogleich etwas trockenes Holz zusammen, um ein Feuer zu machen. In Bambushölzern, die standardmäßig  Innen hohl sind, schöpft er Wasser aus dem Fluß und stellt diese zum Erhitzen ins Feuer. Wasser zum Kochen und Wasser für Tee. Einge Zeit später stößt der Onkel zu uns und siehe da, in seinem Kescher hat er zwei gute Dutzend kleinerer Fische mit dabei. Die Beute zerlegt er großteils fein säuberlich, wascht sie im Flusswasser nochmal ab und schüttet alles zusammen in ein neues Bambusrohr, in das Arnoon zusätzlich gesammelten Waldfarn schiebt, das Ganze mit Wasser auffüllt, mit einem gesäuberten, zurechtgeschnittenen Bananenblatt verschließt und ebenfalls ins Feuer stellt. Die größeren der kleinen Fische spannt Arnoon’s Onkel zwischen zwei kleine Bambusstäbchen, umwickelt die Bambusstäbchen mit Bambusfasern und hängt die ganze Konstruktion mithilfe zweier Äste übers Feuer. Dem Teewasser wurden zwischenzeitlich Teeblätter hinzugegeben und der Tee kocht; Arnoon gießt uns Tee in kleine Becher ein. Die Becher sind aus Bambus. Die machen hier wirklich alles aus Bambus. Und ich verbrenne mir erstmal ordentlich die Zunge.

Zusammengefasst sitzen wir bei Sonnenschein zusammen am Fluss, trinken selbstgemachten Tee von den Teeplantagen ringsherum und warten darauf, den selbst gefangenen Fisch zu essen, der neben uns über offener Flamme gart. Myanmar ist eines der ärmsten Länder der Welt und die Bevölkerung ist gleichzeitig so unendlich reich.

Naja, gut. Wir befinden uns an der Grenze der freigegebenen Fläche. Die andere Seite des etwa 4 Meter breiten und vielleicht 50cm tiefen Flusses ist rotes Gebiet und somit für Touristen gesperrt und auch die Einheimischen meiden die unbefestigten Gegenden. Auf der anderen Seite des Flusses ist die Gefahr real, auf eine Landmine zu treten…

Nach dem Lunch, der ausgesprochen gut war und bei dem ich, jaaa, auch das Fischgericht inklusive Fischflossen, Fischgräten und Fischköpfen gegessen habe, packen wir unsere Sachen zusammen, löschen das Feuer und machen uns an den Aufstieg. Wir starten barfuß, da uns unser Rückweg zunächst ein Stück weit durch den Fluß führt, bevor wir schließlich etwas südlicher emporsteigen. Wie bereits am Vormittag verläuft der Pfad im zickzack und der Berg ist steil. Ich bin schlecht im schätzen aber er ist steil genug, damit ich mich bereits nach kurzer Zeit von Stein zu Wurzel und Wurzel zu Gesteinsvorsprung hieve. Trotz der großen Bäume mit ihrem dichten Blätterdach über unseren Köpfen ist es heiß und das atmen fällt schwer. Mit zunehmender Höhe verändert sich glücklicherweise die Umgebung und als wir nach einer Stunde etwa auf den ersten Bergkamm zusteuern, verläuft unser Pfad wieder über weite Wiesen mit blauen Blumen, die zwischen Bergreis und Pinien-Nadelbäumen wachsen. Hier erfrischt uns nun wieder eine leichte Brise und die Luft ist etwas kühler, während die Sonne unverändert warm vom Himmel strahlt. Die wundervolle Aussicht auf die höheren Berge um uns herum ist die Gleiche wie am Vortag.Wir schöpfen neue Kraft.

Unser Weg führt uns höher und höher und wie wir schließlich auf den nächsthöheren Berg übersetzen, finden wir uns in der gewohnten Umgebung zwischen Teeplantagen wieder. Unser Weg ist ein Trampelpfad und wie ich so mit meinem Wanderstab aus Bambus den lehmbraunen Pfad, der sich durch die saftig grüne Teeplantage windet, entlang marschiere, während das intensive Sonnenlicht alle Farben leuchten lässt, spüre ich das Abenteuer in der Luft liegen.

Der Weg von Arnoon’s Onkel und der unsere haben sich zwischenzeitlich getrennt und wir sind kurz vor unserer Unterkunft für die kommende Nacht, als wir erneut auf die Shan-Armee treffen. Dieses Mal sind es mehr. Unsere Unterkunft für die kommende Nacht befindet sich in Arnoon’s Geburtsdorf und an der Grenze zum roten Bereich Myanmar’s. Wir laufen auf eine heruntergelassene Schranke aus rot-weiß lackiertem Bambus zu, zu deren linken Seite etwas nach oben versetzt mit Hilfe von Sandsäcken zwei Gefechtsstellungen in den Hang gebaut wurden und zur Rechten der Berg weiter abfällt. Hinter der Schranke befindet sich eine Wegkreuzung, von wo aus der Weg geradeaus den Berg hinunter und ins etwa 5 Minuten entfernte Dorf führt. Auf dieser Seite des Berges, rechts neben dem Weg ins Dorf, befinden sind drei weitere Gefechtsstellungen und dahinterliegend die Zelte, in denen die etwa 10 Soldaten dieser Stellung schlafen. Die Soldaten hier kennen Arnoon, der immer mal wieder im Dorf seiner Eltern vorbeischaut, wenn die Palaung-Armee nicht in der Nähe ist und wodurch wir ungehindert passieren können. Auf dem Weg in Richtung Dorf den Berg runter kommen uns vier patrouillierende Soldaten entgegen und so kann ich sie das erste Mal direkt vor mir in voller Montur sehen…inklusive amerikanischem M16-Sturmgewehr auf dem Rücken. Das Geburtsdorf von Arnoon liegt in einem kleinen Talkessel und ist von hohen Bergen umgeben. Unser Guide erzählt uns, dass hier in der Umgebung rund um das Dorf in etwa 1.000 Shan-Soldaten stationiert sind, die den Grenzbereich an dieser Stelle schützen und wie ich weiß, auf was ich achten muss, sehe ich im Licht der untergehenden Sonne plötzlich tatsächlich mehrere kleine Stellungen auf den Berggipfeln rund um den Kessel. Immerhin gab es keine Explosionen heute…der Kampf vom Vortag fand etwa 50 Kilometer nördlich des Dorfes statt. Die Zone, in der das Risiko für Landminen steigt, liegt hingegen nur etwa 2000 Meter entfernt.

Im Dorf ist alles friedlich und wie wir unser Nachtquartier erreichen, stellen wir voller Freude fest, dass unser Gastgeber auch einen kleinen Supermarkt betreibt, in dem es neben “Walt Disney’s Rapunzel”-Notizblöckchen und Taschenlampen Bier zu kaufen gibt. Und wie die Sonne am Horizont verschwindet, sitzen Ludek und ich auf einem kleinen, hölzernen Balkon, den Blick über die Berggipfel schweifend, mit Bier aus Myanmar…

Guten Morgen, Shan State.
Der Abstieg zum Fluss…
…und iiich hab das Schweeert!

…und ich spüre das Abenteuer in der Luft liegen.
Unser Quartier für die zweite Nacht…
…und auch ein anderer Wächter beobachtet uns am Vorbeigehen.

Prost!

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day I)

Nachdem wir Mindat verlassen haben, führte Ludek’s und mein Weg weiter über Mandalay nach Pyin U Lwin, wo wir nach Tagen das erste Mal wieder eine warme Dusche genießen durften, und zwei Tage später schließlich mit dem Zug in das sieben Stunden weiter nördlich gelegene Hsipaw. In Hsipaw angekommen, machten wir uns erneut auf die Suche nach einem Privatguide aus der Region und wurden schnell fündig. Arnoon ist 24 Jahre alt, ist in einem Dorf in den Bergen aufgewachsen und hat im Kloster englisch sprechen gelernt, bevor er nach sieben Mönchsjahren vor drei Jahren zurück nach Hsipaw zu seinen Großeltern gezogen ist. Geld haben wir dieses Mal ausreichend dabei und so verabredeten wir uns gestern Abend, nach einem ersten Kennenlernen mit Arnoon, zu einen 3 Tages-Trek für heute Morgen.

Arnoon ist pünktlich um 8.30Uhr in unserer Guesthouse-Lobby, um uns abzuholen. Die ersten Meter aus der Stadt heraus fahren wir noch mit dem TukTuk, bevor wir dann am Stadtrand absteigen und zu Fuß weitergehen. Es ist ein kalter Morgen und wir wandern zunächst durch Nebelschwaden Richtung nördliches Hochland. Arnoon erstaunt uns recht schnell mit sehr großem Wissen über allerlei Dinge…

-Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Pflanze “Mimosa” nach einer Berührung durch Wassertropfen oder einem menschlichen Zeigefinger zum Schutz die Blätter hängen lässt? Ich konnte sehen, was die deutsche Redensart “Stell dich halt an wie eine Mimose” bedeutet.-

…er erzählt uns von den Konflikten im Land und einer Karte Myanmar’s, auf der zu sehen ist, in welche Bereiche des Landes Touristen reisen dürfen. Die Farbe Gelb bedeutet “erlaubt, da safe”, Orange heißt “erlaubt, Zustand ist aber kritisch” und Rot gibt zu verstehen “gesperrt, da nicht sicher”. Der Chin State ist orange, was wir nach eigenen Recherchen bereits vermutet haben, da nur etwa 100-150 Kilometer südwestlich des Mount Victoria, im rot markierten Rakhine State aktuell die religiösen Kämpfe zwischen Buddhisten und Muslime stattfinden. Das Gebiet rund um Hsipaw erstrahlt in gelb, doch unweit unserer Trekkingroute beginnt die rote Nordhälfte Myanmar’s, in der es keinem Touristen erlaubt ist zu reisen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Gegenden mit Landminen kontaminiert sind und dort die kämpferischen Handlungen zwischen dem staatlichen Militär sowie deren verbündeten ethnischen Armeen und der rebellenähnlichen Palaung-Armee geführt werden. Arnoon erzählt uns davon, wie die Palaung-Armee versucht, ihre Unabhängigkeit beizubehalten und sich gegen die Idee von einem gemeinsamen Myanmar sträubt. Um neue Mitstreiter für den Kampf gegen die Regierung zu gewinnen, dringen sie sporadisch in die Bergdörfer vor, um junge Frauen und Männer zwischen 18 und 30 in die Armee zu zwingen. Viele junge Menschen verlassen aus Angst ihre Dörfer und Familien und auch unser Guide lebt aufgrund dieser Tatsache bei seinen Großeltern in der Stadt. Die Anhänger der Palaung-Bewegung schrecken offenbar nicht davor zurück, bei der Rekrutierung ihre Schusswaffen einzusetzen oder die jungen Menschen durch untergejubeltes Opium zu erpressen, in dem sie sie des Rauschgifthandels bezichtigen. Unser Guide erzählt uns, dass die einzelnen Dörfer dank Smartphones in regelmäßigem Kontakt miteinander stehen können, um sich gegenseitig darüber zu informieren, wenn Militär oder Palaung-Armee in der Nähe sind und auch er unsere Route von Zeit zu Zeit von seinen Kontaktpersonen auf der Strecke freigeben lassen wird. Alles in allem hört sich das nicht gerade ungefährlich an und ich frage ihn, ob wir eventuell Soldaten der Palaung-Armee begegnen werden, was er nicht ausschließt.

Und dann sind sie auch bereits da. Auf einem Hügel platziert, sitzt ein in Flecktarn gekleideter junger Soldat neben der Straße vor einem Campingtisch mit einem Funkgerät darauf und zwei weitere Kameraden lehnen rauchend an einem Holzzaun, die Straße mit einem Eisengatter versperrt. Als wir näherkommen, schauen die beiden Kämpfer auf und kommen auf uns zu. Unser Guide flüstert uns von rechts zu, wir sollen weiterlaufen, was wir tun. Ich verspüre Angst. In einiger Entfernung bleiben Ludek und ich schließlich stehen und linsen zurück. Unser Guide hat seinen Rucksack auf einen kleinen Tisch gestellt und unterhält sich mit einem der beiden Soldaten, während der andere den Rucksack inspiziert. Wenige Minuten später ist Arnoon dann wieder bei uns; alles gut, das waren Anhänger der Shan-Armee, Kämpfer einer der ethnischen Gruppen Myanmar’s, die mit der Regierung zusammenarbeiten. Sein Rucksack wurde auf Opium, Waffen und Anzeichen für eine Zugehörigkeit zur Palaung-Armee kontrolliert und ihm wurden Fragen zu unserer Trekking-Route gestellt.

Schon bald passieren wir dann auch im Shan-State die üblichen kleinen Dörfer und die Kinder kommen uns, wie bereits im Chin State, winkend, bis über beide Ohren strahlend und mit riesigen, freudestrahlenden, braunen Augen entgegengesprungen. Die Wörter, die sie rufen, kann ich dieses Mal aber nicht verstehen, die Sprache hat sich abermals geändert; neue Provinz, neue ethnische Gruppe, neue Sprache. Auf dem Weg über eine weite, grüne Wiese, kurz nach dem ersten Dörfchen, hören wir dann auch schließlich zum ersten Mal das Grollen. Während ich es für einen Donner in der Ferne halte, identifiziert Ludek es als ein unbedeutendes Tiergeräusch in der näheren Umgebung. Arnoon wählt indessen einen Kontakt auf seinem Mobiltelefon und wählt die Nummer…er erkundigt sich, ob unser Nachtquartier sicher ist. Arnoon hat eine Explosion gehört…die Kämpfe finden weiter im Norden statt; das Nachtquartier ist für heute sicher.

…wir folgen dem Pfad aus dem zweiten Dörfchen heraus und schon bald erkennen wir überall um uns herum Tee-Bäume, durch deren Mitte uns unser Pfad führt. Hier in der Region nordöstlich Mandalays leben viele Tee-Farmerfamilien. Aus den Teeplantagen heraus, geht es schließlich steiler bergauf und wir folgen alten Trampelpfaden, welche durch freilebende Rinder erschaffen wurden. Es ist inzwischen Nachmittag, die Sonne steht hoch am Himmel und strahlt warm herab. Die Luft ist erfüllt von allerlei Gerüchen, welche von Gräsern und Blumen stammen, Vögel zwitschern ihr Lied. Wir hiken durch alte Wälder, die mich bereits deutlich an Urwald erinnern und haben eine herrliche Aussicht, auf die Berge ringsherum. Eine wundervolle Gegend! …Donner.

Gegen 16.30Uhr erreichen wir schließlich unser Quartier für die Nacht. Ein Farmhaus am Rande eines kleinen Dörfchens, dessen Vorhof uns einen phantastischen Blick auf das Tal und die dahinter liegende Bergkette beschert. Der kleine Vorhof ist zum Weg, über den wir ins Dorf gekommen sind, etwa drei Meter nach unten versetzt und strahlt ein heimeliges Gefühl aus. Hühner mit kleinen Küken bicken im Hof umher, zwei Kätzchen hetzen spielerisch hintereinander her, ein kleiner pelziger Hundewelpe rennt uns schwanzwedelnd entgegen und…ein etwa 12-jähriger Junge reitet uns auf einem Buffalo grinsend entgegen. Das Haus selbst ist wie üblich auf Stelzen, aus Holz erbaut und die Schlafräume befinden sich im ersten Stock. Um die Stelzen wurden hier aus Bambusfasern Wände geflochten, die so nun einen großen Stauraum im Erdgeschoss für Lebensmittel schaffen.

Feierabend. Ab jetzt wirds gemütlich. Nachdem wir unser weniges Gepäck auf unser Zimmer gebracht und uns flüchtig etwas frisch gemacht haben (Duschen gibt’s hier wieder nicht mehr), setzen wir uns in den Vorhof auf zwei Stühle. Arnoon hat ein Lagerfeuer entzündet, von der Küche werden uns ein paar köstlich-süße Bananen sowie aufgebrühter Grüntee aus eigenem Anbau gebracht. Wir genießen die herrliche Aussicht auf die grüne Berglandschaft ringsherum, die sich auf der anderen Seite des Tals in das rot markierte Nord-Myanmar erstreckt. Atemberaubend präsentiert sich vor uns die Natur und darüber der blaue Himmel, während wir vertraute Vogelgesänge und das Summen unterschiedlicher Insekten vernehmen können. Ein magisches Fleckchen, an dem es sich definitiv aushalten lässt.

Was das Grollen in der Ferne betrifft, so haben wir über den Nachmittag verteilt insgesamt vier bis fünf Explosionen wahrgenommen. Kontakte zur Palaung-Armee oder anderen Rebellentruppen gab es aber keine mehr.

Hier hörte ich „den Donner“ zum ersten Mal…

Unser Dörfchen für die erste Nacht.
Unser Quartier für die erste Nacht.
…und unser Empfangskomitee.

Da hat er sich ein eigenst mit der Steinschleuder erlegtes Eichhörnchen gebraten…der kleine Spitzbub.

Myanmar, Trekking im Chin State, Mount Victoria

Die Nacht war kalt und der Morgen beginnt früh. Bereits ab 03.45Uhr hört man die ersten Hähne durchs Tal krähen und ab 06.00Uhr vernehme ich schließlich auch Kinderstimmen aus dem Zimmer nebenan. Die Wände sind hier dünn, nicht völlig dicht und nach oben in Richtung Dach nicht geschlossen. Ich kuschel mich nochmal in meine zwei dicken Decken, die mir zum Schlafen überlassen wurden und versuche etwas vor mich hinzudösen, bis dann gegen 06.30Uhr nebenan schließlich die Feuerstelle entzündet wird. Schwarzer Rauch zieht wie bereits am Vorabend durch die löchrigen Holzwände in unser Zimmer herein und die Luft über uns verdunkelt sich. Ich schlage meine Decken zur Seite, stehe auf und öffne die Fenster. Während es drinnen inklusive meiner eigenen Person nach Lagerfeuer riecht, strömt mir von draußen kalte, klare Luft entgegen. Das Morgengrauen beginnt gerade. Auch Ludek ist inzwischen aufgewacht und zieht sich schnell etwas über, während Nonie neben unseren Plätzen dank Ohrstöpseln und Schlafmaske, von der aus uns Bärenaugen anäugeln, seelig schläft. Ludek und ich gehen nach draußen und zu einem etwa 150 Meter entfernten Bach, um uns die Müdigkeit aus den Augen zu waschen. Die ersten Leute sind bereits unterwegs und begrüßen uns am vorbeilaufen freudestrahlend, das Pfeifchen im Mundwinkel, mit dem für die Region typischen “Ne-gei-do”. Zurück an unserem Haus erwarten uns die beiden Jungs des Hauses und schauen uns wie am Vorabend neugierig aber schweigend entgegen. Dass wir anders aussehen, kommt mir spätestens ins Gedächtnis zurück, als die drei kleinen Hunde vor dem Haus bei unserem Anblick prompt das Spielen aufhören und den Kopf zur Seite schlagen, bevor sie dann aber doch Schwanzwedelnd auf uns zuspringen, um sich auf unsere Schnürsenkel zu stürzen. Also doch nicht so anders…

Nach dem Frühstück machen wir uns zunächst auf den Weg zu den Motorrädern. Wir haben einen langen Weg vor uns; wir wollen auf den Mount Victoria, den mit 3.053 Metern zweithöchsten Berg Myanmars. Nach einem kurzen Ritt durch das Dorf Kyrado kommen wir vor einer Hängebrücke leider direkt wieder zum stehen; zu steil und zu eng ist der Pfad auf der anderen Seite der Brücke den Berg hinauf, um ihn zu zweit auf dem Motorrad zu erklimmen. Ludek, Nonie und ich schnappen also unser Zeug und laufen los. Der Pfad führt uns weiter und weiter den Berg hoch, freundlich gestimmte Bauern kommen uns grinsend entgegen und die Sonne steigt höher und höher gen Himmel und taucht die andere Seite des Tals weiter und weiter in ihr wärmendes Licht. Die Aussicht ist erstaunlich und überall duftet es nach frischen und von der Nacht noch leicht feuchten Kräutern und Gräsern. Ein neuer wundervoller Tag startet hier im Chin State.

Nach etwa 30 Minuten werden die Pfade schließlich wieder besser und wir können unseren Weg auf den Motorrädern fortsetzen. Der Ausgangspunkt zum Gipfel des Mount Victoria liegt etwa 30 Kilometer entfernt, trotzdem ist aufgrund der steilen und lediglich provisorischen Straßen mit einer Fahrzeit von etwas um 2 Stunden zu rechnen. Unsere Route führt uns zunächst weiter den Berg hinauf, auf der anderen Seite wieder etwas runter, nördlich um den Berg herum und erneut bergauf. Überall, wo wir Dörfer passieren, kommen die Kinder zur Straße gelaufen und rufen winkend “hello, hello”, während dieses Mal vor allem auch die Mädchen interessiert und schüchtern zugleich den Blickkontakt zu mir suchen…

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt zum Mount Victoria und werden zunächst Zielscheibe von einheimischen Touristen. Drei Mönche sind die ersten, die kommen und grinsend um ein Foto bitten, bevor andere Wander-Touristen hinterhereilen, um ebenfalls ein Erinnerungsfoto mit den Komischen zu ergattern. In diesem Land laufen die Dinge definitiv noch anders als in allen Ländern, in denen ich zuvor war…

Naing Awm gibt schließlich den Befehl zum Abmarsch; wir müssen los. Wir schnappen uns unsere Sachen und gehen abseits der Straße durch einen unscheinbaren Pfad durchs Gestrüpp nach oben. Bereits fünf Minuten später verändert sich die Landschaft dann aber und uns eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf das Gebiet und die Berge um uns herum. Vor uns liegt klar der Pfad, der über freie Grasflächen hinweg führt und um uns herum blüht, mit roten Blüten versehen, Rhododendron, während die Sonne auf knapp 3.053 Metern warm auf uns herab scheint. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir schließlich den Gipfel des zweithöchsten Berges Myanmars. Es ist etwas kühler hier oben und auf 3.053 Metern weht durchaus auch ein frisches Lüftchen. Am höchsten Punkt des Mount Victoria erwartet uns, sitzend, Buddha in Gestalt einer großen Steinfigur und schaut zufrieden auf uns herab. Well done!

Nach einem ausgedehnten, leicht verspäteten Mittagessen und einem dafür recht zügigen Abstieg sind wir, stolz über unsere erbrachte Leistung, kurz nach 15.00 Uhr am Ausgangspunkt zurück. Nach einem kurzer 3in1-Instant-Kaffee am Kiosk, um unseren Erfolg zu feiern, klettern wir zurück auf die Rücksitze unserer Motorräder und unsere Fahrer drehen die Gashähne auf; der Tag neigt sich langsam Richtung Abend zu und es ist ein langer Heimweg. Während die Ziffern meiner Digitaluhr auf dem Handy nach oben zählen, geht die Strahlkraft der Sonne nach unten und wie wir schließlich auf die östliche Seite der Bergkette, auf die Schattenseite, wechseln, wird es kalt. Ich spüre schnell, wie die Kälte in mich hineinkriecht. Ich beginne mich auf dem Rücksitz hinter Naing Awm zusammenzukauern, während mir der eisige Fahrtwind ins Gesicht peitscht. Meine Muskeln beginnen sich zu verkrampfen und ich verliere den Blick für die wunderschöne Landschaft um mich herum. Ich wünsche mir sehnlichst unsere Ankunft herbei. Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir dann um eine weitere Kurve herum und endlich ist sie zu sehen…im Licht der untergehenden Sonne funkelnd, hoch oben auf einem Berg…die Stadt Mindat. In mir keimt neue Hoffnung auf, ich atme tief die kühle Luft ein, strecke meine Wirbelsäule durch und setze mich aufrecht. Ich versuche mich auf meinen Fahrer zu konzentrieren und mich an seine Bewegungen anzupassen. Links am Schlagloch vorbei. Rechts um einen großen Stein herum. Rechts um ein weiteres Schlagloch herum. Linkskurve.

Die Sonne beginnt bereits unterzugehen, als wir schließlich nach 3 ½ stündiger Fahrt die letzten Serpentinen Richtung Mindat hinter uns zurücklassen, den Rand der kleinen Stadt passieren und vor unserem “Victoria Guesthouse” zum Stillstand kommen. Ich steige wankend vom Motorrad ab und strecke mich kräftig in alle Richtungen. Was für ein Trek!

Guten Morgen, Kyrado.
Da ist das doofe Federvieh!
So sehen hier die Küchen aus…
Könnt ihr den Übergang in die nächste Höhenzone sehen?
Mount Victoria…
Mount Victoria…
MOUNT VICTORIA. 3.053 Meter über Meeresspiegel.
Hier die Aussicht vom höchsten Punkt…
…und das bin ich, wie ich die Sicht versperre 😛
Ich; keine Ahnung, vermutlich ein Cowboy; Mönch; Mönch; Mönch; Ludek; Peace-Frau…
Die Serpentinen um Mindat.
93 Jahre alt und in Myanmar eine kleine Berühmtheit, weil sie durch ihre Nase Flöte spielt.

Myanmar, Trekking im Chin State, Mindat

Guten Morgen, Mindat. Es ist 08.30Uhr und Ludek, Nonie und ich stehen vor dem Victoria Guesthouse. Nonie lebt in Melbourne und ist gestern morgen vor dem Ostello Bello-Hostel in Bagan zu uns gestoßen, als wir auf unseren Fahrer nach Pakokku gewartet haben, von wo aus dann der Bus nach Mindat losfuhr. Gleich wie wir ist Sie alleine unterwegs und hat Lust, den Chin-Staat bei einem Trek etwas besser kennenzulernen…willkommen in der Gang.

《Klammer auf》 Nachdem wir gestern Nachmittag in Mindat angekommen sind, mussten wir feststellen, dass die Gerüchte wahr sind. Nachdem bereits in unserem Mini-Van, mit dem wir angekommen waren, keine weiteren westlichen Menschen mitgefahren sind, ist auch hier in Mindat keine wirkliche Spur von Tourismus zu sehen. Ebenso gibt es kein Internet, in unserem Guesthouse kann man die Dusche nur auf kälter stellen und Geldautomaten können wir auch keine finden. Letzteres wurde uns dann später am Abend schließlich zum Verhängnis, als wir mit unserem Guide die Bestandteile der Tour zusammengesteckt hatten. Als das Programm soweit stand und es ans bezahlen ging, fiel uns dreien prompt auf, dass keiner von uns ausreichend liquide war. Der nächste ATM steht laut unserem Guide im sechs Stunden entfernten Pakokku und ein Bankkonto zu besitzen ist in dieser Umgebung nicht üblich. Wir freuen uns jetzt auf einen 2 Tages-Trek, in dem wir dank unserem Guide aber trotzdem auf nichts verzichten müssen, was uns wichtig war. 《Klammer zu》

Naing Awm, unser Guide, kommt mit zwei seiner Freunde auf Motorrädern, um uns abzuholen. Ich schwing mich bei unserem Guide auf den Rücksitz, Helme gibt es hier nicht. Nach kurzen Zwischenstopps, bei denen zunächst die Motorräder und dann unsere Rucksäcke mit Flüssigkeit aufgefüllt werden, rollen wir vom in etwa 1.500 Höhenmeter gelegenen Mindat über provisorische Straßen aus platt gestampftem Staub in Richtung Tal. Runde um Runde windet sich die Serpentine am Hang entlang nach unten, bis wir schließlich einen Fluß erreichen, an dem wir die Motorräder und auch die beiden Freunde von Naing Awm hinter uns lassen und zu Fuß weitergehen. Zu Fuß weiter, über eine schmale Hängebrücke aus Holz, auf der anderen Seite wieder den Berg hoch. Naing Awm erzählt uns, dass durch die Regenzeit von Juli bis Oktober die Straßen hier durch Erdrutsche vollkommen zerstört werden und so jedes Jahr aufs Neue große Firmen aus Mandalay anrücken, um neue Straßen in den Hang zu graben. Ein lohnendes Geschäft.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir das erste Dörfchen, dass sich auf der Spitze des erklommenen Berges befindet. Pukun. Allzu viele Touristen dürften sich hier nicht her verirren; die Dorfbewohner inspizieren uns erstaunt aber freundlich lächelnd und die Kinder schlawinern ginant um uns herum. Unser Guide erzählt uns von zwei unterschiedlichen Glaubensrichtungen in der Region, wonach die Menschen dem alten Glauben nach den Geistern von Kühen huldigen, die sie einst besaßen und dann geschlachtet haben. Die Schädel der Kühe werden zum Gedenken (und aufgrund des hohen Anschaffungspreises für eine Kuh auch ein wenig als Statussymbol) an den Hauswänden der jeweiligen Besitzer angebracht. Der neue Glaube ist der Christliche. Und wie uns unser Guide davon berichtet hat, kommt auch prompt schon der christliche Pastor des Dorfes angeeilt und lädt uns in sein Haus ein, um den großen Kürbis zu betrachten, der in seinem Garten gewachsen ist…

Unser Weg führt uns weiter über kleinere Sträßchen und Pfade, durch herrliche Waldlandschaften, immer den Blick auf die Berge ringsherum gerichtet. Gegen 14.00Uhr erreichen wir dann irgendwann das zweite, etwas größere Dorf, wo eine leckere Kohl-Suppe und gebratener “Ich will da rein liegen”-Gemüsereis mit Ei auf uns warten. Madat. Uns fallen überall die älteren Frauen mit tätowierten Gesichtern auf und Naing Awm erzählt uns, dass die Frauen sich in der Vergangenheit tätowiert haben, um hässlich zu sein. Hässlich sein zum Schutz, um nicht vom König an seinen Hof ausgewählt zu werden und später dann zum Schutz vor Übergriffen durch die Soldaten der birmanischen Armee.

Für den späten Nachmittag sind wir in ein weiteres Dorf unweit unseres Nachtquartiers eingeladen worden, um dort einem lokalen Tanz beizuwohnen. Die Dorfbewohner feiern dort die Rückkehr verschiedener Familienmitglieder, die zuletzt auf den Farmen im Hochland verbracht haben und nun ins Heimatdorf zurückkehren. Zusätzlich werden drei Gäste aus Europa erwartet, die vor 13 Jahren bereits einmal im Namen einer NGO das Dorf besucht haben und bis heute mit den Bewohnern in Kontakt stehen. Wir sind nach dem hervorragenden Mittagessen und einigen Fotos sowie Gesprächen mit dem Dorf-Pastor, der uns im Namen Gottes in Madat willkommen geheißen hat, spät dran und unser Guide führt uns prompt querfeldein. “The most dangerous animals in this area are tigers and a very poisonously and aggressive short, black snake. But the tigers are living more in the deeper jungle”. “Ähm, und die sch**ß Schlange?”. Wir stolpern auf einem schmalen Trampelpfad einen erneuten Berg hinunter, durch hohes Savannengras, über loses Geröll, unter Bananenstauden hindurch und an irgendwelchen Kletten vorbei, die sich überall an uns festklammern. Als wir das Dorf erreichen, werden wir mit einem lauten Schuss aus einem alten Jagdgewehr und traditioneller Musik begrüßt. Der Eingang zum Dorf ist mit roten Bändern und Fahnen geschmückt und Frauen mit tätowierten Gesichtern, die hier im Chin-Staat im übrigen auch überall Pfeife rauchen, reichen uns strahlend in ausgekochten Kuhhörnern selbstgemachten Wein. Wir sind durch die genommene Abkürzung prompt die ersten Ankömmlinge im Dorf und da die Ehrengäste erst in etwa 45 Minuten erwartet werden, entscheiden wir uns spontan zu einem kleinen Spaziergang durch das Dorf Lote Pei…

…und finden uns prompt auf einem Fussballfeld oder vielmehr in einer kleinen Arena wieder. Der Platz, auf dem wir stehen, ist von Hügeln umgeben, an denen sich die Hütten Lote Pei’s nach oben ziehen. Etwa fünfzehn Jungs zwischen 6 und 12 Jahren stehen uns gegenüber, alle sind sie in Fussballtrikots verschiedener, internationaler Vereine gekleidet und jeder Einzelne grinst voller aufgeregter Vorfreude, als wir unsere Rucksäcke von den Schultern nehmen. Der Ball liegt auf dem Feld. Mit einem lauten Schrei startet das Match und zunächst herrscht einfach nur wildes Gewusel, bis jeder seine passende Position findet. Nach wenigen Minuten hochstrategischem Hin- und Hergekicke kommt prompt einer von Ludek’s Pässen genau auf meinem Größe 48-Fuß an und ich verwandle das Ding in CR7-Manier zum 0:1. Führung. Die Lote Pei-Allstars erhöhen als Antwort darauf nun das Tempo und drängen uns in unsere Spielfeldhälfte zurück. Getrieben vom Siegeswunsch starten sie einen Angriff nach dem anderen und ich habe Mühe damit, auf keinen der Knirpse draufzutreten. Der Heimvorteil beschert schließlich den Ausgleich. 1:1. In einer guten Geschichte würde nun das Dramatik-Level steigen. Der Himmel würde sich verdunkeln und Blitze spucken. Der Boden würde aufbrechen und Lemminge zum Vorschein bringen. Riesige Tiger und kurze, schwarze Giftschlangen würden aus dem Dschungel auf den Platz treten und sich vor uns verbeugen, bevor sie sich ihre Trikots überwerfen und sich, zum Angriff bereit, auf unsere Seite des Spielfelds stellen würden. Hätten wir einen Trainer oder Captain im Team, würde dieser eine heroische Rede halten. Hätten wir Fans, würden ihre rauen Sprechchöre unter donnernden Paukenschlägen, wehenden Fahnen und lauten Hände-Klatsch-Choreos übers Feld hallen (“we are blue – we are white”, Namenskollege!). Nichts des gleichen passiert; wir kriegen ne Packung. 2:1. Es geht weiter. Wir versuchen mit aller Kraft, der geballten Kraft der dunklen Seite der Macht etwas entgegenzusetzen und wie durch ein Wunder gelingt es unserem Guide, einen Pass auf Nonie zu schieben, die zwar definitiv im Abseits steht (sie ist die einzige Person in der gegnerischen Spielhälfte), das Ei aber klaaar zum Ausgleich versenkt. Wir sind größer, wir haben Bartwuchs, 2:2! Trotz zweier Überläufer, die uns ab sofort den Kasten sauber halten, gelingt es uns nicht noch einmal, den Ball nach vorne zu spielen und mit der Schlussphase verlässt uns schließlich die Konzentration. Die Profis von Lote Pei starten einen neuen Angriff…der Junge im Trikot der argentinischen Nationalmannschaft spielt quer…uuund…klar, der Torschütze trägt das weiße Real Madrid-Shirt. 3:2. Unfaire Fauler! Wie auch immer: Vom Jungen im Dortmund-Trikot hatte ich mir etwas mehr erhofft, Domi!

Wir kommen genau zur rechten Zeit zurück zur Festgesellschaft und wie wir eintreffen sehen wir die Neuankömmlinge durchs Tor schreiten. Der Tanz beginnt und alle schauen gespannt zu den Akteuren. Der Tanz beinhaltet vier Teile und erzählt die Geschichte des alten Glaubens, wonach der Geist der Kuh die Dorfbewohner beschützt und bei der Nahrungsbeschaffung unterstützt. Der Tanz endet mit einem kräftigen Applaus (den wir beim Fussballspiel vermisst haben).

Etwa 20 Minuten später erreichen wir das Dörfchen Kyrado und werden herzlich von der Familie, bei der wir die Nacht über untergebracht sind, begrüßt. Naja gut, die beiden Jungs im Alter von etwa 6 und 10 betrachten uns erstmal schüchtern aus sicherer Entfernung. Das Stelzenhaus, das vollständig aus Holz erbaut ist, hat drei große Räume, wovon im Rechten die Küche untergebracht ist und der Linke der Familie als Schlafplatz dient. Der mittlere Raum dient als Lagerraum und Gästezimmer. Als wir eintreten, sehen wir direkt unsere Schlafplätze; jemand hat liebevoll drei dünne Matratzen auf dem Boden ausgelegt, gegen die Kälte von unten zusätzlich über jede Matratze einen Teppich ausgebreitet und für jeden von uns zwei dicke Decken zum Zudecken bereitgelegt; wir befinden uns auf etwa 2.500 Höhenmetern, da wird es zu dieser Jahreszeit nachts auch in Myanmar empfindlich kalt.

Ludek, Nonie und ich entscheiden uns vor dem Abendessen und dem zu Bett gehen noch eine kleine Runde durch das Dorf zu drehen und bekommen hierfür von unserem Guide das Wörtchen Hallo in Chin State-Sprache mit auf den Weg. “Ne-gei-do”. Dass Neuankömmlinge im Dorf sind, die ganz anders aussehen und die riesig sind, spricht sich schnell herum und wie wir so den Hauptpfad entlangschlendern, strecken überall die Kinder und auch Frauen und Männer die Köpfe aus den Fenstern heraus. Die Kinder rufen “Hello hello”, “ne-gei-do” und “dada”, was soviel wie byebye heißt. Sie winken uns zu und strahlen mit funkelnden Augen. Die meisten zumindest. Als wir zu ein paar Kindern näher herantreten, fangen die Kleinsten aufgrund unserer Größe, der weißen Haut sowie dem strohblonden Haar von Nonie und den dunklen Bärten von Ludek und mir zu weinen an. Das wollten wir nicht. Schnell weiter…

Let’s go…übern Fluß, ge Mellau!
Alter Glaube…
…und neuer Glaube.
Über Stock und Stein, dann prompt querfeldein.
Alle tätowiert…
Alle am Pfeifle rauchen…

Das Match der Giganten…
Der Tanz…
Unser Schlafplatz…
Gute Nacht!

Myanmar, Bagan, Part2

…09.00Uhr. Ich starte den Motor meines gemieteten E-Bikes und mache mich gemeinsam mit Shelby und Maja, die bereits von Mandalay aus mit uns zusammen über den Irrawaddy-Fluss nach Bagan aufgebrochen ist, auf den Weg nach Old Bagan. Ich möchte unbedingt mehr von der wundervollen Umgebung Bagan’s erkunden.

Auch entlang der Hauptstraße zum früheren Bagan finden sich viele verschiedene Pagoden und Stupas, um die sich herum verschiedene Straßenhändler und Souvenirverkäufer versammelt haben, um möglichst mit einem von uns Touristen das große Geschäft zu machen. Die Menschen in Myanmar sprechen ein erstaunlich gutes Englisch und wo immer schließlich auch wir an den zahlreichen religiösen Stätten halten, kommen freundliche Gespräche zustande, die stets von viel Lachen begleitet werden. Myanmar ist besonders.

Gegen 11.30Uhr trenne ich mich schließlich von den beiden Mädels, um das Areal in Flußnähe noch für mich alleine etwas zu genießen, bevor ich mich auf 14.00Uhr mit Ludek treffe, um nochmal im Detail über die Reise in den Westen Myanmar’s zu sprechen. Eigentlich habe ich mich ja bereits entschieden.

Ich alter Abenteurer…

Für dieses Bild kniete ich knapp 10 Minuten regungslos auf dem Boden und wartete geduldig, bis der gnädige Flattermann die Güte besaß…
Die Welt ist groß…
…und die See ist rau.

Myanmar, Bagan

Ich bin nun den zweiten Tag in Bagan. Gestern habe ich mir gemeinsam mit Shelby einen Überblick über die kleine Stadt “New Bagan” verschafft, war lecker essen und schaute mir nachmittags mit einem gemieteten E-Bike einen ersten Teil der Tempellandschaft rund um Bagan an. Für heute habe ich mich zu einer Tempeltour angemeldet, die von meinem Hostel angeboten wird und durch die ich mir nun weitere, fundiertere Informationen und Eindrücke über die Gegend erhoffe.

Mein Tag beginnt sehr früh. Shelby und ich haben gestern während unserer Entdeckungstour etwas Abseits der üblichen Wege einen coolen Tempel gefunden, zu dessen Spitze man steigen kann und von dort aus den Sonnenuntergang angesehen. Nach diesem Spektakel haben wir dann direkt vereinbart, dass wir heute vom Nachbartempel aus den Sonnenaufgang verfolgen wollen. Wir treffen uns um 05.45Uhr im Erdgeschoss an der Rezeption und machen uns nach einem schnellen Kaffee auf zum E-Bike-Verkaufsshop des Vortages, um dort erneut einen fahrbaren Untersatz für den Tag zu mieten. Ein Gesetz in Myanmar verbietet regionenbezogen das Fahren sowie auch bereits das Vermieten von Motorrädern und Scootern an Ausländer, in Bagan sind jedoch Elektroroller erlaubt und überall erhältlich. Ich finde das großartig!

Es ist noch dunkel, als wir am Tempel ankommen und durch einen schmalen, unscheinbaren Seitengang die Treppen nach oben ertasten. Oben angekommen, beginnt sich der Himmel nach kurzer Zeit dann schließlich von schwarz zu grau und grau zu blau zu färben. Uns eröffnet sich die gleiche atemberaubende Aussicht wie am Vortag. Weite Flächen mit sandigem Grund, niedrigem Buschwerk und den Tempeln, die überall elegant und mystisch zugleich aus dem Boden ragen. Die Nächte in Myanmar sind recht kalt und zwischen den Büschen und kleineren Bäumen hängen die Nebelschwaden. Nach und nach lichtet sich der Nebel und gibt unserem Sichtfeld weitere Tempel frei. Und wie sich der Himmel langsam rosa färbt, steigen wenige hundert Meter weiter nördlich die Ballons auf… Die Tempellandschaft von Bagan zum Sonnenaufgang aus einem Heißluftballon heraus zu bestaunen, ist sehr gefragt und teuer zugleich. Der stolze Preis für eine etwa 60 minütige Fahrt liegt bei grob 430,- US-Dollar. Und die Anbieter sind Tage im Voraus ausgebucht! …die Ballons steigen höher und höher in Richtung Firmament hinauf und mit ihnen die Sonne. Was zunächst nach einem Flop aussieht, entpuppt sich als wahres Wunder. Die Sonne steigt ohne große Vorankündigung in Form von Morgenrot oder Sonnenstrahlen aus den dichten Nebelschwaden am Horizont empor. Rund und leuchtend rot wie ein Feuerball. Schlagartig erhellt sich die Landschaft um uns herum und was wenige Minuten zuvor noch grau schien, färbt sich jetzt in sattes grün. Es ist kalt. Und es ist still. Und wie die Ballons näherkommen, ist das einzige Geräusch, dass zu vernehmen ist, das gelegentliche Rauschen der Gasbrenner, die die Luft im Inneren der Ballons erhitzen, um höher hinauf zu steigen.

Um 7.45Uhr bin ich schließlich am Hostel zurück und nach einem kurzen Frühstück finde ich mich auf 08.30Uhr mit meinem E-Bike vor dem Hostel ein, von wo aus die mittels Tourguide geführte Besichtigungstour startet. Wir sind insgesamt 24 Personen, was normalerweise deutlich zu viel für meinen Geschmack ist. Hier sind jedoch die meisten Teilnehmer Alleinreisende und ich lerne bereits auf der 10 minütigen Fahrt zur ersten Pagoda Leute aus Israel, Vietnam, der Schweiz und den Niederlanden kennen, was wirklich witzig ist. Nach und nach werden es dann mehr; nochmal Israel, Thailand, Japan, Indien, China, Brasilien, tschechische Republik….die ganze Welt scheint vertreten zu sein und unser birmanischer Tourguide sorgt mit unglaublichem Wissensschatz dafür, dass uns nicht langweilig wird.

Nachdem wir Dhammayazaka, die einzige Pagoda in ganz Bagan mit fünf Eingängen, verlassen, führt uns unser Weg in ein kleines Dorf weiter, in dem allerlei einheimische Handwerkskunst zu bestaunen ist. Die Leute sind nett hier und bieten uns allerlei Waren zu einem “good price” an. Während sich die anderen Tourteilnehmer die Kunstwerke anschauen oder sich in Verkaufsverhandlung begeben, komme ich mit Ludek aus Tschechien ins Gespräch. Ludek ist etwas älter als ich, alleine reisend und sucht einen Travel Buddy für einen Trek weiter im Westen. Er möchte mit dem Bus in das sieben Stunden entfernte Mindat fahren und dort einen Local Guide anheuern, der ihn von Mindat aus in einem 3 Tage-Trek auf den zweithöchsten Berg Myanmars, auf den Mount Victoria, führt. Mindat liegt im westlich von Bagan gelegenen Chin-Staat, dem ärmsten Staat Myanmars, der erst seit drei Jahren überhaupt für den Tourismus geöffnet ist und nördlich der Rakhine-Provinz liegt, in der seit Monaten ein Glaubenskrieg in der Bevölkerung herrscht. Warmwasser, Internet und auch Touristen findet man in Mindat und Mindat’s Umgebung nur sehr selten; die Vorstellung gefällt mir gut. Da ich ohnehin keinen wirklichen Plan für die Zeit nach Bagan habe, verabrede ich mich mit Ludek auf den nächsten Tag, um weitere Informationen zu seiner Idee, dem Chin-Staat und nicht zuletzt auch über Ludek selbst zu erhalten.

Unsere Bagan-Tour führt uns bis in den Nachmittag hinein zu verschiedenen Tempeln der insgesamt über 2.000 Monumente…Bagan ist beeindruckend.

Bin unheimlich stolz auf dieses Bild!

Die Zeichnungen an der Wand sind aus dem 11. Jahrhundert!

…auch hier: 1.000 Jahren alt!
DAS ist Bagan!

Myanmar, Auf dem Irrawaddy River weiter gen Westen

Myanmar. Oder wie von vielen bis heute genannt: Birma. Nachdem ich gestern Abend mit dem Flugzeug aus Chiang Mai in Mandalay gelandet bin, geht es heute direkt weiter in das weiter westlich gelegene Bagan. Shelby, die seit Sukhothai regelmässig meinen Weg kreuzt, ist auch hier in Mandalay und wir haben beschlossen, gemeinsam loszuziehen, um die berühmten Tempel von Bagan zu entdecken. Es gibt einen herrlichen Tagestrip per Boot auf dem Irrawaddy River von Mandalay Richtung Westen und als echte Abenteurer lassen wir uns diese Alternative zum üblichen Langstreckenbus natürlich nicht entgehen. Als ich gestern Abend, gegen 10:30pm, nach einem langen Tag in meinem Hostel eingecheckt und mich ins WLan einwählt habe, war ich über Shelby’s Nachricht vielleicht nicht ganz so erfreut, in der sie mir mitteilte, dass wir uns am nächsten Morgen bereits um 06.30Uhr am Hafen einzufinden haben…aber gut.

Mein Wecker geht um 05.40Uhr runter und nach einem kurzen Sprung ins Bad plus einem Early-Checkout, sitze ich um kurz nach 6 zusammen mit dem Kerl von der Nachtschicht auf dessen Roller, mit dem er mich freundlicherweise zum Hafen chauffiert. Es ist kalt. Und es ist noch dunkel. Trotzdem sind die ersten Leute bereits auf den Straßen und überall in der Stadt kreuzen die Mönche in den für Myanmar so typischen bordeauxroten Mönchsroben unseren Weg. Sie sind schon seit etwa 4:00am auf den Beinen, haben bereits die erste Meditation beendet und gehen nun, wie jeden Morgen, von Haus zu Haus, um Essensspenden entgegenzunehmen. Obwohl mir der eisige Fahrtwind ins Gesicht bläst, genieße ich die Fahrt. Ein magischer Moment.

Um 6.20Uhr treffe ich (erneut etwas verfrüht, MT!) am Hafen ein, bezahle meinen Fahrer und höre nach kurzem Warten die vertraute Stimme von Shelby hinter mir. Hello again. Shelby führt mich zum Fluß hinunter und über mehrere Schiffe hinweg auf unser Boot. Boot ist dabei nicht wirklich passend, hat es doch einen großen Laderaum und Sitzplätze für etwa zwanzig Passagiere unter Deck sowie weitere zwanzig bis dreißig Plätze, ein Sonnendeck, zwei Toiletten, eine kleine Bar und die Fahrerkabine auf dem Deck. Shelby hat bereits einen Platz auf dem Oberdeck für mich reserviert und so vertraue ich meinen Backpack der Schiffscrew an und mach es mir mit meiner Hello Kitty-Decke, die mir durch ein Mitglied der Besatzung gereicht wird, auf meinem Sitzplatz gemütlich.

Während die Sonne langsam hinter dem Horizont hervorkommt, stechen wir in Mandalay mit vollbesetztem Boot in See bzw. in den River. Unsere Fahrt wird in etwa 8 Stunden betragen…viel Zeit, um die letzten Wochen in Thailand gedanklich weiter zu verarbeiten, die Flusslandschaft des neuen Landes zu genießen und den letzten Abenteuern von Shelby zu lauschen.