Italien, Rom, Der Vatikan

Der Wecker klingelt früh und bereits um kurz nach 8 warte ich am Bahnhof Roma Trastevere auf meinen Zug, der mich wieder an den Vatikan bringen wird. Heute verwehrt mir niemand den Zugang und so trete ich kurz vor 9.00Uhr schließlich unter der linken Kolonnade hindurch auf den heiligen Petersplatz. Es ist bereits jetzt zu warm für lange Hosen. Obwohl ich mir den Platz vor dem Petersdom größer vorgestellt habe, überwältigen mich umgehend die hohen Säulen, die den Platz umgeben und die riesigen Heiligenstatuen aus weißem Travertinstein, die von oberhalb der Säulen auf mich herunterzuschauen scheinen. Noch ist wenig los und so gibt das Plätschern der beiden großen Brunnen auf der Piazza San Pietro den Ton an. Ich laufe staunend zur Eingangspforte des Petersdom hinauf und trete durch die hohen Bronzetüren aus dem fünfzehnten Jahrhundert in eine andere Welt. Das Innere der größten Kirche der Christenheit ist gigantisch. Die Decke ist 45 Meter hoch und wird von gewaltigen Säulen gestützt. Riesige Statuen aus Stein, Marmor und Gold schauen auf den über 150 Metern vor bis zum Altar auf mich herunter. Ich staune mit offenem Mund und bin überfordert. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich alles gesehen habe und ich friedliche Entspannung in mir verspüre. Ich schreite ich Richtung Kuppelaufgang und nehme die 551 Stufen in Angriff, die mich in die Laterne auf dem Kuppeldach führen werden.

Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, mache ich mich auf zu einem großen Tor links des Petersplatzes. Vor dem Eingang zum Petersdom befindet sich zwischenzeitlich eine Schlange von mehreren hundert Menschen, die allesamt das Innere des gewaltigen Gotteshauses bestaunen wollen. Gott sei Dank war ich bereits so früh hier.

Als ich das Tor links des Petersplatzes erreiche, tritt mir ein schweizer Gardist in seiner bunt leuchtenden Uniform entgegen und versperrt mir den Weg. Das Zauberwort lautet in meinem Fall als deutscher Staatsbürger „german cemetery“. Ein deutschsprachiger Mönchsorden betreut in dem kleinsten Staat der Welt seit fünf Jahrhunderten einen kleinen Friedhof, den es deutschen Besuchern erlaubt, etwas weiter in den Vatikan vorzudringen als üblich. Ein Privileg. Der Gardist tritt zur Seite. Der Friedhof liegt innerhalb eines kleinen Hofes, der von einer hohen Steinmauer umgeben ist. Die Sonne strahlt von oben herab und trotzdem ist es unter den hohen Bäumen angenehm kühl. Augenblicklich verstummt der Lärm von draußen und in mir kehrt Ruhe ein.

Auf 12.00Uhr finde ich mich vor dem Eingang zu den vatikanischen Museen ein, die antike Schätze aus aller Herren Länder und unermesslichem Wert beherbergen und an die auch die sixtinische Kapelle mit den weltbekannten Malereien Michelangelos anschließt. Glücklicherweise konnte ich gestern Abend noch im Internet eine Eintrittskarte für heute erwerben, die es mir erlaubt, die Schlange wartender Besucher vor dem Tickethäuschen zu umgehen, die sich unter sengender Mittagshitze weiter als weit entlang der Außenseite der hohen Vatikan-Mauern entlang schlängelt. Mein Besuch in den Museen dauert schließlich den ganzen Nachmittag an und erst mit der Schließung um 18.00Uhr trete ich wieder hinaus auf die offene Straße…und hinein in den Stadtlärm von Rom.

Morgen fliege ich wieder heim…

Auf dem Petersplatz…
Auf dem Petersplatz…
Eingang zum Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Am Petersdom…
Mein Vatikansoutfit.
Das Kuppeldach von Innen.
Die Aussicht von der Kuppel aus.
Die Kuppel des Petersdoms.
Auf dem kleinen Friedhof…
Auf dem kleinen Friedhof…
Auf dem kleinen Friedhof…
Das Gebäude rechts des Friedhofs.
Die Aussicht vom Friedhof.
Die schweizer Garde.
Und dann die Museen:
Die Jesus-Geschichte auf Wandteppichen.
Wandmalerei von Michelangelo.
Wandmalerei von Michelangelo.
Wandmalerei von Michelangelo.
Eines der letzten Bilder von Vincent van Gogh.
Hinter Gittern…
Der Petersdom.
Italien…das Land, in dem man sich abends zum kickern trifft. 😉

Italien, Rom, Das Römische Reich

Rom. Ich wollte schon immer mal hierher in die italienische Hauptstadt und nun endlich ist es soweit. Nachdem ich gestern Abend in meinem Hostel im Stadtteil Trastevere angekommen bin hab ich nicht mehr allzu viel gemacht. Doch warte…ich aß eine erste original italienische Pizza.

Meinen ersten Tag hier in Rom widme ich ganz der Vergangenheit. Schon beim Erreichen der Piazza Venezia im Stadtzentrum, in deren Süden das Kapitol liegt, werde ich von der Pracht alter Gebäude regelrecht übermannt. Die Kirche San Marco. Das Denkmal für Vittorio Emanuele II (auf italienisch: Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II), das vor dem Kapitol liegt. Das Kapitol selbst, das auf dem kleinsten der sieben Hügel Roms erbaut wurde. Die Basilika Santa Maria in Aracoeli, die aus dem sechsten Jahrhundert stammt und der dahinter liegende Kapitolsplatz, die Piazza del Campidoglio, die von Michelangelo neu entworfen wurde und wo heute das römische Rathaus steht. Ich schlendere durch enge Gässchen über uralte Pflastersteine in Richtung Süden und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kleine Balkone und Erker an den Hauswänden, Gebäude verbindende Brückchen, imposante Statuen und Brunnen aus Marmor, alte Straßenlaternen, die das Stadtbild schmücken. Überall laden mich kleine Wasserspender dazu ein, meine Trinkflasche mit erfrischendem Trinkwasser aufzufüllen. Es ist heiß in Rom. Ich strahle von innen heraus, genieße jeden Schritt und weiß nicht, wo ich mein Kameraobjektiv als erstes hinrichten soll.

Ich finde mich schließlich vor dem Eingang zum Palatin wieder und steige den Hügel empor, auf dem einst, bereits im achten Jahrhundert vor Christus, die ersten und später dann zu Zeiten des römischen Reichs die prächtigsten Gebäude Roms standen. Was den Überlieferungen nach einst vor luxuriösen und reich geschmückten Palästen nur so erstrahlte, ist heute lediglich noch zu erahnen, doch selbst die Ruinen wirken mit etwas Fantasie majestätisch. Vom Palatin aus eröffnet sich mir ein atemberaubender Blick auf Rom und das Forum Romanum, wo weit vor unserer Zeit das Herz sowie der geschäftliche und politische Nabel des Römischen Reiches lag. Über breite Treppen aus weißem Marmor steige ich vom Palatin hinunter ins Forum Romanum, um die Ruinen uralter Tempel und Versammlungsorte auf mich wirken zu lassen.

Um 17.00Uhr habe ich ein Rendezvous, auf das ich mich schon seit Tagen freue. Bereits von weitem sehe ich das Kolosseum vor mir und umso näher ich komme, umso beeindruckender wirkt das alte Bauwerk auf mich. Einst fanden sich hier bis zu 50.000 Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten ein, um Kämpfe gegen wilde Tiere aus aller Herren Länder und zwischen den Gladiatoren zu verfolgen. Wie ich das Kolosseum betrete und durch die großen Gänge auf uralten Treppen mit meterhohen Decken aus Travertinstein ins innere der Arena vordringe, kann ich mir vorstellen, wie laut es hier einst vor den Kämpfen war, wenn die Zuschauer zu ihren Rängen drängten. Als ich schließlich am Ende meiner Besichtigungstour den untersten der vier Ring erreiche und auf gleicher Höhe wie einst die Gladiatoren stehe, ergreift mich beim Blick hoch zu den Rängen ein ehrfürchtiges Gefühl. Vor meinem inneren Auge sehe ich tausende von jubelnden Menschen von den Rängen auf mich herabblicken. Zum Glück geht es bei mir jetzt nicht um Leben und Tod. Beeindruckend und erschaudernd zugleich.

Meinen Heimweg nehme ich über das Zentrum von Trastevere…und gönne mir echtes italienisches Eis.

Meine erste Pizza in Rom.
Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II.
Im Inneren der Kirche San Marco.
Im Inneren der Kirche San Marco.
Auf der Piazza del Campidoglio, dem Kapitolsplatz.
Auf dem Weg zum Palatin…
Auf dem Weg zum Palatin…
Auf dem Weg zum Palatin…
Auf dem Weg zum Palatin…
Der Palatin…
Der Blick vom Palatin in Richtung Kapitol.
Der Blick vom Palatin ins Forum Romanum.
Das Forum Romanum.
Das Forum Romanum.
Das Forum Romanum.
Das Forum Romanum.
Das Kolosseum.
Das Kolosseum.
Das Kolosseum.
Das Kolosseum.
Junge Liebe.
Der Tiber mit dem Petersdom am Horizont.
Mein erstes Eis in Rom.

Australien, Sydney, Kunst-Flash

Was ich in Sydney definitiv bin? Aktiv! Innerhalb der ersten drei Tage habe ich vermutlich so viel Sightseeing gemacht wie sonst in einer Woche. Und wieso? Weil es Spaß macht; hier gibt es immer wieder nochmal etwas Neues zu entdecken. Leider ist das Wetter die letzten beiden Tage etwas abgekühlt, aber in der Hauptstadt des Bundesstaates New South Wales gibt es zum Glück auch ein paar Gebäude, die es sich von innen anzuschauen lohnt. Nachdem ich gestern das Australische Museum besucht habe, wage ich mich heute in die Kunstgalerie von New South Wales.

Ich widme diesen beiden Museen einen eigenen Eintrag, weil ich tatsächlich völlig überwältigt bin. Das Australische Museum bietet eine riesen Vielfalt an unterschiedlichsten Themenbereichen. Ein Bereich befasst sich mit den 200 einzigartigsten Artefakten der australischen Historie wie zum Beispiel dem ersten ausgestellten Bankscheck des Kontinents oder dem größten je gefundene Goldnugget mit 72 Kilogramm. Ein Bereich konzentriert sich auf die Tierwelt des Kontinents, einer auf die gefährlichsten Reptilien und Amphibien von Down Under, andere auf zum Beispiel die Entdeckung durch die Engländer um James Cook und selbstverständlich auf die Aborigines-Kultur. Mein Fokus lag vor allem auf der momentanen Australian Geographic-Sonderausstellung mit dem Thema “Naturfotograf des Jahres”. Ich bin immernoch begeistert von all den fotografischen Meisterwerken und platze geradezu vor neuer Inspiration. Von der Sonderausstellung kann ich wohl behaupten, dass sie eins meiner Highlights bei meinem Besuch in der größten Stadt Australiens war.

Was die Kunstgalerie angeht, so war diese definitiv ebenfalls einen Besuch wert. Am besten haben mir hier dann allerdings doch die europäischen Gemälde aus dem 16ten bis 18ten Jahrhundert sowie die zeitgenössische Kunst gefallen.

Der Wunsch, eines Tages das Louvre in Paris zu besuchen ist damit eindeutig weiter gewachsen…

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”.

Australian Geographic-Sonderausstellung;  Thema “Naturfotograf des Jahres”. …das Foto wurde von einem 14-jährigen im Zoo gemacht!

In der Kunstgalerie von New South Wales.

In der Kunstgalerie von New South Wales.

In der Kunstgalerie von New South Wales.

In der Kunstgalerie von New South Wales. …ein Gemälde im Postkartenformat!

In der Kunstgalerie von New South Wales.

Australien, Melbourne

…Melbourne rockt.

Bei meiner ersten Australienreise war ich für knapp zwei Tage in Melbourne und hatte damals einen kurzen Blick ins Stadtzentrum erhascht, was mir gut gefallen hat und wodurch ich hier unbedingt nochmal hin wollte. Mit knapp 5 Tagen hatte ich dieses Mal etwas mehr Zeit für die Stadt im Süden und gleichzeitig immer noch zu wenig.

Melbourne rockt.

How is going, Melbourne?

Hallo Stadt.

St. Patrick’s Cathedral (in der ich einen super Gottesdienst miterleben durfte!).

St. Patrick’s Cathedral in schwarz/weiß.

St. Patrick’s Cathedral.

St. Patrick’s Cathedral von innen.

Streetart in Melbourne.

Streetart in Melbourne.

Die Hosier Lane in Melbourne.

Die Hosier Lane in Melbourne.

Sonnenuntergang am St. Kilda Beach.

Sonnenuntergang am St. Kilda Beach.

Indien, Agra

Leider wird Agra meist auf das Taj Mahal reduziert, obwohl hier so viel mehr zu sehen ist. Unser Overnight-Train nach Varanasi geht erst heute Abend und so machen wir uns auf, eine von Indiens vielen beeindruckenden Baukunstarten zu bestaunen…hier in Agra übrigens einiges mit einem Stempel von Großmogul Shah Jahan, dem einstigen Ehemann von Mumtaz Mahal, versehen.

Das Agra Fort, das Akbar Mausoleum, das Itimad-ud-Daula-Mausoleum, welches auch liebevoll Baby Taj genannt wird, der Mehtab Bagh Garden…ganz arg besonders für mich. Die Bauwerke sind mit etwa 400 Jahren noch sehr jung und der Baustil weitaus ausgereifter als Baustile anderer Bauwerke, die ich bisher so als besonders erachtet habe. Aber so ist das eben…Dinge sind unterschiedlich und somit auf verschiedene Weise besonders. Oder eben auch nicht. Der Baustil und die Bauwerke hier sind es. Und ich staune mit offenem Mund…

Die Verteidigungsanlagen des Forts in Agra…der Graben einst mit Wasser und Krokodilen gefüllt.

Verteidigungsanlagen am Innentor des Forts.

Ein anderer Durchgang…

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Shah Jahan, von seinem Sohn unter Hausarrest gestellt, im Fort von Agra…mit Blick auf das Grabmal seiner Liebsten.

Ein Haremsgebäude unweit des Akbar Mausoleums.

Hey, aus dem Weg !!!

Das Akbar Mausoleum, das flächenmäßig größte Grabmal Indiens.

Deckenmalereien im Akbar Mausoleum.

Das Itimad-ud-Daula-Mausoleum oder auch Baby Taj…

Einer der vier Eingangsbereiche des Itimad-ud-Daula-Mausoleums.

Indien, Agra, Taj Mahal

…und dann besuchte ich das legendäre Taj Mahal.

Mit der Fluggesellschaft Jet Airways, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, der einmal einen Kurzstreckenflug in diesen Gefilden zu absolvieren hat, flog ich schließlich von der Hauptstadt Chennai des indischen Bundesstaates Tamil Nadu nach Neu Delhi, der Hauptstadt Indiens. In Neu Delhi angekommen, feierte ich dann als allererstes mein Wiedersehen mit Shelby. Shelby aus Arizona, die ich in Sukhothai kennengelernt, mit der ich Weihnachten in Chang Mai gefeiert und mit der ich zusammen das fantastische Bagan besucht habe. Bereits in Bagan hatten wir damals unsere weiteren Reiserouten miteinander verglichen und festgehalten, dass wir Ende März beide in Indien sein werden. Das Wiedersehen stand also schon eine ganze Weile fest.

…nach einem kurzen Zwischenstopp in Neu Delhi fahre ich also zusammen mit Shelby direkt weiter nach Agra. Als Transportmittel haben wir uns den Zug rausgesucht…3 Stunden Fahrtzeit…Holzklasse. Näher kann man der unteren Bevölkerungsschicht Indiens kaum sein und ich erkenne augenblicklich wieder einmal, wie gut wir es in Deutschland, in Europa haben. So viel Armut, so viel Elend…und plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ein verwahrloster Mann in etwa meinem Alter steht vor mir und bittet um Geld…ohne Arme.

Es ist bereits Nachmittag, als wir in Agra ankommen und trotzdem entscheiden wir uns, am gleichen Tag noch zum Taj Mahal zu wandern, da das Monument Freitags geschlossen hat. Reinigungsarbeiten.

Die Straßen zum weltbekannten Grabmal von Mumtaz Mahal, der dritten und liebsten Frau von Großmogul Shah Jahan, sind weitestgehend leer und es lässt sich nur erahnen, was hier in der Hauptsaison zwischen November und Februar los ist. 50.000 Menschen täglich. Die Besucher sind vor allem auch indischer Herkunft; frisch vermählte Ehepaare reisen aus ganz Indien zum wohl größten Liebesbeweis der indischen Geschichte an und erhoffen sich dadurch lebenslanges Eheglück. …und bezüglich meiner Betitelung als wohl größter Liebesbeweis der indischen Geschichte: Wer baut aus Liebe zu seiner verstorbenen Frau ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum? Aus weißem Marmor? Mit farbigen Blumenverzierungen im gesamten Gebäude, die vollständig aus farbigen Edelsteinen gefertigt sind? Alle Baustoffe fein säuberlich ausgewählt und (der Überlieferung nach mit 1.000 Elefanten) aus ganz Indien und weiteren Teilen Asiens herangeschafft? Mit Gärten außenrum, die nach der Beschreibung der Gärten im Paradies angelegt wurden?

…und dann sind wir da. Wir betreten das Areal über die Eingangspforte im Osten, schlendern über einen riesigen Vorhof auf das eigentliche Haupttor im Norden des Platzes zu und kurz darauf ragt es direkt vor mir, greifbar nah, majestätisch empor. Eines der neuen, sieben Weltwunder (was fairerweise gesagt durch eine Privatinitiative ausgezeichnet wurde und somit nicht offiziell anerkannt ist!). Erbaut aus Liebe zu einer Frau, die ihr Leben für das Leben ihres Kindes gab. Das Grabmal einer aus dem Iran stammenden Märtyrerin, das Grabgebäude der Frau eines indischen Großmoguls, die sich den Erzählungen nach stets für die Armen und Entrechteten einsetzte. Die letzte Ruhestätte von Mumtaz Mahal. Ich stehe vor dem Taj Mahal.

Das Nordtor…

…und der Blick durch den Gewölbegang.

Das Taj Mahal von der anderen Seite des Flusses.

Sri Lanka, Ella, Nine Arches Bridge

Sri Lanka, Land des Zuges. Nachdem mich mein Weg gestern auf den Zuggleisen Richtung Süden geführt hat, nehme ich heute die andere Richtung. Über die einzelnen Schwellen aus altem Holz gehend, über alle zwei Schwellen springend, auf einer der beiden Schienen dahin balancierend, neben dem Gleis trottend, ist mein Ziel die etwa 45 Minuten entfernte Nine Arches Bridge, die für ihre spezielle Bauweise bekannt ist. Wie der Name bereits ableiten lässt, fährt der Zug hier über neun Gewölbebogen aus Stein hinweg.

Als ich an der Brücke ankomme, befinden sich überraschend viele Touristen auf dem Bauwerk und ich erfahre im Vorbeigehen, dass der Zug bald kommt, was die Menschen hier alle warten lässt. Die hier wartenden Menschen warten also darauf, dass ein Zug über eine Brücke fährt. Die Menschen stehen an den Gleisen, einige sind bereits auf den nahegelegenen Berg geklettert, um den Zug noch besser sehen zu können. Ein Schauspiel, dass vermutlicher schneller vorbei ist, als es überhaupt angefangen hat. “Ah, schau mal!”, beim Durchblättern des Fotoalbums, “das war während unseres Sri Lanka-Aufenthalts im Frühjahr 2018…da ist damals der Zug hier über die Brücke gefahren”. Dabei ist der Zug noch nicht mal sonderlich hübsch. Die Brücke ist es. Massiv aber durch die schmale Bauweise und die geschwungenen Bögen gleichzeitig elegant steht sie in einer kleinen Senke und verbindet die beiden höhergelegenen Seiten des Tals stilvoll miteinander. Aus einfachen Backsteinen erbaut und aus einem Meer kleiner Tee-Bäume herausragend versprüht sie ihren Charme. Ein schönes Bauwerk.

So, und was den Zug und die Überfahrt angeht…gut, ich meine…wenn ich schonmal da bin!? Den Standpunkt der anderen Leute berücksichtigend und die Umgebung mit meinen Augen auskundschaftend entscheide ich mich für eine Stelle auf der anderen Seite des Talkessels, von wo aus ich auf einem Zug-Brücken-Foto die ganzen Touristen ausgrenzen kann. Gut, ein Foto mit der Innenseite der Brückenbiegung wäre schöner…aber eben auch bevölkerungsreicher. Ich überquere die Brücke zurück zur anderen Seite, halte mich links und verlasse den Hauptweg auf einen kleinen Pfad. Unter Ästen hindurchbückend, durchs hohe Gras watend, am Abgrund entlang hangelnd, auf einen Steinhaufen kletternd, stehe ich 15 Minuten später auf meiner zuvor erspähten Position inmitten von ein paar Bäumen. Wenige Zentimeter weiter runter in die Hocke gehend, habe ich die Brücke schön im Blick. Definitiv eine besondere und seltene Perspektive auf das schöne Bauwerk. Ich nehme meinen Fotoapparat in Anschlag, nehme meine auf die Situation angepassten Einstellungen vor, setze die Fokussierung und stehe wieder hin, weil ich in dieser Position unmöglich längere Zeit verharren kann. Während mich das Gras in den Kniekehlen kitzelt und sich die Moskitos an mir vergehen, wird es dunkler…und ich hab bald ein Bild vom Zug. Die Minuten vergehen und nichts passiert. Nach 10 Minuten korrigiere ich die Einstellungen meiner Kamera, da es inzwischen spürbar dunkler geworden ist. Weiter wartend und bereits überlegend, wie lange die Meute hier wohl warten würde, wenn der Zug aufgrund eines Defekts überhaupt nicht erscheinen würde, höre ich das Signalhorn. Ein zweites Mal, ein drittes Mal und dann ist er da. Langsam rattert er über die Nine Arches Bridge hinweg. Ich gehe wieder leicht in die Hocke, nehme meine Kamera in den Anschlag und…klick…klick…schieße meine Fotos.

Etwa eine Minute später ist der Zug hinter der nächsten Biegung verschwunden. Ich packe meine Kamera in meinen Rucksack und mache mich eilig in Richtung der Gleise auf. Wenn ich mich beeile, bin ich mit meinem Zug-Brücken-Foto vor den Anderen in Ella.

Ich alter Touri…

Sri Lanka, Dambulla

Manchmal verlaufen Wege nur ein Stück weit getrennt voneinander, bevor sie sich dann doch nochmal überschneiden. Bei den Wegen von Ludek und mir ist das so. Nachdem wir uns vor in etwa einem Monat in Mandalay nach unvergesslichen Wanderungen durch Myanmar voneinander verabschiedet haben, treffen unsere Wege nun in Sri Lanka ein zweites Mal aufeinander. Unsere Routen sind gleich…und wir entscheiden uns spontan dazu, gemeinsam ein Stück weiter in den Norden zu ziehen.

Dambulla ist nicht besonders groß und blieb von den Touristenmassen  bisher weitestgehend verschont, obwohl das Örtchen unmittelbar neben einigen sehr imposanten Sehenswürdigkeiten liegt. Sigiriya, Pidurangala, die Höhlentempel von Dambulla.

Trotz guter Empfehlungen lassen wir Sigiriya, the lion rock, aus. Zu teuer ist mir der Eintritt und zu hoch ist mir das Touristenaufkommen vor Ort. Ludek und ich entscheiden uns stattdessen, den Pidurangala zu besuchen und fahren für umgerechnet etwa 0,25€ von Dambulla an eine etwa einen Kilometer von Sigiriya entfernte, mitten im Nirgendwo gelegene, Bushaltestelle. Der vierzig minütige Aufstieg zum Gipfel des Monolithen ist nicht ohne, wird allerdings mit wenig anderen Besuchern belohnt. Wie wir oben ankommen, ist die Sicht zunächst eher bescheiden. Die Wolken hängen äußerst tief am Himmel und Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in den grauen Dunst. Als wenig später schließlich prompt starker Wind einsetzt und über die Ebene hinweg bläst, vertreibt dieser auch die Wolken und die Sicht wird klarer. Mitten aus dem Nichts heraus erscheint Sigiriya klar vor uns und das flache Umland erstrahlt in den verschiedensten Grüntönen…beeindruckend, was die Natur so alles erschaffen hat und beeindruckend, wie mächtig Wind ist. Den größten Respekt vor Aiolos.

…das Erste, was uns bewusst wird, als wir die Stufen zu den Höhlentempeln von Dambulla hinaufsteigen, ist zweifelsohne, dass es hier Affen gibt. Sie sitzen links und rechts des Weges, hangeln sich von Baum zu Baum oder posen arrogant inmitten des Weges. Fotografieren lassen sie sich, beachten tun sie dich aber keines Blickes. Zumindest nicht aus unmittelbarer Nähe…ich beobachte sie, wie sie uns aus sicherer Entfernung mit ihren wachen, braunen Augen verfolgen. Augen so unfassbar ähnlich den unseren. Ich beobachte sie, wie sie mit ihren winzigen Händen und flinken Fingerchen umgehen, wie sie eine Banane schälen, wie sie das Ungeziefer im Fell des Nachbarn herauspulen, wie sie Gegenstände in die Hand nehmen und fachmännisch auf mögliche Verwendungszwecke hin inspizieren. Faszinierende, kleine Kerlchen.

Vor den Höhlentempel empfängt uns Besucher zunächst ein Buddhabaum, eine Pappelfeige. Ein mächtiger, wunderschöner Baum, der seine Äste in alle Richtungen weit ausstreckt und mich aufgrund seiner Größe und Bedeutung in seinen Bann zieht. Die Höhlentempel von Dambulla sind über verschiedene kleine Pforten erreichbar und beherbergen unterschiedliche Buddha-Statuen, die stehen, sitzen und auch liegen. Die Wände und auch die Decke über unseren Köpfen ist mit allerlei Inschriften und Porträts bemalt. Ich hatte gehofft, mich hier etwas zurückziehen zu können, die Magie des Ortes ein wenig genießen und ein Stück weit in mir aufnehmen zu können. Doch wo viele Menschen sind, hält auch Lautstärke und Unruhe Einzug. Und die Temperatur in den kleinen Katakomben ist schwül; mir beginnt der Schweiß von der Stirn zu tropfen…

Dambulla ist größentechnisch und auch das Klima betreffend nicht vergleichbar mit Colombo. Aber es liegt das gleiche Flair in der Luft…es ist laut und es geht hektisch zu…eine Mischung aus geschäftigem Treiben und stressigem Durcheinander. Sind manche Dinge vielleicht doch nicht ganz so verschieden zum großen Nachbarland im Norden Sri Lankas? Wie auch immer…hinter jedem Chaos steht ein System…und es scheint zu funktionieren.

Auf dem Weg zu Pidurangala’s Gipfel

Kabelbinder, Spax und Panzertape halten die Welt zusammen…kleine Äste und Steine sorgen an den richtigen Stellen offenbar für den nötigen Abstand.

…Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in grauen Dunst.

…und dann erscheint Aiolos mit Euros und Apheliotes.

Der Buddhabaum vor der Höhlentempeln von Dambulla.

Einer der Eingänge zu den Höhlentempeln von Dambulla.

Die Höhlentempel von Dambulla.

Die Höhlentempel von Dambulla.

Die Höhlentempel von Dambulla.

…und dann waren da die Affen…

…haufenweise…

…überall…

Äffle, wa guggsch denn so?

Myanmar, Yangon

Yangon in Myanmar. Ehemals Rangon in Birma. Meine vorerst letzte Station in Myanmar. Ein wundervolles Land, dass mich wirklich verzaubert hat…vielleicht auf bald…und jetzt erstmal weiter nach Malaysia.

Independence Monument, Yangon

In einer alten Stadt gibt’s auch alte Häuser…

Irgendwo am River…

Shwedagon Pagoda, Yangon

Auch kleine Nonnen lieben eine schöne Aussicht…

…aber Geduld beim Warten zu bewahren…

…ist eine Tugend.

Hallo Malaysia…

Myanmar, The Golden Rock und der verpasste Sonnenaufgang

Seit meiner Zeit in Mandalay ist bereits eine Woche vergangen, in der mich mein Weg über “Inle Lake” weiter Richtung Süden, nach Yangon geführt hat. Nach einem kurzen Zwischenstopp von einer Nacht in Yangon, bin ich gestern Mittag dann mit dem Bus spontan nochmal direkt ins 200 Kilometer (und durch die Straßenverhältnisse 5 Stunden!!!) entfernte Kinpun weitergefahren, dass am Fuße eines Berges liegt, auf dessen Gipfel sich der goldene Felsen befindet. Der goldene Felsen, the golden rock, ist mit das mächtigste buddhistische Heiligtum in Myanmar und jährlich pilgern Tausende von Buddhisten zu diesem heiligen Ort, den ich auf Anraten anderer Backpacker gerne bereits zu einem Sonnenaufgang besuchen möchte. In Kinpun angekommen, musste ich zunächst feststellen, dass der Tourismus hier zwar Einzug erhalten hat, sich dieser aber wohl eher auf den Tag konzentriert. Lediglich eine Handvoll Hotels und Herbergen sind hier ansässig und die Preise sind bereits im Tal, am Fuße des Berges zum Golden Rock hin, durchaus denen von Bagan ebenbürtig. Auf dem Gipfel des Berges, nahe dem goldenen Felsen liegt das Örtchen Kyaiktiyo, in dem es ebenfalls Unterkünfte gibt, deren Kosten für eine Nacht allerdings wohl nochmal deutlich höher liegen, wodurch ich an meiner ursprünglichen Idee festhielt und mir in Kinpun eine Unterkunft für die Nacht suchte. Laut meinen Informanten aus Yangon und auch einer hilfsbereiten Rezeptionistin in Kinpun vor Ort fahren jeden Morgen die Busse noch vor Sonnenaufgang zum Gipfel hoch, wodurch es für mein Vorhaben keine Probleme geben sollte. Nachdem ich in einer 12,-USD-Absteige eingecheckt hatte, bei der sich die Toilette sowie der Wasserschöpfer zum Duschen hinter dem Haus befanden und die Matratze einer mit Stoff überzogenen Ansammlung von Metallfedern glich, erkundigte ich mich im Dorf darüber, wo am nächsten Morgen ab 6.00Uhr die Shuttles zum goldenen Felsen abfahren und buchte außerdem direkt noch ein Rückfahrticket nach Yangon für den Folgetag. Und dann legte ich mich auch bald schon schlafen…

…05.15Uhr. Wieder einmal klingelt der Wecker zu früh, doch ich muss raus. Kurz über den Innenhof hinters Haus zum Bad marschiert und anschließend mein Hab und Gut zusammengepackt, verlasse ich um kurz nach halb 6 mein “Family Guesthouse” und mache mich Richtung Shuttle-Station auf. Wie ich an der Station ankomme, stehen die Shuttles, große LKWs mit Aluminium-Aufbauten hinter der Fahrerkabine, auf deren festgeschraubten Metall-Sitzbänken Platz für jeweils etwa 50 Personen ist, bereits in den Startlöchern. Von überall her strömen verschlafene Menschen aus dunklen Ecken, aus Hoteleingängen und auch schon von vereinzelten Reisebussen zu dem von mir angestrebten Ziel; damit habe ich nicht gerechnet. Entsprechend geht es auch auf den LKWs zu: Ich werde zügig zu einem der großen Fahrzeuge gewunken und finde gemeinsam mit vier anderen Männern Platz auf der hintersten Bank. Für meinen Geschmack ist das Fahrzeug nun voll und wir sind bereit zur Abfahrt…nach verschiedenen anderen Fahrten sollte ich es aber doch inzwischen besser wissen. Kaum habe ich fertig gedacht, kommt eine Gruppe von etwa 10 Personen, Männer sowie Frauen mit Babys auf den Armen, ans Fahrzeug und wird unter “Da passt schon noch einer rein”-Blicken des Einweisers auf die einzelnen Sitzreihen des LKW-Aufbaus aufgeteilt…in der letzten Reihe sind wir nun 7. Im Buddhismus steht die 7 für Glück. Hätte ja auch noch ein 8ter Passagier dazukommen können.

Die Fahrt beginnt und während sich der Himmel langsam gräulich färbt, holpern und poltern wir, über Schlaglöcher hinweg, Richtung Golden Rock. Die Sicht auf die Straße vor uns ist uns durch das LKW-Führerhaus versperrt, wodurch der eigentliche Streckenverlauf eine Überraschung bleibt. Plötzlich stoppen wir und während Marktfrauen beginnen, ihre Waren darzubieten und einige Gläubige mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wird der Fahrpreis kassiert. Und dann stehen wir. Die Urnen rasseln, die Marktfrauen rufen, der Himmel färbt sich langsam rose. Nach etwa 10 Minuten geht es weiter und ich denke mir noch, jetzt muss es zügig gehen, als wir auf einer Art Standstreifen vor einer kleinen, lokalen Gaststätte wieder stoppen. Unser Fahrer verlässt das Führerhaus, schlägt die Tür hinter sich zu und nichts. Wir stehen. Hinter uns stoppt ein weiterer LKW und der Fahrer tut es Unserem gleich. Ich sehe, wie er in die kleine Gaststätte eintritt und im Hinterzimmer verschwindet. Trinken die etwa Kaffee, während die Passagiere auf den voll besetzten LKWs sitzen? Die haben ja wirklich die Ruhe weg…

Unser LKW steht unter einem Dach, wodurch ich den Himmel nicht sehen kann, das Licht meiner Umgebung verrät mir allerdings, dass der Sonnenaufgang bereits in vollem Gange ist. Ich bin traurig und sauer zugleich, dass mein Vorhaben durch einen Kaffeetrinkenden Shuttle-Fahrer vereitelt wurde (und selbst beim Korrekturlesen ein paar Tage später kocht die Wut wieder in mir hoch!). Nach etwa 15 Minuten kommt unser Driver endlich wieder zurück und startet den Motor. “Ich hoffe, dein Kaffee hat geschmeckt, du blöder Aff!”. Was nun folgt, erinnert mich an Achterbahnfahren oder einen Flugsimulator: Unser Fahrer gibt Gas und beginnt die steilen, schmalen Sträßchen zum goldenen Felsen emporzusteigen, die dann in regelmäßigen Abständen auch wieder sehr steil abfallen. Wie eine Schlange windet sich unser Weg um den Berg herum nach oben. Von meinem Platz auf der letzten Bank (Im Bus ganz hinten, Baicco!) kann ich den Fels zu meiner Linken sehen und erahne den Abhang zu meiner Rechten. Was den Weg vor mir angeht, so sehe ich nur die extremsten Stellen über das Fahrerhaus, nämlich wenn der LKW mit voller Geschwindigkeit die Absenkungen hinunterrauscht. Rausfallen kann bei dieser Höllenfahrt freilich keiner; zu eng sind wir auf den unbequemen Metallbänken aneinandergequetscht. Um kurz vor 7AM erreichen wir schließlich endlich die Bergstation und ich sehe die Sonne. Wunderschön und groß steigt sie vor mir aus dem nebelverhangenen Tal herauf und beginnt in diesem Moment, wie ich sie sehe, damit, die Welt zu erleuchten. Auf diesen Moment kam es mir an! Mir fehlen die Worte!

Mit der Sonne im Rücken mache ich mich auf Richtung Golden Rock, der in etwa 1000 Meter vor mir liegt. Von der Shuttle-Station aus führt eine breite Straße durch das Dörfchen Kyaiktiyo zum Golden Rock hin, die zu beiden Seiten mit Verkaufsständen übersät ist. Allerlei Essen, haufenweise Souvenirs und eine Vielzahl an verschiedensten rituellen und religiösen Schmuck- und Dekorationsgegenständen werden hier zum Kauf dargeboten. Eine Vielzahl von Mönchen unterschiedlicher Glaubensorden kreuzen meinen Weg, junge Novizen durchstreifen die Straße auf der Suche nach Spendengaben, alte Gelehrte sprechen laut Mantras oder klopfen mit kleinen Stäben auf Klangscheiben, um den Vorbeieilenden Glück zu spenden. Es ist so früh am Morgen und trotzdem sind die Straßen hier bereits voll. So viele Menschen.

Wie ich am Golden Rock ankomme, kann ich die Magie des Ortes spüren. Groß erstreckt sich der Koloss vor mir und auf der Fläche um den Felsen herum knien unzählige Gläubige, die in Richtung des heiligen Monuments beten. Der Legende nach befinden sich unter dem Golden Rock zwei Haare vom Kopf des Buddha, die den Stein im Gleichgewicht halten. Zu Ehren Buddhas werden bündelweise Kerzen entzündet, Blumensträuße dargelegt, Gebete gesprochen, Verbeugungen über Verbeugungen durchgeführt. Ein Rundweg führt um den goldenen Felsen herum und wie ich ihn entlang gehe, eröffnet sich mir zusätzlich ein wundervoller Blick auf die Berglandschaften außenrum. Ich sehe Pilger, andächtig Betende und Mönche von überall her. Einen Mönch, der sich an einem Selfie versucht, frage ich höflich, ob ich ihm helfen darf, um den Golden Rock hinter ihm vollständig mit aufs Bild zu bekommen und wir kommen ins Gespräch. Er ist aus Hsipaw im Norden und besucht mit einer Hand voll weiterer Glaubensbrüder aus seinem Kloster erst Kyaiktiyo und dann Yangon. Wie ich ihm Bilder von meinem Trek und Arnoon’s Dorf zeige, erkennt er die Orte prompt wieder…das ist witzig. Ich plaudere ein wenig mit einem seiner Weggefährten und ihm, während wir den Rundgang um den Felsen weitergehen; die Einladung zum Frühstück lehne ich dann leider dankend ab, da mein Bus zurück nach Yangon um 10.00Uhr startet.

Bevor ich mich endgültig zum Busterminal aufmache, möchte ich dem Felsen und mir allerdings die große Ehre erweisen und stelle mich in die Schlange vor den Metalldetektor. Der Bereich vor dem Felsen ist circa 5 Meter weit abgesperrt und nur über eine kleine Brücke erreichbar. Jeder männliche Besucher, der in diesen Bereich eintreten möchte, muss sich erst einer Kontrolle durch das Sicherheitspersonal unterziehen und Frauen ist das Betreten des inneren Bereichs leider völlig untersagt. Ich gebe meinen Rucksack beim Wachpersonal ab, gehe durch den Metalldetektor und wandle fromm, nach einem bestätigenden Nicken von einem der Sicherheitsmänner, weiter zum Stein. Mächtig erstreckt er sich vor mir in Richtung Himmel und die Schicht aus Blattgold, mit der der Felsen überzogen ist, schimmert majestätisch in der Morgensonne. Aus einem Meter Entfernung kann ich genau erkennen, wie nahe der runde Felsblock auf dem steinernen Untergrund, direkt am Abgrund liegt…so nah…nur ein kleiner Schubser und…und doch viel zu schwer, um jemals bewegt zu werden und dadurch über Buddha’s Haare hinweg runterzufallen. Ich habe Glück, denn es sind nur ganz wenige Menschen um das Heiligtum versammelt und der Weg vor mir ist frei. Ich gehe ganz dicht an den Riesen heran und lege meine flache Hand auf die kühle, raue Oberfläche. Ich schließe die Augen, atme tief ein und aus und halte einen Moment inne. Ein magisches Gefühl, etwas so Heiliges, etwas so Uraltes zu berühren…

Es ist etwa 08.40Uhr, als ich schließlich am LKW ankomme und gemeinsam mit den beiden Mönchen in der ersten Reihe Platz nehme, die ich am goldenen Fels kennengelernt und auf dem Rückweg durch Kyaiktiyo dann prompt wieder getroffen habe. Der Truck füllt sich langsam…ein Blick auf die Uhr; 08.55Uhr…voll. Normalerweise genießen die Mönche hier in Südostasien ein besonderes Ansehen und niemandem ist es gestattet, den Geistlichen selbst oder dessen Robe zu berühren. Die Geistlichen werden bevorzugt und die Geistlichen haben ihre etwas von der Allgemeinheit abgeschotteten Sitzplätze und Aufenthaltsräume. Anders hier…wir werden alle regelrecht aufeinander geschoben, wie Vieh zusammengepfercht. Einziges Ziel: Möglichst viel Umsatz. Während ich mich anfangs noch darauf gefreut habe, in Kinpun gemütlich einen Kaffee zu trinken, freue ich mich inzwischen darauf, dass Geld für einen Kaffee gespart zu haben, da die Uhrzeiger weiterlaufen, der volle Truck aber steht und vom Fahrer jede Spur fehlt. Um 09.10Uhr geht’s endlich los; die Fahrtzeit ist mit 30 Minuten angegeben. Genug Zeit, denke ich. Wie bereits auf dem Hinweg fliegen wir die Serpentinen regelrecht hinunter; mich drückt es links gegen den Mönch, mich drückt es rechts gegen den Mönch; und dann bleiben wir prompt stehen. Vier oder fünf andere LKWs versperren vor uns die Straße, alle mit Passagieren voll beladen, einer hat irgendwas an der Achse. Nichts geht voran…irgendwann schau ich auf die Uhr; noch 20 Minuten bis 10. 20 Minuten bis mein Bus nach Yangon fährt. Bis wir uns wieder in Bewegung setzen, vergehen unzählige Minuten und wie ich mir gerade ausmale, dass ich den Bus nur sehr knapp erreichen werde, stoppen wir erneut. Wieder die Gläubigen, die mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wieder die Marktfrauen, die ihr Habe anbieten und dieses Mal völlig abartig allerlei Spielzeugwaffen für Kinder hochhalten. Mit einem Blick auf die Uhr wird mir bewusst: Ich verpasse meinen Bus. Erneut vom Schicksal vorgeführt, abermals trotz reichlicher Bemühung nicht entlohnt und stattdessen von übermenschlichen Kräften gepeinigt. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es bei etwaigen Verspätungen meiner Person in der Vergangenheit, die es ohne jeglichen Zweifel gab und die ich in keinster Weise bestreiten möchte, meist nicht mein Verschulden war! Vielmehr wurden mir von der Vorbestimmung Steine in den Weg gelegt, die ich kaum zu umgehen vermochte. Ich als das Spielzeug der Gestirne.

Aber nicht dieses Mal! Im Land des Buddha meint es offenbar etwas jenseits meiner Vorstellungskraft gut mit mir! Der Bus setzt sich prompt und ohne Vorwarnung wieder in Bewegung, fliegt regelrecht die restlichen Kilometer in Richtung Dorfzentrum Kinpun, passiert die Kontrollstation am Ortseingang geschwind wie der Wind und kommt um 10.05Uhr Ortszeit 500 Meter von der Busstation entfernt zum Stillstand. Der junge Mann, der mir am Vorabend noch das Ticket verkauft hatte, steht neben der Treppe, über die die hinteren Passagiere bereits vom Lastwagen steigen und ruft fragend nach “Yangon, Yangon”. Wie er mich erkennt ,wedelt er grinsend mit einem Zettel in der Hand und als ich endlich vom Truck gestiegen bin, begleitet er mich mit großen Schritten zum auf mich wartenden Fernreisebus. Sitz 4A. Ich glaube es kaum. Geschafft! Auf nach Yangon…

Es sieht ruhiger aus, als es ist…die Shuttle-Station um kurz vor 6.00Uhr.

Die Sonne, wie ich auf dem Gipfel ankomme.

The golden rock.

Flüssigkeit ist wichtig…auch für Novizen.