…und dann besuchte ich das legendäre Taj Mahal.
Mit der Fluggesellschaft Jet Airways, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, der einmal einen Kurzstreckenflug in diesen Gefilden zu absolvieren hat, flog ich schließlich von der Hauptstadt Chennai des indischen Bundesstaates Tamil Nadu nach Neu Delhi, der Hauptstadt Indiens. In Neu Delhi angekommen, feierte ich dann als allererstes mein Wiedersehen mit Shelby. Shelby aus Arizona, die ich in Sukhothai kennengelernt, mit der ich Weihnachten in Chang Mai gefeiert und mit der ich zusammen das fantastische Bagan besucht habe. Bereits in Bagan hatten wir damals unsere weiteren Reiserouten miteinander verglichen und festgehalten, dass wir Ende März beide in Indien sein werden. Das Wiedersehen stand also schon eine ganze Weile fest.
…nach einem kurzen Zwischenstopp in Neu Delhi fahre ich also zusammen mit Shelby direkt weiter nach Agra. Als Transportmittel haben wir uns den Zug rausgesucht…3 Stunden Fahrtzeit…Holzklasse. Näher kann man der unteren Bevölkerungsschicht Indiens kaum sein und ich erkenne augenblicklich wieder einmal, wie gut wir es in Deutschland, in Europa haben. So viel Armut, so viel Elend…und plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ein verwahrloster Mann in etwa meinem Alter steht vor mir und bittet um Geld…ohne Arme.
Es ist bereits Nachmittag, als wir in Agra ankommen und trotzdem entscheiden wir uns, am gleichen Tag noch zum Taj Mahal zu wandern, da das Monument Freitags geschlossen hat. Reinigungsarbeiten.
Die Straßen zum weltbekannten Grabmal von Mumtaz Mahal, der dritten und liebsten Frau von Großmogul Shah Jahan, sind weitestgehend leer und es lässt sich nur erahnen, was hier in der Hauptsaison zwischen November und Februar los ist. 50.000 Menschen täglich. Die Besucher sind vor allem auch indischer Herkunft; frisch vermählte Ehepaare reisen aus ganz Indien zum wohl größten Liebesbeweis der indischen Geschichte an und erhoffen sich dadurch lebenslanges Eheglück. …und bezüglich meiner Betitelung als wohl größter Liebesbeweis der indischen Geschichte: Wer baut aus Liebe zu seiner verstorbenen Frau ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum? Aus weißem Marmor? Mit farbigen Blumenverzierungen im gesamten Gebäude, die vollständig aus farbigen Edelsteinen gefertigt sind? Alle Baustoffe fein säuberlich ausgewählt und (der Überlieferung nach mit 1.000 Elefanten) aus ganz Indien und weiteren Teilen Asiens herangeschafft? Mit Gärten außenrum, die nach der Beschreibung der Gärten im Paradies angelegt wurden?
…und dann sind wir da. Wir betreten das Areal über die Eingangspforte im Osten, schlendern über einen riesigen Vorhof auf das eigentliche Haupttor im Norden des Platzes zu und kurz darauf ragt es direkt vor mir, greifbar nah, majestätisch empor. Eines der neuen, sieben Weltwunder (was fairerweise gesagt durch eine Privatinitiative ausgezeichnet wurde und somit nicht offiziell anerkannt ist!). Erbaut aus Liebe zu einer Frau, die ihr Leben für das Leben ihres Kindes gab. Das Grabmal einer aus dem Iran stammenden Märtyrerin, das Grabgebäude der Frau eines indischen Großmoguls, die sich den Erzählungen nach stets für die Armen und Entrechteten einsetzte. Die letzte Ruhestätte von Mumtaz Mahal. Ich stehe vor dem Taj Mahal.





