Sri Lanka, Von Mount Lavinia nach Madurai

Nach 20 Tagen auf Sri Lanka heißt es Abschied nehmen. Nach einer letzten Nacht bei Sheron im Island Hostel Mount Lavinia, wo ich während meiner Zeit auf Sri Lanka insgesamt dreimal Quartier bezogen habe und wo ich stets wieder vorbeischauen würde, mache ich mich um 10.00Uhr Richtung Bahnhof auf, von wo aus ich mit dem Zug nach Colombo reinfahre. Am Hauptbahnhof, Station Colombo Fort, angekommen, schultere ich meine zwei Backpacks und marschiere zum Busbahnhof, der in Gehweite zu Colombo Fort liegt, um von dort aus mit dem Bus an den Flughafen zu fahren. Und von dort aus geht um 14.40Uhr mein Flug nach Madurai, Indien.

Ich bin gespannt, was mich im großen Indien erwartet; seit meiner ersten Reise höre ich über das Land im Norden die Geschichten der Reisenden, deren Wege sich mit dem meinen kreuzten. Das Land, dass so viel anderster ist als alle Länder, die man bereisen kann. Das Land, in dem arm und reich, wunderschön und abgrundtief hässlich so nah beieinander liegen. Indien.

…denke ich an meine Ankunft auf Sri Lanka zurück, meine erste Busfahrt vom Flughafen nach Colombo rein, meine Ankunft in Colombo Fort, meine erste Beobachtung des Szenarios, wenn ein Zug in einen Bahnhof einfährt und dann zum Stillstand kommt…überall, wo Geschäftigkeit zu finden war, war auch die Hektik spürbar, Chaos und Lautstärke lag in der Luft und die Eile war so viel intensiver als in den südostasiatischen Ländern, aus denen ich gekommen war. Glaubt man den Geschichten, dann ist das Treiben auf Sri Lanka die Vorstufe zu Indien. Aber…man gewöhnt sich an alles. Und wenn ich nun auf die letzten drei Wochen zurückblicke…

Well done, Sri Lanka! War eine schöne Zeit!

Hello Indien!

Sri Lanka, Hikkaduwa

Hikkaduwa. Was soll ich schreiben…

Als ich am dritten März zurück nach Colombo, nach Mount Lavinia, zu Sheron ins Island Hostel gefahren bin, war mein Plan, weiter in den Süden zu fahren und die verschiedenen Strände abzuklappern…gekommen bin ich bis ins 115 Kilometer weiter südlich gelegene Hikkaduwa. Mit meinen Erlebnissen die ich in diesem chaotischen und doch gemütlichen Dörfchen hatte und mit den Geschichten, die hier begannen, könnte ich wohl ein Buch schreiben:

In Bentota traf ich mich mit einem alten Bekannten wieder, den ich im Frühjahr 2016 auf Koh Tao in Thailand kennenlernen durfte. Wir hatten vielleicht zwei Stunden miteinander und doch war es herzlich und vertraut, als hätten wir uns erst letzte Woche gesehen. Ich hoffe auf ein drittes Mal, Steffen!

In Galle war ich für einen Tag, das Fort besichtigen. Zuvor wollte ich noch schnell einen Kaffee trinken und fand nach 30 minütiger Suche endlich ein Cafè, dass koffeinhaltige Getränke verkaufte und zusätzlich wifi im Angebot hatte. Eine abenteuerliche Stadt.

Merissa. Hier ging ich im Auftrag meiner Tante auf Ahnenforschung und fand Dhammika im Mirissa Beach Inn. Kerstin hatte hier Ende der Neunziger für ein paar Tage gewohnt und Dhammika, der sich an meine Tante und eine wunderbare Woche zurückerinnert, lud mich direkt zu einer Tasse Tee ein und erzählte mir, wie es ihm seither ergangen war.

Und dann natürlich Hikkaduwa selbst:

Das heimelige Kind&Love-Guesthouse, bei dem ich für zwei Nächte eincheckte und dann nach und nach auf insgesamt sechs Nächte verlängerte.

Mein Tag im Wasser, an dem ich mir zusammen mit der Poseidon Diving Station zwei Schiffswracks aus dem 18. Jahrhundert in grob 15 Meter Tiefe anschaute.

Mein Nachmittag im Tsunami-Museum, der mich so traurig stimmte und mich bewusst werden ließ, was hier im pazifischen Ozean damals vor 14 Jahren, am Vormittag des 26. Dezember 2004, eigentlich geschah. Eine der größten Naturkatastrophen aller Zeiten. 40.000 tote Menschen alleine auf Sri Lanka.

Mein Besuch im Turtle Hatchery & Rescue Center, der mich dagegen so fröhlich stimmte, nachdem wir abends die am Vortag geschlüpften Schildkröten zusammen mit den Angestellten ins Meer entließen. Ein unbeschreiblicher Anblick voller Hoffnung und Freude, wenn die Kleinen vom Strand in Richtung Wasser watscheln und dann von den Wellen davongetragen werden.

Das wunderbare Plätzchen mit dem wundervollen Blick aufs Meer und der super leckere Cappuccino dazu im HashtagKai.

Das unglaubliche Essen in den günstigen, einheimischen Restaurants rechts der P&S Bakery und die unfassbar netten Leute auf dem Markt, am Bahnhof, am Strand und in den Straßen.

Ishara und Gayasthri, die ich in der P&S Bakery angesprochen habe und die mir, als ich zum Tisch der beiden gewechselt war, ganz nebenbei anvertrauten, dass die Ältere der beiden Schwestern in den vergangenen beiden Jahren unter anderem zur Miss SriLanka und Miss Planet gekürt wurde. Die Einladung zum Wiedersehen nahm ich gerne an und wir hatten im Beautysalon der beiden unglaublich witzige Momente miteinander (Wie war das nochmal mit unseren zu hohen Ansprüchen, LU?).

Patty, der unweit meines Guesthouses durch eine kleine Luke in seiner Hauswand Wasserflaschen verkaufte. Am zweiten Tag getroffen, war ich anschließend jeden Tag zumindest auf ein kleines Schwätzchen und eine Kokosnuss bei ihm und hatte nach dem dritten Tag meinen eigenen Sitzplatz auf der anderen Seite der Luke, wo mir Patty allerlei Tipps und Tricks für meine Tagesausflüge an die Hand gab und spannende Informationen über die Gegend um Hikkaduwa und das Leben auf Sri Lanka mit mir teilte.

Und dann natürlich ab dem vierten Tag Jenny und Jusi, zwei Freunde aus meiner Heimatstadt, die mir auf der Straße prompt entgegenkamen, nachdem ich die Hoffnung auf ein Treffen bereits aufgegeben hatte. Unsere ursprüngliche Kommunikation wurde unterbrochen, als die Regierung von Sri Lanka aufgrund von Unruhen um Kandy Anfang März den Ausnahmezustand ausgerufen und die Social Media-Plattformen und Messaging-Dienste gesperrt hatte. Jenny und Jusi nach Australien im Sommer wiederzusehen und mit ihnen ein paar Tage verbringen zu können, war definitiv eines der Highlights. Auf bald, ihr Beiden!

Auf bald, Hikkaduwa!

Im Tsunami-Museum gab es eine Wand mit Bildern, die von Kindern gemalt wurden…
Viel Glück da draußen…
…und los!
Es war einmal…
Hashtag Kai, Hikkaduwa
Hashtag Kai, Hikkaduwa
Auf dem Markt in Hikkaduwa.
Auf dem Markt in Hikkaduwa.
Heiß war es in Hikkaduwa…
Patty…
…und Patty’s Kumpel, den er jeden Morgen mit Hühnerfleisch füttert.
…how good was yesterday… mit Jenny und Jusi.

Sri Lanka, Galle

Das Beeindruckendste in Galle ist sicher das Fort, dass mehrere Jahrhunderte lang die Bucht und den Hafen von Galle bewachte und sich auch heute noch erfolgreich gegen den Verfall durch Wind und Wetter wehrt. 1588 von den Portugiesen erbaut, 1649 von den Niederländern erobert und ausgebaut, 1796 dann von den Briten übernommen, fiel es erst 1948 in srilankische Hand, als Sri Lanka für unabhängig erklärt wurde und die Briten wieder nach hause segelten. Direkt an der Küste gelegen, sieht man auf den mächtigen Mauern aus Stein stehend, hinaus in die Weiten des indischen Ozeans. Heute schlagen die Wellen nur sanft gegen den Felsen unter mir, vom Meer her weht eine leichte Brise und es duftet nach Salz und frischem Fisch.

Sri Lanka, Ella, Nine Arches Bridge

Sri Lanka, Land des Zuges. Nachdem mich mein Weg gestern auf den Zuggleisen Richtung Süden geführt hat, nehme ich heute die andere Richtung. Über die einzelnen Schwellen aus altem Holz gehend, über alle zwei Schwellen springend, auf einer der beiden Schienen dahin balancierend, neben dem Gleis trottend, ist mein Ziel die etwa 45 Minuten entfernte Nine Arches Bridge, die für ihre spezielle Bauweise bekannt ist. Wie der Name bereits ableiten lässt, fährt der Zug hier über neun Gewölbebogen aus Stein hinweg.

Als ich an der Brücke ankomme, befinden sich überraschend viele Touristen auf dem Bauwerk und ich erfahre im Vorbeigehen, dass der Zug bald kommt, was die Menschen hier alle warten lässt. Die hier wartenden Menschen warten also darauf, dass ein Zug über eine Brücke fährt. Die Menschen stehen an den Gleisen, einige sind bereits auf den nahegelegenen Berg geklettert, um den Zug noch besser sehen zu können. Ein Schauspiel, dass vermutlicher schneller vorbei ist, als es überhaupt angefangen hat. “Ah, schau mal!”, beim Durchblättern des Fotoalbums, “das war während unseres Sri Lanka-Aufenthalts im Frühjahr 2018…da ist damals der Zug hier über die Brücke gefahren”. Dabei ist der Zug noch nicht mal sonderlich hübsch. Die Brücke ist es. Massiv aber durch die schmale Bauweise und die geschwungenen Bögen gleichzeitig elegant steht sie in einer kleinen Senke und verbindet die beiden höhergelegenen Seiten des Tals stilvoll miteinander. Aus einfachen Backsteinen erbaut und aus einem Meer kleiner Tee-Bäume herausragend versprüht sie ihren Charme. Ein schönes Bauwerk.

So, und was den Zug und die Überfahrt angeht…gut, ich meine…wenn ich schonmal da bin!? Den Standpunkt der anderen Leute berücksichtigend und die Umgebung mit meinen Augen auskundschaftend entscheide ich mich für eine Stelle auf der anderen Seite des Talkessels, von wo aus ich auf einem Zug-Brücken-Foto die ganzen Touristen ausgrenzen kann. Gut, ein Foto mit der Innenseite der Brückenbiegung wäre schöner…aber eben auch bevölkerungsreicher. Ich überquere die Brücke zurück zur anderen Seite, halte mich links und verlasse den Hauptweg auf einen kleinen Pfad. Unter Ästen hindurchbückend, durchs hohe Gras watend, am Abgrund entlang hangelnd, auf einen Steinhaufen kletternd, stehe ich 15 Minuten später auf meiner zuvor erspähten Position inmitten von ein paar Bäumen. Wenige Zentimeter weiter runter in die Hocke gehend, habe ich die Brücke schön im Blick. Definitiv eine besondere und seltene Perspektive auf das schöne Bauwerk. Ich nehme meinen Fotoapparat in Anschlag, nehme meine auf die Situation angepassten Einstellungen vor, setze die Fokussierung und stehe wieder hin, weil ich in dieser Position unmöglich längere Zeit verharren kann. Während mich das Gras in den Kniekehlen kitzelt und sich die Moskitos an mir vergehen, wird es dunkler…und ich hab bald ein Bild vom Zug. Die Minuten vergehen und nichts passiert. Nach 10 Minuten korrigiere ich die Einstellungen meiner Kamera, da es inzwischen spürbar dunkler geworden ist. Weiter wartend und bereits überlegend, wie lange die Meute hier wohl warten würde, wenn der Zug aufgrund eines Defekts überhaupt nicht erscheinen würde, höre ich das Signalhorn. Ein zweites Mal, ein drittes Mal und dann ist er da. Langsam rattert er über die Nine Arches Bridge hinweg. Ich gehe wieder leicht in die Hocke, nehme meine Kamera in den Anschlag und…klick…klick…schieße meine Fotos.

Etwa eine Minute später ist der Zug hinter der nächsten Biegung verschwunden. Ich packe meine Kamera in meinen Rucksack und mache mich eilig in Richtung der Gleise auf. Wenn ich mich beeile, bin ich mit meinem Zug-Brücken-Foto vor den Anderen in Ella.

Ich alter Touri…

Sri Lanka, Ella, Ella Rock

Für meinen Geburtstag habe ich mir etwas Besonderes gegönnt und für drei Nächte im Ella Nature View eingecheckt. Ein großes, geräumiges Zimmer, ein riesiges Bett, ein Bad für mich ganz alleine und einen Balkon mit einer Aussicht, wie sie schöner nicht sein kann.

Um meinen Tag auf besondere Art zu beginnen, habe ich mir mein Frühstück für den heutigen Morgen aufs Zimmer bestellt…und werde prompt bereits 30 Minuten früher als vereinbart vom Hotelmanager mit einer kleinen Torte an meiner Zimmertüre überrascht. Nach einem ausgiebigen Frühstück, dass ich, bei strahlendem Sonnenschein und der klaren Sicht auf die umliegenden Berghänge sowie das Städtchen Ella im Tal, auf meinem privaten Balkon genieße, mache ich mich gemütlich für den Tag fertig. Als stahlharter Kerl möchte ich mir heute beweisen, dass ich trotz neuem Lebensjahr, dass mein Alter auf einen neuen Höchststand setzt, konditionstechnisch noch ganz der Junge bin. Der größte Berg um Ella ist der Ella Rock, der mir hierfür gerade recht kommt…und ich habe so Lust, mehr von dieser schönen Landschaft zu bestaunen!

Bevor ich mich auf den Weg mache, lasse ich mich vom hauseigenen TukTuk-Fahrer nach Ella ins Tal fahren, wo ich mich mit Wasser und Bananen eindecke. Und dann laufe ich los: Zunächst zurück zu den Bahngleisen und dann auf den Gleisen entlang in Richtung Süden. Ich bin spät losgekommen heute, wodurch mir viele Wanderer auf meinem Weg bereits entgegenkommen…dann habe ich den Gipfel schon für mich! Nach etwa 20 Minuten überquere ich eine alte Eisenbrücke und biege danach links auf einen kleinen Pfad ein, überquere einen kleinen Fluss über eine Steinbrücke (unter Steg stell ich mir irgendwie eher was selbst Zusammengebautes aus Holz vor) und beginne den Aufstieg über den kleinen Pfad, der mich mich zunächst in meterhohem Gras verlieren lässt. Keine Menschenseele kommt mir hier nun mehr entgegen, die ich nach dem Weg fragen könnte und so vertraue ich einzig auf das Kopfnicken eines jungen Mannes, der mir am Fluss entgegenkam und dem Pfad selbst, der sich unaufhörlich den Berg hochwindet. Schließlich wird das hohe Gras kürzer, ich sehe wieder Tageslicht und betrete eine Teeplantage, deren Bäume ich passiere, bevor ich erneut in hohes Gras eintauche. Als mein elektronischer Offline-Atlas mithilfe des GPS-Signals meines Mobiltelefons endlich meine Position im Nirgendwo lokalisiert hat, bekomme ich die Gewissheit, dass ich richtig bin. Und dann beginnt der Aufstieg…

Während sich das Wetter verschlechtert und sich Wolken über dem Tal am Ella Rock zusammenziehen, führt mich der Trampelpfad an einem Berghang entlang in das Waldgebiet am Fuße meines Ziels. Der Aufstieg ist hart und führt mich über Stock und Stein, mehr oder weniger querfeldein, durch den Wald nach oben. Die Steigung ist deutlich steiler als erwartet und meine Atmung wird tiefer…nicht nur einmal verwende ich zusätzlich meine Hände, um weiter nach oben zu gelangen…mit wandern hat das nichts mehr zu tun…oooh, wie ich das liebe! Ich spüre die Anstrengung in meinem ganzen Körper und merke, wie der Aufstieg an meinen Kräften zehrt, während ich den Hang zügig weiter nach oben klettere. Ich liebe es, eins mit der Natur zu sein und dabei den eigenen Körper zu spüren, auszulaugen. “Du alte Sau hast es aber auch ganz schön in dir…”.

Mit den ersten Regentropfen erreiche ich schwer atmend den Gipfel und der Aussichtspunkt, eine schmale Klippe aus Fels und Gestein, die sich über den Hang hinauslehnt, liegt vor mir. Die Wolken hängen tief über meinem Kopf und es ist deutlich kühler hier oben. Wie erwartet, sind kaum Menschen hier. Ich trete vorsichtig auf die höchste, durch den Regen nun nasse und rutschige Klippe des Ella Rock in den Nieselregen hinaus und bestaune die Gegend unter mir und um mich herum, während ich damit beginne, meine leckeren Bananen zu verspeisen. War gar nicht so ohne…aber ich hab’s noch drauf!

Happy Birthday!

0.00Uhr…
Geburtstagsfrühstück…

Die Aussicht von meinem Balkon…
Der Aufstieg zum Ella Rock…
Der Aufstieg zum Ella Rock…
Einer meiner zwei Weggefährten und Beschützer…
Der kleinere Nachbar: Little Adam’s Peak.
Ella…

Sleep well, Ella Rock…

Sri Lanka, Zugfahrt von Kandy nach Ella

Die Zugstrecke von Kandy nach Ella wird als eine der schönsten Zugstrecken der Welt gehandelt. Um hier einen Sitzplatz zu reservieren, muss man bereits Wochen im Voraus buchen. Am Morgen des gewünschten Reisetages gibt es dann außerdem die Möglichkeit, ein Ticket ohne Reservierung und dafür auch ohne Anspruch auf einen Sitzplatz zu kaufen…

Ich bin bereits um 7.45Uhr am Bahnhof in Kandy, obwohl der Zug erst um kurz vor 9 startet, da mir prophezeit wurde, dass viele Leute am Morgen vor dem Ticketschalter auf eines der Tickets warten würden und werde nicht enttäuscht. Wie ich das Bahnhofsgebäude betrete, ist die Schlange vor dem Ticketschalter glücklicherweise noch nicht allzu lange und nach wenigen Minuten halte ich fröhlich mein Zugticket nach Ella in der Hand, das den stolzen Preis von umgerechnet ziemlich genau EUR 1,25 hat.

Gegen 8.45Uhr fährt dann der Zug in Kandy am Gleis 2 ein und die Menschenmenge, die in den letzten 60 Minuten deutlich Zuwachs bekommen hat und sich auf beiden Seiten des Gleises für den Einstieg in Position gebracht hat, wird unruhig. Als der Zug schließlich stoppt, springen die Passagiere in den Zug und unter Gedrücke und Gedränge versucht jeder, einen möglichst guten Platz zu ergattern. Die letzten verfügbaren Sitzplätze sind umgehend besetzt und nachdem auch die Gänge der Waggons voll besetzt sind, wo es wenigstens noch Möglichkeiten gibt, um sich während der holprigen Fahrt irgendwo festzuhalten, verlagert sich die Masse in die Vorräume der Anhänger, in denen sich die Toiletten sowie die Ein- und Ausstiege zum jeweiligen Wagen befinden. Das Schicksal meinte es hier nicht sehr gut mit mir; wie der Zug stoppt, befinde ich mich direkt vor der Türe zum Waggon mit den reservierten 2.Klasse-Sitzplätzen, die noch abgeschlossen ist. Doof.

Was für mich voll erscheint, da die Leute vereinzelt bereits außen am Waggon auf den Stufen stehen, ist für den Schaffner lediglich herausfordernd und so läuft er gemeinsam mit mir über den Bahnsteig die Wagen entlang, bis er mich in einen weniger als die anderen vollen Anhänger-Vorraum reindrückt. So stehe ich da nun also und der Zug setzt sich in Bewegung…immerhin nicht verpasst.

Wie im Kino, wo die Silhouette der Köpfe der vorderen Reihen kurz nach löschen des Lichts nach unten, tiefer in den Sitz und raus aus dem eigenen Blickfeld sinken, werden auch hier die Menschen nach den ersten Minuten entspannter. Die Rucksäcke gleiten von den Schultern, die Gepäckstücke werden platzsparender verstaut und jeder findet einen guten Stand. Mein großer Backpack findet so an der Wand hinter einer jungen Dame Platz, die sich ihrem freundlichen Strahlen zufolge freut, als ich ihr zu verstehen gebe, dass sie sich da gerne auch anlehnen oder draufsetzen darf.

Nach den ersten Haltestellen wird es in unserem Vorraum, der zu Beginn wirklich voll war, etwas leerer und nach etwa 90 Minuten finde ich schließlich einen bequemen Stand direkt an der Wand, an die ich mich ab sofort anlehnen kann, während mir durch die offenen Türen der erfrischende Fahrtwind ins Gesicht bläst und ich etwas von der Außenwelt sehen kann, die gemütlich an uns vorbeizieht. Etwa 5 Stunden Fahrt haben wir noch…und ich nütze die Gelegenheit, um ein paar meiner Blog-Beiträge zu verfassen.

Gefühlt etwas mehr als die Hälfte der Fahrgäste verlässt schließlich bereits in Nuwara-Eliya den Zug und die neu Zugestiegenen verteilen sich auf die frei gewordenen Sitzplätze, wodurch die Türe zu unserem Waggon ab sofort frei ist. Als sich unser Zug für das zweite Etappenstück wieder in Bewegung setzt, stelle ich mich in die offene Tür, halte mich an den beiden Handgeländern an der Außenseite des Waggons fest und strecke meinen Kopf dem Fahrtwind entgegen. Nach all den warmen Ländern der letzten Wochen tut es gut, wieder einmal kühlere Luft zu spüren, zumal die Zugstrecke über die höchste Region der Insel führt und man spüren kann, wie sich die Lufttemperatur verändert hat. Der Zug windet sich gemütlich durch die grüne Natur Sri Lanka’s, vorbei an riesigen Tälern mit atemberaubendem Ausblick, um grün bewachsene Hügel herum, durch Wälder mit riesigen Bäumen, durch urige Tunnel und über altertümliche Brücken hinweg. Hier, so direkt am Einstieg zu stehen und sich lediglich etwas ins Wageninnere zu lehnen, wenn einer der Büsche unweit des Schienennetzes zu weit in den Weg hineinragt oder wenn einer der zahlreichen, kurzen Tunnel näherkommt, löst ein Gefühl von unbändiger Abenteuerlust aus. Der Anblick dieser wundervollen Landschaft lässt mein Herz höher schlagen und ja, ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Eben noch durch ein wundervolles Stück Laubwald gefahren, bei dem ich unweigerlich kurz an die schönen Waldwege im Gebiet rund um die Silberlinde bei mir zuhause denken muss, fahren wir im nächsten Moment durch einen Tunnel…dunkel…und ich blicke, wie wir nur einen Augenblick später wieder ins Tageslicht fahren, direkt vor mir in eine weit über 100 Meter tiefe Schlucht, so dass mir ein ehrfurchterregendes “WOUW” entweicht.

Wer davon spricht, dass es sich bei dieser Zugstrecke, auf Sri Lanka, von Kandy nach Ella, um eine der schönsten Zugstrecken der Welt handelt, den werde ich ganz bestimmt nicht korrigieren…denn ich kann nachvollziehen, wieso er das behauptet.

Sri Lanka, Kandy

Nach weiteren zwei Tagen mit Ludek heißt es erneut “Goodbye” und während sich Ludek weiter Richtung Norden aufmacht, um dort einem Vipassana-Retreat beizuwohnen, fahre ich mit dem Local Bus ins zwei Stunden weiter südlich gelegene Kandy, die zweitgrößte Stadt der Insel.

Wie ich Kandy erreiche, erkenne ich sogleich eine seltsame Art von Beschaulichkeit, was mir sehr gut gefällt. Sicher, in Sri Lanka laufen die Uhren überall auf Hochtouren aber hier scheint jemand darauf zu achten, dass die Zeiger einigermaßen gleichmäßig die Runden drehen.

Der Zahntempel, the golden Canopy, ist sicher mit eines der wichtigsten Gebäude in Kandy und gleichzeitig der wichtigste buddhistische Platz in Sri Lanka, da er den Erzählungen nach einen der Zähne Buddhas beherbergt. Leider bleibt mir der Eintritt zum Tempel verwehrt. Am Wachpersonal komme ich noch vorbei, indem ich meine Schultern mit einem dünnen Pullover aus meinem Rucksack bedecke und ich fürs Verstecken meiner Knie den Sitz meiner kurzen Hosen im Gedenken an alte Zeiten unter meine Hüften ziehe. Baggy-Style. Als ich wieder einmal vor einem Kassenhäuschen stehe, an dem die Ausländer zur Kasse gebeten werden, werde ich jedoch stinkig und entscheide mich dazu, die umgerechnet etwa EUR 8,00 nicht zu bezahlen. Der Betrag möchte gering erscheinen, für mich ist es allerdings ein Drittel meines Tagesbudgets. Das Drittel eines Tagesbudgets, dass ich durchaus bereit bin zu zahlen, wenn ich nicht in 15-20 Minuten durch etwas hindurch gejagt werde und kaum zum Wahrnehmen bzw. Erleben komme. Nach all den Ländern, die ich bisher besucht habe, muss ich leider feststellen, dass Sri Lanka bisher am dreistesten ist, was das Kassieren von Eintrittsgeldern angeht.

Betrübt entschließe ich mich dazu, die St. Paul’s Kirche unweit des Zahntempels zu besuchen, um mich dort etwas abzureagieren und die Ruhe der alten, massiven Gemäuer, in denen normalerweise kaum Touristen anzutreffen sind, zu genießen. Und stehe vor verschlossenem Tor…

…was mir auf meinen Reisen bisher sehr positiv aufgefallen ist und worauf ich als Christ tatsächlich auch etwas stolz bin, ist die Tatsache, dass ich noch nirgends für den Besuch eines Gotteshauses hab ein Eintrittsgeld entrichten müssen. Getreu dem Motto: Gott bietet immer Zuflucht. Wer sich ein bisschen mit den massiven, aus schwerem Stein erbauten Gebäuden beschäftigt, wird sehr schnell feststellen, dass die Architektur, das Innendesign, die hohen Dachstühle, die farbigen Fenster und die schicken Heiligtümer eine unglaubliche Magie versprühen und oft regelrechte Kunstwerke darstellen. Kunstwerke, für die man teils durchaus Eintrittsgelder verlangen könnte, was mich jedoch, eben aufgrund des Grundgedanken, der hinter diesen Gebäuden steckt, sehr enttäuschen würde. Was ich leider häufiger feststelle, sind Öffnungszeiten und dadurch auch teils verschlossene Türen. Meist ist das Pfarrhaus allerdings nicht allzu weit von der Kirche entfernt und durch freundliches Fragen habe ich schon manch einmal wohlwollend den Hauptschlüssel mit der Bitte ausgehändigt bekommen, ich möge doch abschließen und den Türöffner wieder zurückbringen, wenn ich fertig bin. Hier in Kandy ist leider kein Pfarrhaus in der Nähe und das große Tor aus Metall ist provokativ zusätzlich mit einer schweren Eisenkette versperrt. Sehr schade…

Ich spüre Zorn in mir aufkommen durch so viel zunichte gemachten Plan und bin ziemlich niedergeschlagen, als mir ein Tor zwischen St. Paul’s Kirche und dem Gelände des Zahntempels ins Auge sticht. Ich gehe zu der etwas dickeren Frau in Uniform vom Typ Mama, die vor dem Eingang Position bezogen hat und frage sie, was sich hinter dem Tor verbirgt. Den Namen verstehe ich nicht, wenn ich meine Schultern bedeckt habe, darf ich allerdings kostenlos eintreten. Ich krame meinen dünnen Pullover wieder aus meinem Rucksack und durchquere das Tor.

Ein riesiger Buddhabaum erwartet mich auf der anderen Seite. Auf einer Art gemauertem Sockel, der im oberen Drittel fein säuberlich mit weißer Farbe verputzt wurde und zu dessen Plattform in etwa 3 Meter Höhe eine breite, steile Steintreppe führt, erstreckt sich der Gigant in alle Richtungen. Am Fuß des Baumes sitzt in einem kleinen Häuschen Buddha und begrüßt mit seinem entspannten Lächeln jeden, der die Stufen zum Baum erklimmt. Ich halte meine gefalteten Hände vor meine Stirn, verneige mich tief und beginne, um den großen Baum herumzugehen, bevor ich schließlich weitere Stufen emporsteige und nun direkt am Stamm stehe. Ich lege meine Hand auf das nasse Holz und genieße für einen Moment mit geschlossenen Augen die Ruhe. Ich schaue zur Baumkrone nach oben, sehe die alten, dicken Äste, die sich in alle Himmelsrichtungen erstrecken und von denen aus neuere, jüngere Äste das Geäst zunehmend verdichten. Die kleinen Knospen, die sich überall entlang der Äste befinden und sich darauf vorbereiten, den Baum in ein neues, schönes Blätterkleid zu hüllen, spiegeln den Kreislauf des Lebens wieder, der unaufhörlich voranschreitet. Ich sehe ein…zwei, drei…Eichhörnchen, die zwischen den Ästen umhertollen und höre allerlei Vögel über mir. Die pechschwarzen Raben, die sich um den Baum herum versammelt haben und geheimnisvoll schaudernd krächzen, bringen etwas übersinnliches mit in die Situation. Ein magischer Platz.

Ich beginne zu schmunzeln und spüre Freude in mir aufkommen. Oft lohnt es sich nicht, sich über etwas verbissen aufzuregen und den Kopf hängen zu lassen…im nächsten Moment hält das Leben manchmal schon etwas anderes Schönes, manchmal sogar etwas sehr viel Wichtigeres für einen selbst, bereit.

Im botanischen Garten.
Im botanischen Garten.
Im botanischen Garten.
Der Blick vom Buddhabaum.
Der Blick zum Buddhabaum und zur St. Paul’s Kirche.

Sri Lanka, Dambulla

Manchmal verlaufen Wege nur ein Stück weit getrennt voneinander, bevor sie sich dann doch nochmal überschneiden. Bei den Wegen von Ludek und mir ist das so. Nachdem wir uns vor in etwa einem Monat in Mandalay nach unvergesslichen Wanderungen durch Myanmar voneinander verabschiedet haben, treffen unsere Wege nun in Sri Lanka ein zweites Mal aufeinander. Unsere Routen sind gleich…und wir entscheiden uns spontan dazu, gemeinsam ein Stück weiter in den Norden zu ziehen.

Dambulla ist nicht besonders groß und blieb von den Touristenmassen  bisher weitestgehend verschont, obwohl das Örtchen unmittelbar neben einigen sehr imposanten Sehenswürdigkeiten liegt. Sigiriya, Pidurangala, die Höhlentempel von Dambulla.

Trotz guter Empfehlungen lassen wir Sigiriya, the lion rock, aus. Zu teuer ist mir der Eintritt und zu hoch ist mir das Touristenaufkommen vor Ort. Ludek und ich entscheiden uns stattdessen, den Pidurangala zu besuchen und fahren für umgerechnet etwa 0,25€ von Dambulla an eine etwa einen Kilometer von Sigiriya entfernte, mitten im Nirgendwo gelegene, Bushaltestelle. Der vierzig minütige Aufstieg zum Gipfel des Monolithen ist nicht ohne, wird allerdings mit wenig anderen Besuchern belohnt. Wie wir oben ankommen, ist die Sicht zunächst eher bescheiden. Die Wolken hängen äußerst tief am Himmel und Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in den grauen Dunst. Als wenig später schließlich prompt starker Wind einsetzt und über die Ebene hinweg bläst, vertreibt dieser auch die Wolken und die Sicht wird klarer. Mitten aus dem Nichts heraus erscheint Sigiriya klar vor uns und das flache Umland erstrahlt in den verschiedensten Grüntönen…beeindruckend, was die Natur so alles erschaffen hat und beeindruckend, wie mächtig Wind ist. Den größten Respekt vor Aiolos.

…das Erste, was uns bewusst wird, als wir die Stufen zu den Höhlentempeln von Dambulla hinaufsteigen, ist zweifelsohne, dass es hier Affen gibt. Sie sitzen links und rechts des Weges, hangeln sich von Baum zu Baum oder posen arrogant inmitten des Weges. Fotografieren lassen sie sich, beachten tun sie dich aber keines Blickes. Zumindest nicht aus unmittelbarer Nähe…ich beobachte sie, wie sie uns aus sicherer Entfernung mit ihren wachen, braunen Augen verfolgen. Augen so unfassbar ähnlich den unseren. Ich beobachte sie, wie sie mit ihren winzigen Händen und flinken Fingerchen umgehen, wie sie eine Banane schälen, wie sie das Ungeziefer im Fell des Nachbarn herauspulen, wie sie Gegenstände in die Hand nehmen und fachmännisch auf mögliche Verwendungszwecke hin inspizieren. Faszinierende, kleine Kerlchen.

Vor den Höhlentempel empfängt uns Besucher zunächst ein Buddhabaum, eine Pappelfeige. Ein mächtiger, wunderschöner Baum, der seine Äste in alle Richtungen weit ausstreckt und mich aufgrund seiner Größe und Bedeutung in seinen Bann zieht. Die Höhlentempel von Dambulla sind über verschiedene kleine Pforten erreichbar und beherbergen unterschiedliche Buddha-Statuen, die stehen, sitzen und auch liegen. Die Wände und auch die Decke über unseren Köpfen ist mit allerlei Inschriften und Porträts bemalt. Ich hatte gehofft, mich hier etwas zurückziehen zu können, die Magie des Ortes ein wenig genießen und ein Stück weit in mir aufnehmen zu können. Doch wo viele Menschen sind, hält auch Lautstärke und Unruhe Einzug. Und die Temperatur in den kleinen Katakomben ist schwül; mir beginnt der Schweiß von der Stirn zu tropfen…

Dambulla ist größentechnisch und auch das Klima betreffend nicht vergleichbar mit Colombo. Aber es liegt das gleiche Flair in der Luft…es ist laut und es geht hektisch zu…eine Mischung aus geschäftigem Treiben und stressigem Durcheinander. Sind manche Dinge vielleicht doch nicht ganz so verschieden zum großen Nachbarland im Norden Sri Lankas? Wie auch immer…hinter jedem Chaos steht ein System…und es scheint zu funktionieren.

Auf dem Weg zu Pidurangala’s Gipfel
Kabelbinder, Spax und Panzertape halten die Welt zusammen…kleine Äste und Steine sorgen an den richtigen Stellen offenbar für den nötigen Abstand.
…Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in grauen Dunst.
…und dann erscheint Aiolos mit Euros und Apheliotes.

Der Buddhabaum vor der Höhlentempeln von Dambulla.
Einer der Eingänge zu den Höhlentempeln von Dambulla.
Die Höhlentempel von Dambulla.
Die Höhlentempel von Dambulla.
Die Höhlentempel von Dambulla.
…und dann waren da die Affen…
…haufenweise…
…überall…
Äffle, wa guggsch denn so?

Sri Lanka, Colombo

Mein nächstes Reiseziel ist Sri Lanka. Klein und unscheinbar südöstlich von Indien gelegen, sollte man meinen, es unterscheide sich nicht allzu sehr von seinem  großen Nachbarn, was laut vieler Meinungen ein Trugschluss ist. “Same, same, but different”, lautet auch hier die Devise. Im Moment kann ich das noch nicht beurteilen…

In Colombo gelandet, muss ich zunächst feststellen, dass die Hauptstadt nicht allzu viel zu bieten hat. Groß, verkehrsbelastet, heiß. Schade. Auf meinen Reisen habe ich schon viele Städte wie Colombo gesehen…Georgetown, Mandalay, Vientiane…und meine Gedanken schweifen ab: Hanoi…Chiang Mai…Bangkok.

Ich hab knapp 3 Wochen Zeit bis zu meinem Weiterflug nach Madurai.

Zeig was du hast, Sri Lanka…

Erinnert mich im ersten Moment irgendwie an russischen Zupfkuchen…ich liebe russischen Zupfkuchen! Und der hier ist ganz bestimmt noch warm…
Wohlgemerkt die Aussicht von einem Hostel aus… #islandhostelmountlavinia
Etwa 70% der Bevölkerung sind Buddhisten…
Hier mischen sich indische und südostasiatischen Besonderheiten…
Mönche sind gut zu Vögeln…
Gangaramaya Temple, Colombo