Indien, Pondicherry

Here i am again.

Zurück in der Zivilisation.

Nach meinen Erfahrungen der letzten Tage bin ich müde und faul. Es fühlt sich komisch an, von so vielen Menschen umgeben zu sein, so viele Stimmen und Geräusche zu hören. Irgendwie unwirklich.

Nachdem wir das Dhamma Madhura Vipassana Meditation Centre verlassen hatten, machte ich mich direkt nach Dindigul zum Bahnhof auf, um mit dem Zug ins 6 Stunden weiter nördlich gelegene Pondicherry zu fahren. Hier habe ich mich in ein kleines, gemütliches Guesthouse einquartiert. Meine Tage hier in Pondicherry sind ebenfalls gemütlich. Ich genieße das Leben bei Kaffee und Kuchen, bei leckerem indischen Essen, bei allerlei Videos auf YouTube, bei Musik. Ich schlendere durch Pondicherry’s Altstadt-Sträßchen und an der Uferpromenade entlang. Ich hole den Kontakt zu meinen Liebsten nach und tausche Erzählungen über meine Erlebnisse gegen Neuigkeiten der letzten Tage aus. All das eben, auf was ich zuletzt verzichtet hatte…das Leben ist schön!

Kleines Ratespiel gefällig?

Wieviele Hunde siehst du?
Siehst du die Kuh?
Welcher Hund liegt auf der Erbse?

Indien, Vipassana

Im Süden von Indien, 60 Kilometer nördlich von Madurai und 20 Minuten südlich von Dindigul, weit draußen am Fuße des Berges liegt das Dhamma Madhura Vipassana Meditation Centre. Hierhin habe ich mich für die letzten 10 Tage zurückgezogen. Zurückgezogen, um auf eine Reise in mein Innerstes zu gehen.

Für den Prozess, der als tiefer chirurgischer Eingriff in den Geist beschrieben wird, gilt es einige Regeln zu befolgen. Regeln, um nicht abgelenkt zu werden auf der Reise und Regeln, um sich selbst darin zu unterstützen, möglichst weit in der kurzen Zeit von 10 Tagen zu kommen.

10 Tage ohne schreiben und lesen. 10 Tage ohne Musik. 10 Tage ohne technische Geräte wie Laptop oder Smartphone. 10 Tage ohne Alkohol, Nikotin, berauschende Substanzen, religiöse oder spirituelle Rituale. 10 Tage ohne jegliche Form der Kommunikation, was die Stimme, die Körpersprache und im Besonderen auch den Kontakt mit den Augen betrifft. 10 Tage ohne jegliche Form der Ablenkung.

Um 4.00Uhr in der Früh ertönt das erste Mal der Gong einer großen Klangscheibe, die im Innenhof unter einem mächtigen Baum steht. Von 4.30Uhr-6.30Uhr die erste Meditation, Frühstück bis 7.00Uhr, Pause bis 8.00Uhr. Dann die Steigerung: Meditationen bis 11.00Uhr, Mittagessen bis 11.30Uhr und wieder Zeit, um seinem Geist etwas Ruhe zu gönnen. Ab 13.00Uhr Runde 3: Meditationen bis um 17.00Uhr, die letzte Mahlzeit des Tages (die nichts Festes mehr beinhalten darf und daher lediglich aus einer Art Getreidesud sowie einer Banane und einem Stück Wassermelone besteht) und eine letzte kurze Unterbrechung bis 18.00Uhr, die ich meistens dazu nutzte, mir auf dem kleinen Stück Feldweg hinter dem Haus die Beine ein wenig zu vertreten. Dann der abwechslungsreichste Teil des Tages: Nach einer kurzen Meditation bis 19.00Uhr startete der allabendliche Diskurs bis 20.30Uhr, in dem wir täglich weiterführende Informationen zur Geschichte, zur tieferen Bedeutung, zur Lehre sowie zur Durchführung von Vipassana erhalten. Ich hatte mit der Kursleitung vereinbart, den Diskurs in deutscher Sprache zu bekommen und so hatte ich jeden Abend eine zusätzliche kleine Auszeit, in der ich mich mit dem gestellten Audioplayer aus der schwülen Meditationshalle in die etwas kühlere Abendluft draußen zurückziehen und deutschen Worten lauschen konnte. Abschließend dann noch einmal 30 Minuten Meditation bis 21.00Uhr und um 21.30Uhr ging das Licht im Dhamma Madhura Vipassana Meditation Centre aus.

Vipassana ist mehr als nur Meditation. Vipassana ist ein Wegweiser zu Dhamma, dem erleuchteten Pfad und lehrt, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Die Beobachtung und das Wahrnehmen unseres sich stetig verändernden Körpers und Geistes und in diesem Zuge die Erfahrung der natürlichen Existenz von Unbeständigkeit, Leiden und einer gewissen Ichlosigkeit. Ein Prozess der Selbstreflektion. Ein Lebensstil, der Verlangen, Ablehnung und Ignoranz, die drei Hauptursachen allen Unglücklich seins ausschalten soll. Wie die Bösen Onkelz schon sangen: Nichts ist für die Ewigkeit. Dinge kommen und gehen. Der Atemzug. Das Gefühl. Der Gedanke. Das Leben.

…die 10 Tage sind vor Allem auch eins: Geprägt von Fleiß, Geduld und Ausdauer. Eine Zeit des Wartens: Auf den nächsten Gong, auf den nächsten Agendapunkt, auf den nächsten Tag.

…und als der nächste Gong ertönt, nehme ich drei kräftige Schlücke aus meiner Wasserflasche, bevor ich mit gesenktem Kopf aus meiner Stube im zweiten Stockwerk des Männer-Wohnheims heraustrete, die Treppe nach unten in den Eingangsbereich hinabsteige und dort in meine Flip Flops schlüpfe. Ich trete aus der Türe raus in die heiße Mittagssonne Indiens und mein Blick wandert über den trockenen, roten Boden, über das dürre, grau-grüne Buschland, hinauf zur Spitze des Berges, der unweit des Areals in den Himmel ragt. Ein tiefer, kräftiger Atemzug und ich senke den Blick Richtung Boden, verschränke meine Arme hinter meinem Rücken und gehe bedacht nach links, über den kleinen Hof, unter dem großen Baum hindurch und steige, mich mit einer Hand an einem großen Ast über mir festhaltend, wieder aus meinen Flip Flops heraus. Ich betrete lautlos die Meditationshalle, wandel zu meinem Sitzkissen und begebe mich abermals in den Schneidersitz. Ich deponiere meine Brille vor mir auf dem Boden, lege die Hände auf meine Knie und schließe die Augen. Ich konzentriere mich auf meine Stirn …auf meine Schläfen …auf meine Augenpartien …meine Nase …meine Wangen …Lippen …und verliere langsam das Gefühl für die Umgebung um mich herum…

www.dhamma.org

Sri Lanka, Von Mount Lavinia nach Madurai

Nach 20 Tagen auf Sri Lanka heißt es Abschied nehmen. Nach einer letzten Nacht bei Sheron im Island Hostel Mount Lavinia, wo ich während meiner Zeit auf Sri Lanka insgesamt dreimal Quartier bezogen habe und wo ich stets wieder vorbeischauen würde, mache ich mich um 10.00Uhr Richtung Bahnhof auf, von wo aus ich mit dem Zug nach Colombo reinfahre. Am Hauptbahnhof, Station Colombo Fort, angekommen, schultere ich meine zwei Backpacks und marschiere zum Busbahnhof, der in Gehweite zu Colombo Fort liegt, um von dort aus mit dem Bus an den Flughafen zu fahren. Und von dort aus geht um 14.40Uhr mein Flug nach Madurai, Indien.

Ich bin gespannt, was mich im großen Indien erwartet; seit meiner ersten Reise höre ich über das Land im Norden die Geschichten der Reisenden, deren Wege sich mit dem meinen kreuzten. Das Land, dass so viel anderster ist als alle Länder, die man bereisen kann. Das Land, in dem arm und reich, wunderschön und abgrundtief hässlich so nah beieinander liegen. Indien.

…denke ich an meine Ankunft auf Sri Lanka zurück, meine erste Busfahrt vom Flughafen nach Colombo rein, meine Ankunft in Colombo Fort, meine erste Beobachtung des Szenarios, wenn ein Zug in einen Bahnhof einfährt und dann zum Stillstand kommt…überall, wo Geschäftigkeit zu finden war, war auch die Hektik spürbar, Chaos und Lautstärke lag in der Luft und die Eile war so viel intensiver als in den südostasiatischen Ländern, aus denen ich gekommen war. Glaubt man den Geschichten, dann ist das Treiben auf Sri Lanka die Vorstufe zu Indien. Aber…man gewöhnt sich an alles. Und wenn ich nun auf die letzten drei Wochen zurückblicke…

Well done, Sri Lanka! War eine schöne Zeit!

Hello Indien!

Sri Lanka, Hikkaduwa

Hikkaduwa. Was soll ich schreiben…

Als ich am dritten März zurück nach Colombo, nach Mount Lavinia, zu Sheron ins Island Hostel gefahren bin, war mein Plan, weiter in den Süden zu fahren und die verschiedenen Strände abzuklappern…gekommen bin ich bis ins 115 Kilometer weiter südlich gelegene Hikkaduwa. Mit meinen Erlebnissen die ich in diesem chaotischen und doch gemütlichen Dörfchen hatte und mit den Geschichten, die hier begannen, könnte ich wohl ein Buch schreiben:

In Bentota traf ich mich mit einem alten Bekannten wieder, den ich im Frühjahr 2016 auf Koh Tao in Thailand kennenlernen durfte. Wir hatten vielleicht zwei Stunden miteinander und doch war es herzlich und vertraut, als hätten wir uns erst letzte Woche gesehen. Ich hoffe auf ein drittes Mal, Steffen!

In Galle war ich für einen Tag, das Fort besichtigen. Zuvor wollte ich noch schnell einen Kaffee trinken und fand nach 30 minütiger Suche endlich ein Cafè, dass koffeinhaltige Getränke verkaufte und zusätzlich wifi im Angebot hatte. Eine abenteuerliche Stadt.

Merissa. Hier ging ich im Auftrag meiner Tante auf Ahnenforschung und fand Dhammika im Mirissa Beach Inn. Kerstin hatte hier Ende der Neunziger für ein paar Tage gewohnt und Dhammika, der sich an meine Tante und eine wunderbare Woche zurückerinnert, lud mich direkt zu einer Tasse Tee ein und erzählte mir, wie es ihm seither ergangen war.

Und dann natürlich Hikkaduwa selbst:

Das heimelige Kind&Love-Guesthouse, bei dem ich für zwei Nächte eincheckte und dann nach und nach auf insgesamt sechs Nächte verlängerte.

Mein Tag im Wasser, an dem ich mir zusammen mit der Poseidon Diving Station zwei Schiffswracks aus dem 18. Jahrhundert in grob 15 Meter Tiefe anschaute.

Mein Nachmittag im Tsunami-Museum, der mich so traurig stimmte und mich bewusst werden ließ, was hier im pazifischen Ozean damals vor 14 Jahren, am Vormittag des 26. Dezember 2004, eigentlich geschah. Eine der größten Naturkatastrophen aller Zeiten. 40.000 tote Menschen alleine auf Sri Lanka.

Mein Besuch im Turtle Hatchery & Rescue Center, der mich dagegen so fröhlich stimmte, nachdem wir abends die am Vortag geschlüpften Schildkröten zusammen mit den Angestellten ins Meer entließen. Ein unbeschreiblicher Anblick voller Hoffnung und Freude, wenn die Kleinen vom Strand in Richtung Wasser watscheln und dann von den Wellen davongetragen werden.

Das wunderbare Plätzchen mit dem wundervollen Blick aufs Meer und der super leckere Cappuccino dazu im HashtagKai.

Das unglaubliche Essen in den günstigen, einheimischen Restaurants rechts der P&S Bakery und die unfassbar netten Leute auf dem Markt, am Bahnhof, am Strand und in den Straßen.

Ishara und Gayasthri, die ich in der P&S Bakery angesprochen habe und die mir, als ich zum Tisch der beiden gewechselt war, ganz nebenbei anvertrauten, dass die Ältere der beiden Schwestern in den vergangenen beiden Jahren unter anderem zur Miss SriLanka und Miss Planet gekürt wurde. Die Einladung zum Wiedersehen nahm ich gerne an und wir hatten im Beautysalon der beiden unglaublich witzige Momente miteinander (Wie war das nochmal mit unseren zu hohen Ansprüchen, LU?).

Patty, der unweit meines Guesthouses durch eine kleine Luke in seiner Hauswand Wasserflaschen verkaufte. Am zweiten Tag getroffen, war ich anschließend jeden Tag zumindest auf ein kleines Schwätzchen und eine Kokosnuss bei ihm und hatte nach dem dritten Tag meinen eigenen Sitzplatz auf der anderen Seite der Luke, wo mir Patty allerlei Tipps und Tricks für meine Tagesausflüge an die Hand gab und spannende Informationen über die Gegend um Hikkaduwa und das Leben auf Sri Lanka mit mir teilte.

Und dann natürlich ab dem vierten Tag Jenny und Jusi, zwei Freunde aus meiner Heimatstadt, die mir auf der Straße prompt entgegenkamen, nachdem ich die Hoffnung auf ein Treffen bereits aufgegeben hatte. Unsere ursprüngliche Kommunikation wurde unterbrochen, als die Regierung von Sri Lanka aufgrund von Unruhen um Kandy Anfang März den Ausnahmezustand ausgerufen und die Social Media-Plattformen und Messaging-Dienste gesperrt hatte. Jenny und Jusi nach Australien im Sommer wiederzusehen und mit ihnen ein paar Tage verbringen zu können, war definitiv eines der Highlights. Auf bald, ihr Beiden!

Auf bald, Hikkaduwa!

Im Tsunami-Museum gab es eine Wand mit Bildern, die von Kindern gemalt wurden…
Viel Glück da draußen…
…und los!
Es war einmal…
Hashtag Kai, Hikkaduwa
Hashtag Kai, Hikkaduwa
Auf dem Markt in Hikkaduwa.
Auf dem Markt in Hikkaduwa.
Heiß war es in Hikkaduwa…
Patty…
…und Patty’s Kumpel, den er jeden Morgen mit Hühnerfleisch füttert.
…how good was yesterday… mit Jenny und Jusi.

Sri Lanka, Galle

Das Beeindruckendste in Galle ist sicher das Fort, dass mehrere Jahrhunderte lang die Bucht und den Hafen von Galle bewachte und sich auch heute noch erfolgreich gegen den Verfall durch Wind und Wetter wehrt. 1588 von den Portugiesen erbaut, 1649 von den Niederländern erobert und ausgebaut, 1796 dann von den Briten übernommen, fiel es erst 1948 in srilankische Hand, als Sri Lanka für unabhängig erklärt wurde und die Briten wieder nach hause segelten. Direkt an der Küste gelegen, sieht man auf den mächtigen Mauern aus Stein stehend, hinaus in die Weiten des indischen Ozeans. Heute schlagen die Wellen nur sanft gegen den Felsen unter mir, vom Meer her weht eine leichte Brise und es duftet nach Salz und frischem Fisch.

Sri Lanka, Ella, Nine Arches Bridge

Sri Lanka, Land des Zuges. Nachdem mich mein Weg gestern auf den Zuggleisen Richtung Süden geführt hat, nehme ich heute die andere Richtung. Über die einzelnen Schwellen aus altem Holz gehend, über alle zwei Schwellen springend, auf einer der beiden Schienen dahin balancierend, neben dem Gleis trottend, ist mein Ziel die etwa 45 Minuten entfernte Nine Arches Bridge, die für ihre spezielle Bauweise bekannt ist. Wie der Name bereits ableiten lässt, fährt der Zug hier über neun Gewölbebogen aus Stein hinweg.

Als ich an der Brücke ankomme, befinden sich überraschend viele Touristen auf dem Bauwerk und ich erfahre im Vorbeigehen, dass der Zug bald kommt, was die Menschen hier alle warten lässt. Die hier wartenden Menschen warten also darauf, dass ein Zug über eine Brücke fährt. Die Menschen stehen an den Gleisen, einige sind bereits auf den nahegelegenen Berg geklettert, um den Zug noch besser sehen zu können. Ein Schauspiel, dass vermutlicher schneller vorbei ist, als es überhaupt angefangen hat. “Ah, schau mal!”, beim Durchblättern des Fotoalbums, “das war während unseres Sri Lanka-Aufenthalts im Frühjahr 2018…da ist damals der Zug hier über die Brücke gefahren”. Dabei ist der Zug noch nicht mal sonderlich hübsch. Die Brücke ist es. Massiv aber durch die schmale Bauweise und die geschwungenen Bögen gleichzeitig elegant steht sie in einer kleinen Senke und verbindet die beiden höhergelegenen Seiten des Tals stilvoll miteinander. Aus einfachen Backsteinen erbaut und aus einem Meer kleiner Tee-Bäume herausragend versprüht sie ihren Charme. Ein schönes Bauwerk.

So, und was den Zug und die Überfahrt angeht…gut, ich meine…wenn ich schonmal da bin!? Den Standpunkt der anderen Leute berücksichtigend und die Umgebung mit meinen Augen auskundschaftend entscheide ich mich für eine Stelle auf der anderen Seite des Talkessels, von wo aus ich auf einem Zug-Brücken-Foto die ganzen Touristen ausgrenzen kann. Gut, ein Foto mit der Innenseite der Brückenbiegung wäre schöner…aber eben auch bevölkerungsreicher. Ich überquere die Brücke zurück zur anderen Seite, halte mich links und verlasse den Hauptweg auf einen kleinen Pfad. Unter Ästen hindurchbückend, durchs hohe Gras watend, am Abgrund entlang hangelnd, auf einen Steinhaufen kletternd, stehe ich 15 Minuten später auf meiner zuvor erspähten Position inmitten von ein paar Bäumen. Wenige Zentimeter weiter runter in die Hocke gehend, habe ich die Brücke schön im Blick. Definitiv eine besondere und seltene Perspektive auf das schöne Bauwerk. Ich nehme meinen Fotoapparat in Anschlag, nehme meine auf die Situation angepassten Einstellungen vor, setze die Fokussierung und stehe wieder hin, weil ich in dieser Position unmöglich längere Zeit verharren kann. Während mich das Gras in den Kniekehlen kitzelt und sich die Moskitos an mir vergehen, wird es dunkler…und ich hab bald ein Bild vom Zug. Die Minuten vergehen und nichts passiert. Nach 10 Minuten korrigiere ich die Einstellungen meiner Kamera, da es inzwischen spürbar dunkler geworden ist. Weiter wartend und bereits überlegend, wie lange die Meute hier wohl warten würde, wenn der Zug aufgrund eines Defekts überhaupt nicht erscheinen würde, höre ich das Signalhorn. Ein zweites Mal, ein drittes Mal und dann ist er da. Langsam rattert er über die Nine Arches Bridge hinweg. Ich gehe wieder leicht in die Hocke, nehme meine Kamera in den Anschlag und…klick…klick…schieße meine Fotos.

Etwa eine Minute später ist der Zug hinter der nächsten Biegung verschwunden. Ich packe meine Kamera in meinen Rucksack und mache mich eilig in Richtung der Gleise auf. Wenn ich mich beeile, bin ich mit meinem Zug-Brücken-Foto vor den Anderen in Ella.

Ich alter Touri…

Sri Lanka, Ella, Ella Rock

Für meinen Geburtstag habe ich mir etwas Besonderes gegönnt und für drei Nächte im Ella Nature View eingecheckt. Ein großes, geräumiges Zimmer, ein riesiges Bett, ein Bad für mich ganz alleine und einen Balkon mit einer Aussicht, wie sie schöner nicht sein kann.

Um meinen Tag auf besondere Art zu beginnen, habe ich mir mein Frühstück für den heutigen Morgen aufs Zimmer bestellt…und werde prompt bereits 30 Minuten früher als vereinbart vom Hotelmanager mit einer kleinen Torte an meiner Zimmertüre überrascht. Nach einem ausgiebigen Frühstück, dass ich, bei strahlendem Sonnenschein und der klaren Sicht auf die umliegenden Berghänge sowie das Städtchen Ella im Tal, auf meinem privaten Balkon genieße, mache ich mich gemütlich für den Tag fertig. Als stahlharter Kerl möchte ich mir heute beweisen, dass ich trotz neuem Lebensjahr, dass mein Alter auf einen neuen Höchststand setzt, konditionstechnisch noch ganz der Junge bin. Der größte Berg um Ella ist der Ella Rock, der mir hierfür gerade recht kommt…und ich habe so Lust, mehr von dieser schönen Landschaft zu bestaunen!

Bevor ich mich auf den Weg mache, lasse ich mich vom hauseigenen TukTuk-Fahrer nach Ella ins Tal fahren, wo ich mich mit Wasser und Bananen eindecke. Und dann laufe ich los: Zunächst zurück zu den Bahngleisen und dann auf den Gleisen entlang in Richtung Süden. Ich bin spät losgekommen heute, wodurch mir viele Wanderer auf meinem Weg bereits entgegenkommen…dann habe ich den Gipfel schon für mich! Nach etwa 20 Minuten überquere ich eine alte Eisenbrücke und biege danach links auf einen kleinen Pfad ein, überquere einen kleinen Fluss über eine Steinbrücke (unter Steg stell ich mir irgendwie eher was selbst Zusammengebautes aus Holz vor) und beginne den Aufstieg über den kleinen Pfad, der mich mich zunächst in meterhohem Gras verlieren lässt. Keine Menschenseele kommt mir hier nun mehr entgegen, die ich nach dem Weg fragen könnte und so vertraue ich einzig auf das Kopfnicken eines jungen Mannes, der mir am Fluss entgegenkam und dem Pfad selbst, der sich unaufhörlich den Berg hochwindet. Schließlich wird das hohe Gras kürzer, ich sehe wieder Tageslicht und betrete eine Teeplantage, deren Bäume ich passiere, bevor ich erneut in hohes Gras eintauche. Als mein elektronischer Offline-Atlas mithilfe des GPS-Signals meines Mobiltelefons endlich meine Position im Nirgendwo lokalisiert hat, bekomme ich die Gewissheit, dass ich richtig bin. Und dann beginnt der Aufstieg…

Während sich das Wetter verschlechtert und sich Wolken über dem Tal am Ella Rock zusammenziehen, führt mich der Trampelpfad an einem Berghang entlang in das Waldgebiet am Fuße meines Ziels. Der Aufstieg ist hart und führt mich über Stock und Stein, mehr oder weniger querfeldein, durch den Wald nach oben. Die Steigung ist deutlich steiler als erwartet und meine Atmung wird tiefer…nicht nur einmal verwende ich zusätzlich meine Hände, um weiter nach oben zu gelangen…mit wandern hat das nichts mehr zu tun…oooh, wie ich das liebe! Ich spüre die Anstrengung in meinem ganzen Körper und merke, wie der Aufstieg an meinen Kräften zehrt, während ich den Hang zügig weiter nach oben klettere. Ich liebe es, eins mit der Natur zu sein und dabei den eigenen Körper zu spüren, auszulaugen. “Du alte Sau hast es aber auch ganz schön in dir…”.

Mit den ersten Regentropfen erreiche ich schwer atmend den Gipfel und der Aussichtspunkt, eine schmale Klippe aus Fels und Gestein, die sich über den Hang hinauslehnt, liegt vor mir. Die Wolken hängen tief über meinem Kopf und es ist deutlich kühler hier oben. Wie erwartet, sind kaum Menschen hier. Ich trete vorsichtig auf die höchste, durch den Regen nun nasse und rutschige Klippe des Ella Rock in den Nieselregen hinaus und bestaune die Gegend unter mir und um mich herum, während ich damit beginne, meine leckeren Bananen zu verspeisen. War gar nicht so ohne…aber ich hab’s noch drauf!

Happy Birthday!

0.00Uhr…
Geburtstagsfrühstück…

Die Aussicht von meinem Balkon…
Der Aufstieg zum Ella Rock…
Der Aufstieg zum Ella Rock…
Einer meiner zwei Weggefährten und Beschützer…
Der kleinere Nachbar: Little Adam’s Peak.
Ella…

Sleep well, Ella Rock…