Es ist 15.40Uhr…und ich warte am Flughafen Auckland darauf, dass das Boarding für meinen Flug beginnt. Es ist Zeit Abschied zu nehmen von der grünen Insel…dem Land der langen weißen Wolke, wie Neuseeland in der Landessprache der Maori genannt wird. Ich versuche zu realisieren, dass ich in knapp 45 Minuten Neuseeland in Richtung Thailand, in Richtung Heimweg, verlassen werde und ein für mich sehr wichtiges Kapitel in meinem Leben zu Ende geht…ich war wirklich hier. Auf der anderen Seite der Welt. In Neuseeland. Das Land, das von Anfang an das Ziel meiner langen Reise sein sollte.
9 Wochen. Zuerst auf der Südinsel, wo ich zwischen den Saisons gereist bin und dadurch das Glück hatte, mit meinem gemieteten Campervan auf großteils leeren Straßen eher verlassene Ziele anzufahren und so viele Orte für mich ganz alleine hatte. Anschließend ging es auf die Nordinsel weiter…etwas mehr Menschen und etwas mehr Touristenattraktionen. Schöne Touristenattraktionen. 9 Wochen, in denen ich bemerkenswerte Menschen kennenlernen durfte. 63 Tage, in denen ich unzählige magische Orte und magische Momente erleben durfte. Zwei Monate auf der anderen Seite der Welt…wo ich wiedereinmal sehr wichtige Dinge über mich und das Leben gelernt habe.
Neuseeland ist definitiv eine Reise wert. Mal sehen…vielleicht ja auch zwei. Aber jetzt freue ich mich dann erstmal auf zuhause.
Die letzten Tage meines Neuseeland-Aufenthalts verbringe ich in New Plymouth. Direkt am Meer gelegen, erstreckt sich die Stadt unweit des Mount Taranaki.
Laut den Legenden der Maori lebte der Vulkan Taranaki einst friedlich mit all den anderen Berggöttern im Zentrum der Nordinsel, bis er sich in Pihanga verliebte, die Tongariro versprochen war. Es kam zum Streit und Taranaki entschloss sich dazu, weiter in den Südwesten zu ziehen. Ob er sich aus Ärger, Scham oder des Friedens Willen dazu entschied, bleibt offen.
Das Gebiet um den Felsgiganten herum bietet unendliche Möglichkeiten für schöne Wanderungen und ich nehme mir selbstverständlich einen ganzen Tag Zeit, um die Gegend zu erkunden. Dass ich auf den 24. November hin nach New Plymouth komme, war aber bereits zu Beginn meiner Reise klar und hat einen anderen Hintergrund: Neuseelands größte Tattoo Convention.
Ich lasse meine Zeit in Neuseeland gemütlich ausklingen und während ich morgen wieder Richtung Auckland zu fahren habe, um mein Auto zurückzugeben, stelle ich fest, dass ich es noch immer nicht vollens realisiert habe, dass ich wirklich in Neuseeland bin.
Der Mount Taranaki.Rein ins Abenteuer…Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki..Auf den Wegen rund um den Mount Taranaki.
Mein Wecker klingelt um 05.30Uhr und um kurz nach 6.00Uhr steht der Bus vor dem Hostel, der mich zum Startpunkt des 19,4 Kilometer langen Tongariro Alpine Crossing fahren wird. Einer der weltweit schönsten Tagestrecks, wie man hört…
Der Morgen ist wieder einmal kalt, doch wie ich im Bus Platz genommen habe, wünschte ich, ich wäre draußen. Die Scheiben sind vom Kondenswasser beschlagen und im Bus herrscht dieser stickige, abgestandene, warme Zustand, den man nur morgens erleben kann, wenn sich menschliche Körper noch in der nächtlichen Ruhephase befinden und deswegen am heizen sind und gleichzeitig kein Sauerstoff in den geschlossenen Raum dringen kann. Der Großteil der Passagiere ist bereits in Taupo in den Bus gestiegen und heizt seit einer Stunde. Ekelhaft!
Als wir den Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing erreichen, bin ich froh, als ich den Bus verlassen kann. Eisige Morgenluft strömt mir entgegen und die Sonne blendet mich, die genau in dem Moment hinter dem Mount Ngauruhoe emporsteigt. Obwohl es früh am Morgen ist, herrscht hier bereits wildes Treiben und mehrere große Busse haben links und rechts der Straße geparkt, aus denen motivierte Wanderer steigen. Während ein Teil direkt losstürmt, machen andere noch Fotos oder nehmen eine erste Stärkung zu sich. Ich stülpe mir mein Schlauchtuch über den Kopf, ziehe den Reißverschluss meiner Fleecejacke bis oben zu und setze mich in Bewegung. 07.10Uhr.
Der Weg führt zunächst durch ein altes Flußbett, durch ehemalige Lavaströme und während die Sonne höher und höher steigt, kommt mir der Mount Ngauruhoe näher und näher. Der Aufstieg zum “South Crater” zwischen dem Mount Ngauruhoe und dem Mount Tongariro ist steiler als gedacht und ich verstaue meine Fleecejacke bereits auf halbem Weg in meinem Rucksack. Hunderte von schmalen Stufen sind in den harten Fels unter mir eingearbeitet worden; das Devil’s Staircase, zu deutsch: Treppenhaus des Teufels, hat es in sich. Die Aussicht auf die hinter mir liegende Ebene ist bereits von hier sensationell, einzig die langsameren Wanderer auf dem schmalen Pfad vor mir sind etwas störend. Aber schließlich hat jeder das Recht, sich an diesem einzigartigen Treck zu versuchen.
Oben angekommen, finde ich mich im Schnee wieder. Zu meiner Rechten ragt steil der Mount Ngauruhoe empor, der Herr der Ringe-Fans auch als Mount Doom, als Schicksalsberg, bekannt sein dürfte. Einst konnte von hier aus der Weg zum Gipfel in Angriff genommen werden, inzwischen wurden die Wegmarkierungen zum inneren Krater hin allerdings entfernt; der Berg ist den Maoris heilig und der Aufstieg aufgrund von losem Geröll sehr gefährlich. Schade!
Vor mir eröffnet sich mir eine große, weiße Fläche, der South Crater, und ich gehe weiter. Der Weg zieht sich, doch schließlich tut sich eine weitere Felswand vor mir auf, die zum höchsten Punkt des Trecks führt. Der immernoch aktive Red Crater. 1.886 Meter. Inzwischen bin ich drei Stunden unterwegs, doch meine Begeisterung treibt mich weiter.
Ganz oben angekommen, hüllt sich alles um mich herum in gespenstischen Nebel. Kühle Nebelschwaden ziehen vor mir vorbei und ich kann die sagenhafte Aussicht großteils nur erahnen. Während ich den Aufstieg über schneebedeckten Fels regelrecht erklettern musste, schlittere ich den Abstieg über loses Vulkangestein hinunter und tue mir schwer, festen Halt zu finden.
Ich weiß schon, wieso wir Gondeln lieber runterwärts nutzen, BRÜDERLE!
Das Ziel ist es allerdings wert. Unter mir kommen die Emerald Lakes zum Vorschein, drei kleine Kraterseen, deren Wasser aufgrund der geothermischen Aktivitäten in einem farbintensiven Grün leuchtet. Die Sicht auf die umliegenden Täler und Bergspitzen wird klarer.
Es geht weiter über ein zweites schneebedecktes Feld in Richtung Blue Lake und mit fallenden Höhenmetern verändert sich die Landschaft allmählich. Der Schnee wird weniger und gibt bewachsene Hänge frei, an denen mich ein schmaler, festgetretener Pfad entlangführt. Mehr und mehr kommen kleine Blüten kleiner Pflanzen zum Vorschein, erst gelbe, dann auch weiße. Der Schnee verschwindet schließlich ganz und die Hänge werden grün. Zu meiner Rechten liegt ein Tal von dem aus sich ein Hang voller schwarzem Vulkangestein zum Mount Ngauruhoe und dem Mount Tongariro hin emporreckt, deren Vorhöhen bedrohliche Schwefelgassäulen gen Himmel blasen. Ehrfurchterregend!
Danach geht es stetig bergab. Zunächst noch durch die klassische Tundra, die in hellbraunen Farbtönen um mich herum erstrahlt, dann durch dichten Wald, der in allerlei frischen Grüntönen leuchtet. Und dann, nach 19,4 Kilometern und 5 ½ Stunden erreiche ich den Ketetahi Parkplatz, das Ende eines definitiv ganz besonderen Tagestrecks auf dieser Welt.
Morgens, kurz nach 7.00Uhr, am Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing.Mount Ngauruhoe; der Schicksalsberg!Die ersten Meter……und die Sonne steigt höher und höher. …am Fuße des Mount Doom…Hier dominiert Vulkangestein das Landschaftsbild.Und dann gehts hoch…vor mir liegt „Devil’s Staircase“.Von dort bin ich gekommen……und dorthin gehe ich weiter.“South Crater”.Und dann eröffnet sich mir die Aussicht auf das von hohen Bergen umgebene „Mordor“.Der „Red Crater“ auf 1.886 Meter.Kannst du den Ruß-Film im Schnee sehen?Der Abstieg über loses Vulkangestein……zu den Emerald Lakes.Wow!Wow!WOW!…und weiter in Richtung Blue Lake.Ein Fuß vor den anderen……bis zum Ziel…Blue Lake.Ein Blick zurück.Und nochmal.Und dann wird der Schnee schließlich weniger……und mir eröffnet sich……der Blick ins Tal. Der Schnee wird weniger und weniger……und ist letztendlich ganz verschwunden.Die Landschaft wird wieder von Vulkangestein dominiert.Und es geht tiefer und tiefer……in Richtung Tal. Ein Blick zurück zu den rauchigen Hängen. Die Hochebene aus weiter Ferne. …und dann habe ich wieder Farn um mich herum.
Auf Rotorua hab ich mich bereits seit Beginn meiner Reise gefreut. Die “Schwefelstadt” liegt inmitten Neuseelands dynamischster Thermalgegend und ist einer der berühmtesten Orte der Nordinsel. Dampfende Quellen voller kochendem Grundwasser, brodelnde Schlammtümpel, aufbrausende Geysire und Schwefelgas-Schwaden, die durch die Stadt ziehen und überall einen “Duft” nach faulen Eiern verbreiten. Die gesamte Region um Rotorua wird durch vulkanische Aktivitäten geprägt, aber hier im Stadtgarten und um das Städtchen herum wird einem vermutlich besser als sonstwo verdeutlicht, wie enorm die unterirdische Gewalt ist.
Rotoruas Museum ist leider bereits seit dem Frühjahr 2016 aufgrund eines Erdbeben-Schadens geschlossen aber Informationen und Einblicke in die Besonderheiten der Region und die Kultur der Maori bekommt man auch über andere Quellen. Te Puia zum Beispiel liegt am südlichen Stadtrand und umfasst als Thermal-Schutzgebiet über 500 Quellen. Es ist die erste Attraktion, die ich ansteuere und prompt finde ich mich in einer geführten Tour durchs Gelände wieder, die durch eine Maori durchgeführt wird, von der wir acht Teilnehmer vor allem viel Wissenswertes über die Verbundenheit der Maori zu diesem Ort erfahren. Der Kuirau Park ist der Stadtpark von Rotorua, wo ebenfalls eine Vielzahl an unterschiedlich großen Tümpeln zu finden sind, die brodeln und spritzen. Selbst der kleine Bach, der sich durchs Gelände windet führt kochendes Wasser und gelegentlich finden sich Öffnungen im Gestein, aus denen Schwefelgas aufsteigt. Wie heiß muss es hier unter der Erde sein?
Gestern morgen ist mir Claudia, die ich auf meiner Tour nach Hobbiton kennengelernt habe, überraschend bei meinem morgendlichen Cappuccino in einem Cafè wieder über den Weg gelaufen und wir sind zusammen in den Redwoods Forest südwestlich der Stadt gefahren. Herrliche Waldwege führen hier zwischen großen uralten Mammutbäumen und meterhohen Farnen hindurch. Über einen Baumwipfelpfad, der sich zwischen sechs und zwölf Metern Höhe an den Stämmen entlangwindet, haben wir einen schönen Blick von oben und verschaffen uns schließlich einen groben Überblick, bevor wir ein Stockwerk tiefer auf dem Waldboden unsere Runde drehen. Das Wetter ist zwar regnerisch, doch die gigantischen Baumkronen der Waldriesen halten das meiste Wasser von oben ab und wir bleiben trocken.
Und dann gibt es da das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland, dass ich mir heute anschaue. Das Areal liegt etwa 30 Kilometer südlich der Stadt in Richtung Taupo und wartet mit ein paar sehr schönen geothermischen Phänomenen auf…das erklärt schließlich auch, wieso das Maori-Wort “Wai-O-Tapu” übersetzt “Heilige Wasser” bedeutet.
Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, Energie aus der Natur schöpft und sich an den kleinen Kunstwerken erfreut, welche Mutter Natur so zauberhaft kreiert, der wird diese Gegend lieben. Sehr beeindruckend!
Te Puia bei Rotorua…hier ist ein normaler Bach zu sehen, dessen Wasser unmittelbar an einer heißen Quelle vorbeifließt. Temperaturunterschied etwa 80°C.
Te Puia bei Rotorua…ein wasserspukender Geysir.
Te Puia bei Rotorua…geothermisches Gebiet.
Te Puia bei Rotorua…geothermisches Gebiet.
Te Puia bei Rotorua…aufgrund von freigesetzten Mineralien und Gasen entstehen intensivste Verfärbungen.
Te Puia bei Rotorua…aufgrund von freigesetzten Mineralien und Gasen entstehen intensivste Verfärbungen.
Nach einem kurzen, eintägigen Zwischenstopp in Auckland bin ich direkt weiter nach Matamata gefahren, von wo aus ich heute nach Hobbiton, zu deutsch Hobbingen, aufbreche. Hobbiton liegt etwa 30 Minuten außerhalb von Matamata auf dem Gelände einer großen Farm und diente seinerzeit als Drehort für die Heimat von Bilbo und Frodo Beutlin, Sam Gamdschie, Merry Brandybock und Pippin Tuk. Die Heimat der Hobbits aus dem Auenland, Charaktere und Schauplatz aus den Filmtrilogien “Der Herr der Ringe” und “Der Hobbit”, wurde für die jeweiligen Dreharbeiten aufwändigst und unter Berücksichtigung etlicher Details in die Landschaft eingebettet und ist der einzige Drehort, der nach Abschluss der Dreharbeiten nicht zurückgebaut und wieder in den Originalzustand versetzt wurde.
Der Besuch von Hobbiton ist nur im Zuge einer Tour möglich, für die ich mit dem Bus in Matamata abgeholt werde. Wie ich vor dem Informationszentrum in Matamata stehe und auf den Bus warte, lerne ich Claudia aus Wales kennen, die ebenfalls die Tour mitmacht. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und sitzen schließlich auch im Bus nebeneinander, sprechen über unsere bisherigen Reiseerlebnisse, diskutieren über die Vor- und Nachteile von Neuseeland gegenüber zuhause.
Wie wir in Hobbiton ankommen, verlassen wir den Bus und folgen unserem Tourguide, Leonie aus “Germany”, einen schmalen Kiesweg entlang um einen kleinen Hügel herum. Hinter dem Hügel eröffnet sich uns der Blick…ins Auenland. Ich realisiere es im ersten Moment überhaupt nicht und schaue zu meiner Rechten, wo Claudia steht, nachdem ich ihr geflüstertes “oh my god” höre. Sie steht da mit den Händen auf den Wangen, die weit aufgerissen Augen geradeaus gerichtet. Und dann ist meine Wahrnehmung wieder da. Da ist der große Baum und der Festplatz. Hier sind die Fenster einer Hobbithöhle zu sehen. Dort ragt ein kleiner Kamin aus dem Hügel und daneben hängen kleine Kleidungsstücke auf einer zwischen zwei Holzstöcken gespannten Wäscheleine. Wie in einem Kessel liegt Hobbingen vor mir, eingebettet in unterschiedlich hohen Grashügeln und ist durchzogen von kleinen Pfaden und überall sind bunte, runde Haustüren mit hübschen Vorgärten davor zu sehen. Und hoch oben an der höchsten Stelle, in der Mitte des kleinen Kessels, steht ein großer Baum, der mir bekannt vorkommt und darunter befindet sich eine grüne, runde Türe, die mir vertraut ist. Die Haustür zur Höhle der Beutlins. Obwohl überall kleine Menschengrüppchen zu sehen sind, komme ich mir vor wie im Film. Bis auf die fehlenden Hobbits ist hier alles genauso, wie man es sich vorgestellt hat. Unglaublich!
ABER: Ich muss an dieser Stelle vermerken, dass ich vom Konzept des Veranstalters sehr enttäuscht bin. Der Besucher wird trotz des hohen Preises zügig durch das Areal gedrängt, wodurch man sich zu Beginn der Tour entscheiden muss, ob man am Anfang der Gruppe läuft und den Erzählungen des Tourguides folgt oder sich ans Ende der Gruppe setzt, um das ein oder andere Foto zu schießen, ohne andere Besucher im Bild zu haben. Am Ende der Tour bekommt man im Gasthaus “Green Dragon” dann noch ein Bier spendiert, für das einem zwanzig Minuten eingeräumt werden; bewundert man das Gebäude zunächst noch von außen und schießt das ein oder andere Foto, kommt das spendierte Bier genießen einem Wettexen gleich. Schade!
Das städtische Tourismusbüro in Matamata.
Frodo scheint „in da house“ zu sein…
Und dann eröffnet sich mir der Blick ins Auenland…
Ist grad gaaanz schlecht…ich bin auf dem Sprung…
Kennst du diesen Vorgarten?
Scheint keiner zuhause zu sein bei Beutlins…klar, Frodo ist ja in Matamata.
Vergleiche mal das Photo mit meinem Blog-Titelbild…fällt dir was auf? DAS war ein kleiner Wunsch von mir seit Beginn meiner Reise.
Irgendwie sieht’s nach Regen aus…
Hier die Haustür der Gamdschies… Sam ist wohl wieder mit Frodo unterwegs.
Zurück nach Auckland nehme ich die Strecke entlang der Westküste. Kurz nach Mangamuka biege ich hierzu rechts auf den Mangamuka Road ab und folge langsam der kurvigen Landstraße in Richtung Südwesten, bis ich bei Rawene einen großen Meeresarm mittels kleiner Autofähre zu überqueren habe. Geduldig warte ich am Ufer, bis die Fähre von der anderen Seite übergesetzt hat und lasse mich ans südliche Ufer überführen, wo ich nach einer kurzen Fahrt auf den State Highway 12 einbiege, der mich ab sofort wieder etwas zügiger voranbringt.
Mein Weg führt mich nun zunächst am Meeresarm entlang und ich komme nicht umhin, an einem der zahlreichen Aussichtspunkte anzuhalten und ein Stück weit die Klippen entlangzugehen.
Und dann verändert sich das Landschaftsbild wieder einmal. Die Straße wird kurviger und scheint sich schließlich auch zu verengen, bis mir auffällt, dass zweiteres daran liegt, dass die Bäume größer werden und näher an die Straße heranwachsen. Links und rechts der Straße sehe ich nun vermehrt sogenannte Kauri-Bäume, die bis zu 50 Meter hoch in den Himmel wachsen und auf einen Stammdurchmesser von bis zu 4 Metern kommen. Richtige Giganten also. Ich fahre in das Gebiet des Waipoua Waldes und erreiche schließlich eine kleineLichtung, auf der sich links der Straße ein paar Parkplätze auftun und dahinter eine grün leuchtete Picknickwiese zum Vorschein kommt. Am Eingang zur Lichtung steht ein Cafèwagen, den ich als erstes ansteuere, nachdem ich mein Auto geparkt habe. Die Sonne scheint und es ist warm; ich bestelle einen Cappuccino und setze mich vor dem umgebauten Wohnwagen auf ein Kissen am Boden. Ich frage die beiden Frauen hinter der Kaffeemaschine nach einer Alternative zu dem gewöhnlichen Pappbecher und eine der beiden bietet mir ihr Glas als Trinkgefäß an; als Dank für die Mülleinsparung erlassen sie mir einen Dollar und wir kommen ins Gespräch…
45 Minuten später stehe ich vor dem Tāne Mahuta und es macht sich Ehrfurcht in mir breit. Die beiden Maori-Damen aus dem Cafèwagen haben mir bereits erzählt, dass der “Gott des Waldes”, wie ihn die Maoris betiteln, ungeschlagene 51,2 Meter hoch und 4,4 Meter breit ist…der größte bekannte Kauri-Baum. Nice to meet you!
Nach einem weiteren Cappuccino setze ich meinen Weg fort und nach einem sehr schönen Spaziergang durch diesen beeindruckenden, dichten Wald voller gigantischer Kauri-Bäume und allerlei verschiedener Farne nur wenige hundert Meter weit entfernt vom Tāne Mahuta, nehme ich wieder Kurs auf Auckland.
Der Vorteil, wenn man auf Landstraßen unterwegs ist, ist der, dass man mehr von der Umgebung wahrnimmt und durch das meist spektakulärere Hinterland kommt. Die Straße, auf der ich fahre, zieht sich gemächlich über die grünen Hügel Neuseelands, vorbei an Viehweiden und hindurch durch kleine Ortschaften, immer wieder mal den Blick auf das funkelnde Meer in der Ferne freigebend.
Es ist noch ein langer Weg bis nach Auckland…zum Glück.
Die nördliche Westküste nach Rawene.
Die nördliche Westküste nach Rawene.
Die nördliche Westküste nach Rawene.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Farne liebe?
…und dass Baumfarne bis zu 10 Meter hoch wachsen?
Unvorstellbar, nicht wahr!
Und dann stehe ich vor Tāne Mahuta, dem Gott des Waldes, der geschätzt 2.000 Jahre alt ist…und den ich nicht so wirklich aufs Bild bekomme. Kleine Randinfo: Die ersten Blätter wachsen in 17,7 Meter und es wachsen insgesamt 52 unterschiedliche Pflanzen AUF ihm. Das isolierte Biotop erstreckt sich bis zu den höchsten Zweigen des Kauri-Baumes in 51,5 Meter.
Den zweithöchsten Kauri-Baum Neuseelands treffe ich besser…
Mein Weg hat mich inzwischen bis in den hohen Norden geführt. Die letzten 100 Kilometer ab Kaitaia lege ich auf einem alten Bekannten, dem State Highway 1, zurück, der sich hier oben im Norden kurvenreich zwischen grünen Hügeln und schließlich bergiger Tundra dahinwindet.
Der State Highway 1 ist der längste und somit auch bedeutendste Highway Neuseelands und führt vom Cape Reinga im hohen Norden bis runter auf die Südinsel, nach Bluff, von wo aus die Fähren nach Stewart Island ablegen.
Wie ich am Cape ankomme ist es sehr windig aber klar. Gemütlich laufe ich zunächst raus zum Leuchtturm, von wo aus man auf die beiden Meere sehen kann. Hier am Cape treffen nämlich die Tasmansee und der pazifische Ozean aufeinander, was man anhand der unterschiedlichen Wasserfärbungen ganz schön sehen kann.
Vom nordwestlichsten Punkt der Nordinsel wandere ich etwas mehr Richtung Osten und gelange über den wundervollen Cape Reinga Coastel Walkway entlang der felsigen Klippen schließlich zur menschenleeren Sandy Bay, wo ich mich niederlasse und die Geräusche der Wellen auf mich wirken lasse.
Auf dem Rückweg Richtung Süden nehme ich dann noch einen kleinen Umweg auf mich und fahre einen Teil der Strecke über den Ninety Mile Beach Road, ein Strandabschnitt des Ninety Mile-Strands, der als offizielle Straße ausgewiesen ist. Lässt mich spontan an meine dreitägige Allrad Jeeptour vor zwei Jahren in Australien auf der Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, zurückdenken, auf der ich meinen bisher wohl beeindruckendsten Blick aufs Meer erhascht habe.
Die Klippen am Cape Reinga.
Die Klippen am Cape Reinga.
Das Cape Reinga.
Die Klippen am Cape Reinga.
Der kleine Baum in der Mitte am Hang des linken Felsens trägt den Namen „Te Aroha“ und markiert laut den Maori den Eingang zur Unterwelt, wo die Geister auf durch des Baumes Wurzeln geformten Stufen nach unten steigen…
Paihia ist ein nicht all zu großes Städtchen im Nordosten der Nordinsel und liegt unmittelbar an der Bay of Islands. Was die historische Lage angeht, so befindet sich Paihia nur wenige hundert Meter südlich von Waitangi entfernt, wo die Mehrheit der neuseeländischen Maori-Stämme und die Bevollmächtigten des britischen Empires im Jahr 1840 die erste Verfassung Neuseelands unterzeichneten.
Das Stadtzentrum besteht vor allem aus Souvenirläden und kleinen Cafès…und ich lasse mich von der Gemütlichkeit der Einheimischen und Tagestouristen anstecken.
Öffentliche Toilette von „Hundertwasser“.
Öffentliche Toilette von „Hundertwasser“.
Auf dem Weg durchs Hinterland…
In einer kleinen Kirche in Paihia.
In einer kleinen Kirche in Paihia.
In einer kleinen Kirche in Paihia.
Dort wurde einst die erste Verfassung Neuseelands unterzeichnet.
Schon bevor ich in Neuseeland angekommen bin, hatte ich von dem schönen Westen Aucklands gehört beziehungsweise gelesen und als ich dann auf der Südinsel unterwegs war, wurde mir die Region von Einheimischen aus Christchurch schließlich auch empfohlen. Dass ich jetzt hier bin, ist trotzdem Zufall und war nicht so ganz geplant…aber wie ich im 6 Bett Dorm des Piha Beachstay Hostels aufwache und aus dem Fenster schaue, scheint mir die Sonne entgegen und ich freue mich darauf, die Gegend zu erkunden.
Nach einem ausgiebigen Frühstück packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie in mein Mietauto, dass ich für die Erkundung der Nordinsel gestern in Auckland in Empfang genommen habe. Ein alter Nissan Bluebird. Graubraun. 252.000 gefahrene Kilometer. Mit Versicherung OHNE Selbstbeteiligung. Dieser Kamerad hat definitiv schon mehr von diesen Straßen gesehen, als meine letzten beiden Campervans zusammen. Ich wäre gerne nochmal eine Nacht in dem herzlichen Hostel geblieben, dass sich mit einem Privathaushalt vermischt und dadurch eher einer Airbnb-Unterkunft denn einem Hostel gleicht, doch leider ist für kommende Nacht kein Bett mehr frei.
10 Minuten später habe ich mein Auto am südlichen Abschnitt des Piha Beach geparkt und laufe bewaffnet mit meiner Kamera über den weichen Sand in Richtung Wasser. Meine Flipflops habe ich gemäß einem Globetrotter an meinem Rucksack befestigt und meine nackten Füße sinken mit jedem Schritt ein Stück weit in den pulvrigen Untergrund. Ich schlendere zunächst in Richtung “keyhole” und “the gap”, dann zurück über den südlichen Piha Beach und hoch auf den “lion rock”, von wo aus ich einen hervorragenden Blick auf den nördlichen Piha Beach, auf Piha und raus aufs Meer habe. Hatte der Himmel zunächst nochmal zugezogen, als ich den Strand erreicht hatte, klart er nun wieder auf und die Sonne wärmt meine Haut, während ich alleine auf dem “lion rock” sitze und innerlich zur Ruhe komme. Laut einer kleinen Infotafel, die hier aufgestellt ist, saß hier vor mehreren hundert Jahren bereits an ihrem Lieblingsplatz Ngati Tangiaro Taua, eine Prinzessin und später Stammesmutter des Maori-Stamms Te Kawerau a Maki. Eine geschnitzte Holzskulptur erinnert zusätzlich an die Mitglieder des Te Kawerau a Maki-Stamms, an seine Ahnen und die Wichtigkeit dieses Ortes für den Stamm. Mein Blick schweift in die Ferne, doch mein Geist ist ganz nah.
Irgendwann geht alles zu Ende und so befinde ich mich schließlich wieder im Auto und auf der Straße raus aus Piha. Durch eine Freundin in Christchurch habe ich den Tipp für einen angeblich wunderschönen Rundweg mit dem Namen Mercer Bay Loop Track erhalten, der sich unweit von Piha befindet. Der Rundweg befindet sich etwas abseits und ist nicht ausgeschildert, als ich ihn aber erreiche, eröffnet sich mir ein kleiner Parkplatz, auf dem ich meinen Wagen abstelle.
Der Mercer Bay Loop Track zieht sich als dünner aber fester, liebevoll angelegter Kiesweg die bewachsenen Klippen der Westküste südlich von Piha entlang. Während links der Fels weiter ansteigt, fällt er rechts mehrere Dutzend Meter steil ab. Was die Pflanzenwelt angeht, so ist hier gefühlt die ganze Flora der Welt vertreten. Der Boden links und rechts des Weges ist bedeckt von allerlei duftenden Kräutern und blühenden Bodendeckern, über deren Köpfen sich dann verschiedene mediterrane Sträucher und dichte Büsche mit ihren Zweigen voller runder, dicker oder auch langer, schmaler Blätter gen Sonnenlicht strecken. Hier wachsen Buchsgewächse, Palmlilien, verschiedene Palmengewächse und Farn nebeneinander und werden nur noch von den großen Palmen und Pinien beziehungsweise Kiefernbäumen überragt. Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie einst die verschiedensten Pflanzensamen durch die unterschiedlichsten Himmelswinde übers Meer hierher getragen wurden und die Insel zu blühen begann. Zwischen den Bäumen eröffnet sich mir immer wieder der Blick auf den hellblauen Ozean weit unter mir und die Wellen, die dort gegen den massiven Stein schlagen. Der Weg ist glaub einer der schönsten Pfade, die ich in Neuseeland bisher gelaufen bin, was sicher auch an dem herrlichen Wetter liegt, welches ich genießen darf…die Aussicht und die vielfältige Flora überwältigen mich, während mich die Sonne von oben wärmt und eine leichte Brise durch meine Haare streicht.
Der Westen Aucklands ist ganz besonders.
Der „lion rock“ vom South Piha Beach aus.
An „the gap“…
An „the gap“…
Die Holzskulptur auf dem „lion rock“…
…und der Blick auf den North Piha Beach, den Ngati Tangiaro Taua schon hatte.
…und dann kommt die Sonne raus.
Der South Piha Beach vom „lion rock“ aus.
…Sonnenschein…
North Piha Beach.
…und dann der Mercer Bay Loop Track.
…und die Aussicht.
…und dann gibt es nur noch meine Kamera und die Natur…
Auckland verwende ich vor allem dafür, um mal wieder runter zu kommen und meine Gedanken neu zu ordnen beziehungsweise die kommenden Wochen auf der Nordinsel grob zu planen.
Meine Tage bestehen selbstverständlich aus meinen typischen Sightseeing-Spaziergängen durch die Stadt sowie dem ein oder anderen kulturellen Gebäude- und Museumsbesuch. Doch ich widme mich auch meiner gemütlichen Seite…Cappuccino in gemütlichen Cafès, ein freundlicher Plausch mit den Einheimischen auf Englisch, gemütliches Schlendern durch die Läden der größten Stadt Neuseelands, vor orientalischen Restaurants eine Shisha blubbern und dazu heißen Apfeltee genießen.
Das Leben ist schön…
Der Sky Tower ist mit 328 Metern der höchste Fernsehturm der südlichen Hemisphäre.
Der Albert Park unweit des Stadtzentrums mit seinen hübschen Skulpturen und Parkbänkchen überall.
Auckland ist errichtet auf einem Feld aus Vulkanen. Die Vulkane ragen in der ganzen Region empor und sind auch mitten in der Stadt als große grasbewachsene Hügel sichtbar.
…auf denen vereinzelt auch Schafe grasen…mitten in der größten Stadt des Landes. Wirklich? Jup, ähähähächt!
Einer der Vulkane ist der „one tree hill“, dem die irische Rockband U2 1987 einen Song gewidmet hat.
Das Stadtzentrum von dem Vulkankegel „Mount Eden“ aus.
In diesem Land findet man wirklich überall Zeichen, dass Mittelerde existiert…
Für eine günstige aber gute Shisha empfehle ich das „little turkish cafe“ im Karangahape Road.