Schon bevor ich in Neuseeland angekommen bin, hatte ich von dem schönen Westen Aucklands gehört beziehungsweise gelesen und als ich dann auf der Südinsel unterwegs war, wurde mir die Region von Einheimischen aus Christchurch schließlich auch empfohlen. Dass ich jetzt hier bin, ist trotzdem Zufall und war nicht so ganz geplant…aber wie ich im 6 Bett Dorm des Piha Beachstay Hostels aufwache und aus dem Fenster schaue, scheint mir die Sonne entgegen und ich freue mich darauf, die Gegend zu erkunden.
Nach einem ausgiebigen Frühstück packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie in mein Mietauto, dass ich für die Erkundung der Nordinsel gestern in Auckland in Empfang genommen habe. Ein alter Nissan Bluebird. Graubraun. 252.000 gefahrene Kilometer. Mit Versicherung OHNE Selbstbeteiligung. Dieser Kamerad hat definitiv schon mehr von diesen Straßen gesehen, als meine letzten beiden Campervans zusammen. Ich wäre gerne nochmal eine Nacht in dem herzlichen Hostel geblieben, dass sich mit einem Privathaushalt vermischt und dadurch eher einer Airbnb-Unterkunft denn einem Hostel gleicht, doch leider ist für kommende Nacht kein Bett mehr frei.
10 Minuten später habe ich mein Auto am südlichen Abschnitt des Piha Beach geparkt und laufe bewaffnet mit meiner Kamera über den weichen Sand in Richtung Wasser. Meine Flipflops habe ich gemäß einem Globetrotter an meinem Rucksack befestigt und meine nackten Füße sinken mit jedem Schritt ein Stück weit in den pulvrigen Untergrund. Ich schlendere zunächst in Richtung “keyhole” und “the gap”, dann zurück über den südlichen Piha Beach und hoch auf den “lion rock”, von wo aus ich einen hervorragenden Blick auf den nördlichen Piha Beach, auf Piha und raus aufs Meer habe. Hatte der Himmel zunächst nochmal zugezogen, als ich den Strand erreicht hatte, klart er nun wieder auf und die Sonne wärmt meine Haut, während ich alleine auf dem “lion rock” sitze und innerlich zur Ruhe komme. Laut einer kleinen Infotafel, die hier aufgestellt ist, saß hier vor mehreren hundert Jahren bereits an ihrem Lieblingsplatz Ngati Tangiaro Taua, eine Prinzessin und später Stammesmutter des Maori-Stamms Te Kawerau a Maki. Eine geschnitzte Holzskulptur erinnert zusätzlich an die Mitglieder des Te Kawerau a Maki-Stamms, an seine Ahnen und die Wichtigkeit dieses Ortes für den Stamm. Mein Blick schweift in die Ferne, doch mein Geist ist ganz nah.
Irgendwann geht alles zu Ende und so befinde ich mich schließlich wieder im Auto und auf der Straße raus aus Piha. Durch eine Freundin in Christchurch habe ich den Tipp für einen angeblich wunderschönen Rundweg mit dem Namen Mercer Bay Loop Track erhalten, der sich unweit von Piha befindet. Der Rundweg befindet sich etwas abseits und ist nicht ausgeschildert, als ich ihn aber erreiche, eröffnet sich mir ein kleiner Parkplatz, auf dem ich meinen Wagen abstelle.
Der Mercer Bay Loop Track zieht sich als dünner aber fester, liebevoll angelegter Kiesweg die bewachsenen Klippen der Westküste südlich von Piha entlang. Während links der Fels weiter ansteigt, fällt er rechts mehrere Dutzend Meter steil ab. Was die Pflanzenwelt angeht, so ist hier gefühlt die ganze Flora der Welt vertreten. Der Boden links und rechts des Weges ist bedeckt von allerlei duftenden Kräutern und blühenden Bodendeckern, über deren Köpfen sich dann verschiedene mediterrane Sträucher und dichte Büsche mit ihren Zweigen voller runder, dicker oder auch langer, schmaler Blätter gen Sonnenlicht strecken. Hier wachsen Buchsgewächse, Palmlilien, verschiedene Palmengewächse und Farn nebeneinander und werden nur noch von den großen Palmen und Pinien beziehungsweise Kiefernbäumen überragt. Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie einst die verschiedensten Pflanzensamen durch die unterschiedlichsten Himmelswinde übers Meer hierher getragen wurden und die Insel zu blühen begann. Zwischen den Bäumen eröffnet sich mir immer wieder der Blick auf den hellblauen Ozean weit unter mir und die Wellen, die dort gegen den massiven Stein schlagen. Der Weg ist glaub einer der schönsten Pfade, die ich in Neuseeland bisher gelaufen bin, was sicher auch an dem herrlichen Wetter liegt, welches ich genießen darf…die Aussicht und die vielfältige Flora überwältigen mich, während mich die Sonne von oben wärmt und eine leichte Brise durch meine Haare streicht.
Der Westen Aucklands ist ganz besonders.




















