Neuseeland, Nördliche Westküste

Zurück nach Auckland nehme ich die Strecke entlang der Westküste. Kurz nach Mangamuka biege ich hierzu rechts auf den Mangamuka Road ab und folge langsam der kurvigen Landstraße in Richtung Südwesten, bis ich bei Rawene einen großen Meeresarm mittels kleiner Autofähre zu überqueren habe. Geduldig warte ich am Ufer, bis die Fähre von der anderen Seite übergesetzt hat und lasse mich ans südliche Ufer überführen, wo ich nach einer kurzen Fahrt auf den State Highway 12 einbiege, der mich ab sofort wieder etwas zügiger voranbringt.

Mein Weg führt mich nun zunächst am Meeresarm entlang und ich komme nicht umhin, an einem der zahlreichen Aussichtspunkte anzuhalten und ein Stück weit die Klippen entlangzugehen.

Und dann verändert sich das Landschaftsbild wieder einmal. Die Straße wird kurviger und scheint sich schließlich auch zu verengen, bis mir auffällt, dass zweiteres daran liegt, dass die Bäume größer werden und näher an die Straße heranwachsen. Links und rechts der Straße sehe ich nun vermehrt sogenannte Kauri-Bäume, die bis zu 50 Meter hoch in den Himmel wachsen und auf einen Stammdurchmesser von bis zu 4 Metern kommen. Richtige Giganten also. Ich fahre in das Gebiet des Waipoua Waldes und erreiche schließlich eine kleine Lichtung, auf der sich links der Straße ein paar Parkplätze auftun und dahinter eine grün leuchtete Picknickwiese zum Vorschein kommt. Am Eingang zur Lichtung steht ein Cafèwagen, den ich als erstes ansteuere, nachdem ich mein Auto geparkt habe. Die Sonne scheint und es ist warm; ich bestelle einen Cappuccino und setze mich vor dem umgebauten Wohnwagen auf ein Kissen am Boden. Ich frage die beiden Frauen hinter der Kaffeemaschine nach einer Alternative zu dem gewöhnlichen Pappbecher und eine der beiden bietet mir ihr Glas als Trinkgefäß an; als Dank für die Mülleinsparung erlassen sie mir einen Dollar und wir kommen ins Gespräch…

45 Minuten später stehe ich vor dem Tāne Mahuta und es macht sich Ehrfurcht in mir breit. Die beiden Maori-Damen aus dem Cafèwagen haben mir bereits erzählt, dass der “Gott des Waldes”, wie ihn die Maoris betiteln, ungeschlagene 51,2 Meter hoch und 4,4 Meter breit ist…der größte bekannte Kauri-Baum. Nice to meet you!

Nach einem weiteren Cappuccino setze ich meinen Weg fort und nach einem sehr schönen Spaziergang durch diesen beeindruckenden, dichten Wald voller gigantischer Kauri-Bäume und allerlei verschiedener Farne nur wenige hundert Meter weit entfernt vom Tāne Mahuta, nehme ich wieder Kurs auf Auckland.

Der Vorteil, wenn man auf Landstraßen unterwegs ist, ist der, dass man mehr von der Umgebung wahrnimmt und durch das meist spektakulärere Hinterland kommt. Die Straße, auf der ich fahre, zieht sich gemächlich über die grünen Hügel Neuseelands, vorbei an Viehweiden und hindurch durch kleine Ortschaften, immer wieder mal den Blick auf das funkelnde Meer in der Ferne freigebend.

Es ist noch ein langer Weg bis nach Auckland…zum Glück.

Die nördliche Westküste nach Rawene.
Die nördliche Westküste nach Rawene.
Die nördliche Westküste nach Rawene.
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Farne liebe?
…und dass Baumfarne bis zu 10 Meter hoch wachsen?
Unvorstellbar, nicht wahr!
Und dann stehe ich vor Tāne Mahuta, dem Gott des Waldes, der geschätzt 2.000 Jahre alt ist…und den ich nicht so wirklich aufs Bild bekomme. Kleine Randinfo: Die ersten Blätter wachsen in 17,7 Meter und es wachsen insgesamt 52 unterschiedliche Pflanzen AUF ihm. Das isolierte Biotop erstreckt sich bis zu den höchsten Zweigen des Kauri-Baumes in 51,5 Meter.
Den zweithöchsten Kauri-Baum Neuseelands treffe ich besser…
Die hing da so im Weg…
Weiter Richtung Auckland…
…was noch ein langer Weg ist.

Neuseeland, Piha

Schon bevor ich in Neuseeland angekommen bin, hatte ich von dem schönen Westen Aucklands gehört beziehungsweise gelesen und als ich dann auf der Südinsel unterwegs war, wurde mir die Region von Einheimischen aus Christchurch schließlich auch empfohlen. Dass ich jetzt hier bin, ist trotzdem Zufall und war nicht so ganz geplant…aber wie ich im 6 Bett Dorm des Piha Beachstay Hostels aufwache und aus dem Fenster schaue, scheint mir die Sonne entgegen und ich freue mich darauf, die Gegend zu erkunden.

Nach einem ausgiebigen Frühstück packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie in mein Mietauto, dass ich für die Erkundung der Nordinsel gestern in Auckland in Empfang genommen habe. Ein alter Nissan Bluebird. Graubraun. 252.000 gefahrene Kilometer. Mit Versicherung OHNE Selbstbeteiligung. Dieser Kamerad hat definitiv schon mehr von diesen Straßen gesehen, als meine letzten beiden Campervans zusammen. Ich wäre gerne nochmal eine Nacht in dem herzlichen Hostel geblieben, dass sich mit einem Privathaushalt vermischt und dadurch eher einer Airbnb-Unterkunft denn einem Hostel gleicht, doch leider ist für kommende Nacht kein Bett mehr frei.

10 Minuten später habe ich mein Auto am südlichen Abschnitt des Piha Beach geparkt und laufe bewaffnet mit meiner Kamera über den weichen Sand in Richtung Wasser. Meine Flipflops habe ich gemäß einem Globetrotter an meinem Rucksack befestigt und meine nackten Füße sinken mit jedem Schritt ein Stück weit in den pulvrigen Untergrund. Ich schlendere zunächst in Richtung “keyhole” und “the gap”, dann zurück über den südlichen Piha Beach und hoch auf den “lion rock”, von wo aus ich einen hervorragenden Blick auf den nördlichen Piha Beach, auf Piha und raus aufs Meer habe. Hatte der Himmel zunächst  nochmal zugezogen, als ich den Strand erreicht hatte, klart er nun wieder auf und die Sonne wärmt meine Haut, während ich alleine auf dem “lion rock” sitze und innerlich zur Ruhe komme. Laut einer kleinen Infotafel, die hier aufgestellt ist, saß hier vor mehreren hundert Jahren bereits an ihrem Lieblingsplatz Ngati Tangiaro Taua, eine Prinzessin und später Stammesmutter des Maori-Stamms Te Kawerau a Maki. Eine geschnitzte Holzskulptur erinnert zusätzlich an die Mitglieder des Te Kawerau a Maki-Stamms, an seine Ahnen und die Wichtigkeit dieses Ortes für den Stamm. Mein Blick schweift in die Ferne, doch mein Geist ist ganz nah.

Irgendwann geht alles zu Ende und so befinde ich mich schließlich wieder im Auto und auf der Straße raus aus Piha. Durch eine Freundin in Christchurch habe ich den Tipp für einen angeblich wunderschönen Rundweg mit dem Namen Mercer Bay Loop Track erhalten, der sich unweit von Piha befindet. Der Rundweg befindet sich etwas abseits und ist nicht ausgeschildert, als ich ihn aber erreiche, eröffnet sich mir ein kleiner Parkplatz, auf dem ich meinen Wagen abstelle.

Der Mercer Bay Loop Track zieht sich als dünner aber fester, liebevoll angelegter Kiesweg die bewachsenen Klippen der Westküste südlich von Piha entlang. Während links der Fels weiter ansteigt, fällt er rechts mehrere Dutzend Meter steil ab. Was die Pflanzenwelt angeht, so ist hier gefühlt die ganze Flora der Welt vertreten. Der Boden links und rechts des Weges ist bedeckt von allerlei duftenden Kräutern und blühenden Bodendeckern, über deren Köpfen sich dann verschiedene mediterrane Sträucher und dichte Büsche mit ihren Zweigen voller runder, dicker oder auch langer, schmaler Blätter gen Sonnenlicht strecken. Hier wachsen Buchsgewächse, Palmlilien, verschiedene Palmengewächse und Farn nebeneinander und werden nur noch von den großen Palmen und Pinien beziehungsweise Kiefernbäumen überragt. Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie einst die verschiedensten Pflanzensamen durch die unterschiedlichsten Himmelswinde übers Meer hierher getragen wurden und die Insel zu blühen begann. Zwischen den Bäumen eröffnet sich mir immer wieder der Blick auf den hellblauen Ozean weit unter mir und die Wellen, die dort gegen den massiven Stein schlagen. Der Weg ist glaub einer der schönsten Pfade, die ich in Neuseeland bisher gelaufen bin, was sicher auch an dem herrlichen Wetter liegt, welches ich genießen darf…die Aussicht und die vielfältige Flora überwältigen mich, während mich die Sonne von oben wärmt und eine leichte Brise durch meine Haare streicht.

Der Westen Aucklands ist ganz besonders.

Der „lion rock“ vom South Piha Beach aus.
An „the gap“…
An „the gap“…
Die Holzskulptur auf dem „lion rock“…
…und der Blick auf den North Piha Beach, den Ngati Tangiaro Taua schon hatte.
…und dann kommt die Sonne raus.
Der South Piha Beach vom „lion rock“ aus.
…Sonnenschein…
North Piha Beach.
…und dann der Mercer Bay Loop Track.
…und die Aussicht.

…und dann gibt es nur noch meine Kamera und die Natur…

Neuseeland, Die Westküste

Der Süden der Südinsel von Neuseeland ist atemberaubend und ich bin länger dort geblieben als ursprünglich gedacht. In 7 Tagen muss ich wieder in Christchurch sein und meinen Mietwagen abgeben. Nun heißt es Strecke machen…auf in den Norden.

Die Landschaft ist durchzogen von Seen…
…die teilweise regelrecht gespenstisch wirken.
Irgendwo entlang der Westküste…
…und wiedereinmal ist der Weg das Ziel.
Der Lake Matheson.
Ein neuseeländischer Vogel.
Der Franz Josef-Gletscher.
Die Pancake Rocks nahe Punakaiki.
Der gruselige Weg zur Straße zurück.
Die Westküste von ihrer wilden Seite…
…und von ihrer ruhigen.

Neuseeland, Von Queenstown über Wanaka zur Westküste

…von Queenstown aus wird es jetzt wieder bergiger. Ich möchte weiter nach Wanaka, nehme hierfür aber statt dem schnellen State Highway 6 den Crown Range Road durchs Hinterland, der in Cardrona in den Cardrona Valley Road übergeht und fahre schlussendlich eine der beeindruckendsten Strecken seit meinem Start in Christchurch. Der Crown Range Road gilt als höchstgelegenste Hauptstraße Neuseelands und führt mich im zickzack zwischen grasbewachsenen Bergen hindurch. Übernachten tue ich schließlich mit meinem Van auf einem Rastplatz an der höchsten Stelle des Weges und somit wohl auch einem der höheren Freecamping-Flächen des Landes.

Am nächsten Morgen fahre ich die letzten Kilometer bis nach Wanaka und dann direkt weiter über den etwa 30 Kilometer langen und unbefestigten Wanaka Mount Aspring Road zum Parkplatz Raspberry Flat. Die Anfahrt hierher ist ein wirkliches Abenteuer und führt über Kuh- und Schafsweiden sowie durch insgesamt 11 Furten. Einmal muss ich meine Fahrt unterbrechen, weil ein Bauer auf einem Golfcart und mithilfe von drei großen Hunden eine etwa 70 Tier starke Herde Rotwild über den Schotterweg vor mir treibt; sehr beeindruckend anzuschauen, wie Hund und Herrchen hier zusammenarbeiten. Vom Parkplatz Raspberry Flat aus mache ich mich auf den Weg zum Rob Roy-Gletscher und bekomme spätestens am höher gelegenen Aussichtspunkt, der sich unmittelbar unter dem Gletscher befindet, ein mulmiges Gefühl, da sich der Platz mitten im Lawinengebiet befindet, auf was mich drei Warnschilder bei meinem Aufstieg hingewiesen haben, und die Eismassen bedrohlich über den Fels hängen. Zum Glück geht hier alles gut und ich erlebe einen tollen Trek in einer sehr beeindruckenden Gegend. Den Abend lasse ich im Paradise Cinema ausklingen, in dessen gemütlichem Kinosaal Nummer 3 ich meinen ersten englischsprachigen Film ohne Untertitel von einer unfassbar bequemen Couch aus ansehe. Die neue Marvel-Verfilmung. Venom.

Von Wanaka aus geht es auf dem State Highway 6 über den Haast Pass weiter zur Westküste. A new adventure…

Mein Stellplatz für die Nacht am Crown Range Road.
Die Aussicht am Abend…
…und am frühen Morgen.
…und nach einem nochmaligen „power nap“.
Auf dem Weg zum Rob Roy-Gletscher sehe ich…eine richtig blöde Kuh!
Der Rob Roy-Gletscher vom unteren Aussichtspunkt aus.
…auf dem Weg zum oberen Aussichtspunkt.
Der Rob Roy-Gletscher.
Auf dem Rückweg zu meinem Van neuseeländisches Idyll.
Hello…i am from Europe!
Der Kinosaal.
Mein Stellplatz in Wanaka.
Wanaka Tree.
Die „Blue Pools“ auf dem Weg zum Haast Pass.