Es ist 15.40Uhr…und ich warte am Flughafen Auckland darauf, dass das Boarding für meinen Flug beginnt. Es ist Zeit Abschied zu nehmen von der grünen Insel…dem Land der langen weißen Wolke, wie Neuseeland in der Landessprache der Maori genannt wird. Ich versuche zu realisieren, dass ich in knapp 45 Minuten Neuseeland in Richtung Thailand, in Richtung Heimweg, verlassen werde und ein für mich sehr wichtiges Kapitel in meinem Leben zu Ende geht…ich war wirklich hier. Auf der anderen Seite der Welt. In Neuseeland. Das Land, das von Anfang an das Ziel meiner langen Reise sein sollte.
9 Wochen. Zuerst auf der Südinsel, wo ich zwischen den Saisons gereist bin und dadurch das Glück hatte, mit meinem gemieteten Campervan auf großteils leeren Straßen eher verlassene Ziele anzufahren und so viele Orte für mich ganz alleine hatte. Anschließend ging es auf die Nordinsel weiter…etwas mehr Menschen und etwas mehr Touristenattraktionen. Schöne Touristenattraktionen. 9 Wochen, in denen ich bemerkenswerte Menschen kennenlernen durfte. 63 Tage, in denen ich unzählige magische Orte und magische Momente erleben durfte. Zwei Monate auf der anderen Seite der Welt…wo ich wiedereinmal sehr wichtige Dinge über mich und das Leben gelernt habe.
Neuseeland ist definitiv eine Reise wert. Mal sehen…vielleicht ja auch zwei. Aber jetzt freue ich mich dann erstmal auf zuhause.
25 Tage. 4.311 gefahrene Kilometer. 656,- Euro für ein Fahrzeug. 579,- Euro für Benzin. 30,45 Euro für Cappuccino. Ich bin seit vier Tagen zurück in Christchurch und ziehe ein Resümee.
Mein Trip über die Südinsel Neuseelands war ein unglaubliches Erlebnis. So viele schöne und beeindruckende Orte. So viele Facetten unserer wunderbaren Natur. So viele einmalige Begegnungen mit freilebenden Tieren.
Nun geht es weiter nach Norden. Entlang der Ostküste, mit der Fähre von der Südinsel auf die Nordinsel, heißt mein nächstes Ziel Wellington.
Kaikoura liegt etwa 180 Kilometer nördlich von Christchurch an der Ostküste Neuseelands und ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Für seine Vielfalt an Meeresbewohnern und für Touren, um die Geschöpfe vom Wasser aus zu sichten. Ich bin gestern Abend in Kaikoura angekommen und hatte bereits im Vorhinein geplant, eine Tour mitzumachen. Was die Buchung angeht, so hab ich diese gestern Abend auch noch getätigt. Was die Tour angeht, so wollte ich Wale sehen…hab ich aber in Sydney vor fünf Wochen eigentlich auch schon…und hab mich spontan umentschieden…
Mein Wecker klingelt um 07.15Uhr, doch ich bin schon wach. Zu aufgeregt, was mich heute Vormittag erwartet, bin ich die Nacht über mehrmals aufgewacht. Um 8.00Uhr fahre ich schließlich vom Campingplatz, durchquere das kleine Örtchen Kaikoura und biege 10 Minuten später auf den Parkplatz des “Encounter…Kaikoura”-Centers ein, wo ich meinen Wagen abstelle. Rein ins Gebäude, bei der Anmeldung kurz die eigene körperliche Fitness und das Nichtvorhandensein von irgendwelchen physischen Einschränkungen bestätigen, befinde ich mich wenig später in einer Ausrüstungskammer und werde vom Ankleidepersonal abschätzend gemustert. Mit dem auf meine Körpergröße abgestimmten Equipment geht es weiter in einen Umkleideraum, wo ich auf andere männliche Tour-Teilnehmer treffe und wechsle meine Kleidung. Einen Longsuit-Glathautneoprenanzug in der Dicke von 5 Millimetern, eine zusätzliche Neoprenjacke, Neoprenschuhe sowie eine Neoprenhaube für den Kopf in jeweils ebenfalls 5 Millimeter Materialdicke; das Meerwasser hier scheint wirklich kalt zu sein. Mit Taucherbrille, Schnorchel und Schwimmflossen marschieren wir gemeinsam weiter in einen TV-Raum, wo uns mittels Videobotschaft mehr über den Ablauf unserer heutigen Tour sowie entsprechende Verhaltensrichtlinien und Tipps an die Hand gegeben werden. Anschließend geht es durch einen Ausgang auf der Rückseite des Gebäudes zu einem Bus, der uns zu unserem Boot im Hafen fährt und geschätzt 20 Minuten später passieren wir die Hafeneinfahrt in Richtung offener See.
Wir sind 12 Personen auf meinem Schiff plus zwei Mädels vom Veranstalterteam und dem Kapitän. Es ist kein kalter Morgen und wahrscheinlich gerade deswegen liegt die Küste vor Kaikoura in dichtem Nebel. Ich sehe gefühlt keine 50 Meter weit und kann nur hoffen, dass das Wetter noch weiter aufklart. Der Seegang ist immerhin ruhig heute morgen und es weht kaum ein Wind…bis auf die Sicht über Wasser eigentlich optimale Bedingungen. Nach etwa 30 Minuten hat der Kapitän gefunden, wonach er gesucht hat und unser Boot wird langsamer. Die beiden vom Veranstalterteam treiben uns an, uns aus der warmen Kabine im Inneren nach draußen in den hinteren Bereich des kleinen Schiffes zu begeben, unsere Neoprenhauben überzuziehen, die Schwimmflossen anzulegen…für die Taucherbrillen bekommen wir noch einen Spritzer Spülmittel aufs Glas, den wir mit den Fingern verreiben und was gegen das Beschlagen des Sichtfensters helfen soll. Das Boot ist zwischenzeitlich zum Stillstand gekommen, wir ziehen die Taucherbrillen übers Gesicht, führen die Schnorchel in den Mund und nehmen auf der Badeplattform hinten am Heck Platz, die über vier Stufen zum Wasser hin abflacht, um auf das Startsignal zu warten. Dann ertönt die Sirene…
Einer nach dem anderen von uns gleitet ins Wasser und wie ich ins Wasser eintauche, fühle ich, wie das kalte Meerwasser meinen Neoprenanzug flutet. Augenblicklich schmecke ich das Salzwasser in meinem Mund, rieche ich das Salzwasser in meiner Nase. 12,5°C Wassertemperatur. Ein Blick zurück zur Crew an Bord und ich sehe die Arme, die in Richtung rechts zeigen. Also rechts. Ich lehne mich in die nächste Woge, tauche mein Gesicht unter Wasser, falte meine Hände vor meine Brust und meine Beine beginnen sich auf und ab zu bewegen. Durch die Schwimmflossen an meinen Füßen werde ich zügig schneller. Ich schaue kurz nach oben und kann eine Rückenflosse erkennen, die aus dem Wasser ragt. Noch etwa 10 Meter…ich beschleunige meine Beinbewegungen ein wenig und mein Blick sucht den Bereich unter Wasser vor und neben mir ab. Dann schnellt der Erste an mir vorbei. Seine Größe schätze ich auf etwas über 1,5 Meter. Der Zweite. Eine glatte Haut in den Farbtönen blau, grau und weiß, die mich spontan an eine dicke, feste Gummibeschichtung erinnert. Der Dritte. Seine kleinen Augen betrachten mich interessiert und seine Gesichtszüge wirken tatsächlich verschmitzt grinsend. Dann sind sie im Blau des Wassers vor mir wieder verschwunden. Delfine. Oder genauer benannt: Schwarzdelfine.
Ich erinnere mich an das Video im Center und daran, dass die Meeresbewohner bespaßt werden wollen. Man muss sich anstrengen und etwas dafür tun, dass sie sich für dich interessieren. Ich fange an zu summen. Hoch und laut. Die Melodie des Kinder-Schlafliedes “LaLeLu”. Und zwischendurch kichere ich noch höher und lauter, um noch stärker auf mich aufmerksam zu machen, da sich die anderen Teilnehmer zwischenzeitlich auch an das Video erinnert haben. Die beiden Mädels an Bord haben vermutlich einiges zu lachen bei 12 mit Armen und Beinen rudernden, laut summenden und brummenden Freaks im Wasser. Und den Delfinen gefällt es offenbar auch. Ein ums andere Mal schwimmen verschiedene der Tiere links, rechts oder direkt vor mir an mir vorbei. Zwei, drei Mal befinde ich mich mitten im Schwarm und sehe 6, 7, 8 Tiere auf einmal. Ich hebe den Kopf über Wasser und sehe 3, 4, 5 Rückenflossen unmittelbar um mich herum. Gleich wie ich tauchen auch sie immer wieder auf und holen Luft an der Oberfläche, bevor sie wieder untertauchen. Ich habe das Gefühl, dass ihnen die langgezogenen, monotonen Töne besonders gut gefallen. Sie brausen an mir vorbei, ziehen eine große Schleife vor mir und kommen zurück, um dicht an meinem Gesicht vorbeizuschießen. Einige Male schwimmen sie im Kreis um mich herum, woraufhin ich einsteige und mich ebenfalls versuche, um mich selbst zu drehen, was sie wiederum offensichtlich als Herausforderung wahrnehmen und schneller und schneller werden. Ihre Ausdauer ist besser.
Als die Tiere schließlich weiterziehen, was der Kapitän von seiner Position auf dem Boot sehr gut ausmachen kann, holt er uns durch ein erneutes Aufheulen der Sirene an Bord zurück und fährt ein Stück weiter die Küste hoch. Obwohl der Nebel sich zwischenzeitlich gelichtet hat und die Sonne rausgekommen ist, ist es durch die nassen Neoprenanzüge jetzt kälter auf dem Boot und als die Crew uns anweist, uns erneut fertig zu machen, ist die Freude groß. Ein jeder von uns hat in den letzten Minuten diesen ersten Kontakt reflektiert und jetzt neue Ideen, was er an seinem Verhalten im Wasser noch verbessern kann. Die Sirene ertönt.
Der Ablauf wiederholt sich schließlich auch noch ein drittes Mal und jedes Mal haben wir unglaubliches Glück bezüglich der Anzahl, der Aktivität und dem Interesse der Meeresbewohner an uns.
Als wir schließlich den Heimweg antreten und sich unser Boot Richtung Kaikoura zurückbewegt, haben wir noch die Möglichkeit, Fotos zu schießen und die Delfine haben zu unserem Glück noch nicht genug von uns. Sie schwimmen ums Boot herum, tollen im Wasser umher und versuchen, mit uns mitzuhalten. Der Kapitän beschleunigt unser kleines Schiff, doch die Delfine lassen sich nicht abschütteln. Ich stehe vorne am Bug und halte mich an der Reling fest, während mit der kalte Fahrtwind ins Gesicht peitscht. Im Wasser unter mir schwimmen die großen Fische mit uns um die Wette. Immer wieder ziehen sie unter dem Bug hervor oder an der Seite vorbei und springen übermütig aus dem Wasser. Man kann deutlich erkennen, dass diese Tiere einen Heidenspaß dabei haben. Weitere unbeschreibliche Minuten, in denen mir zu allem Überfluss dann auch noch ein paar sensationelle Foto gelingen.
Im Video am Morgen und auch im Bus auf dem Weg zum Hafen wurde uns mehrmals bewusst gemacht, dass es sich um freilebende Lebewesen handelt, die nicht dressiert sind und um deren Gunst wir uns bemühen müssen. Es könne durchaus sein, dass nur einzelne bis gar keine Tiere gesichtet werden oder die Delfine sich bedrängt fühlen und das Weite suchen. Das absolute Gegenteil ist bei uns der Fall, wodurch ich doppelt von einem einmaligen Erlebnis sprechen kann.
Der wirklich einzige Punkt, den ich bei diesem Erlebnis ankreiden könnte, ist, dass diese wunderbaren Geschöpfe sehr flink unterwegs sind und zu keiner Zeit stillstehen, wodurch es unmöglich ist, sie aus der Nähe genauer und in Ruhe zu betrachten. Aber das liegt wohl in der Natur wild- und freilebender Delfine.
Einmal in meinem Leben im offenen Ozean mit freien Delfinen schwimmen: Check!
Die meisten Menschen, die ich getroffen habe, schwärmen von der Region Abel Tasman und ich kann es verstehen. Es ist hier deutlich wärmer als im Süden der Insel und die Natur ist anders als im restlichen Land. Anders schön.
Ich habe gelesen, dass viele der Filmszenen aus den Hollywood-Trilogien “Der Herr der Ringe” und “Der Hobbit” hier gedreht wurden und abseits der sehr ausgeprägten Küstenstreifen ertappe ich mich tatsächlich immer wieder dabei, wie ich “die Gefährten durchs Land vor mir ziehen sehe”.
Die Aussicht vom Takaka Hill aus.
Die Aussicht vom Takaka Hill aus.
Auf dem Takaka Hill Walkway…
Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.
Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.
Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.
Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks in Richtung Harwoods Hole…
…Neuseelands tiefstem Höhlenschacht…
…mitten im Nirgendwo gelegen und zwar ausgeschildert aber in keiner Form abgesichert. 50 Meter breit und 183 Meter tief…und leider per Photo nicht einzufangen.
Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.
Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.
Auf dem Farewell Spit ganz oben im Nordosten der Südinsel.
Auf dem Farewell Spit ganz oben im Nordosten der Südinsel.
Der Wharariki Beach.
Der Wharariki Beach.
Unweit des Wharariki Beach.
Ich liebe diese Landschaftsform und kann mich nicht daran sattsehen!
Ein Schaf…
Ein Pfau…
Ein Kirchenfenster in der Christ Church Cathedral zu Nelson.
Der Süden der Südinsel von Neuseeland ist atemberaubend und ich bin länger dort geblieben als ursprünglich gedacht. In 7 Tagen muss ich wieder in Christchurch sein und meinen Mietwagen abgeben. Nun heißt es Strecke machen…auf in den Norden.
…von Queenstown aus wird es jetzt wieder bergiger. Ich möchte weiter nach Wanaka, nehme hierfür aber statt dem schnellen State Highway 6 den Crown Range Road durchs Hinterland, der in Cardrona in den Cardrona Valley Road übergeht und fahre schlussendlich eine der beeindruckendsten Strecken seit meinem Start in Christchurch. Der Crown Range Road gilt als höchstgelegenste Hauptstraße Neuseelands und führt mich im zickzack zwischen grasbewachsenen Bergen hindurch. Übernachten tue ich schließlich mit meinem Van auf einem Rastplatz an der höchsten Stelle des Weges und somit wohl auch einem der höheren Freecamping-Flächen des Landes.
Am nächsten Morgen fahre ich die letzten Kilometer bis nach Wanaka und dann direkt weiter über den etwa 30 Kilometer langen und unbefestigten Wanaka Mount Aspring Road zum Parkplatz Raspberry Flat. Die Anfahrt hierher ist ein wirkliches Abenteuer und führt über Kuh- und Schafsweiden sowie durch insgesamt 11 Furten. Einmal muss ich meine Fahrt unterbrechen, weil ein Bauer auf einem Golfcart und mithilfe von drei großen Hunden eine etwa 70 Tier starke Herde Rotwild über den Schotterweg vor mir treibt; sehr beeindruckend anzuschauen, wie Hund und Herrchen hier zusammenarbeiten. Vom Parkplatz Raspberry Flat aus mache ich mich auf den Weg zum Rob Roy-Gletscher und bekomme spätestens am höher gelegenen Aussichtspunkt, der sich unmittelbar unter dem Gletscher befindet, ein mulmiges Gefühl, da sich der Platz mitten im Lawinengebiet befindet, auf was mich drei Warnschilder bei meinem Aufstieg hingewiesen haben, und die Eismassen bedrohlich über den Fels hängen. Zum Glück geht hier alles gut und ich erlebe einen tollen Trek in einer sehr beeindruckenden Gegend. Den Abend lasse ich im Paradise Cinema ausklingen, in dessen gemütlichem Kinosaal Nummer 3 ich meinen ersten englischsprachigen Film ohne Untertitel von einer unfassbar bequemen Couch aus ansehe. Die neue Marvel-Verfilmung. Venom.
Von Wanaka aus geht es auf dem State Highway 6 über den Haast Pass weiter zur Westküste. A new adventure…
Mein Stellplatz für die Nacht am Crown Range Road.
Die Aussicht am Abend…
…und am frühen Morgen.
…und nach einem nochmaligen „power nap“.
Auf dem Weg zum Rob Roy-Gletscher sehe ich…eine richtig blöde Kuh!
Der Rob Roy-Gletscher vom unteren Aussichtspunkt aus.
…auf dem Weg zum oberen Aussichtspunkt.
Der Rob Roy-Gletscher.
Auf dem Rückweg zu meinem Van neuseeländisches Idyll.
Bevor ich überhaupt in Queenstown, der zweitgrößten Stadt der Südinsel angekommen war, wusste ich bereits dank meiner neuseeländischen Camping-App, dass sich unweit von hier der Herr der Ringe-Drehort zu Sarumans Isengard befindet. Und selbstverständlich wollte ich sehen, wie die große Lichtung heute aussieht, nachdem die Ents hier einst so sehr gewütet hatten.
Ich bin bereits sehr früh wach. 7.00Uhr. Untypisch für mich! Ich bin gestern Abend noch ein Stück weit in Richtung Glenorchy gefahren, das knapp 50 Kilometer westlich von Queenstown am Kopf des wunderschönen Lake Wakatipu und in Richtung Isengard liegt. Das hellblaue Wasser des Lake Wakatipu, dass anscheinend wissenschaftlich als besonders rein belegt wurde, hat ganzjährig eine Temperatur von etwa 10°C; baden tut hier keiner. Es ist sehr frisch diesen Morgen und meine Autoscheiben sind wieder einmal beschlagen, für den Tag ist allerdings zum Glück Sonnenschein angesagt. Wie ich vom Campingplatz runterfahre und den linken Blinker setze, überlege ich noch kurz, ob ich die Fahrt wirklich auf mich nehmen soll, da mein Ziel nochmal deutlich hinter Glenorchy liegt und ich gewiss nicht vor der Mittagszeit zurück sein werde. Gedankenversunken fahre ich los und vergesse meine Überlegung sogleich wieder, als ich um die nächste Kurve biege. Weit breitet sich der Lake Wakatipu vor mir aus und um ihn herum strecken sich malerische, schneebedeckte Berge in Richtung Himmel, während vereinzelte Strahlen der aufsteigenden Sonne zwischen den Bergspitzen hindurch auf den See hinunter scheinen. Was für ein Bild. Die Küstenstraße danach ist sehr kurvig und schlängelt sich eng zwischen Felswänden zu meiner Rechten und dem Gewässer zu meiner Linken auf und ab, wodurch ich nur sehr langsam vorankomme und erst nach knapp 90 Minuten das Ortsschild von Glenorchy passiere.
Glenorchy ist ein kleines Örtchen, das vermutlich während der Skisaison so richtig aufblüht, ansonsten aber eher gemütlich dahinlebt. Ich drehe eine Runde um den Ortskern, bevor ich meinen fahrbaren Untersatz weiter Richtung Nordwesten, in Richtung des aus drei Häusern bestehenden Weilers mit dem Namen “Paradise” lenke. Zunächst führt mich der Weg noch über asphaltierte Straßen, doch schon bald verwandelt sich die Straße wiedereinmal in eine staubige Schotterpiste. Ich schließe meine Autofenster und stelle die Klimatisierung auf Innenbelüftung um. Mein Weg führt mich über privates Weideland, vorbei an Kühen und Schafen auf saftigen grünen Wiesen, die schneebedeckten Berge vor mir, eine braune Wolke aus aufgewirbeltem Staub hinter mir; die Tiere tun mir etwas Leid…haben sie doch keine Finger, um sich den aufgewirbelten Staub wieder aus den Augen zu wischen. Dann stehe ich plötzlich vor der ersten Furt. Besser geschrieben, hoffe ich, dass es eine Furt ist, wie auf dem kleinen gelben Hinweisschild, mit dem fast schon zu großen Ausrufezeichen darauf, neben dem Weg abgedruckt ist. Eine Furt bezeichnet normalerweise eine flache Stelle in einem Flusslauf, an der man das fließende Gewässer ohne Risiko überqueren kann, doch ich sehe den Boden aufgrund des braunen Flusswassers nicht…
Ich komme unbeschadet auf der anderen Seite an und mit etwa 30 Stundenkilometer taste ich mich langsam weiter durchs Gelände, immer wieder prüfend auf mein Mobiltelefon schauend, ob ich noch in die richtige Richtung, in Richtung Isengard, steuere. Zwei weitere Furten durchkreuzen meinen Weg, dieses Mal kann ich den Boden allerdings im klaren Gebirgswasser sehen und so auf dem seichtesten Weg und vorbei an größeren Steinen und Schlaglöchern durch die Furt manövrieren. Vereinzelt tauchen Fahrzeuge aus der Staubwolke hinter mir in meinem Rückspiegel auf, die ich dann vorbeifahren lasse, oder es kommen mir Fahrzeuge entgegen. Gleich wie auch zuhause wird hier der Zeigefinger übers Lenkrad gestreckt und so kurz gegrüßt. Lachen tun sie alle. Zum einen wohl, weil ich mich mit einem normalen Personenwagen auf solche Wege in eine solche Gegend “verirrt” habe, zum anderen wohl aus Respekt, weil ich mit einem normalen Personenwagen bereits so weit auf diesen Wegen gekommen bin und regelrecht rebellisch schon drei Furten hinter mir gelassen habe.
Die Landschaft ist geprägt von kleinen Seen, tiefgrünen Waldstücken und hellgrünen Wiesen. Furt Nummer 4 scheint recht tief zu sein und ich inspiziere sie genauer, bevor ich mich vorsichtig ins Flusswasser hineinwage. Das Land hier ist uneben und Erhebungen reihen sich bis zum Horizont beziehungsweise bis zu den schneebedeckten Gebirgszügen, die mich weitläufig umgeben, aneinander und versuchen sich dabei gegenseitig in ihrer flach ansteigenden Höhe zu übertrumpfen. Wieso der kleine Weiler in dieser Gegend nach dem Paradies benannt wurde, kann ich erahnen.
Ich bin zwischenzeitlich gut 1 ½ Stunden unterwegs und laut meinem Mobiltelefon befinde ich mich inzwischen zum Glück endlich nur noch wenige Kilometer von Isengard entfernt, als das bekannte gelbe Hinweisschild neben dem Schotterweg und Furt Nummer 5 vor mir auftauchen. Ein kleines Rinnsal fließt von rechts in ein gewaltiges Wasserloch, das sich quer über die ganze Wegbreite zieht und auf der anderen Seite rinnt ebenso wenig Wasser wieder hinaus. Das dreckige Wasser liegt still vor mir und der Weg führt recht steil hinein sowie ebenso steil etwa zwei Meter weiter wieder hinaus. Ich kann den Boden nicht sehen… Ich steige aus meinem Van und schau mir die Sache aus der Nähe an. Nach der ersten Furt hatte ich zu mir gesagt, dass ich bei der Nächsten umdrehen werde. Das Gleiche habe ich bei der Vierten gesagt. Die Versicherungsfirma, mit der mein Autovermieter zusammenarbeitet, die in meinem Vertragsfall Schäden ohne jegliche Selbstbeteiligung meinerseits beheben müsste, würde sich bereits bei dem Weg, auf dem ich die letzten Kilometer zurückgelegt habe, die Arme hinter dem Kopf verschränken und sich entspannt schmunzelnd in den Bürostuhl lehnen. Und ich entscheide, dass ich es lasse. Ich fahre nicht weiter. Ich drehe um.
Ich setze mich zurück in meinen Wagen und bin gerade am umdrehen, in dem ich auf die flache Grasfläche rechts des Weges zurücksetze, als ich weit hinten auf der anderen Seite der Furt eine Staubwolke sehe, die näher kommt. Ein Auto. Jemand, der mir zeigen wird, wie tief Nummer 5 wirklich ist. Das Fahrzeug schlängelt sich am Waldrand entlang, wo der Weg demnach weitergehen würde, entfernt sich kurzzeitig aus meinem Sichtfeld und erscheint schließlich, wie erwartet, direkt vor der Furt. Ein dunkler VW Amarok, vermutlich erste Ausführung, offene Ladefläche…
Udo, du weißt, was ich meine 😉
…hinter dem Steuer ein Mann mit dunklerer Haut, die Dreadlocks offen über die Schulter hängend. Die breite Front des Amaroks taucht tief in die Furt ein und Wasser spritzt über die Motorhaube, durch den unebenen Grund kippt die Front des Giganten einmal nach links und wieder zurück, bevor die riesigen Reifen wieder aus dem Wasser auftauchen. Unsere Blicke treffen sich und aufgrund meiner Wagenposition ist im selbstverständlich bewusst, was ich gerade vorhabe und aufgrund der Stelle, wieso ich dabei bin, dass zu machen. Er grinst mich freudestrahlend und zugleich wohlwollend an, nimmt seine beiden Hände vom Lenkrad und zeigt mir, getreu dem Motto “schau mal her; wie cool; unbeschadet geschafft” die Daumen, dann ist er an mir vorbei. Definitiv zu tief! Alles richtig gemacht! Und die kurze Begegnung mit dem Amarok-Fahrer…mein persönliches Happy End.
Moment mal…Saruman ???
…weit breitet sich der Lake Wakatipu vor mir aus und um ihn herum strecken sich malerische, schneebedeckte Berge in Richtung Himmel, während vereinzelte Strahlen der aufsteigenden Sonne zwischen den Bergspitzen hindurch auf den See hinunter scheinen.
Furt Nummer 3.
Der Weiler „Paradise“.
…auf dem Weg nach Isengard…
…auf dem Weg nach Isengard… Vorsicht: Kuh!
…auf dem Weg nach Isengard… Sorry; das ist ein Pferd!
Furt Nummer 5!
DIE Furt Nummer 5!
Auch rund um die fünfte Furt haben die Orks die Bäume gefällt…
Man sollte den Fjordland Nationalpark wohl nicht verlassen, ohne nicht wenigstens einen der beiden bekannten Fjorde besichtigt zu haben. Ich entscheide mich für den Doubtful Sound, zu dem die Touren zwar deutlich teurer sind als zum Milford Sound, die mich dafür aber weiter ins Hinterland bringen, aufgrund der Anfahrt länger dauern und aufgrund der Preise deutlich weniger Touristen verzeichnen. Zum Doubtful Sound führen keine öffentlichen Straßen und so ist der Zutritt für mich nur mittels zweier in Te Anau ansässiger Touranbieter möglich. Die Küsten und auch die Berge um den Doubtful Sound herum gelten als nahezu unberührt. Neuseeland so sehen, wie es einst gewesen ist…den Wunsch, den ich hatte.
Nachdem mich der Shuttlebus an meinem Campingplatz abgeholt hat, fahren wir zunächst ins 20 Minuten weiter südlich gelegene Manapouri, von wo aus wir auf ein erstes Boot umsteigen, um den Lake Manapouri zu überqueren. Nach etwa 45 Minuten erwartet uns auf der anderen Seite des Sees ein zweiter Bus, der uns über den Mount Wilmot chauffiert und uns zu unserem eigentlichen Schiff bringt. Und dann fahren wir den Fjord entlang…raus bis zum Meer, zur Tasmansee und wieder zurück. 3 Stunden dauert die Fahrt und kein anderes Zeichen von Zivilisation weit und breit.
Mein Highlight der Tour: Wie wir das offene Meer erreichen und in Richtung Fjord zurückwenden, steuert unser Kapitän gezielt an einer kleinen Inselgruppe vorbei und hält dort kurz…50 Meter vor mir kann ich vier kleine “Fjordland Crested“-Pinguine (zu deutsch: Dickschnabelpinguin oder Fjordlandpinguin) sehen, die nur hier im Süden Neuseelands zuhause sind und zu den seltensten Pinguinarten der Welt gehören. Neugierig kommen die Kameraden aus dem Inneren einer unscheinbaren Öffnung im Fels gewatschelt, als sie das Boot hören und stehen da…beobachten uns irritiert und zugleich neugierig. Pinguine! Ich fass es nicht!
Über den Mount Wilmot zum Doubtful Sound.
Schon hier ist die Aussicht atemberaubend!
Hello Doubtful Sound!
Und los…
Schließlich draußen am Meer…
…die kleine Inselgruppe…
…und die Fjordland Crested-Pinguine.
Und wieder rein in den Sound…
Eines der bekanntesten Fotomotive auf neuseeländischen Tourismusunterlagen.
Auf dem Lake Manapouri.
Auf dem Lake Manapouri.
Auf dem Lake Manapouri…wo die Sonne zunehmend fotounfreundlich steht.
Te Anau ist ein überschaubares Dörfchen, dessen Einwohnerzahl von etwa 2.000 in den kalten Monaten durch Touristen im Sommer, die dann all die Ferienapartments und Campingplätze stürmen, auf rund 10.000 Menschen ansteigt. Te Anau liegt am Rande des Fjordland Nationalparks und ist das Tor in eine andere Welt. Von Te Anau aus führt der einzige Weg zum weltbekannten Milford Sound. Über Te Anau führt die Hauptroute zum Startpunkt in den Doubtful Sound, der weiter im Süden liegt. Die nähere Umgebung von Te Anau bietet dutzende von wundervollen Wanderwegen in Neuseelands größten Nationalpark und ist der Ausgangspunkt von gleich drei weltbekannten Great Walks: Dem Kepler, dem Milford und dem Routeburn Track.
Ich gönne mir in Te Anau eine kleine Pause von den langen Autofahrten, all den Besichtigungen und dem ständigen “den nächsten Schritt planen”. Ich hab mich auf einem schönen Campingplatz eingemietet und genieße einfach mal…
…und lasse mir den Weg nach Te Anau durch den einsamen Süden Neuseelands nochmal durch den Kopf gehen…
Irgendwo in den Catlins; im Südland…
Irgendwo in den Catlins; im Südland…
Nugget Point Lighthouse am Kap Nugget Point, im Herzen der Catlins.
Unweit von Slope Point, dem südlichsten Punkt der Südinsel. Was man auf dem Bild nicht erkennen kann: Zwischen dem Teich im Vordergrund und dem blaunen, südpazifischen Ozean dahinter führen zerklüftete Klippen etwa 200 Meter senkrecht nach unten.
Irgendwo zwischen Tuatapere und Clifden im Central Southland, von dem ich aufgrund verregnetem, grauen Wetter kaum etwas sehe, holt mich prompt der Winter ein.
…und innerhalb von einer guten Stunde wirft es mal schnell gut 20cm Neuschnee auf den Boden, so dass sogar kurzzeitig Straßen gesperrt werden.
Das winterliche Wetter hält schließlich zunächst auch noch in Te Anau an und ich ziehe mich in das warme Dorfcafè zurück…
Nach 1 ½ Wochen auf Tour bin ich inzwischen im Fjordland Nationalpark im Südwesten der Südinsel angekommen. Während der südliche Teil des über 12.500 Quadratkilometer großen Areals bis heute recht unerschlossen ist und auch keine Menschen in diesem Gebiet wohnen, gibt es im oberen nördlichen Teil eine Hand voll kleinerer Siedlungen und unzählige Möglichkeiten, den Nationalpark zu Fuß zu erkunden. Über 12.500 Quadratkilometer, auf denen sich breite Meeresarme zu azurblauen Seen und wilden Flüssen, zu Ebenen voller grün leuchtendem Farn und mit Moos überzogenen Waldböden, zu dichten Nadel- und uralten Laubwäldern, zu beeindruckenden Felsformationen, über die Wasserfälle Richtung Erde prasseln, vortasten.
Die zwei bekanntesten Buchten bzw. Fjorde im Fjordland sind der Milford Sound und der Doubtful Sound, zu denen auch Touren angeboten werden und die man so von einem Boot aus näher betrachten kann. Der Startpunkt der Touren in den Milford Sound beginnt 122 Kilometer nördlich dem kleinen 2.000 Einwohner-Städtchen Te Anau, in dem ich vorübergehend mein Lager aufgeschlagen habe. Bereits die Anfahrt zu benanntem Startpunkt über den Milford Sound Highway soll unbeschreiblich schön sein, was ich mir natürlich anschaue…
Mein Trip beginnt erstmal damit, dass ich vor lauter Vorfreude mit erhöhter Geschwindigkeit aus Te Anau rausfahre und plötzlich ein blinkendes Polizeiauto in meinem Rückspiegel sehe. 80,- NZD (Neuseeländische Dollar); umgerechnet etwa 45,- EUR (Euro). Die Ordnungshüterin verkündet stolz, dass die Rechnung an meine Anschrift in Deutschland geschickt wird, ich den Betrag aber auch vorab bereits per Kreditkarte auf der Homepage drivesafe.org.nz begleichen kann. Vielen Dank!
Danach führt meine Fahrt langsamer zunächst durch klassisches neuseeländisches Weideland, auf dem unzählige Schafe mit ihren aktuell etwa 1-2 Monate alten Lämmchen am grasen sind. Weder an diesem wunderschönen Weideland noch an den Tieren darauf kann ich mich satt sehen und so wandert mein Blick freudestrahlend von links nach rechts und wieder zurück. Nach einigen Kilometern verändert sich schließlich das Landschaftsbild und es wird rauer. Ich fahre nun tiefer ins südliche Alpenland hinein. An meinem Fenster ziehen vor allem Wälder vorbei, die von Zeit zu Zeit lichter werden und dann den Blick auf große ausgetrocknete Flußläufe und typische Tundra-Ebenen freigeben. Die Straße ist sehr kurvig und unübersichtlich, wodurch ich trotz der erlaubten 100 Stundenkilometer nun mit nur etwa 50-60 Stundenkilometer und somit deutlich unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vorankomme. Dem Neuseeländer hinter mir macht das vermutlich mehr aus als mir; er kennt die Strecke und will zügig an sein Ziel, ich fahre gerade mein Ziel entlang und bestaune die Umgebung.
Wie ich nach insgesamt 86 Kilometer “the divide”, den niedrigsten Ost/West-Pass der südlichen Alpen, passiere, verändert sich die Landschaft um mich herum erneut und der Milford Sound Highway führt mich tief in ein Tal hinab. Während die Felswand links von mir höher und höher wächst, eröffnet sich mir zu meiner Rechten ein riesiger Bergeinschnitt, der von schneebedeckten Gipfeln umgeben ist und durch den sich mittig ein gewaltiger Gebirgsfluss zwischen buntem Mischwald hindurchschlängelt. Und dann geht es wieder aufwärts. Zum Homer Tunnel. Ein gelbes Hinweisschild links der Fahrbahn bittet mich darum, den hier in der Region lebenden Bergpapagei Kea nicht zu füttern. Der Kea ist der einzige Papagei der Welt, der ausschließlich in den Bergen beheimatet ist und kommt nur hier im Süden Neuseelands vor. Wenn ich ihn sehe…nicht füttern. Verstanden.
Vor dem Homer Tunnel stehe ich erstmal vor einer roten Ampel. Die Öffnung zum Tunnel ist auf 922 Metern über Meeresspiegel der höchste Punkt des Milford Sound Highways und der Tunnel trotz oder gerade wegen der Länge von 1,2 Kilometern nur einspurig befahrbar. Als die Ampel schließlich auf grün schaltet, stelle ich fest, dass der Durchgang innen so ausschaut, als würde er sich noch im Rohbau befinden, während ich auf 793 Höhenmeter runter fahre. Mit Druck auf den Ohren gelange ich in ein weiteres Tal, das von den Felswänden links und rechts erdrückt zu werden scheint und in dem ein bedrohlicher Nebelschleier über den engen Serpentinen hängt. Das gelbe Hinweisschild, das ich dieses Mal sehe, weißt mich nicht auf den Kea-Vogel sondern auf mögliche Steinlawinen hin und bittet mich darum, auf den nächsten Kilometern nicht anzuhalten sondern zügig durchs Tal zu fahren. Nachdem ich das Ende der Serpentinen erreicht habe, ohne dass mir von links oder rechts Gesteinsbrocken Kratzer in den Lack gemacht haben, führt mich die kurvige Straße die letzten 20 Kilometer durch wundervollen bunten Mischwald, bevor ich schließlich mein Ziel erreiche und am Ufer vor dem Eingang zum Milford Sound stehe.
Grob 45 Minuten später mache ich mich wieder auf den Rückweg. Es ist bereits später Nachmittag und so begegnen mir kaum noch Autos auf der Straße, da der Highway von Te Anau ausschließlich zum Eingang in den Fjord führt und die meisten Besucher in ihren Autos und Reisebussen bereits morgens hierher fahren und am frühen Nachmittag wieder den Heimweg antreten, um der Abenddämmerung in diesem Gebiet zu entgehen. Das Tal vor dem Homer Tunnel scheint sich bei meiner Rückkehr weiter eingenebelt zu haben, so dass die Fahrt nach oben zum Tunneleingang, auf der mich steigende Nebelschwaden begleiten, irgendwie gespenstisch wirkt. Oben angekommen, zeigt mir die Ampel vor dem großen, schwarzen Loch im Berg das rote Licht und ein Countdown daneben, dass ich noch knapp 10 Minuten zu warten habe, bevor die Ampel auf grün schalten wird und ich meine Fahrt fortsetzen kann. Entschlossen greife ich nach meiner Kamera auf dem Beifahrersitz und steige aus dem Auto. All zu viel ist von den Serpentinen und dem Tal vor mir aufgrund des grauen Schleiers nicht zu sehen aber gerade das verleiht meinen Fotos den gewissen Charme, den ich mir erhofft habe. Ich laufe über die verlassene, durch den Nebel ganz feuchte, Straße ein paar Meter in Richtung Abgrund, nehme meine Einstellungen an der Kamera vor und betätige den Auslöser.
Wie ich zu meinem Auto zurückkehre, registriere ich im ersten Augenblick nicht, was da regungslos auf meinem Autodach sitzt und mich anschaut. Und wie ich es schließlich registriere, realisiere ich es nicht. Ein vergleichbar riesiger Vogel beobachtet mich fixierend mit seinen kleinen Augen. Lange grün schimmernde Federn bedecken seinen Körper und sein Schnabel sowie seine Krallen wirken gigantisch, wie ich drei Meter vor meinem Autodach stehe. Ein Blick auf die Ampeluhr gibt mir einen Teil meiner Gelassenheit zurück; ich hab noch gute 5 Minuten, bis die Ampel auf grün schaltet. Ein zweiter Kea-Papagei erscheint aus dem Gebüsch auf der anderen Straßenseite, hüpft blitzschnell über den Asphalt und hoch auf mein Autodach. Während sich der Zweite schnurstracks mit seinem Schnabel an meiner Türdichtung zu schaffen macht und daran offensichtlich großen Gefallen findet, beäugt mich der Erste immernoch regungslos mit aufgeschlossenem Blick. Behutsam rede ich auf ihn ein, während ich langsam meine Kamera vor mein Auge führe und die Einstellungen auf die neue Gegebenheit anpasse. Selbst als ich meine Fotos gemacht habe und ohne Objektiv vor dem Gesicht noch näher ans Auto herantrete, um die Beiden von Nahem zu beobachten, lassen diese sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als der Ampel-Countdown schließlich 60 Sekunden anzeigt und ich langsam die Autotüre öffne, ins Auto steige, den Motor starte, losrolle. Über mir auf dem Autodach höre ich Getrappel, doch offenbar haben die Beiden kein Interesse daran, das Dach meines Vans zu verlassen. Erst als ich 200 Meter weiter vorn, kurz vor dem Tunneleingang, kurzzeitig mein Tempo etwas beschleunige und dann nochmal abbremse, sehe ich im Rückspiegel, wie die zwei Kameraden gelassen vom Autodach hüpfen und gemächlich über den Asphalt Richtung Gebüsch stolzieren.
Der Milford Sound Highway…on the road.
Am Lake Gunn.
Am Lake Gunn.
Am Homer Tunnel liegt Schnee…
Kannst du den Eingang erkennen?
Chasm Walk…auf dem bewundert werden kann, wie sich der Cleddau River seinen Weg durch die Felsen bahnt. Was auf dem Bild wie ein Ast wirkt, ist in Wahrheit ein langer Baumstamm…