Neuseeland, Ein Rückblick

Es ist 15.40Uhr…und ich warte am Flughafen Auckland darauf, dass das Boarding für meinen Flug beginnt. Es ist Zeit Abschied zu nehmen von der grünen Insel…dem Land der langen weißen Wolke, wie Neuseeland in der Landessprache der Maori genannt wird. Ich versuche zu realisieren, dass ich in knapp 45 Minuten Neuseeland in Richtung Thailand, in Richtung Heimweg, verlassen werde und ein für mich sehr wichtiges Kapitel in meinem Leben zu Ende geht…ich war wirklich hier. Auf der anderen Seite der Welt. In Neuseeland. Das Land, das von Anfang an das Ziel meiner langen Reise sein sollte.

9 Wochen. Zuerst auf der Südinsel, wo ich zwischen den Saisons gereist bin und dadurch das Glück hatte, mit meinem gemieteten Campervan auf großteils leeren Straßen eher verlassene Ziele anzufahren und so viele Orte für mich ganz alleine hatte. Anschließend ging es auf die Nordinsel weiter…etwas mehr Menschen und etwas mehr Touristenattraktionen. Schöne Touristenattraktionen. 9 Wochen, in denen ich bemerkenswerte Menschen kennenlernen durfte. 63 Tage, in denen ich unzählige magische Orte und magische Momente erleben durfte. Zwei Monate auf der anderen Seite der Welt…wo ich wiedereinmal sehr wichtige Dinge über mich und das Leben gelernt habe.

Neuseeland ist definitiv eine Reise wert. Mal sehen…vielleicht ja auch zwei. Aber jetzt freue ich mich dann erstmal auf zuhause.

Neuseeland, Tongariro Alpine Crossing

Mein Wecker klingelt um 05.30Uhr und um kurz nach 6.00Uhr steht der Bus vor dem Hostel, der mich zum Startpunkt des 19,4 Kilometer langen Tongariro Alpine Crossing fahren wird. Einer der weltweit schönsten Tagestrecks, wie man hört…

Der Morgen ist wieder einmal kalt, doch wie ich im Bus Platz genommen habe, wünschte ich, ich wäre draußen. Die Scheiben sind vom Kondenswasser beschlagen und im Bus herrscht dieser stickige, abgestandene, warme Zustand, den man nur morgens erleben kann, wenn sich menschliche Körper noch in der nächtlichen Ruhephase befinden und deswegen am heizen sind und gleichzeitig kein Sauerstoff in den geschlossenen Raum dringen kann. Der Großteil der Passagiere ist bereits in Taupo in den Bus gestiegen und heizt seit einer Stunde. Ekelhaft!

Als wir den Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing erreichen, bin ich froh, als ich den Bus verlassen kann. Eisige Morgenluft strömt mir entgegen und die Sonne blendet mich, die genau in dem Moment hinter dem Mount Ngauruhoe emporsteigt. Obwohl es früh am Morgen ist, herrscht hier bereits wildes Treiben und mehrere große Busse haben links und rechts der Straße geparkt, aus denen motivierte Wanderer steigen. Während ein Teil direkt losstürmt, machen andere noch Fotos oder nehmen eine erste Stärkung zu sich. Ich stülpe mir mein Schlauchtuch über den Kopf, ziehe den Reißverschluss meiner Fleecejacke bis oben zu und setze mich in Bewegung. 07.10Uhr.

Der Weg führt zunächst durch ein altes Flußbett, durch ehemalige Lavaströme und während die Sonne höher und höher steigt, kommt mir der Mount Ngauruhoe näher und näher. Der Aufstieg zum “South Crater” zwischen dem Mount Ngauruhoe und dem Mount Tongariro ist steiler als gedacht und ich verstaue meine Fleecejacke bereits auf halbem Weg in meinem Rucksack. Hunderte von schmalen Stufen sind in den harten Fels unter mir eingearbeitet worden; das Devil’s Staircase, zu deutsch: Treppenhaus des Teufels, hat es in sich. Die Aussicht auf die hinter mir liegende Ebene ist bereits von hier sensationell, einzig die langsameren Wanderer auf dem schmalen Pfad vor mir sind etwas störend. Aber schließlich hat jeder das Recht, sich an diesem einzigartigen Treck zu versuchen.

Oben angekommen, finde ich mich im Schnee wieder. Zu meiner Rechten ragt steil der Mount Ngauruhoe empor, der Herr der Ringe-Fans auch als Mount Doom, als Schicksalsberg, bekannt sein dürfte. Einst konnte von hier aus der Weg zum Gipfel in Angriff genommen werden, inzwischen wurden die Wegmarkierungen zum inneren Krater hin allerdings entfernt; der Berg ist den Maoris heilig und der Aufstieg aufgrund von losem Geröll sehr gefährlich. Schade!

Vor mir eröffnet sich mir eine große, weiße Fläche, der South Crater, und ich gehe weiter. Der Weg zieht sich, doch schließlich tut sich eine weitere Felswand vor mir auf, die zum höchsten Punkt des Trecks führt. Der immernoch aktive Red Crater. 1.886 Meter. Inzwischen bin ich drei Stunden unterwegs, doch meine Begeisterung treibt mich weiter.

Ganz oben angekommen, hüllt sich alles um mich herum in gespenstischen Nebel. Kühle Nebelschwaden ziehen vor mir vorbei und ich kann die sagenhafte Aussicht großteils nur erahnen. Während ich den Aufstieg über schneebedeckten Fels regelrecht erklettern musste, schlittere ich den Abstieg über loses Vulkangestein hinunter und tue mir schwer, festen Halt zu finden.

Ich weiß schon, wieso wir Gondeln lieber runterwärts nutzen, BRÜDERLE!

Das Ziel ist es allerdings wert. Unter mir kommen die Emerald Lakes zum Vorschein, drei kleine Kraterseen, deren Wasser aufgrund der geothermischen Aktivitäten in einem farbintensiven Grün leuchtet. Die Sicht auf die umliegenden Täler und Bergspitzen wird klarer.

Es geht weiter über ein zweites schneebedecktes Feld in Richtung Blue Lake und mit fallenden Höhenmetern verändert sich die Landschaft allmählich. Der Schnee wird weniger und gibt bewachsene Hänge frei, an denen mich ein schmaler, festgetretener Pfad entlangführt. Mehr und mehr kommen kleine Blüten kleiner Pflanzen zum Vorschein, erst gelbe, dann auch weiße. Der Schnee verschwindet schließlich ganz und die Hänge werden grün. Zu meiner Rechten liegt ein Tal von dem aus sich ein Hang voller schwarzem Vulkangestein zum Mount Ngauruhoe und dem Mount Tongariro hin emporreckt, deren Vorhöhen bedrohliche Schwefelgassäulen gen Himmel blasen. Ehrfurchterregend!

Danach geht es stetig bergab. Zunächst noch durch die klassische Tundra, die in hellbraunen Farbtönen um mich herum erstrahlt, dann durch dichten Wald, der in allerlei frischen Grüntönen leuchtet. Und dann, nach 19,4 Kilometern und 5 ½ Stunden erreiche ich den Ketetahi Parkplatz, das Ende eines definitiv ganz besonderen Tagestrecks auf dieser Welt.

Morgens, kurz nach 7.00Uhr, am Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing.
Mount Ngauruhoe; der Schicksalsberg!
Die ersten Meter…
…und die Sonne steigt höher und höher. 
…am Fuße des Mount Doom…
Hier dominiert Vulkangestein das Landschaftsbild.
Und dann gehts hoch…vor mir liegt „Devil’s Staircase“.
Von dort bin ich gekommen…
…und dorthin gehe ich weiter.
“South Crater”.
Und dann eröffnet sich mir die Aussicht auf das von hohen Bergen umgebene „Mordor“.
Der „Red Crater“ auf 1.886 Meter.
Kannst du den Ruß-Film im Schnee sehen?
Der Abstieg über loses Vulkangestein…
…zu den Emerald Lakes.
Wow!
Wow!
WOW!
…und weiter in Richtung Blue Lake.
Ein Fuß vor den anderen…
…bis zum Ziel…Blue Lake.
Ein Blick zurück.
Und nochmal.
Und dann wird der Schnee schließlich weniger…
…und mir eröffnet sich…
…der Blick ins Tal.
Der Schnee wird weniger und weniger…
…und ist letztendlich ganz verschwunden.
Die Landschaft wird wieder von Vulkangestein dominiert.
Und es geht tiefer und tiefer…
…in Richtung Tal.
 Ein Blick zurück zu den rauchigen Hängen. 
Die Hochebene aus weiter Ferne. 
…und dann habe ich wieder Farn um mich herum.

Neuseeland, Rotorua

Auf Rotorua hab ich mich bereits seit Beginn meiner Reise gefreut. Die “Schwefelstadt” liegt inmitten Neuseelands dynamischster Thermalgegend und ist einer der berühmtesten Orte der Nordinsel. Dampfende Quellen voller kochendem Grundwasser, brodelnde Schlammtümpel, aufbrausende Geysire und Schwefelgas-Schwaden, die durch die Stadt ziehen und überall einen “Duft” nach faulen Eiern verbreiten. Die gesamte Region um Rotorua wird durch vulkanische Aktivitäten geprägt, aber hier im Stadtgarten und um das Städtchen herum wird einem vermutlich besser als sonstwo verdeutlicht, wie enorm die unterirdische Gewalt ist.

Rotoruas Museum ist leider bereits seit dem Frühjahr 2016 aufgrund eines Erdbeben-Schadens geschlossen aber Informationen und Einblicke in die Besonderheiten der Region und die Kultur der Maori bekommt man auch über andere Quellen. Te Puia zum Beispiel liegt am südlichen Stadtrand und umfasst als Thermal-Schutzgebiet über 500 Quellen. Es ist die erste Attraktion, die ich ansteuere und prompt finde ich mich in einer geführten Tour durchs Gelände wieder, die durch eine Maori durchgeführt wird, von der wir acht Teilnehmer vor allem viel Wissenswertes über die Verbundenheit der Maori zu diesem Ort erfahren. Der Kuirau Park ist der Stadtpark von Rotorua, wo ebenfalls eine Vielzahl an unterschiedlich großen Tümpeln zu finden sind, die brodeln und spritzen. Selbst der kleine Bach, der sich durchs Gelände windet führt kochendes Wasser und gelegentlich finden sich Öffnungen im Gestein, aus denen Schwefelgas aufsteigt. Wie heiß muss es hier unter der Erde sein?

Gestern morgen ist mir Claudia, die ich auf meiner Tour nach Hobbiton kennengelernt habe, überraschend bei meinem morgendlichen Cappuccino in einem Cafè wieder über den Weg gelaufen und wir sind zusammen in den Redwoods Forest südwestlich der Stadt gefahren. Herrliche Waldwege führen hier zwischen großen uralten Mammutbäumen und meterhohen Farnen hindurch. Über einen Baumwipfelpfad, der sich zwischen sechs und zwölf Metern Höhe an den Stämmen entlangwindet, haben wir einen schönen Blick von oben und verschaffen uns schließlich einen groben Überblick, bevor wir ein Stockwerk tiefer auf dem Waldboden unsere Runde drehen. Das Wetter ist zwar regnerisch, doch die gigantischen Baumkronen der Waldriesen halten das meiste Wasser von oben ab und wir bleiben trocken.

Und dann gibt es da das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland, dass ich mir heute anschaue. Das Areal liegt etwa 30 Kilometer südlich der Stadt in Richtung Taupo und wartet mit ein paar sehr schönen geothermischen Phänomenen auf…das erklärt schließlich auch, wieso das Maori-Wort “Wai-O-Tapu” übersetzt “Heilige Wasser” bedeutet.

Wer gerne zu Fuß unterwegs ist, Energie aus der Natur schöpft und sich an den kleinen Kunstwerken erfreut, welche Mutter Natur so zauberhaft kreiert, der wird diese Gegend lieben. Sehr beeindruckend!

Te Puia bei Rotorua…hier ist ein normaler Bach zu sehen, dessen Wasser unmittelbar an einer heißen Quelle vorbeifließt. Temperaturunterschied etwa 80°C.

Te Puia bei Rotorua…ein wasserspukender Geysir.

Te Puia bei Rotorua…geothermisches Gebiet.

Te Puia bei Rotorua…geothermisches Gebiet.

Te Puia bei Rotorua…aufgrund von freigesetzten Mineralien und Gasen entstehen intensivste Verfärbungen.

Te Puia bei Rotorua…aufgrund von freigesetzten Mineralien und Gasen entstehen intensivste Verfärbungen.

Te Puia bei Rotorua…hier eine der vielen Quellen.

Te Puia bei Rotorua…hier ein weiterer Geysir.

Am Abend des ersten Tages…

Am Abend des ersten Tages…

Im Kuirau Park…

Im Kuirau Park…

Unterwegs im Redwoods Forest…

…Farn…

…Farn…

…überall Farn.

…und Mammut-Bäume!

Unterwegs im Redwoods Forest…

Unterwegs im Redwoods Forest…

Unterwegs im Redwoods Forest…

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland.

Neuseeland, Nördliche Westküste

Zurück nach Auckland nehme ich die Strecke entlang der Westküste. Kurz nach Mangamuka biege ich hierzu rechts auf den Mangamuka Road ab und folge langsam der kurvigen Landstraße in Richtung Südwesten, bis ich bei Rawene einen großen Meeresarm mittels kleiner Autofähre zu überqueren habe. Geduldig warte ich am Ufer, bis die Fähre von der anderen Seite übergesetzt hat und lasse mich ans südliche Ufer überführen, wo ich nach einer kurzen Fahrt auf den State Highway 12 einbiege, der mich ab sofort wieder etwas zügiger voranbringt.

Mein Weg führt mich nun zunächst am Meeresarm entlang und ich komme nicht umhin, an einem der zahlreichen Aussichtspunkte anzuhalten und ein Stück weit die Klippen entlangzugehen.

Und dann verändert sich das Landschaftsbild wieder einmal. Die Straße wird kurviger und scheint sich schließlich auch zu verengen, bis mir auffällt, dass zweiteres daran liegt, dass die Bäume größer werden und näher an die Straße heranwachsen. Links und rechts der Straße sehe ich nun vermehrt sogenannte Kauri-Bäume, die bis zu 50 Meter hoch in den Himmel wachsen und auf einen Stammdurchmesser von bis zu 4 Metern kommen. Richtige Giganten also. Ich fahre in das Gebiet des Waipoua Waldes und erreiche schließlich eine kleine Lichtung, auf der sich links der Straße ein paar Parkplätze auftun und dahinter eine grün leuchtete Picknickwiese zum Vorschein kommt. Am Eingang zur Lichtung steht ein Cafèwagen, den ich als erstes ansteuere, nachdem ich mein Auto geparkt habe. Die Sonne scheint und es ist warm; ich bestelle einen Cappuccino und setze mich vor dem umgebauten Wohnwagen auf ein Kissen am Boden. Ich frage die beiden Frauen hinter der Kaffeemaschine nach einer Alternative zu dem gewöhnlichen Pappbecher und eine der beiden bietet mir ihr Glas als Trinkgefäß an; als Dank für die Mülleinsparung erlassen sie mir einen Dollar und wir kommen ins Gespräch…

45 Minuten später stehe ich vor dem Tāne Mahuta und es macht sich Ehrfurcht in mir breit. Die beiden Maori-Damen aus dem Cafèwagen haben mir bereits erzählt, dass der “Gott des Waldes”, wie ihn die Maoris betiteln, ungeschlagene 51,2 Meter hoch und 4,4 Meter breit ist…der größte bekannte Kauri-Baum. Nice to meet you!

Nach einem weiteren Cappuccino setze ich meinen Weg fort und nach einem sehr schönen Spaziergang durch diesen beeindruckenden, dichten Wald voller gigantischer Kauri-Bäume und allerlei verschiedener Farne nur wenige hundert Meter weit entfernt vom Tāne Mahuta, nehme ich wieder Kurs auf Auckland.

Der Vorteil, wenn man auf Landstraßen unterwegs ist, ist der, dass man mehr von der Umgebung wahrnimmt und durch das meist spektakulärere Hinterland kommt. Die Straße, auf der ich fahre, zieht sich gemächlich über die grünen Hügel Neuseelands, vorbei an Viehweiden und hindurch durch kleine Ortschaften, immer wieder mal den Blick auf das funkelnde Meer in der Ferne freigebend.

Es ist noch ein langer Weg bis nach Auckland…zum Glück.

Die nördliche Westküste nach Rawene.

Die nördliche Westküste nach Rawene.

Die nördliche Westküste nach Rawene.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Farne liebe?

…und dass Baumfarne bis zu 10 Meter hoch wachsen?

Unvorstellbar, nicht wahr!

Und dann stehe ich vor Tāne Mahuta, dem Gott des Waldes, der geschätzt 2.000 Jahre alt ist…und den ich nicht so wirklich aufs Bild bekomme. Kleine Randinfo: Die ersten Blätter wachsen in 17,7 Meter und es wachsen insgesamt 52 unterschiedliche Pflanzen AUF ihm. Das isolierte Biotop erstreckt sich bis zu den höchsten Zweigen des Kauri-Baumes in 51,5 Meter.

Den zweithöchsten Kauri-Baum Neuseelands treffe ich besser…

Die hing da so im Weg…

Weiter Richtung Auckland…

…was noch ein langer Weg ist.

Neuseeland, Piha

Schon bevor ich in Neuseeland angekommen bin, hatte ich von dem schönen Westen Aucklands gehört beziehungsweise gelesen und als ich dann auf der Südinsel unterwegs war, wurde mir die Region von Einheimischen aus Christchurch schließlich auch empfohlen. Dass ich jetzt hier bin, ist trotzdem Zufall und war nicht so ganz geplant…aber wie ich im 6 Bett Dorm des Piha Beachstay Hostels aufwache und aus dem Fenster schaue, scheint mir die Sonne entgegen und ich freue mich darauf, die Gegend zu erkunden.

Nach einem ausgiebigen Frühstück packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie in mein Mietauto, dass ich für die Erkundung der Nordinsel gestern in Auckland in Empfang genommen habe. Ein alter Nissan Bluebird. Graubraun. 252.000 gefahrene Kilometer. Mit Versicherung OHNE Selbstbeteiligung. Dieser Kamerad hat definitiv schon mehr von diesen Straßen gesehen, als meine letzten beiden Campervans zusammen. Ich wäre gerne nochmal eine Nacht in dem herzlichen Hostel geblieben, dass sich mit einem Privathaushalt vermischt und dadurch eher einer Airbnb-Unterkunft denn einem Hostel gleicht, doch leider ist für kommende Nacht kein Bett mehr frei.

10 Minuten später habe ich mein Auto am südlichen Abschnitt des Piha Beach geparkt und laufe bewaffnet mit meiner Kamera über den weichen Sand in Richtung Wasser. Meine Flipflops habe ich gemäß einem Globetrotter an meinem Rucksack befestigt und meine nackten Füße sinken mit jedem Schritt ein Stück weit in den pulvrigen Untergrund. Ich schlendere zunächst in Richtung “keyhole” und “the gap”, dann zurück über den südlichen Piha Beach und hoch auf den “lion rock”, von wo aus ich einen hervorragenden Blick auf den nördlichen Piha Beach, auf Piha und raus aufs Meer habe. Hatte der Himmel zunächst  nochmal zugezogen, als ich den Strand erreicht hatte, klart er nun wieder auf und die Sonne wärmt meine Haut, während ich alleine auf dem “lion rock” sitze und innerlich zur Ruhe komme. Laut einer kleinen Infotafel, die hier aufgestellt ist, saß hier vor mehreren hundert Jahren bereits an ihrem Lieblingsplatz Ngati Tangiaro Taua, eine Prinzessin und später Stammesmutter des Maori-Stamms Te Kawerau a Maki. Eine geschnitzte Holzskulptur erinnert zusätzlich an die Mitglieder des Te Kawerau a Maki-Stamms, an seine Ahnen und die Wichtigkeit dieses Ortes für den Stamm. Mein Blick schweift in die Ferne, doch mein Geist ist ganz nah.

Irgendwann geht alles zu Ende und so befinde ich mich schließlich wieder im Auto und auf der Straße raus aus Piha. Durch eine Freundin in Christchurch habe ich den Tipp für einen angeblich wunderschönen Rundweg mit dem Namen Mercer Bay Loop Track erhalten, der sich unweit von Piha befindet. Der Rundweg befindet sich etwas abseits und ist nicht ausgeschildert, als ich ihn aber erreiche, eröffnet sich mir ein kleiner Parkplatz, auf dem ich meinen Wagen abstelle.

Der Mercer Bay Loop Track zieht sich als dünner aber fester, liebevoll angelegter Kiesweg die bewachsenen Klippen der Westküste südlich von Piha entlang. Während links der Fels weiter ansteigt, fällt er rechts mehrere Dutzend Meter steil ab. Was die Pflanzenwelt angeht, so ist hier gefühlt die ganze Flora der Welt vertreten. Der Boden links und rechts des Weges ist bedeckt von allerlei duftenden Kräutern und blühenden Bodendeckern, über deren Köpfen sich dann verschiedene mediterrane Sträucher und dichte Büsche mit ihren Zweigen voller runder, dicker oder auch langer, schmaler Blätter gen Sonnenlicht strecken. Hier wachsen Buchsgewächse, Palmlilien, verschiedene Palmengewächse und Farn nebeneinander und werden nur noch von den großen Palmen und Pinien beziehungsweise Kiefernbäumen überragt. Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie einst die verschiedensten Pflanzensamen durch die unterschiedlichsten Himmelswinde übers Meer hierher getragen wurden und die Insel zu blühen begann. Zwischen den Bäumen eröffnet sich mir immer wieder der Blick auf den hellblauen Ozean weit unter mir und die Wellen, die dort gegen den massiven Stein schlagen. Der Weg ist glaub einer der schönsten Pfade, die ich in Neuseeland bisher gelaufen bin, was sicher auch an dem herrlichen Wetter liegt, welches ich genießen darf…die Aussicht und die vielfältige Flora überwältigen mich, während mich die Sonne von oben wärmt und eine leichte Brise durch meine Haare streicht.

Der Westen Aucklands ist ganz besonders.

Der „lion rock“ vom South Piha Beach aus.

An „the gap“…

An „the gap“…

Die Holzskulptur auf dem „lion rock“…

…und der Blick auf den North Piha Beach, den Ngati Tangiaro Taua schon hatte.

…und dann kommt die Sonne raus.

Der South Piha Beach vom „lion rock“ aus.

…Sonnenschein…

North Piha Beach.

…und dann der Mercer Bay Loop Track.

…und die Aussicht.

…und dann gibt es nur noch meine Kamera und die Natur…

Neuseeland, Abel Tasman Nationalpark

Die meisten Menschen, die ich getroffen habe, schwärmen von der Region Abel Tasman und ich kann es verstehen. Es ist hier deutlich wärmer als im Süden der Insel und die Natur ist anders als im restlichen Land. Anders schön.

Ich habe gelesen, dass viele der Filmszenen aus den Hollywood-Trilogien “Der Herr der Ringe” und “Der Hobbit” hier gedreht wurden und abseits der sehr ausgeprägten Küstenstreifen ertappe ich mich tatsächlich immer wieder dabei, wie ich “die Gefährten durchs Land vor mir ziehen sehe”.

Die Aussicht vom Takaka Hill aus.

Die Aussicht vom Takaka Hill aus.

Auf dem Takaka Hill Walkway…

Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.

Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.

Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.

Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks in Richtung Harwoods Hole…

…Neuseelands tiefstem Höhlenschacht…

…mitten im Nirgendwo gelegen und zwar ausgeschildert aber in keiner Form abgesichert. 50 Meter breit und 183 Meter tief…und leider per Photo nicht einzufangen.

Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.

Tief im Herzen des Abel Tasman Nationalparks.

Auf dem Farewell Spit ganz oben im Nordosten der Südinsel.

Auf dem Farewell Spit ganz oben im Nordosten der Südinsel.

Der Wharariki Beach.

Der Wharariki Beach.

Unweit des Wharariki Beach.

Ich liebe diese Landschaftsform und kann mich nicht daran sattsehen!

Ein Schaf…

Ein Pfau…

Ein Kirchenfenster in der Christ Church Cathedral zu Nelson.

Neuseeland, Die Westküste

Der Süden der Südinsel von Neuseeland ist atemberaubend und ich bin länger dort geblieben als ursprünglich gedacht. In 7 Tagen muss ich wieder in Christchurch sein und meinen Mietwagen abgeben. Nun heißt es Strecke machen…auf in den Norden.

Die Landschaft ist durchzogen von Seen…

…die teilweise regelrecht gespenstisch wirken.

Irgendwo entlang der Westküste…

…und wiedereinmal ist der Weg das Ziel.

Der Lake Matheson.

Ein neuseeländischer Vogel.

Der Franz Josef-Gletscher.

Die Pancake Rocks nahe Punakaiki.

Der gruselige Weg zur Straße zurück.

Die Westküste von ihrer wilden Seite…

…und von ihrer ruhigen.

Neuseeland, Der Weg nach Isengard

Bevor ich überhaupt in Queenstown, der zweitgrößten Stadt der Südinsel angekommen war, wusste ich bereits dank meiner neuseeländischen Camping-App, dass sich unweit von hier der Herr der Ringe-Drehort zu Sarumans Isengard befindet. Und selbstverständlich wollte ich sehen, wie die große Lichtung heute aussieht, nachdem die Ents hier einst so sehr gewütet hatten.

Ich bin bereits sehr früh wach. 7.00Uhr. Untypisch für mich! Ich bin gestern Abend noch ein Stück weit in Richtung Glenorchy gefahren, das knapp 50 Kilometer westlich von Queenstown am Kopf des wunderschönen Lake Wakatipu und in Richtung Isengard liegt. Das hellblaue Wasser des Lake Wakatipu, dass anscheinend wissenschaftlich als besonders rein belegt wurde, hat ganzjährig eine Temperatur von etwa 10°C; baden tut hier keiner. Es ist sehr frisch diesen Morgen und meine Autoscheiben sind wieder einmal beschlagen, für den Tag ist allerdings zum Glück Sonnenschein angesagt. Wie ich vom Campingplatz runterfahre und den linken Blinker setze, überlege ich noch kurz, ob ich die Fahrt wirklich auf mich nehmen soll, da mein Ziel nochmal deutlich hinter Glenorchy liegt und ich gewiss nicht vor der Mittagszeit zurück sein werde. Gedankenversunken fahre ich los und vergesse meine Überlegung sogleich wieder, als ich um die nächste Kurve biege. Weit breitet sich der Lake Wakatipu vor mir aus und um ihn herum strecken sich malerische, schneebedeckte Berge in Richtung Himmel, während vereinzelte Strahlen der aufsteigenden Sonne zwischen den Bergspitzen hindurch auf den See hinunter scheinen. Was für ein Bild. Die Küstenstraße danach ist sehr kurvig und schlängelt sich eng zwischen Felswänden zu meiner Rechten und dem Gewässer zu meiner Linken auf und ab, wodurch ich nur sehr langsam vorankomme und erst nach knapp 90 Minuten das Ortsschild von Glenorchy passiere.

Glenorchy ist ein kleines Örtchen, das vermutlich während der Skisaison so richtig aufblüht, ansonsten aber eher gemütlich dahinlebt. Ich drehe eine Runde um den Ortskern, bevor ich meinen fahrbaren Untersatz weiter Richtung Nordwesten, in Richtung des aus drei Häusern bestehenden Weilers mit dem Namen “Paradise” lenke. Zunächst führt mich der Weg noch über asphaltierte Straßen, doch schon bald verwandelt sich die Straße wiedereinmal in eine staubige Schotterpiste. Ich schließe meine Autofenster und stelle die Klimatisierung auf Innenbelüftung um. Mein Weg führt mich über privates Weideland, vorbei an Kühen und Schafen auf saftigen grünen Wiesen, die schneebedeckten Berge vor mir, eine braune Wolke aus aufgewirbeltem Staub hinter mir; die Tiere tun mir etwas Leid…haben sie doch keine Finger, um sich den aufgewirbelten Staub wieder aus den Augen zu wischen. Dann stehe ich plötzlich vor der ersten Furt. Besser geschrieben, hoffe ich, dass es eine Furt ist, wie auf dem kleinen gelben Hinweisschild, mit dem fast schon zu großen Ausrufezeichen darauf, neben dem Weg abgedruckt ist. Eine Furt bezeichnet normalerweise eine flache Stelle in einem Flusslauf, an der man das fließende Gewässer ohne Risiko überqueren kann, doch ich sehe den Boden aufgrund des braunen Flusswassers nicht…

Ich komme unbeschadet auf der anderen Seite an und mit etwa 30 Stundenkilometer taste ich mich langsam weiter durchs Gelände, immer wieder prüfend auf mein Mobiltelefon schauend, ob ich noch in die richtige Richtung, in Richtung Isengard, steuere. Zwei weitere Furten durchkreuzen meinen Weg, dieses Mal kann ich den Boden allerdings im klaren Gebirgswasser sehen und so auf dem seichtesten Weg und vorbei an größeren Steinen und Schlaglöchern durch die Furt manövrieren. Vereinzelt tauchen Fahrzeuge aus der Staubwolke hinter mir in meinem Rückspiegel auf, die ich dann vorbeifahren lasse, oder es kommen mir Fahrzeuge entgegen. Gleich wie auch zuhause wird hier der Zeigefinger übers Lenkrad gestreckt und so kurz gegrüßt. Lachen tun sie alle. Zum einen wohl, weil ich mich mit einem normalen Personenwagen auf solche Wege in eine solche Gegend “verirrt” habe, zum anderen wohl aus Respekt, weil ich mit einem normalen Personenwagen bereits so weit auf diesen Wegen gekommen bin und regelrecht rebellisch schon drei Furten hinter mir gelassen habe.

Die Landschaft ist geprägt von kleinen Seen, tiefgrünen Waldstücken und hellgrünen Wiesen. Furt Nummer 4 scheint recht tief zu sein und ich inspiziere sie genauer, bevor ich mich vorsichtig ins Flusswasser hineinwage. Das Land hier ist uneben und Erhebungen reihen sich bis zum Horizont beziehungsweise bis zu den schneebedeckten Gebirgszügen, die mich weitläufig umgeben, aneinander und versuchen sich dabei gegenseitig in ihrer flach ansteigenden Höhe zu übertrumpfen. Wieso der kleine Weiler in dieser Gegend nach dem Paradies benannt wurde, kann ich erahnen.

Ich bin zwischenzeitlich gut 1 ½ Stunden unterwegs und laut meinem Mobiltelefon befinde ich mich inzwischen zum Glück endlich nur noch wenige Kilometer von Isengard entfernt, als das bekannte gelbe Hinweisschild neben dem Schotterweg und Furt Nummer 5 vor mir auftauchen. Ein kleines Rinnsal fließt von rechts in ein gewaltiges Wasserloch, das sich quer über die ganze Wegbreite zieht und auf der anderen Seite rinnt ebenso wenig Wasser wieder hinaus. Das dreckige Wasser liegt still vor mir und der Weg führt recht steil hinein sowie ebenso steil etwa zwei Meter weiter wieder hinaus. Ich kann den Boden nicht sehen… Ich steige aus meinem Van und schau mir die Sache aus der Nähe an. Nach der ersten Furt hatte ich zu mir gesagt, dass ich bei der Nächsten umdrehen werde. Das Gleiche habe ich bei der Vierten gesagt. Die Versicherungsfirma, mit der mein Autovermieter zusammenarbeitet, die in meinem Vertragsfall Schäden ohne jegliche Selbstbeteiligung meinerseits beheben müsste, würde sich bereits bei dem Weg, auf dem ich die letzten Kilometer zurückgelegt habe, die Arme hinter dem Kopf verschränken und sich entspannt schmunzelnd in den Bürostuhl lehnen. Und ich entscheide, dass ich es lasse. Ich fahre nicht weiter. Ich drehe um.

Ich setze mich zurück in meinen Wagen und bin gerade am umdrehen, in dem ich auf die flache Grasfläche rechts des Weges zurücksetze, als ich weit hinten auf der anderen Seite der Furt eine Staubwolke sehe, die näher kommt. Ein Auto. Jemand, der mir zeigen wird, wie tief Nummer 5 wirklich ist. Das Fahrzeug schlängelt sich am Waldrand entlang, wo der Weg demnach weitergehen würde, entfernt sich kurzzeitig aus meinem Sichtfeld und erscheint schließlich, wie erwartet, direkt vor der Furt. Ein dunkler VW Amarok, vermutlich erste Ausführung, offene Ladefläche…

Udo, du weißt, was ich meine 😉

…hinter dem Steuer ein Mann mit dunklerer Haut, die Dreadlocks offen über die Schulter hängend. Die breite Front des Amaroks taucht tief in die Furt ein und Wasser spritzt über die Motorhaube, durch den unebenen Grund kippt die Front des Giganten einmal nach links und wieder zurück, bevor die riesigen Reifen wieder aus dem Wasser auftauchen. Unsere Blicke treffen sich und aufgrund meiner Wagenposition ist im selbstverständlich bewusst, was ich gerade vorhabe und aufgrund der Stelle, wieso ich dabei bin, dass zu machen. Er grinst mich freudestrahlend und zugleich wohlwollend an, nimmt seine beiden Hände vom Lenkrad und zeigt mir, getreu dem Motto “schau mal her; wie cool; unbeschadet geschafft” die Daumen, dann ist er an mir vorbei. Definitiv zu tief! Alles richtig gemacht! Und die kurze Begegnung mit dem Amarok-Fahrer…mein persönliches Happy End.

Moment mal…Saruman ???

…weit breitet sich der Lake Wakatipu vor mir aus und um ihn herum strecken sich malerische, schneebedeckte Berge in Richtung Himmel, während vereinzelte Strahlen der aufsteigenden Sonne zwischen den Bergspitzen hindurch auf den See hinunter scheinen.

Furt Nummer 3.

Der Weiler „Paradise“.

…auf dem Weg nach Isengard…

…auf dem Weg nach Isengard… Vorsicht: Kuh!

…auf dem Weg nach Isengard… Sorry; das ist ein Pferd!

Furt Nummer 5!

DIE Furt Nummer 5!

Auch rund um die fünfte Furt haben die Orks die Bäume gefällt…

…auf dem Weg zurück…

…dann halt Frühstück unweit von „Paradise“…

Ich steh auf frühstücken!

Neuseeland, Doubtful Sound

Man sollte den Fjordland Nationalpark wohl nicht verlassen, ohne nicht wenigstens einen der beiden bekannten Fjorde besichtigt zu haben. Ich entscheide mich für den Doubtful Sound, zu dem die Touren zwar deutlich teurer sind als zum Milford Sound, die mich dafür aber weiter ins Hinterland bringen, aufgrund der Anfahrt länger dauern und aufgrund der Preise deutlich weniger Touristen verzeichnen. Zum Doubtful Sound führen keine öffentlichen Straßen und so ist der Zutritt für mich nur mittels zweier in Te Anau ansässiger Touranbieter möglich. Die Küsten und auch die Berge um den Doubtful Sound herum gelten als nahezu unberührt. Neuseeland so sehen, wie es einst gewesen ist…den Wunsch, den ich hatte.

Nachdem mich der Shuttlebus an meinem Campingplatz abgeholt hat, fahren wir zunächst ins 20 Minuten weiter südlich gelegene Manapouri, von wo aus wir auf ein erstes Boot umsteigen, um den Lake Manapouri zu überqueren. Nach etwa 45 Minuten erwartet uns auf der anderen Seite des Sees ein zweiter Bus, der uns über den Mount Wilmot chauffiert und uns zu unserem eigentlichen Schiff bringt. Und dann fahren wir den Fjord entlang…raus bis zum Meer, zur Tasmansee und wieder zurück. 3 Stunden dauert die Fahrt und kein anderes Zeichen von Zivilisation weit und breit.

Mein Highlight der Tour: Wie wir das offene Meer erreichen und in Richtung Fjord zurückwenden, steuert unser Kapitän gezielt an einer kleinen Inselgruppe vorbei und hält dort kurz…50 Meter vor mir kann ich vier kleine “Fjordland Crested“-Pinguine (zu deutsch: Dickschnabelpinguin oder Fjordlandpinguin) sehen, die nur hier im Süden Neuseelands zuhause sind und zu den seltensten Pinguinarten der Welt gehören. Neugierig kommen die Kameraden aus dem Inneren einer unscheinbaren Öffnung im Fels gewatschelt, als sie das Boot hören und stehen da…beobachten uns irritiert und zugleich neugierig. Pinguine! Ich fass es nicht!

Über den Mount Wilmot zum Doubtful Sound.

Schon hier ist die Aussicht atemberaubend!

Hello Doubtful Sound!

Und los…

Schließlich draußen am Meer…

…die kleine Inselgruppe…

…und die Fjordland Crested-Pinguine.

Und wieder rein in den Sound…

Eines der bekanntesten Fotomotive auf neuseeländischen Tourismusunterlagen.

Auf dem Lake Manapouri.

Auf dem Lake Manapouri.

Auf dem Lake Manapouri…wo die Sonne zunehmend fotounfreundlich steht.

…ich lass es ja schon!

See ya, Fjordland Nationalpark!

Neuseeland, Milford Sound Highway

Nach 1 ½ Wochen auf Tour bin ich inzwischen im Fjordland Nationalpark im Südwesten der Südinsel angekommen. Während der südliche Teil des über 12.500 Quadratkilometer großen Areals bis heute recht unerschlossen ist und auch keine Menschen in diesem Gebiet wohnen, gibt es im oberen nördlichen Teil eine Hand voll kleinerer Siedlungen und unzählige Möglichkeiten, den Nationalpark zu Fuß zu erkunden. Über 12.500 Quadratkilometer, auf denen sich breite Meeresarme zu azurblauen Seen und wilden Flüssen, zu Ebenen voller grün leuchtendem Farn und mit Moos überzogenen Waldböden, zu dichten Nadel- und uralten Laubwäldern, zu beeindruckenden Felsformationen, über die Wasserfälle Richtung Erde prasseln, vortasten.

Die zwei bekanntesten Buchten bzw. Fjorde im Fjordland sind der Milford Sound und der Doubtful Sound, zu denen auch Touren angeboten werden und die man so von einem Boot aus näher betrachten kann. Der Startpunkt der Touren in den Milford Sound beginnt 122 Kilometer nördlich dem kleinen 2.000 Einwohner-Städtchen Te Anau, in dem ich vorübergehend mein Lager aufgeschlagen habe. Bereits die Anfahrt zu benanntem Startpunkt über den Milford Sound Highway soll unbeschreiblich schön sein, was ich mir natürlich anschaue…

Mein Trip beginnt erstmal damit, dass ich vor lauter Vorfreude mit erhöhter Geschwindigkeit aus Te Anau rausfahre und plötzlich ein blinkendes Polizeiauto in meinem Rückspiegel sehe. 80,- NZD (Neuseeländische Dollar); umgerechnet etwa 45,- EUR (Euro). Die Ordnungshüterin verkündet stolz, dass die Rechnung an meine Anschrift in Deutschland geschickt wird, ich den Betrag aber auch vorab bereits per Kreditkarte auf der Homepage drivesafe.org.nz begleichen kann. Vielen Dank!

Danach führt meine Fahrt langsamer zunächst durch klassisches neuseeländisches Weideland, auf dem unzählige Schafe mit ihren aktuell etwa 1-2 Monate alten Lämmchen am grasen sind. Weder an diesem wunderschönen Weideland noch an den Tieren darauf kann ich mich satt sehen und so wandert mein Blick freudestrahlend von links nach rechts und wieder zurück. Nach einigen Kilometern verändert sich schließlich das Landschaftsbild und es wird rauer. Ich fahre nun tiefer ins südliche Alpenland hinein. An meinem Fenster ziehen vor allem Wälder vorbei, die von Zeit zu Zeit lichter werden und dann den Blick auf große ausgetrocknete Flußläufe und typische Tundra-Ebenen freigeben. Die Straße ist sehr kurvig und unübersichtlich, wodurch ich trotz der erlaubten 100 Stundenkilometer nun mit nur etwa 50-60 Stundenkilometer und somit deutlich unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vorankomme. Dem Neuseeländer hinter mir macht das vermutlich mehr aus als mir; er kennt die Strecke und will zügig an sein Ziel, ich fahre gerade mein Ziel entlang und bestaune die Umgebung.

Wie ich nach insgesamt 86 Kilometer “the divide”, den niedrigsten Ost/West-Pass der südlichen Alpen, passiere, verändert sich die Landschaft um mich herum erneut und der Milford Sound Highway führt mich tief in ein Tal hinab. Während die Felswand links von mir höher und höher wächst, eröffnet sich mir zu meiner Rechten ein riesiger Bergeinschnitt, der von schneebedeckten Gipfeln umgeben ist und durch den sich mittig ein gewaltiger Gebirgsfluss zwischen buntem Mischwald hindurchschlängelt. Und dann geht es wieder aufwärts. Zum Homer Tunnel. Ein gelbes Hinweisschild links der Fahrbahn bittet mich darum, den hier in der Region lebenden Bergpapagei Kea nicht zu füttern. Der Kea ist der einzige Papagei der Welt, der ausschließlich in den Bergen beheimatet ist und kommt nur hier im Süden Neuseelands vor. Wenn ich ihn sehe…nicht füttern. Verstanden.

Vor dem Homer Tunnel stehe ich erstmal vor einer roten Ampel. Die Öffnung zum Tunnel ist auf 922 Metern über Meeresspiegel der höchste Punkt des Milford Sound Highways und der Tunnel trotz oder gerade wegen der Länge von 1,2 Kilometern nur einspurig befahrbar. Als die Ampel schließlich auf grün schaltet, stelle ich fest, dass der Durchgang innen so ausschaut, als würde er sich noch im Rohbau befinden, während ich auf 793 Höhenmeter runter fahre. Mit Druck auf den Ohren gelange ich in ein weiteres Tal, das von den Felswänden links und rechts erdrückt zu werden scheint und in dem ein bedrohlicher Nebelschleier über den engen Serpentinen hängt. Das gelbe Hinweisschild, das ich dieses Mal sehe, weißt mich nicht auf den Kea-Vogel sondern auf mögliche Steinlawinen hin und bittet mich darum, auf den nächsten Kilometern nicht anzuhalten sondern zügig durchs Tal zu fahren. Nachdem ich das Ende der Serpentinen erreicht habe, ohne dass mir von links oder rechts Gesteinsbrocken Kratzer in den Lack gemacht haben, führt mich die kurvige Straße die letzten 20 Kilometer durch wundervollen bunten Mischwald, bevor ich schließlich mein Ziel erreiche und am Ufer vor dem Eingang zum Milford Sound stehe.

Grob 45 Minuten später mache ich mich wieder auf den Rückweg. Es ist bereits später Nachmittag und so begegnen mir kaum noch Autos auf der Straße, da der Highway von Te Anau ausschließlich zum Eingang in den Fjord führt und die meisten Besucher in ihren Autos und Reisebussen bereits morgens hierher fahren und am frühen Nachmittag wieder den Heimweg antreten, um der Abenddämmerung in diesem Gebiet zu entgehen. Das Tal vor dem Homer Tunnel scheint sich bei meiner Rückkehr weiter eingenebelt zu haben, so dass die Fahrt nach oben zum Tunneleingang, auf der mich steigende Nebelschwaden begleiten, irgendwie gespenstisch wirkt. Oben angekommen, zeigt mir die Ampel vor dem großen, schwarzen Loch im Berg das rote Licht und ein Countdown daneben, dass ich noch knapp 10 Minuten zu warten habe, bevor die Ampel auf grün schalten wird und ich meine Fahrt fortsetzen kann. Entschlossen greife ich nach meiner Kamera auf dem Beifahrersitz und steige aus dem Auto. All zu viel ist von den Serpentinen und dem Tal vor mir aufgrund des grauen Schleiers nicht zu sehen aber gerade das verleiht meinen Fotos den gewissen Charme, den ich mir erhofft habe. Ich laufe über die verlassene, durch den Nebel ganz feuchte, Straße ein paar Meter in Richtung Abgrund, nehme meine Einstellungen an der Kamera vor und betätige den Auslöser.

Wie ich zu meinem Auto zurückkehre, registriere ich im ersten Augenblick nicht, was da regungslos auf meinem Autodach sitzt und mich anschaut. Und wie ich es schließlich registriere, realisiere ich es nicht. Ein vergleichbar riesiger Vogel beobachtet mich fixierend mit seinen kleinen Augen. Lange grün schimmernde Federn bedecken seinen Körper und sein Schnabel sowie seine Krallen wirken gigantisch, wie ich drei Meter vor meinem Autodach stehe. Ein Blick auf die Ampeluhr gibt mir einen Teil meiner Gelassenheit zurück; ich hab noch gute 5 Minuten, bis die Ampel auf grün schaltet. Ein zweiter Kea-Papagei erscheint aus dem Gebüsch auf der anderen Straßenseite, hüpft blitzschnell über den Asphalt und hoch auf mein Autodach. Während sich der Zweite schnurstracks mit seinem Schnabel an meiner Türdichtung zu schaffen macht und daran offensichtlich großen Gefallen findet, beäugt mich der Erste immernoch regungslos mit aufgeschlossenem Blick. Behutsam rede ich auf ihn ein, während ich langsam meine Kamera vor mein Auge führe und die Einstellungen auf die neue Gegebenheit anpasse. Selbst als ich meine Fotos gemacht habe und ohne Objektiv vor dem Gesicht noch näher ans Auto herantrete, um die Beiden von Nahem zu beobachten, lassen diese sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als der Ampel-Countdown schließlich 60 Sekunden anzeigt und ich langsam die Autotüre öffne, ins Auto steige, den Motor starte, losrolle. Über mir auf dem Autodach höre ich Getrappel, doch offenbar haben die Beiden kein Interesse daran, das Dach meines Vans zu verlassen. Erst als ich 200 Meter weiter vorn, kurz vor dem Tunneleingang, kurzzeitig mein Tempo etwas beschleunige und dann nochmal abbremse, sehe ich im Rückspiegel, wie die zwei Kameraden gelassen vom Autodach hüpfen und gemächlich über den Asphalt Richtung Gebüsch stolzieren.

Der Milford Sound Highway…on the road.

Am Lake Gunn.

Am Lake Gunn.

Am Homer Tunnel liegt Schnee…

Kannst du den Eingang erkennen?

Chasm Walk…auf dem bewundert werden kann, wie sich der Cleddau River seinen Weg durch die Felsen bahnt. Was auf dem Bild wie ein Ast wirkt, ist in Wahrheit ein langer Baumstamm…

 Der Milford Sound Highway…on the road.

Am Eingang zum Milford Sound.

DER Eingang zum Milford Sound!

Das Tal zum Homer Tunnel auf meinem Rückweg…

…und der Kea-Papagei.

Zugenebelt.