Neuseeland, Otago Peninsula

Glaubst du an Gott? Oder glaubst du an Allah, wie der Name des Herrn im Islam lautet? Glaubst du, dass sich dieser von Zeit zu Zeit durch Zeichen dir gegenüber zu erkennen gibt?

Die Otago Peninsula ist ein Naturschutzgebiet nordöstlich von Dunedin, der man eine einzigartige Flora und Fauna nachsagt. Albatrosse, verschiedene Pinguinarten, neuseeländische Seelöwen, Wale vor den Küsten, Delfine; hier besteht die Chance, diese Geschöpfe in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Alleine schon die Fahrt die verwinkelte Küstenstraße entlang ist ein Erlebnis, auch wenn ich heute vor allem die Hoffnung hege, einen Pinguin oder Seelöwen in freier Natur zu sehen.

Ich habe mich vor meinem Aufbruch in der Stadt erkundigt, wo ich die beste Möglichkeit habe, diese einzigartigen Tiere anzutreffen ohne dafür eine der teuren Touristenführungen zu buchen, bei der lokale Farmer Auswärtige über ihr privaten Anwesen zu den entlegensten der Buchten bringen, wo die Wahrscheinlichkeit aufgrund geregelter Besucherströme grundsätzlich sehr hoch ist, etwas zu erspähen. Mein Weg führt mich zunächst an den nördlichsten Punkt der Peninsula, an dem ein Albatros-Schutzzentrum errichtet wurde, wo ich zunächst jedoch leider nur Möwen sehen kann. Die weißen Vögel sind überall; es ist laut und überall liegt Vogelkot. Der Bereich, in dem mehr von den weltgrößten Vögeln zu sehen ist, ist abgesperrt. “Entry with Guide only”. Um das Schutzzentrum zu unterstützen, trinke ich noch einen heißen Cappuccino im Cafè, das sich gleich rechts nach der Eingangstür befindet und fahre anschließend weiter…und wie ich die enge Küstenstraße zurückschleiche, die sich an den steilen Feldklippen entlangschlängelt, sehe ich doch tatsächlich prompt drei riesige Vögel, die sich rechts von mir in der Bucht mithilfe der Thermik im Kreis nach oben gleiten lassen. Ich muss mich auf die Straße konzentrieren und verliere die Albatrosse augenblicklich wieder aus den Augen.

Zu den nächsten beiden Stränden, an die ich mich auf unbefestigten Schleichwegen mit meinem Auto rantaste, wird mir leider, gefühlt kurz vor dem Ziel, jeweils der Zutritt verwehrt. “Privatgelände”; und hier in Neuseeland besitzen die Farmer Waffen. Über Infotafeln am dritten Strand werde ich schließlich daran erinnert, was ich bereits in der Ortschaft Timaru an der Ostküste gelernt habe: Pinguine sind nachtaktiv. Vereinzelt sehe ich die Spuren von Vogelfüßen im Sand, die sich von denen der Möwen unterscheiden und sich in den Dünen verlaufen. Immer wieder fällt mein Blick auf Infotafeln, die auf die Anwesenheit von Seelöwen und eben auch Pinguinen hinweisen und daran appellieren, dass man zum Schutz aller Beteiligten bitte einen angemessenen Abstand zu den Tieren halten soll. Und so laufe ich unter den neugierigen Blicken der Möwen und den tosenden Wellen den ansonsten verlassenen Strand entlang und hoffe darauf, dass sich mir irgendwo ein Seelöwe zeigt oder unter den Pinguinen Frühaufsteher existieren. Die Hinweise sind da, doch nichts zeigt sich mir.

Der vierte Strand, den ich ansteuere, ist gleichzeitig der vorletzte auf meiner Liste und es wird zwischenzeitlich auch langsam Abend. Wieder führt mich mein Anfahrtsweg über Schleichwege im Hinterland, die so eng sind, dass keine zwei Autos nebeneinander fahren können und für die wahrscheinlich nicht einmal angedacht ist, dass diese irgendwann mal asphaltiert werden, obwohl sie vereinzelte Häuser und Gehöfte hier im Hinterland mit der Welt draußen verbinden. Die Landschaft hier auf der Otago Peninsula ähnelt wohl ein bisschen der der Region Cornwall im Südwesten Englands; ich war noch nie dort aber dank meiner Mutter kenne ich die Liebesfilme der Autorin Rosamunde Pilcher, die meist dort spielen und dementsprechend dort gedreht werden. Wie ich am vierten Strand, am Victory Strand, schließlich ankomme, habe ich zunächst erstmal einen ordentlichen Fußmarsch vor mir, der mich durch Schafweiden führt. In Neuseeland ist momentan Lammzeit, wodurch überall auf den Wiesen kleine Lämmer und auch kleine Kälbchen umhertollen. Leider sind die Kleinen alles andere als zutraulich und nehmen panisch reißaus, wie sie mich sehen. Weiter führt mein Weg durch eine sandige Sumpflandschaft und dabei Dünen hoch und Dünen runter, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit am Wasser ankomme und wieder nichts außer ein paar Möwen sehe, die berechnend außerhalb der Wellenreichweite auf dem Sand stehen und sich dann blitzschnell die Muscheln und andere eventuell essbaren Dinge schnappen, die die Brandung ans Ufer spült. Raffinierte kleine Schreihälse! Ich laufe also abermals einen Sandstrand entlang und ziehe den Reißverschluss meiner Fleecejacke bis ganz nach oben, weil mich der kühle Wind, der vom pazifischen Ozean herzieht, frösteln lässt. Die Hoffnung, etwas wertvolles im Sand zu finden, dass vom Meer ausgespuckt wurde und mich reich macht, habe ich inzwischen aufgegeben und die hübschen Muschelschalen, die in den verschiedensten Farben aus dem Sand heraus leuchten, beginnen mich nicht mehr zu begeistern. Die Strümpfe in meinen offenbar undichten Schuhen sind zwischenzeitlich feucht und ich habe Hunger. Mit den Händen in den Hosentaschen schau ich nach oben in den Himmel und mit der Vorstellung an einen Verbündeten, der jeden von uns freundschaftlich umgibt und wohlwollend jeden einzelnen unserer Schritte mitverfolgt, beschwichtige ich in leisem Ton: Pinguine, Seelöwen, Wale, Delfine…ich könnt jetzt schreien und betteln…aber eigentlich will ich gar nichts erwarten…und trotzdem wäre es schön, wenn ich irgendwas sehe…nur einen…”.

Und wie ich ausgesprochen habe und nach rechts oben vor mir in die Dünen schaue, traue ich meinen Augen nicht. Übers ganze Gesicht grinsend strahle ich: “Das ist jetzt aber nicht dein Ernst…ist das etwa ?…nee, komm, das kann doch jetzt nicht sein!” 50 Meter vor mir in der Düne liegt schlafend ein neuseeländischer Seelöwe. Riesengroß, geschätzt 2 Meter, gemütlich eingebettet im Sand, überall Fliegen auf ihm drauf, weil er schon aus 10 Meter wirklich fürchterlich nach altem Fisch stinkt! Ein echter neuseeländischer Seelöwe. In freier Natur. In seinem natürlichen Lebensraum. Wie ich meine Fotos gemacht habe, stehe ich reglos etwa 3 Meter vor dem unwirklich aussehenden Lebewesen und beobachte ihn beim schlafen. Mit Tränen in den Augen.

50 Meter vor mir in der Düne liegt schlafend…
…ein neuseeländischer Seelöwe.
Die Otago Peninsula vom Mount Cargill.
Beim Albatros-Schutzzentrum gibt’s auch Möwen…
On the Road…Otago Peninsula.
Die raffinierten Schreihälse…
Der Strand Nummer 4…der Victory Strand.
On the Road…Otago Peninsula.
On the Road…Otago Peninsula.
Der Eingang zum fünften Strand…
…an dem ich schließlich nochmal Seelöwen sehe.

Otago Peninsula.
By the way: Die Baldwin Street, laut dem Guinness-Buch der Rekorde die steilste Straße der Welt.

Neuseeland, Oamaru

Ich fahre zurück Richtung Ostküste und lasse das Hochland fürs Erste hinter mir. Bevor mich das Gefälle des State Highway Nummer 8 spürbar zurück in die Küstenregion hinab führt, passiere ich das Königreich Gondor oder zumindest die Pelennor-Felder, auf denen einst die große Schlacht zwischen der Armee Mordors und dem letzten Widerstand der Menschen ausgetragen wurde. Die Original-Drehorte für diese Szenen des Filmepos “Herr der Ringe” liegen leider auf dem Privatgelände einer großen Schafs- und Milchfarm und sind von der Straße aus nicht zu sehen. Mir reicht es allerdings auch schon nur zu wissen, dass es sich hier irgendwo vor mir zugetragen hat…und mein Blick wandert verträumt über das Gebiet vor mir.

Die Abfahrt wird steiler und das Gelände verändert sich. Die Struktur wird wieder runder, hügeliger, die Wiesen werden grüner und sind mithilfe von klassischen Lattenzäunen aus Holz liebevoll zu Quadraten abgesteckt, auf denen in regelmäßigen Abständen, Schafe, Kühe oder vereinzelt auch Pferde grasen. Zwischen den Hügeln kommen immer wieder vereinzelte Bauernhöfe zum Vorschein und passend zu dieser Szenerie kommt nach Tagen wieder einmal richtig die Sonne raus. Diese Bilderbuch-Landschaft sprüht eine unglaubliche Harmonie aus und ich werde unweigerlich an einen anderen Film erinnert, in dem der Hauptdarsteller ohne wenn und aber aus dieser Gegend zu stammen beziehungsweise sein Hof hier irgendwo zu stehen hat. Das Schweinchen namens Babe war ein Kiwi!

Und dann erreiche ich Oamaru, ein anderes nicht all zu großes Küstenstädtchen, in dem ich mich kurzerhand entscheide, die Nacht zu verbringen, da es bereits Nachmittag geworden ist. Nachdem ich einen Stellplatz für die Nacht ausfindig gemacht habe, fahre ich nochmal zurück ins Dorfzentrum und schlendere noch ein wenig durch die Straßen. Oamaru war früher einmal ein sehr bedeutender Fleischlieferant und aufgrund regem Seehandel im eigenen Hafen sehr wohlhabend, wodurch heute einige sehr beeindruckende Gebäude im englischen Baustil die Hauptstraße schmücken. Südlich vom Stadtzentrum erstreckt sich ein altes viktorianisches Geschäftsviertel, welches mir besonders gut gefällt. Die alten Fachwerkgebäude mit riesigen Glasfenstern und großen Eingangstüren wirken unglaublich einladend und so trödel ich die Tyne Street und Harbour Street entlang, die von staubigen Antiquitätenläden, alten Buchhandlungen, gemütlichen Cafès, pfiffigen Galerien und allerlei Fachgeschäften tüchtiger Schmiede, Steinmetze und Schneider bewohnt sind. Volle Begeisterung und viele nette Gespräche lassen mich schließlich vergessen, wo ich bin und wie viel Uhr es ist…im Nachhinein wäre ich hier gerne noch etwas länger geblieben.

Das Königreich Gondor.
Die Landschaft um Oamaru.
Die Landschaft um Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.

Neuseeland, Lake Tekapo

…nachdem ich gestern Abend noch ein Stück weit die Küste in Richtung Süden entlang gefahren bin, steuere ich heute in Richtung Westen. Bevor mich meine Route weiter entlang der Küste führt, mache ich einen Abstecher ins bergige Hinterland, wo einzigartige Bergseen auf mich warten sollen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich Neuseeland hinter jeder Kurve neu erfindet und die Landschaft aufgrund der vielen verschiedenen Höhenmetern auf engstem Raum unterschiedlichste Facetten bietet. Und so ist es schließlich auch. Ich fahre in meinem Van die kurvige Landstraße entlang und an meinen Seitenfenstern ziehen dunkle Nadelwälder, tiefe Täler und karge Ebenen vorbei, die sich bis zum Horizont zu erstrecken scheinen, während der kühle Südwind an meine Beifahrertür hämmert und im Radio der Woodkid-Song “run boy run” gespielt wird.

Wie ich den Lake Tekapo schließlich erreiche, staune ich nicht schlecht. Er ist größer als ich gedacht habe und das Panorama ist überwältigend. Über einen Campingplatz-Navigator, den ich mir in Christchurch vor meinem Aufbruch auf mein Smartphone geladen habe, finde ich einen etwas abgeschiedenen und sehr günstigen Campingplatz, den ich mir näher anschauen möchte und fahre über ein unscheinbares Sträßchen weiter ins Hinterland, wodurch ich den See aus weiteren Perspektiven zu sehen bekomme, was mein Gesicht zum Strahlen bringt. Autos kommen mir inzwischen keine mehr entgegen und plötzlich verwandelt sich die asphaltierte Straße in eine staubige Schotterpiste. Mein Hunger nach Abenteuern ist zwischenzeitlich wieder vollständig erwacht und so lasse ich mich hiervon natürlich nicht aufhalten…und erreiche den kleinen Lake Alexandrina. Das Tor des Campingplatzes, der sich unmittelbar neben dem Gewässer befindet, ist weit geöffnet und die Wohnwagen klassischer Langzeitcamper stehen akkurat nebeneinander, von Menschen fehlt jedoch jede Spur. Einzig zwei kleine Wildkaninchen grasen im Eingangsbereich, springen allerdings panisch davon, als sie mich wahrnehmen und zwei Enten watscheln gemütlich schnatternd an mir vorbei. Bei genauerem Hinschauen, sind die Wohnwagen offenbar noch eingewintert, laut einem großen Schild neben dem Tor ist der Platz allerdings schon seit Anfang September geöffnet, wodurch ich in meinem Van langsam in den Platz hinein rolle und mein Fahrzeug unweit der Sanitäranlagen positioniere. Ein schlechter Horrorfilm könnte durchaus so anfangen…

Glücklich, endlich den Platz für die Nacht gefunden zu haben, schlendere ich mit einer Dose Bier und meiner Kamera ans Ufer des Lake Alexandrina, der im Sommer, den zahlreichen Booten im Uferbereich nach, ein beliebter Ort für Angelausflüge zu sein scheint, setze mich auf ein Bänkchen direkt am Wasser und öffne den Dosenverschluss passend zum Sonnenuntergang.

Der Ort, der sich im Zentrum eines kleinen Naturschutzgebietes befindet und der Augenblick, den ich ohne eine andere Menschenseele um mich herum genießen darf, sind in Verbindung miteinander etwas ganz besonderes. Ich spüre Frieden in mir.

Unendliche Weiten…
…und windig ist es.
Lake Alexandrina
Lake Alexandrina
Lake Alexandrina
Lake Alexandrina
Eines meiner Lieblingsbilder…
Lake Alexandrina

Neuseeland, Akaroa

Nachdem ich in den vergangenen Tagen eine grobe Route über die Südinsel Neuseelands erarbeitet und mich nach einer günstigen Fortbewegungsmöglichkeit umgesehen habe, geht es heute endlich los. Ich habe mich dazu entschieden, einen Campervan für 3 ½ Wochen zu mieten und schlage damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen bin ich unabhängig, was meine Reiseroute angeht und zum anderen spare ich Geld bei den Unterkünften, da sich mein Nachtlager in Form einer großen Matratze über die Rücksitze erstreckt. Im Kofferraum habe ich zusätzlich eine kleine Küche in Form eines Spülbeckens, einem gasbetriebenen Campingkocher und allem notwendigen Geschirr mit im Gepäck. Ich hoffe, 3 ½ Wochen sind ausreichend…oh man, ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten!

Mein Weg führt mich nach Süden und meine ersten Kilometer erstrecken sich über die kurvigen Landstraßen der Banks Peninsula (einer Halbinsel im Südosten von Christchurch). Bereits nach den ersten Minuten bin ich geflasht von dem Anblick, der sich mir hier außerhalb der Stadt bietet. Saftige grüne Wiesen, große grasbewachsene Hügel und auf der rechten Seite der Straße schroffe felsige Klippen, die in der Gischt des stürmischen Pazifik-Wassers verschwinden.

Das kulturelle Highlight der Halbinsel ist Akaroa und ich habe von verschiedensten Seiten gehört, dass ich hierhin unbedingt einen Abstecher machen muss. Eingebettet zwischen grasbewachsenen Hügeln, die momentan aufgrund der hier weit verbreiteten und sich momentan in der Blüte befindenden Stechginster alle in gelb erstrahlen, liegt das hübsche Küstendörfchen in einer kleinen Bucht geschützt vor dem rauen pazifischen Ozean. Nachdem ich meinen Van geparkt habe, laufe ich gemütlich die Uferpromenade entlang und schlendere durch die verwinkelten Souvenirlädchen auf der Suche nach “etwas Besonderem”. Wie ich schließlich am Hafen ankomme und den Bootssteg aus Holz rauslaufe, finde ich “etwas Besonderes” in Form einer alten Dame in einem kleinen Fish&Chips-Verkaufswagen, die mich freundlich fragt, ob ich vom Schiff komme, dass rund 4.000 Passagiere beherbergt und an diesem Tag einige hundert Meter weit draußen vor Anker liegt, bevor sie mir eine Portion lokalem Fisch und Pommes zubereitet. Um es in den Worten des Lonely Planet-Reiseführers auszudrücken: “Der Ort wirkt im Allgemeinen recht verschlafen, wird jedoch turnusmäßig von Touristenhorden überrannt, die von gigantischen Kreuzfahrtschiffen aus einen Landgang machen.”. Und um das Ganze um die Worte der alten Dame abzurunden: “Die kommen jetzt jeden Tag bis zum Herbstanfang. Jeden Tag ein anderes Schiff mit Menschen von überall her auf der Welt. Für mich wäre das ja nichts; im Urlaub will man doch schließlich seine Ruhe haben”.

Jenny? 😉

…und mein Van.
…und mein Van.
…und mein Van.
…und mein Nummernschild, Mona 😀

Australien, Fischen im Kakadu Nationalpark

Bist du im Northern Territory unterwegs, so kommst du mit einem Thema definitiv in Berührung. Fischen. Hier im Norden Australiens dreht sich alles um den großen Fang. Man könnte mich wohl als Fisherman’s Friend betiteln, denn mein Kumpel Kyle ist definitiv jemand, der weiß, wie man fischen geht. Bei meinem letzten Aufenthalt vor einem guten Jahr in Kyle seinem Haus sind wir einen Tag mit dessen Boot auf den Adelaide River zur Krabenjagd rausgefahren, heute konzentrieren wir uns aufs Angeln mit der Route und lassen die Gitterboxen zuhause im Schopf.

Die rote Kühlbox hingegen kommt wie gewohnt mit und ist mit ausreichend Bier sowie Jack’s für Kyle gefüllt. Ein paar Snacks sind im Boot verstaut, die spezielle Fischerkleidung ist angelegt. Los geht’s. Nach circa 45 Minuten, von denen wir etwa die Hälfte auf unbefestigten Feldwegen aus Sand und Staub zurücklegen, erreichen wir eine staubige, kahle Fläche, auf deren äußerem Rand ein paar Mülltonnen aufgestellt wurden…ein Parkplatz mitten im Nirgendwo…außer uns ist niemand da. Direkt hinter dem Stellplatz erstreckt sich der Billabong at Hardy’s am Rande des Kakadu Nationalparks, den Kyle als Ziel für heute auserkoren hat. Billabong ist ein Begriff aus der Sprache der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, und steht für ein Gewässer, dass sich während der Regenzeit mit Wasser füllt und über die trockenen Monate hinweg dann langsam austrocknet.

Kyle fährt mit seinem Auto rückwärts die Rampe aus festgetretenem Dreck zum Ufer runter, bis der Anhänger und das Boot vollständig im Wasser stehen. Kleine Wellen schwappen in Richtung Gewässermitte davon. Die Sonne scheint am wolkenlosen azurblauen Himmel, es ist mit etwa 35°C und deutlich höherer Luftfeuchtigkeit als in Europa schon fast zu heiß und das Wasserloch, das sich von hier aus kilometerweit über schmalere und breitere Läufe ausgebreitet hat, ruht still vor uns…fast habe ich vergessen, dass es hier giftige Spinnen gibt, Schlangen gibt und vor allem ganz gefährlich…Krokodile gibt. Mit wachen Augen treten Kyle und ich ins Wasser und machen das Boot los, während Sophie bereits an Land aufs Boot geklettert ist und nun von Bord aus die Umgebung und das Wasser um uns herum beobachtet. Das Wasser ist ruhig…zu sehen ist in der braunen Suppe ohnehin nichts. Während Kyle das Auto wegfährt, stehe ich mit einem mulmigen Gefühl am Uferrand und halte das Boot mithilfe eines Taus fest.

Fünf Minuten später haben wir alle drei im Boot Platz genommen und Kyle steuert das Boot in den Billabong hinaus. Ich öffne das erste Bier der Marke Great Northern und lehne mich in meinen Campingstuhl zurück. Ich genieße den kühlen Fahrtwind und beobachte das vorbeiziehende Ufer, während Kyle nach einer geeigneten Stelle Ausschau hält, an der es die Köder auszuwerfen lohnt.

…und wie wir über die Ausläufe des Billabong dahin schippern, ändert der Himmel langsam seine Farbe von blau zu orange und die ersten Tiere kommen aus ihrem Unterschlupf, der sie vor der heißen Mittagssonne Australiens beschützt hat, hervor, um am Ufer zu grasen oder sich im Wasser zu erfrischen. Wallabys, Kängurus, Vögel in jeglicher Größe und Farbvariation, Wasserbüffel und auch ein paar erste kleinere Krokodile. Gerade die Kängurus und Wallabys wieder in freier Wildbahn zu sehen, erfüllt mich mit einer großen Zufriedenheit. Ein sehr schöner Moment. Wir werfen den Anker schließlich in einer kleinen Bucht aus und die Fischköder an unseren Angelhaken sinken zusammen mit der Sonne aus unserem Blickfeld.

Der Himmel ist sternenklar, doch die Nacht ist dunkel. Es ist Neumond. Mit Stirnlampen ausgerüstet sitzen wir gemütlich im Boot, werfen den Haken ein ums andere mal aus und genießen die abgekühlte Nachtluft. Es ist einer dieser perfekten Abende…solange die Lampen ausbleiben. Schalte ich meine Stirnleuchte an, um die Angel vor mir zu prüfen, so stürzen sich augenblicklich gefühlt alle Fluginsekten Nordaustraliens auf den Lichtkegel über meinen Augen und sowohl sehen als auch atmen fällt mir schwer. Die Schnur ist richtig aufgewickelt…schnell wieder ausschalten…jetzt hat Sophie ihre Lampe angeknipst…ich atme tief durch den offenen Mund.

Gegen 23.00Uhr drängt uns nach sechs Stunden dann schließlich langsam der Hunger zur Rückkehr. Mit Scheinwerfern, die am Bug des Bootes angebracht sind, tasten wir uns behutsam zurück zum Anlegeplatz und ich achte mithilfe meiner Stirnlampe auf aus dem Wasser herausragende Bäume und Steine. Regelmäßig trifft der Lichtstrahl meiner Stirnlampe nun auch auf kleine reflektierende Punkte im Uferbereich; die Augen von Krokodilen, die im seichten Wasser auf Beute lauern. Die aktive Zeit der Urwesen ist angebrochen…aber um unsere Anlegestelle am äußeren Rand des Billabong herum ist es zum Glück ruhig und unsere Lichtstrahlen werden von nichts reflektiert.

Thanks for a new awesome experience, mate!

Bereit zur Abfahrt.
…und rein mit dem Kahn.
Der Billabong.

Ob das wohl der aus dem Film Crocodile Dundee ist…

Cheers mate!

Sri Lanka, Ella, Nine Arches Bridge

Sri Lanka, Land des Zuges. Nachdem mich mein Weg gestern auf den Zuggleisen Richtung Süden geführt hat, nehme ich heute die andere Richtung. Über die einzelnen Schwellen aus altem Holz gehend, über alle zwei Schwellen springend, auf einer der beiden Schienen dahin balancierend, neben dem Gleis trottend, ist mein Ziel die etwa 45 Minuten entfernte Nine Arches Bridge, die für ihre spezielle Bauweise bekannt ist. Wie der Name bereits ableiten lässt, fährt der Zug hier über neun Gewölbebogen aus Stein hinweg.

Als ich an der Brücke ankomme, befinden sich überraschend viele Touristen auf dem Bauwerk und ich erfahre im Vorbeigehen, dass der Zug bald kommt, was die Menschen hier alle warten lässt. Die hier wartenden Menschen warten also darauf, dass ein Zug über eine Brücke fährt. Die Menschen stehen an den Gleisen, einige sind bereits auf den nahegelegenen Berg geklettert, um den Zug noch besser sehen zu können. Ein Schauspiel, dass vermutlicher schneller vorbei ist, als es überhaupt angefangen hat. “Ah, schau mal!”, beim Durchblättern des Fotoalbums, “das war während unseres Sri Lanka-Aufenthalts im Frühjahr 2018…da ist damals der Zug hier über die Brücke gefahren”. Dabei ist der Zug noch nicht mal sonderlich hübsch. Die Brücke ist es. Massiv aber durch die schmale Bauweise und die geschwungenen Bögen gleichzeitig elegant steht sie in einer kleinen Senke und verbindet die beiden höhergelegenen Seiten des Tals stilvoll miteinander. Aus einfachen Backsteinen erbaut und aus einem Meer kleiner Tee-Bäume herausragend versprüht sie ihren Charme. Ein schönes Bauwerk.

So, und was den Zug und die Überfahrt angeht…gut, ich meine…wenn ich schonmal da bin!? Den Standpunkt der anderen Leute berücksichtigend und die Umgebung mit meinen Augen auskundschaftend entscheide ich mich für eine Stelle auf der anderen Seite des Talkessels, von wo aus ich auf einem Zug-Brücken-Foto die ganzen Touristen ausgrenzen kann. Gut, ein Foto mit der Innenseite der Brückenbiegung wäre schöner…aber eben auch bevölkerungsreicher. Ich überquere die Brücke zurück zur anderen Seite, halte mich links und verlasse den Hauptweg auf einen kleinen Pfad. Unter Ästen hindurchbückend, durchs hohe Gras watend, am Abgrund entlang hangelnd, auf einen Steinhaufen kletternd, stehe ich 15 Minuten später auf meiner zuvor erspähten Position inmitten von ein paar Bäumen. Wenige Zentimeter weiter runter in die Hocke gehend, habe ich die Brücke schön im Blick. Definitiv eine besondere und seltene Perspektive auf das schöne Bauwerk. Ich nehme meinen Fotoapparat in Anschlag, nehme meine auf die Situation angepassten Einstellungen vor, setze die Fokussierung und stehe wieder hin, weil ich in dieser Position unmöglich längere Zeit verharren kann. Während mich das Gras in den Kniekehlen kitzelt und sich die Moskitos an mir vergehen, wird es dunkler…und ich hab bald ein Bild vom Zug. Die Minuten vergehen und nichts passiert. Nach 10 Minuten korrigiere ich die Einstellungen meiner Kamera, da es inzwischen spürbar dunkler geworden ist. Weiter wartend und bereits überlegend, wie lange die Meute hier wohl warten würde, wenn der Zug aufgrund eines Defekts überhaupt nicht erscheinen würde, höre ich das Signalhorn. Ein zweites Mal, ein drittes Mal und dann ist er da. Langsam rattert er über die Nine Arches Bridge hinweg. Ich gehe wieder leicht in die Hocke, nehme meine Kamera in den Anschlag und…klick…klick…schieße meine Fotos.

Etwa eine Minute später ist der Zug hinter der nächsten Biegung verschwunden. Ich packe meine Kamera in meinen Rucksack und mache mich eilig in Richtung der Gleise auf. Wenn ich mich beeile, bin ich mit meinem Zug-Brücken-Foto vor den Anderen in Ella.

Ich alter Touri…

Sri Lanka, Ella, Ella Rock

Für meinen Geburtstag habe ich mir etwas Besonderes gegönnt und für drei Nächte im Ella Nature View eingecheckt. Ein großes, geräumiges Zimmer, ein riesiges Bett, ein Bad für mich ganz alleine und einen Balkon mit einer Aussicht, wie sie schöner nicht sein kann.

Um meinen Tag auf besondere Art zu beginnen, habe ich mir mein Frühstück für den heutigen Morgen aufs Zimmer bestellt…und werde prompt bereits 30 Minuten früher als vereinbart vom Hotelmanager mit einer kleinen Torte an meiner Zimmertüre überrascht. Nach einem ausgiebigen Frühstück, dass ich, bei strahlendem Sonnenschein und der klaren Sicht auf die umliegenden Berghänge sowie das Städtchen Ella im Tal, auf meinem privaten Balkon genieße, mache ich mich gemütlich für den Tag fertig. Als stahlharter Kerl möchte ich mir heute beweisen, dass ich trotz neuem Lebensjahr, dass mein Alter auf einen neuen Höchststand setzt, konditionstechnisch noch ganz der Junge bin. Der größte Berg um Ella ist der Ella Rock, der mir hierfür gerade recht kommt…und ich habe so Lust, mehr von dieser schönen Landschaft zu bestaunen!

Bevor ich mich auf den Weg mache, lasse ich mich vom hauseigenen TukTuk-Fahrer nach Ella ins Tal fahren, wo ich mich mit Wasser und Bananen eindecke. Und dann laufe ich los: Zunächst zurück zu den Bahngleisen und dann auf den Gleisen entlang in Richtung Süden. Ich bin spät losgekommen heute, wodurch mir viele Wanderer auf meinem Weg bereits entgegenkommen…dann habe ich den Gipfel schon für mich! Nach etwa 20 Minuten überquere ich eine alte Eisenbrücke und biege danach links auf einen kleinen Pfad ein, überquere einen kleinen Fluss über eine Steinbrücke (unter Steg stell ich mir irgendwie eher was selbst Zusammengebautes aus Holz vor) und beginne den Aufstieg über den kleinen Pfad, der mich mich zunächst in meterhohem Gras verlieren lässt. Keine Menschenseele kommt mir hier nun mehr entgegen, die ich nach dem Weg fragen könnte und so vertraue ich einzig auf das Kopfnicken eines jungen Mannes, der mir am Fluss entgegenkam und dem Pfad selbst, der sich unaufhörlich den Berg hochwindet. Schließlich wird das hohe Gras kürzer, ich sehe wieder Tageslicht und betrete eine Teeplantage, deren Bäume ich passiere, bevor ich erneut in hohes Gras eintauche. Als mein elektronischer Offline-Atlas mithilfe des GPS-Signals meines Mobiltelefons endlich meine Position im Nirgendwo lokalisiert hat, bekomme ich die Gewissheit, dass ich richtig bin. Und dann beginnt der Aufstieg…

Während sich das Wetter verschlechtert und sich Wolken über dem Tal am Ella Rock zusammenziehen, führt mich der Trampelpfad an einem Berghang entlang in das Waldgebiet am Fuße meines Ziels. Der Aufstieg ist hart und führt mich über Stock und Stein, mehr oder weniger querfeldein, durch den Wald nach oben. Die Steigung ist deutlich steiler als erwartet und meine Atmung wird tiefer…nicht nur einmal verwende ich zusätzlich meine Hände, um weiter nach oben zu gelangen…mit wandern hat das nichts mehr zu tun…oooh, wie ich das liebe! Ich spüre die Anstrengung in meinem ganzen Körper und merke, wie der Aufstieg an meinen Kräften zehrt, während ich den Hang zügig weiter nach oben klettere. Ich liebe es, eins mit der Natur zu sein und dabei den eigenen Körper zu spüren, auszulaugen. “Du alte Sau hast es aber auch ganz schön in dir…”.

Mit den ersten Regentropfen erreiche ich schwer atmend den Gipfel und der Aussichtspunkt, eine schmale Klippe aus Fels und Gestein, die sich über den Hang hinauslehnt, liegt vor mir. Die Wolken hängen tief über meinem Kopf und es ist deutlich kühler hier oben. Wie erwartet, sind kaum Menschen hier. Ich trete vorsichtig auf die höchste, durch den Regen nun nasse und rutschige Klippe des Ella Rock in den Nieselregen hinaus und bestaune die Gegend unter mir und um mich herum, während ich damit beginne, meine leckeren Bananen zu verspeisen. War gar nicht so ohne…aber ich hab’s noch drauf!

Happy Birthday!

0.00Uhr…
Geburtstagsfrühstück…

Die Aussicht von meinem Balkon…
Der Aufstieg zum Ella Rock…
Der Aufstieg zum Ella Rock…
Einer meiner zwei Weggefährten und Beschützer…
Der kleinere Nachbar: Little Adam’s Peak.
Ella…

Sleep well, Ella Rock…

Sri Lanka, Dambulla

Manchmal verlaufen Wege nur ein Stück weit getrennt voneinander, bevor sie sich dann doch nochmal überschneiden. Bei den Wegen von Ludek und mir ist das so. Nachdem wir uns vor in etwa einem Monat in Mandalay nach unvergesslichen Wanderungen durch Myanmar voneinander verabschiedet haben, treffen unsere Wege nun in Sri Lanka ein zweites Mal aufeinander. Unsere Routen sind gleich…und wir entscheiden uns spontan dazu, gemeinsam ein Stück weiter in den Norden zu ziehen.

Dambulla ist nicht besonders groß und blieb von den Touristenmassen  bisher weitestgehend verschont, obwohl das Örtchen unmittelbar neben einigen sehr imposanten Sehenswürdigkeiten liegt. Sigiriya, Pidurangala, die Höhlentempel von Dambulla.

Trotz guter Empfehlungen lassen wir Sigiriya, the lion rock, aus. Zu teuer ist mir der Eintritt und zu hoch ist mir das Touristenaufkommen vor Ort. Ludek und ich entscheiden uns stattdessen, den Pidurangala zu besuchen und fahren für umgerechnet etwa 0,25€ von Dambulla an eine etwa einen Kilometer von Sigiriya entfernte, mitten im Nirgendwo gelegene, Bushaltestelle. Der vierzig minütige Aufstieg zum Gipfel des Monolithen ist nicht ohne, wird allerdings mit wenig anderen Besuchern belohnt. Wie wir oben ankommen, ist die Sicht zunächst eher bescheiden. Die Wolken hängen äußerst tief am Himmel und Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in den grauen Dunst. Als wenig später schließlich prompt starker Wind einsetzt und über die Ebene hinweg bläst, vertreibt dieser auch die Wolken und die Sicht wird klarer. Mitten aus dem Nichts heraus erscheint Sigiriya klar vor uns und das flache Umland erstrahlt in den verschiedensten Grüntönen…beeindruckend, was die Natur so alles erschaffen hat und beeindruckend, wie mächtig Wind ist. Den größten Respekt vor Aiolos.

…das Erste, was uns bewusst wird, als wir die Stufen zu den Höhlentempeln von Dambulla hinaufsteigen, ist zweifelsohne, dass es hier Affen gibt. Sie sitzen links und rechts des Weges, hangeln sich von Baum zu Baum oder posen arrogant inmitten des Weges. Fotografieren lassen sie sich, beachten tun sie dich aber keines Blickes. Zumindest nicht aus unmittelbarer Nähe…ich beobachte sie, wie sie uns aus sicherer Entfernung mit ihren wachen, braunen Augen verfolgen. Augen so unfassbar ähnlich den unseren. Ich beobachte sie, wie sie mit ihren winzigen Händen und flinken Fingerchen umgehen, wie sie eine Banane schälen, wie sie das Ungeziefer im Fell des Nachbarn herauspulen, wie sie Gegenstände in die Hand nehmen und fachmännisch auf mögliche Verwendungszwecke hin inspizieren. Faszinierende, kleine Kerlchen.

Vor den Höhlentempel empfängt uns Besucher zunächst ein Buddhabaum, eine Pappelfeige. Ein mächtiger, wunderschöner Baum, der seine Äste in alle Richtungen weit ausstreckt und mich aufgrund seiner Größe und Bedeutung in seinen Bann zieht. Die Höhlentempel von Dambulla sind über verschiedene kleine Pforten erreichbar und beherbergen unterschiedliche Buddha-Statuen, die stehen, sitzen und auch liegen. Die Wände und auch die Decke über unseren Köpfen ist mit allerlei Inschriften und Porträts bemalt. Ich hatte gehofft, mich hier etwas zurückziehen zu können, die Magie des Ortes ein wenig genießen und ein Stück weit in mir aufnehmen zu können. Doch wo viele Menschen sind, hält auch Lautstärke und Unruhe Einzug. Und die Temperatur in den kleinen Katakomben ist schwül; mir beginnt der Schweiß von der Stirn zu tropfen…

Dambulla ist größentechnisch und auch das Klima betreffend nicht vergleichbar mit Colombo. Aber es liegt das gleiche Flair in der Luft…es ist laut und es geht hektisch zu…eine Mischung aus geschäftigem Treiben und stressigem Durcheinander. Sind manche Dinge vielleicht doch nicht ganz so verschieden zum großen Nachbarland im Norden Sri Lankas? Wie auch immer…hinter jedem Chaos steht ein System…und es scheint zu funktionieren.

Auf dem Weg zu Pidurangala’s Gipfel
Kabelbinder, Spax und Panzertape halten die Welt zusammen…kleine Äste und Steine sorgen an den richtigen Stellen offenbar für den nötigen Abstand.
…Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in grauen Dunst.
…und dann erscheint Aiolos mit Euros und Apheliotes.

Der Buddhabaum vor der Höhlentempeln von Dambulla.
Einer der Eingänge zu den Höhlentempeln von Dambulla.
Die Höhlentempel von Dambulla.
Die Höhlentempel von Dambulla.
Die Höhlentempel von Dambulla.
…und dann waren da die Affen…
…haufenweise…
…überall…
Äffle, wa guggsch denn so?

Malaysia, Penang, Monkey Beach

Altr kommt aus der Türkei und beklagt sich darüber, dass jeder Kebap für ein türkisches Gericht hält, obwohl es ursprünglich eigentlich irgendwo aus dem libanesischen Raum komm. Egal…bevor wir uns zum Monkey Beach aufmachen, suchen wir in Georgtown’s indischem Viertel nach Bananen, die ursprünglich eigentlich auch irgendwo anders herkommen.

Der Monkey Beach liegt etwas abseits im Nordwesten der malaysischen Insel Penang und für meinen letzten Tag auf Penang haben Alpr und ich uns vorgenommen, gemeinsam ein Abenteuer zu erleben. Mit dem Linienbus 101 kommen wir bis an den Eingang des Penang National Park, wo wir uns mit unserem Vorhaben in eine Liste eintragen; damit die Parkwache weiß, wer sich in etwa wo in dem unerschlossenen Gebiet aufhält.

Bei über 30°C und deutlich höherer Luftfeuchtigkeit als in irgendeinem anderen asiatischen Land, dass ich in den letzten Wochen besucht habe, mache ich mich mit Alpr zusammen Richtung Monkey Beach auf. Die Entfernung zu unserem Ziel beträgt rund 3 Kilometer, was die meisten Touristen heutzutage vermutlich entspannt mit den Booten zurücklegen, die man am Eingang zum Nationalpark chartern kann. So ein Weg am Wasser entlang gerät da recht schnell in Vergessenheit…

Der alte, großteils verfallene und bereits von der Natur zurückeroberte Pfad windet sich Meter um Meter an den felsigen Klippen entlang weiter Richtung Westen. Bereits nach Minuten sind Alpr und ich nass geschwitzt doch folgen wir dem teils schwer zu erkennenden Pfad abenteuerlustig weiter durchs Unterholz. An den besonders gefährlichen Stellen wurden in der Vergangenheit kleine Brücken und Treppen verbaut, die jedoch bereits ziemlich marode sind und wodurch ich achtsam und nur sehr langsam einen Fuß vor den anderen setze. Woher der Strand seinen Namen hat, bleibt kein Geheimnis; auf unserem Weg hören wir sie schon immer wieder ganz in der Nähe unseres Weges und als wir nach knapp zwei Stunden endlich unser Ziel erreichen, sehen wir sie dann auch in Strandnähe umhertollen und nach Futter sowie Spielzeug Ausschau halten: Affen. Clevere, kleine Biester, die dir, wenn du nicht aufpasst, alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Und wehe, du schimpfst sie…dann werden sie zickig und veräppeln dich, in dem sie Augen und Mund weit aufreißen.

Der Monkey Beach liegt direkt vor uns und das Meerwasser glitzert im Sonnenschein, während die Wellen sanft über den Sandstrand streichen. Es sind weit weniger Badegäste da als erwartet, was uns natürlich entgegenkommt. Alpr und ich ziehen unsere Schuhe aus und laufen Barfuß den Strand entlang, stolz auf den gemeisterten Weg, der hinter uns liegt. Während uns das kalte Salzwasser an den Füßen kitzelt und eine leichte Meeresbrise für Erfrischung sorgt, schauen wir uns nach einem geeigneten Plätzchen um, an dem wir unsere Energiereserven wieder auffüllen können, bevor wir die Strecke nach einem erfrischenden Bad im Meer zurückgehen wollen. Wir haben Hunger…

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day III)

06.00Uhr. Der Hahn kräht. Und dann der Hahn des Nachbarn. Und dann der Hahn vom anderen Ende des Dorfes. Und dann…wieso hat denn hier jeder nen eigenen Hahn in Myanmar? Wieso musste unser sch**ß Hahn der erste Schreihals sein? …insgeheim vermute ich, dass die Hähne bereits früher angefangen haben, den Tag zu begrüßen und ich lediglich aufgrund meines tiefen Schlafes erst jetzt aufgewacht bin. Es ist ja so viel einfacher, sich aufzuregen…bringt nur nix! Ich döse noch bis 06.45Uhr unter meinen zwei warmen Decken vor mich hin und dann geht der Alarm meines und auch des Handys von Ludek runter. Keine Zeitverschiebung zwischen Deutschland und der tschechischen Republik also.

Kurz vor 8 nehmen wir unsere Bambus-Wanderstöcke in die Hand und machen uns auf den Weg. Zurück nach Hsipaw. Während die Sonne höher und höher an den Himmel steigt und die Kälte der Nacht vertreibt, passieren wir den Grenzposten der Shan-Armee in gegengesetzte Richtung, folgen der Hauptstraße (ein breiter Feldweg, der vor wenigen Jahren in einem NGO-Projekt angelegt wurde) für etwa 60 Minuten und biegen dann erneut auf die klassischen Wald- und Wiesenpfade, die ich so sehr liebe. Es ist bereits Mittagszeit, als wir ein unscheinbares Feld passieren und unser Guide plötzlich “peanuts” ruft. Ich schaue mich irritiert um.

Wusstet ihr, dass Erdnüsse unter der Erde wachsen? Ich dachte immer, die wachsen an Büschen oder Bäumen, so wie es Nüsse normalerweise so tun. Anders die Erdnüsse! Die hängen über den Wurzeln unscheinbarer Gräser unter der Erde. Lange Rede, kurzer Sinn…ich kenne unbehandelte Erdnüsse bereits von meiner ersten Reise in Vietnam aber selbst geerntet schmecken die noch besser. Nachdem uns Arnoon zeigt, wie wir an die Nüsse kommen; den ganzen Strang umfassen und dann ziehen; fangen wir zu futtern an. Und dann halte ich plötzlich SIE in der Hand. Lang aber zierlich liegt SIE zwischen meinem Daumen und meinem Zeigefinger. Hart und robust, lässt SIE sich doch sanft und willig öffnen. Und als ich die beiden Schalenhälften auseinanderklappe und vier große, pralle Nüsse zum Vorschein kommen, weiß ich mit Bestimmtheit: Das ist die Königin. Die Königin der Erdnüsse, die Gebieterin des Ackers, die Regentin des Feldes. Die edle Mutter der Saatschaft, die Herrscherin unter Tage. Die Größte, die Schönste, die Tollste…sehr lecker.

Der Rest ist schnell erzählt. Wir marschierten nach etwa 15 Minuten weiter, kommen an einer riesigen Wassermelonen-Farm vorbei (auch sehr amüsant anzuschauen, da es ein bisschen etwas von Matrix hat, wie die kleinen Pflänzchen in Reih und Glied aus einer Plastikfolie hervorschauen, die den Boden bedeckt und unter der links und rechts am Pflänzchen Wasserleitungen vorbeiführen, die die noch junge Melone rund um die Uhr mit Wasser versorgen), laufen auf einem Feldweg durch herrliche, bereits abgeerntete Felder und haben so den Geruch von trockenem Gras und Kräutern in der Nase, während wir die Berge hinter uns lassen und schließlich nach etwa 2 Stunden unser Ziel Hsipaw und somit das Ende unseres Treks erreichen. Was für eine wunderschöne Gegend, was für wundervolle Menschen, was für ein Erlebnis.

“rok mai tan tan”, Arnoon!