Neuseeland, Otago Peninsula

Glaubst du an Gott? Oder glaubst du an Allah, wie der Name des Herrn im Islam lautet? Glaubst du, dass sich dieser von Zeit zu Zeit durch Zeichen dir gegenüber zu erkennen gibt?

Die Otago Peninsula ist ein Naturschutzgebiet nordöstlich von Dunedin, der man eine einzigartige Flora und Fauna nachsagt. Albatrosse, verschiedene Pinguinarten, neuseeländische Seelöwen, Wale vor den Küsten, Delfine; hier besteht die Chance, diese Geschöpfe in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Alleine schon die Fahrt die verwinkelte Küstenstraße entlang ist ein Erlebnis, auch wenn ich heute vor allem die Hoffnung hege, einen Pinguin oder Seelöwen in freier Natur zu sehen.

Ich habe mich vor meinem Aufbruch in der Stadt erkundigt, wo ich die beste Möglichkeit habe, diese einzigartigen Tiere anzutreffen ohne dafür eine der teuren Touristenführungen zu buchen, bei der lokale Farmer Auswärtige über ihr privaten Anwesen zu den entlegensten der Buchten bringen, wo die Wahrscheinlichkeit aufgrund geregelter Besucherströme grundsätzlich sehr hoch ist, etwas zu erspähen. Mein Weg führt mich zunächst an den nördlichsten Punkt der Peninsula, an dem ein Albatros-Schutzzentrum errichtet wurde, wo ich zunächst jedoch leider nur Möwen sehen kann. Die weißen Vögel sind überall; es ist laut und überall liegt Vogelkot. Der Bereich, in dem mehr von den weltgrößten Vögeln zu sehen ist, ist abgesperrt. “Entry with Guide only”. Um das Schutzzentrum zu unterstützen, trinke ich noch einen heißen Cappuccino im Cafè, das sich gleich rechts nach der Eingangstür befindet und fahre anschließend weiter…und wie ich die enge Küstenstraße zurückschleiche, die sich an den steilen Feldklippen entlangschlängelt, sehe ich doch tatsächlich prompt drei riesige Vögel, die sich rechts von mir in der Bucht mithilfe der Thermik im Kreis nach oben gleiten lassen. Ich muss mich auf die Straße konzentrieren und verliere die Albatrosse augenblicklich wieder aus den Augen.

Zu den nächsten beiden Stränden, an die ich mich auf unbefestigten Schleichwegen mit meinem Auto rantaste, wird mir leider, gefühlt kurz vor dem Ziel, jeweils der Zutritt verwehrt. “Privatgelände”; und hier in Neuseeland besitzen die Farmer Waffen. Über Infotafeln am dritten Strand werde ich schließlich daran erinnert, was ich bereits in der Ortschaft Timaru an der Ostküste gelernt habe: Pinguine sind nachtaktiv. Vereinzelt sehe ich die Spuren von Vogelfüßen im Sand, die sich von denen der Möwen unterscheiden und sich in den Dünen verlaufen. Immer wieder fällt mein Blick auf Infotafeln, die auf die Anwesenheit von Seelöwen und eben auch Pinguinen hinweisen und daran appellieren, dass man zum Schutz aller Beteiligten bitte einen angemessenen Abstand zu den Tieren halten soll. Und so laufe ich unter den neugierigen Blicken der Möwen und den tosenden Wellen den ansonsten verlassenen Strand entlang und hoffe darauf, dass sich mir irgendwo ein Seelöwe zeigt oder unter den Pinguinen Frühaufsteher existieren. Die Hinweise sind da, doch nichts zeigt sich mir.

Der vierte Strand, den ich ansteuere, ist gleichzeitig der vorletzte auf meiner Liste und es wird zwischenzeitlich auch langsam Abend. Wieder führt mich mein Anfahrtsweg über Schleichwege im Hinterland, die so eng sind, dass keine zwei Autos nebeneinander fahren können und für die wahrscheinlich nicht einmal angedacht ist, dass diese irgendwann mal asphaltiert werden, obwohl sie vereinzelte Häuser und Gehöfte hier im Hinterland mit der Welt draußen verbinden. Die Landschaft hier auf der Otago Peninsula ähnelt wohl ein bisschen der der Region Cornwall im Südwesten Englands; ich war noch nie dort aber dank meiner Mutter kenne ich die Liebesfilme der Autorin Rosamunde Pilcher, die meist dort spielen und dementsprechend dort gedreht werden. Wie ich am vierten Strand, am Victory Strand, schließlich ankomme, habe ich zunächst erstmal einen ordentlichen Fußmarsch vor mir, der mich durch Schafweiden führt. In Neuseeland ist momentan Lammzeit, wodurch überall auf den Wiesen kleine Lämmer und auch kleine Kälbchen umhertollen. Leider sind die Kleinen alles andere als zutraulich und nehmen panisch reißaus, wie sie mich sehen. Weiter führt mein Weg durch eine sandige Sumpflandschaft und dabei Dünen hoch und Dünen runter, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit am Wasser ankomme und wieder nichts außer ein paar Möwen sehe, die berechnend außerhalb der Wellenreichweite auf dem Sand stehen und sich dann blitzschnell die Muscheln und andere eventuell essbaren Dinge schnappen, die die Brandung ans Ufer spült. Raffinierte kleine Schreihälse! Ich laufe also abermals einen Sandstrand entlang und ziehe den Reißverschluss meiner Fleecejacke bis ganz nach oben, weil mich der kühle Wind, der vom pazifischen Ozean herzieht, frösteln lässt. Die Hoffnung, etwas wertvolles im Sand zu finden, dass vom Meer ausgespuckt wurde und mich reich macht, habe ich inzwischen aufgegeben und die hübschen Muschelschalen, die in den verschiedensten Farben aus dem Sand heraus leuchten, beginnen mich nicht mehr zu begeistern. Die Strümpfe in meinen offenbar undichten Schuhen sind zwischenzeitlich feucht und ich habe Hunger. Mit den Händen in den Hosentaschen schau ich nach oben in den Himmel und mit der Vorstellung an einen Verbündeten, der jeden von uns freundschaftlich umgibt und wohlwollend jeden einzelnen unserer Schritte mitverfolgt, beschwichtige ich in leisem Ton: Pinguine, Seelöwen, Wale, Delfine…ich könnt jetzt schreien und betteln…aber eigentlich will ich gar nichts erwarten…und trotzdem wäre es schön, wenn ich irgendwas sehe…nur einen…”.

Und wie ich ausgesprochen habe und nach rechts oben vor mir in die Dünen schaue, traue ich meinen Augen nicht. Übers ganze Gesicht grinsend strahle ich: “Das ist jetzt aber nicht dein Ernst…ist das etwa ?…nee, komm, das kann doch jetzt nicht sein!” 50 Meter vor mir in der Düne liegt schlafend ein neuseeländischer Seelöwe. Riesengroß, geschätzt 2 Meter, gemütlich eingebettet im Sand, überall Fliegen auf ihm drauf, weil er schon aus 10 Meter wirklich fürchterlich nach altem Fisch stinkt! Ein echter neuseeländischer Seelöwe. In freier Natur. In seinem natürlichen Lebensraum. Wie ich meine Fotos gemacht habe, stehe ich reglos etwa 3 Meter vor dem unwirklich aussehenden Lebewesen und beobachte ihn beim schlafen. Mit Tränen in den Augen.

50 Meter vor mir in der Düne liegt schlafend…
…ein neuseeländischer Seelöwe.
Die Otago Peninsula vom Mount Cargill.
Beim Albatros-Schutzzentrum gibt’s auch Möwen…
On the Road…Otago Peninsula.
Die raffinierten Schreihälse…
Der Strand Nummer 4…der Victory Strand.
On the Road…Otago Peninsula.
On the Road…Otago Peninsula.
Der Eingang zum fünften Strand…
…an dem ich schließlich nochmal Seelöwen sehe.

Otago Peninsula.
By the way: Die Baldwin Street, laut dem Guinness-Buch der Rekorde die steilste Straße der Welt.

Neuseeland, Akaroa

Nachdem ich in den vergangenen Tagen eine grobe Route über die Südinsel Neuseelands erarbeitet und mich nach einer günstigen Fortbewegungsmöglichkeit umgesehen habe, geht es heute endlich los. Ich habe mich dazu entschieden, einen Campervan für 3 ½ Wochen zu mieten und schlage damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen bin ich unabhängig, was meine Reiseroute angeht und zum anderen spare ich Geld bei den Unterkünften, da sich mein Nachtlager in Form einer großen Matratze über die Rücksitze erstreckt. Im Kofferraum habe ich zusätzlich eine kleine Küche in Form eines Spülbeckens, einem gasbetriebenen Campingkocher und allem notwendigen Geschirr mit im Gepäck. Ich hoffe, 3 ½ Wochen sind ausreichend…oh man, ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten!

Mein Weg führt mich nach Süden und meine ersten Kilometer erstrecken sich über die kurvigen Landstraßen der Banks Peninsula (einer Halbinsel im Südosten von Christchurch). Bereits nach den ersten Minuten bin ich geflasht von dem Anblick, der sich mir hier außerhalb der Stadt bietet. Saftige grüne Wiesen, große grasbewachsene Hügel und auf der rechten Seite der Straße schroffe felsige Klippen, die in der Gischt des stürmischen Pazifik-Wassers verschwinden.

Das kulturelle Highlight der Halbinsel ist Akaroa und ich habe von verschiedensten Seiten gehört, dass ich hierhin unbedingt einen Abstecher machen muss. Eingebettet zwischen grasbewachsenen Hügeln, die momentan aufgrund der hier weit verbreiteten und sich momentan in der Blüte befindenden Stechginster alle in gelb erstrahlen, liegt das hübsche Küstendörfchen in einer kleinen Bucht geschützt vor dem rauen pazifischen Ozean. Nachdem ich meinen Van geparkt habe, laufe ich gemütlich die Uferpromenade entlang und schlendere durch die verwinkelten Souvenirlädchen auf der Suche nach “etwas Besonderem”. Wie ich schließlich am Hafen ankomme und den Bootssteg aus Holz rauslaufe, finde ich “etwas Besonderes” in Form einer alten Dame in einem kleinen Fish&Chips-Verkaufswagen, die mich freundlich fragt, ob ich vom Schiff komme, dass rund 4.000 Passagiere beherbergt und an diesem Tag einige hundert Meter weit draußen vor Anker liegt, bevor sie mir eine Portion lokalem Fisch und Pommes zubereitet. Um es in den Worten des Lonely Planet-Reiseführers auszudrücken: “Der Ort wirkt im Allgemeinen recht verschlafen, wird jedoch turnusmäßig von Touristenhorden überrannt, die von gigantischen Kreuzfahrtschiffen aus einen Landgang machen.”. Und um das Ganze um die Worte der alten Dame abzurunden: “Die kommen jetzt jeden Tag bis zum Herbstanfang. Jeden Tag ein anderes Schiff mit Menschen von überall her auf der Welt. Für mich wäre das ja nichts; im Urlaub will man doch schließlich seine Ruhe haben”.

Jenny? 😉

…und mein Van.
…und mein Van.
…und mein Van.
…und mein Nummernschild, Mona 😀