Mein Kopf ist nach links geneigt und mein Blick schweift über die letzten 3 Sitzreihen hinweg in Richtung See. Koh Lipe, das kleine Stück Land, auf dem ich die letzten 1 ½ Wochen verbracht habe, verschwindet langsam am Horizont. Das Schnellboot nimmt Kurs auf Pak Bara…
Zuletzt war Koh Lipe fast schon ein Stück Heimat für mich wenn ich den Hauptweg, die “Walking Street”, zwischen dem Pattaya und dem Sunrise Beach entlang gewandelt bin. Das liebe Ehepaar von Tonkow, zu denen ich meine Wäsche gebracht habe und die mir geholfen haben, als ich Probleme mit meinem Ohr bekam. Mathew vom Cafè Kali, die Mädels von der Corner-Bar. Das Mädel vom Reisebüro Thai Beach Travellers, die große Familie vom Juu Huu-Restaurant. Die lieben Leute vom Bloom Cafè&Hostel, bei denen ich jeden Tag meinen Cappuccino (manchmal auch zwei) genossen habe. Das Team von Forra Diving am Pattaya Beach, allen voran mein Tauchbuddy Oli und die Store Managerin Su, mit der ich unzählige nette Gespräche führte und wo ich stets willkommen war. Und neben unzähligen weiteren Menschen, die in unterschiedlichen Restaurants, Cafès, Massagesalons oder Souvenirläden entlang der Walking Street arbeiten und die mir jedes Mal freundlich lächelnd zunickten, natürlich das Personal vom A+ Hotel, wo ich 10 Tage lang Nacht um Nacht “extendete”. Bei letzterem vor allem die vier lieben Trainees Feem, Fiat, Ploy und Benz, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.
Ich war zeitweise etwas unzufrieden auf Koh Lipe, da meine Tage meiner Ansicht nach vor allem aus “Nichts tun” bestanden. Dabei hatte ich meine sehr geschätzten Smalltalks mit meinen Lieblingstrainees, meinen Cappuccino im Bloom Cafè, zu dem ich meine Gedanken in meinem Reisetagebuch ordnete oder meinen Reiseblog aufarbeitete, meine Erkundungstouren über die Insel und meine entspannten Gespräche oder Dives mit den Leuten von Forra Diving. Oli meinte in einem Gespräch: “You don’t doing nothing. You are travelling in asia…and your “doing nothing” sounds like relaxing.”. Produktiv sein…etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anfangen…ein Thema, dass immer wieder Besitz von mir ergreift und immer wieder sind es Menschen um mich herum, die mich daran erinnern, dass es ok ist, ab und zu auch einfach mal “Nichts zu tun”. Claudia aus Wales hat mich einige Male daran erinnert und mir so immer wieder mal ein bisschen den Wind aus den Segeln genommen beziehungsweise ein Stück weit die Ruhe in mich zurückkehren lassen…
…thank you for that, welsh girl!
Claudia erwähnte mir gegenüber dabei einmal den Begriff F.O.M.O., “Fear of missing out”. Zu deutsch: Die Angst davor, etwas zu verpassen. Nicht genug zu erleben. Nicht das Beste zu erleben. Ich kenne diesen Zustand aus früheren Jahren auch von mir selbst. Ständig auf Achse. Ständig unterwegs. Ständig von “Event” zu “Event” lebend. Oft habe ich schon geäußert, dass ich mich wohl dabei fühle, älter zu sein. Und das stimmt! Mit zunehmendem Alter hat der Drang nachgelassen, überall dabei sein zu wollen. Überall dabei sein zu müssen. Heute genieße ich es, Zeit mit mir selbst zu verbringen oder meine ganze Zeit einem einzelnen Menschen zu widmen statt auf zehn gleichzeitig konzentriert zu sein und dadurch lediglich Oberflächlichkeiten mitzubekommen. Ich bin ruhiger geworden und genieße mehr den Augenblick.
Beobachte ich die heutige Gesellschaft, so ist der Begriff F.O.M.O. allerdings leider durchaus Ernst zu nehmen. Die Menschheit hetzt regelrecht von Ereignis zu Ereignis, ist ständig in Eile und mit dem Kopf nur allzu selten in der Gegenwart. Durch den technischen Wandel der letzten Jahre hat dieser Zustand noch zugenommen. Das Internet hat unsere Gesellschaft zeit- und ortsunabhängig gemacht und die ständige Erreichbarkeit verstärkt die Tatsache, dass wir rund um die Uhr über Ereignisse unserer Mitmenschen auf dem Laufenden gehalten werden. Wir versuchen all das zu kompensieren, in dem wir selbst ständig über Ereignisse unseres Lebens berichten. Wir wechseln bald wöchentlich unsere Profilbilder auf den gängigen Social Media-Plattformen, markieren uns an teilweise völlig irrelevanten Orten, posten allerlei Ereignisse und sogar Stimmungslagen und erhoffen uns dabei stets die Anteilnahme, oder schlimmer noch, einfach nur die zur Kenntnisnahme unseres Umfeldes. Normale Ereignisse reichen dabei oft nicht mehr aus und wir greifen auf Bilder und Erinnerungen längst vergangener Erlebnisse zurück oder entstellen unsere Bilder und Posts mithilfe von Filtern so sehr, dass sie am Ende kaum noch der Realität entsprechen. Das Resultat: Unzufriedenheit.
Es kann wohl leider nur jeder für sich selbst entscheiden, wie stark er in diesem perversen Hamsterrad mitwirken will. Seine Gewohnheiten und Denkweisen zu ändern ist stets eine Herausforderung und aller Anfang ist schwer. Als Belohnung winkt dafür mehr Gelassenheit und mehr Zufriedenheit. Mehr Ruhe. Ich habe mich durch all meine Reisen verändert, bin nachdenklicher geworden. Ich versuche meine Tage stets sinnvoll zu nutzen und erlaube mir selten unproduktiv zu sein…genieße dann aber dafür auch bewusst, was ich tue.











Good reflexions, Andreas, as usual! 😉
Thank you for that, Mariana 😉