Italien, Rom, Der Vatikan

Der Wecker klingelt früh und bereits um kurz nach 8 warte ich am Bahnhof Roma Trastevere auf meinen Zug, der mich wieder an den Vatikan bringen wird. Heute verwehrt mir niemand den Zugang und so trete ich kurz vor 9.00Uhr schließlich unter der linken Kolonnade hindurch auf den heiligen Petersplatz. Es ist bereits jetzt zu warm für lange Hosen. Obwohl ich mir den Platz vor dem Petersdom größer vorgestellt habe, überwältigen mich umgehend die hohen Säulen, die den Platz umgeben und die riesigen Heiligenstatuen aus weißem Travertinstein, die von oberhalb der Säulen auf mich herunterzuschauen scheinen. Noch ist wenig los und so gibt das Plätschern der beiden großen Brunnen auf der Piazza San Pietro den Ton an. Ich laufe staunend zur Eingangspforte des Petersdom hinauf und trete durch die hohen Bronzetüren aus dem fünfzehnten Jahrhundert in eine andere Welt. Das Innere der größten Kirche der Christenheit ist gigantisch. Die Decke ist 45 Meter hoch und wird von gewaltigen Säulen gestützt. Riesige Statuen aus Stein, Marmor und Gold schauen auf den über 150 Metern vor bis zum Altar auf mich herunter. Ich staune mit offenem Mund und bin überfordert. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis ich alles gesehen habe und ich friedliche Entspannung in mir verspüre. Ich schreite ich Richtung Kuppelaufgang und nehme die 551 Stufen in Angriff, die mich in die Laterne auf dem Kuppeldach führen werden.

Nachdem ich wieder festen Boden unter den Füßen habe, mache ich mich auf zu einem großen Tor links des Petersplatzes. Vor dem Eingang zum Petersdom befindet sich zwischenzeitlich eine Schlange von mehreren hundert Menschen, die allesamt das Innere des gewaltigen Gotteshauses bestaunen wollen. Gott sei Dank war ich bereits so früh hier.

Als ich das Tor links des Petersplatzes erreiche, tritt mir ein schweizer Gardist in seiner bunt leuchtenden Uniform entgegen und versperrt mir den Weg. Das Zauberwort lautet in meinem Fall als deutscher Staatsbürger „german cemetery“. Ein deutschsprachiger Mönchsorden betreut in dem kleinsten Staat der Welt seit fünf Jahrhunderten einen kleinen Friedhof, den es deutschen Besuchern erlaubt, etwas weiter in den Vatikan vorzudringen als üblich. Ein Privileg. Der Gardist tritt zur Seite. Der Friedhof liegt innerhalb eines kleinen Hofes, der von einer hohen Steinmauer umgeben ist. Die Sonne strahlt von oben herab und trotzdem ist es unter den hohen Bäumen angenehm kühl. Augenblicklich verstummt der Lärm von draußen und in mir kehrt Ruhe ein.

Auf 12.00Uhr finde ich mich vor dem Eingang zu den vatikanischen Museen ein, die antike Schätze aus aller Herren Länder und unermesslichem Wert beherbergen und an die auch die sixtinische Kapelle mit den weltbekannten Malereien Michelangelos anschließt. Glücklicherweise konnte ich gestern Abend noch im Internet eine Eintrittskarte für heute erwerben, die es mir erlaubt, die Schlange wartender Besucher vor dem Tickethäuschen zu umgehen, die sich unter sengender Mittagshitze weiter als weit entlang der Außenseite der hohen Vatikan-Mauern entlang schlängelt. Mein Besuch in den Museen dauert schließlich den ganzen Nachmittag an und erst mit der Schließung um 18.00Uhr trete ich wieder hinaus auf die offene Straße…und hinein in den Stadtlärm von Rom.

Morgen fliege ich wieder heim…

Auf dem Petersplatz…
Auf dem Petersplatz…
Eingang zum Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Im Petersdom…
Am Petersdom…
Mein Vatikansoutfit.
Das Kuppeldach von Innen.
Die Aussicht von der Kuppel aus.
Die Kuppel des Petersdoms.
Auf dem kleinen Friedhof…
Auf dem kleinen Friedhof…
Auf dem kleinen Friedhof…
Das Gebäude rechts des Friedhofs.
Die Aussicht vom Friedhof.
Die schweizer Garde.
Und dann die Museen:
Die Jesus-Geschichte auf Wandteppichen.
Wandmalerei von Michelangelo.
Wandmalerei von Michelangelo.
Wandmalerei von Michelangelo.
Eines der letzten Bilder von Vincent van Gogh.
Hinter Gittern…
Der Petersdom.
Italien…das Land, in dem man sich abends zum kickern trifft. 😉

Thailand, Ayutthaya

Ayutthaya…kaum ein Ort weist mehr Geschichte auf als die einstige Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs. Ein Imperium, das zu seiner Glanzzeit flächenmäßig größer war, als das heutige Frankreich und die UK zusammen.

Bereits bei meinem ersten Besuch in Thailand stand der geschichtsträchtige Ort, an dem heute lediglich noch Ruinen an den Reichtum und die Macht aus vergangenen Zeiten erinnern, ganz oben auf meiner Liste. Irgendwie haben meine Wege bisher aber immer daran vorbei geführt. Bis gestern…

Peeravit, der Manager meines Hostels, bot mir vorgestern in einem Gespräch urplötzlich an, mich nach Ayutthaya zu führen. In Thailand gilt es als Ehre, die starke Mönchskultur zu unterstützen und Peeravit hat gemeinsam mit seiner Schwester einige neue Roben, Sitzkissen und andere Utensilien für ein Kloster in Ayutthaya gekauft, in dem Peeravit selbst zwei Jahre als Mönch verbracht hat. Gestern war der Tag, an dem die beiden die Spenden übergeben wollten und ich nahm das Angebot an und fuhr mit. Als wir mit dem Auto im 1 ½ Stunden nördlich von Bangkok gelegenen Ayutthaya ankamen, besuchten wir zunächst einen großen Tempel, in dem wir Buddha unsere Ehre erwiesen, bevor wir zum “Teacher”, dem Oberhaupt eines Tempels etwas ausserhalb der Stadt, weiterfuhren. Vollbepackt mit orangenen und rotbraunen Paketen überquerten wir das Tempelareal, umrundeten den Haupttempel und steuerten auf einen kleinen Torbogen in der rückseitigen Tempelmauer zu. Wir betraten einen kleinen Innenhof, der mit durch die Sonne bereits ausgeblichenen, langen Holzdielen ausgelegt war, auf denen harmonisch zwei Katzen in der warmen Sonne dösten und an dessen Ende ein überdachter Durchgangsbereich die Freifläche mit den Behausungen der Mönche und anderen Klosterbewohnern verband. Unter dem Dach angekommen, legten wir die Spenden auf eine leicht erhöhte Fläche vor einem Sitzkissen ab und die beiden Thailänder knieten sich davor auf den Boden. Ich selbst platzierte mich mit etwa drei Metern Abstand hinter den beiden auf den einfachen Holzboden, gemäß dem Anstand meine nackten Füßen nach hinten abgewinkelt. Der “Teacher Monk”, wie ihn Peeravit betitelt, erschien nach etwa zehn Minuten in seiner einfachen orangefarbenen Robe und nahm auf dem Sitzkissen auf der Anhöhe Platz. Die drei unterhielten sich auf thailändisch und obwohl ich nichts verstehen konnte, wusste ich, dass meine Begleiter den Mönch um Rat ersuchten. Die Konversation war überlegt, alle Beteiligten sprachen ruhig und ohne Hast…ich übte mich in Respekt und Geduld. Der Buddhismus ist geprägt vom Glauben an die Wiedergeburt und nach einer knappen Stunde des Gesprächs wurde ich Zeuge eines Rituals, das man wohl etwa mit einer christlichen Beichte vergleichen könnte. Die Schwester von Peeravit hatte darum ersucht, “befreit zu werden” und während der Obermönch sie mit einem großen Tuch bedeckte und begann, unverständliche Worte zu murmeln, erklärte mir Peeravit, dass das alte Leben seiner Schwester nun enden und eine neue Lebenszeit ihres Selbsts beginnen wird. Peeravit stimmte als ehemaliger Mönch in das Gebet mit ein und ich wartete weiter. Als der Prozess schließlich beendet war und die drei von einer kleinen Buddha-Statue zurückkehrten, vor der sie im stillen Gebet und mit Räucherstäbchen in den gefalteten Händen verweilt hatten, bat mich der Obermönch zwischen meinen beiden Freunden vor ihm Platz zu nehmen. Er lud mich zum gemeinsamen Gebet ein und ich gab ab sofort mein Bestes, die auf thailändisch gesprochenen Gebetssätze des Mönches nachzusprechen. Peeravit übersetzte die Anweisungen des Gebetführers für mich und bat mich schließlich darum, an meine für mich wichtigsten Menschen zu denken, während vor uns dreien Wasser in kleine Schalen ausgegossen wurden. An meinen Gedanken festhaltend, standen wir nach Vollendung des Gebetes auf, gingen zu einem kleinen, grünen Baum in dem von Sonne gefluteten, abgeschotteten Innenhof und führten das Wasser langsam der ausgetrockneten Erde darunter zu. Wasser, als Geschenk für das Leben.

Nach der Zeremonie fuhren wir gemeinsam zu einem weiteren Tempel außerhalb der Stadt. Der Obermönch vertraute mir seine Tasche zur Aufbewahrung an und auch wenn ich praktisch als Taschenträger missbraucht wurde, empfand ich die Aufgabe, gleich wie es jeder asiatische Buddhist empfinden würde, als große Ehre. Der Obermönch bat schließlich Peeravit darum, ein Foto von uns zu machen und mein Freund übersetzte für mich lachend dessen Bemerkung: Normalerweise tragen Thailänder oder jüngere Mönche meine Tasche; ein Farang (zu deutsch: Ein Ausländer) hat das bisher noch nicht für mich übernommen.

Als es an den Abschied ging, bat mich der Mönch dann nochmal, alleine vor ihm niederzuknien. Während er mir ein Armbändchen umband, sprach er ein buddhistisches Gebet und als er meine Hand und auch meinen Unterarm fest umfasste, gab er mir im Geiste Glück mit auf meinen Weg.

Peeravit und seine Schwester sind dann gestern Abend wieder heimgefahren und ich habe die Nacht in einem kleinen, gemütlichen Hostel verbracht. Bereits gestern Abend bin ich noch durch den historischen Park von Ayutthaya gewandelt und hatte das Glück, die diesjährige Light & Sound-Show mitzuerleben. Seit dem Jahr 1991 zählt die Ruinenstadt zum UNESCO Weltkulturerbe und jedes Jahr wird diese Ehrung mit der einwöchigen Ayutthaya World Heritage Fair gefeiert. Die Tempel erstrahlen in Scheinwerferlicht, ein riesiges Freilichttheater erzählt (auf thailändisch) die Geschichte des Königreichs, allerlei Stände bieten kulinarische Köstlichkeiten und historische Produkte an und bereits am Eingang tauscht man sein Geld gegen spezielle Steine, die einst wohl als Zahlungsmittel verwendet wurden.

Bevor ich heute Abend zurück nach Bangkok fahre, schaue ich mir heute nochmal das Areal bei Tageslicht an. Alte Ruinen, über denen die Magie längst vergangener Tage schwebt…voll mein Ding!

Im Wat Chaiwatthanaram.
Im Wat Chaiwatthanaram.
Im Wat Chaiwatthanaram.
Etwas außerhalb von Ayutthaya…
…als ich die Tasche des Teachers trug.
Peeravit und ich gemeinsam beim Gebet.
Die Ayutthaya World Heritage Fair.
Das Freilichttheater…
…mit echten Elefanten…
…und unzähligen Darstellern.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya.
Ayutthaya…völlig relaxed.

Neuseeland, Ein Rückblick

Es ist 15.40Uhr…und ich warte am Flughafen Auckland darauf, dass das Boarding für meinen Flug beginnt. Es ist Zeit Abschied zu nehmen von der grünen Insel…dem Land der langen weißen Wolke, wie Neuseeland in der Landessprache der Maori genannt wird. Ich versuche zu realisieren, dass ich in knapp 45 Minuten Neuseeland in Richtung Thailand, in Richtung Heimweg, verlassen werde und ein für mich sehr wichtiges Kapitel in meinem Leben zu Ende geht…ich war wirklich hier. Auf der anderen Seite der Welt. In Neuseeland. Das Land, das von Anfang an das Ziel meiner langen Reise sein sollte.

9 Wochen. Zuerst auf der Südinsel, wo ich zwischen den Saisons gereist bin und dadurch das Glück hatte, mit meinem gemieteten Campervan auf großteils leeren Straßen eher verlassene Ziele anzufahren und so viele Orte für mich ganz alleine hatte. Anschließend ging es auf die Nordinsel weiter…etwas mehr Menschen und etwas mehr Touristenattraktionen. Schöne Touristenattraktionen. 9 Wochen, in denen ich bemerkenswerte Menschen kennenlernen durfte. 63 Tage, in denen ich unzählige magische Orte und magische Momente erleben durfte. Zwei Monate auf der anderen Seite der Welt…wo ich wiedereinmal sehr wichtige Dinge über mich und das Leben gelernt habe.

Neuseeland ist definitiv eine Reise wert. Mal sehen…vielleicht ja auch zwei. Aber jetzt freue ich mich dann erstmal auf zuhause.

Neuseeland, Tongariro Alpine Crossing

Mein Wecker klingelt um 05.30Uhr und um kurz nach 6.00Uhr steht der Bus vor dem Hostel, der mich zum Startpunkt des 19,4 Kilometer langen Tongariro Alpine Crossing fahren wird. Einer der weltweit schönsten Tagestrecks, wie man hört…

Der Morgen ist wieder einmal kalt, doch wie ich im Bus Platz genommen habe, wünschte ich, ich wäre draußen. Die Scheiben sind vom Kondenswasser beschlagen und im Bus herrscht dieser stickige, abgestandene, warme Zustand, den man nur morgens erleben kann, wenn sich menschliche Körper noch in der nächtlichen Ruhephase befinden und deswegen am heizen sind und gleichzeitig kein Sauerstoff in den geschlossenen Raum dringen kann. Der Großteil der Passagiere ist bereits in Taupo in den Bus gestiegen und heizt seit einer Stunde. Ekelhaft!

Als wir den Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing erreichen, bin ich froh, als ich den Bus verlassen kann. Eisige Morgenluft strömt mir entgegen und die Sonne blendet mich, die genau in dem Moment hinter dem Mount Ngauruhoe emporsteigt. Obwohl es früh am Morgen ist, herrscht hier bereits wildes Treiben und mehrere große Busse haben links und rechts der Straße geparkt, aus denen motivierte Wanderer steigen. Während ein Teil direkt losstürmt, machen andere noch Fotos oder nehmen eine erste Stärkung zu sich. Ich stülpe mir mein Schlauchtuch über den Kopf, ziehe den Reißverschluss meiner Fleecejacke bis oben zu und setze mich in Bewegung. 07.10Uhr.

Der Weg führt zunächst durch ein altes Flußbett, durch ehemalige Lavaströme und während die Sonne höher und höher steigt, kommt mir der Mount Ngauruhoe näher und näher. Der Aufstieg zum “South Crater” zwischen dem Mount Ngauruhoe und dem Mount Tongariro ist steiler als gedacht und ich verstaue meine Fleecejacke bereits auf halbem Weg in meinem Rucksack. Hunderte von schmalen Stufen sind in den harten Fels unter mir eingearbeitet worden; das Devil’s Staircase, zu deutsch: Treppenhaus des Teufels, hat es in sich. Die Aussicht auf die hinter mir liegende Ebene ist bereits von hier sensationell, einzig die langsameren Wanderer auf dem schmalen Pfad vor mir sind etwas störend. Aber schließlich hat jeder das Recht, sich an diesem einzigartigen Treck zu versuchen.

Oben angekommen, finde ich mich im Schnee wieder. Zu meiner Rechten ragt steil der Mount Ngauruhoe empor, der Herr der Ringe-Fans auch als Mount Doom, als Schicksalsberg, bekannt sein dürfte. Einst konnte von hier aus der Weg zum Gipfel in Angriff genommen werden, inzwischen wurden die Wegmarkierungen zum inneren Krater hin allerdings entfernt; der Berg ist den Maoris heilig und der Aufstieg aufgrund von losem Geröll sehr gefährlich. Schade!

Vor mir eröffnet sich mir eine große, weiße Fläche, der South Crater, und ich gehe weiter. Der Weg zieht sich, doch schließlich tut sich eine weitere Felswand vor mir auf, die zum höchsten Punkt des Trecks führt. Der immernoch aktive Red Crater. 1.886 Meter. Inzwischen bin ich drei Stunden unterwegs, doch meine Begeisterung treibt mich weiter.

Ganz oben angekommen, hüllt sich alles um mich herum in gespenstischen Nebel. Kühle Nebelschwaden ziehen vor mir vorbei und ich kann die sagenhafte Aussicht großteils nur erahnen. Während ich den Aufstieg über schneebedeckten Fels regelrecht erklettern musste, schlittere ich den Abstieg über loses Vulkangestein hinunter und tue mir schwer, festen Halt zu finden.

Ich weiß schon, wieso wir Gondeln lieber runterwärts nutzen, BRÜDERLE!

Das Ziel ist es allerdings wert. Unter mir kommen die Emerald Lakes zum Vorschein, drei kleine Kraterseen, deren Wasser aufgrund der geothermischen Aktivitäten in einem farbintensiven Grün leuchtet. Die Sicht auf die umliegenden Täler und Bergspitzen wird klarer.

Es geht weiter über ein zweites schneebedecktes Feld in Richtung Blue Lake und mit fallenden Höhenmetern verändert sich die Landschaft allmählich. Der Schnee wird weniger und gibt bewachsene Hänge frei, an denen mich ein schmaler, festgetretener Pfad entlangführt. Mehr und mehr kommen kleine Blüten kleiner Pflanzen zum Vorschein, erst gelbe, dann auch weiße. Der Schnee verschwindet schließlich ganz und die Hänge werden grün. Zu meiner Rechten liegt ein Tal von dem aus sich ein Hang voller schwarzem Vulkangestein zum Mount Ngauruhoe und dem Mount Tongariro hin emporreckt, deren Vorhöhen bedrohliche Schwefelgassäulen gen Himmel blasen. Ehrfurchterregend!

Danach geht es stetig bergab. Zunächst noch durch die klassische Tundra, die in hellbraunen Farbtönen um mich herum erstrahlt, dann durch dichten Wald, der in allerlei frischen Grüntönen leuchtet. Und dann, nach 19,4 Kilometern und 5 ½ Stunden erreiche ich den Ketetahi Parkplatz, das Ende eines definitiv ganz besonderen Tagestrecks auf dieser Welt.

Morgens, kurz nach 7.00Uhr, am Startpunkt des Tongariro Alpine Crossing.
Mount Ngauruhoe; der Schicksalsberg!
Die ersten Meter…
…und die Sonne steigt höher und höher. 
…am Fuße des Mount Doom…
Hier dominiert Vulkangestein das Landschaftsbild.
Und dann gehts hoch…vor mir liegt „Devil’s Staircase“.
Von dort bin ich gekommen…
…und dorthin gehe ich weiter.
“South Crater”.
Und dann eröffnet sich mir die Aussicht auf das von hohen Bergen umgebene „Mordor“.
Der „Red Crater“ auf 1.886 Meter.
Kannst du den Ruß-Film im Schnee sehen?
Der Abstieg über loses Vulkangestein…
…zu den Emerald Lakes.
Wow!
Wow!
WOW!
…und weiter in Richtung Blue Lake.
Ein Fuß vor den anderen…
…bis zum Ziel…Blue Lake.
Ein Blick zurück.
Und nochmal.
Und dann wird der Schnee schließlich weniger…
…und mir eröffnet sich…
…der Blick ins Tal.
Der Schnee wird weniger und weniger…
…und ist letztendlich ganz verschwunden.
Die Landschaft wird wieder von Vulkangestein dominiert.
Und es geht tiefer und tiefer…
…in Richtung Tal.
 Ein Blick zurück zu den rauchigen Hängen. 
Die Hochebene aus weiter Ferne. 
…und dann habe ich wieder Farn um mich herum.

Neuseeland, Hobbiton

Nach einem kurzen, eintägigen Zwischenstopp in Auckland bin ich direkt weiter nach Matamata gefahren, von wo aus ich heute nach Hobbiton, zu deutsch Hobbingen, aufbreche. Hobbiton liegt etwa 30 Minuten außerhalb von Matamata auf dem Gelände einer großen Farm und diente seinerzeit als Drehort für die Heimat von Bilbo und Frodo Beutlin, Sam Gamdschie, Merry Brandybock und Pippin Tuk. Die Heimat der Hobbits aus dem Auenland, Charaktere und Schauplatz aus den Filmtrilogien “Der Herr der Ringe” und “Der Hobbit”, wurde für die jeweiligen Dreharbeiten aufwändigst und unter Berücksichtigung etlicher Details in die Landschaft eingebettet und ist der einzige Drehort, der nach Abschluss der Dreharbeiten nicht zurückgebaut und wieder in den Originalzustand versetzt wurde.

Der Besuch von Hobbiton ist nur im Zuge einer Tour möglich, für die ich mit dem Bus in Matamata abgeholt werde. Wie ich vor dem Informationszentrum in Matamata stehe und auf den Bus warte, lerne ich Claudia aus Wales kennen, die ebenfalls die Tour mitmacht. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und sitzen schließlich auch im Bus nebeneinander, sprechen über unsere bisherigen Reiseerlebnisse, diskutieren über die Vor- und Nachteile von Neuseeland gegenüber zuhause.

Wie wir in Hobbiton ankommen, verlassen wir den Bus und folgen unserem Tourguide, Leonie aus “Germany”, einen schmalen Kiesweg entlang um einen kleinen Hügel herum. Hinter dem Hügel eröffnet sich uns der Blick…ins Auenland. Ich realisiere es im ersten Moment überhaupt nicht und schaue zu meiner Rechten, wo Claudia steht, nachdem ich ihr geflüstertes “oh my god” höre. Sie steht da mit den Händen auf den Wangen, die weit aufgerissen Augen geradeaus gerichtet. Und dann ist meine Wahrnehmung wieder da. Da ist der große Baum und der Festplatz. Hier sind die Fenster einer Hobbithöhle zu sehen. Dort ragt ein kleiner Kamin aus dem Hügel und daneben hängen kleine Kleidungsstücke auf einer zwischen zwei Holzstöcken gespannten Wäscheleine. Wie in einem Kessel liegt Hobbingen vor mir, eingebettet in unterschiedlich hohen Grashügeln und ist durchzogen von kleinen Pfaden und überall sind bunte, runde Haustüren mit hübschen Vorgärten davor zu sehen. Und hoch oben an der höchsten Stelle, in der Mitte des kleinen Kessels, steht ein großer Baum, der mir bekannt vorkommt und darunter befindet sich eine grüne, runde Türe, die mir vertraut ist. Die Haustür zur Höhle der Beutlins. Obwohl überall kleine Menschengrüppchen zu sehen sind, komme ich mir vor wie im Film. Bis auf die fehlenden Hobbits ist hier alles genauso, wie man es sich vorgestellt hat. Unglaublich!

ABER: Ich muss an dieser Stelle vermerken, dass ich vom Konzept des Veranstalters sehr enttäuscht bin. Der Besucher wird trotz des hohen Preises zügig durch das Areal gedrängt, wodurch man sich zu Beginn der Tour entscheiden muss, ob man am Anfang der Gruppe läuft und den Erzählungen des Tourguides folgt oder sich ans Ende der Gruppe setzt, um das ein oder andere Foto zu schießen, ohne andere Besucher im Bild zu haben. Am Ende der Tour bekommt man im Gasthaus “Green Dragon” dann noch ein Bier spendiert, für das einem zwanzig Minuten eingeräumt werden; bewundert man das Gebäude zunächst noch von außen und schießt das ein oder andere Foto, kommt das spendierte Bier genießen einem Wettexen gleich. Schade!

Das städtische Tourismusbüro in Matamata.

Frodo scheint „in da house“ zu sein…

Und dann eröffnet sich mir der Blick ins Auenland…

Ist grad gaaanz schlecht…ich bin auf dem Sprung…

Kennst du diesen Vorgarten?

Scheint keiner zuhause zu sein bei Beutlins…klar, Frodo ist ja in Matamata.

Vergleiche mal das Photo mit meinem Blog-Titelbild…fällt dir was auf? DAS war ein kleiner Wunsch von mir seit Beginn meiner Reise.

Irgendwie sieht’s nach Regen aus…

Hier die Haustür der Gamdschies… Sam ist wohl wieder mit Frodo unterwegs.

Ein kurzer Break…

Ouh, was seh ich da…

…let’s go zum „Green Dragon“ ein Bierle trinken.

Hereinspaziert…

…und wohlgefühlt.

Neuseeland, Nördliche Westküste

Zurück nach Auckland nehme ich die Strecke entlang der Westküste. Kurz nach Mangamuka biege ich hierzu rechts auf den Mangamuka Road ab und folge langsam der kurvigen Landstraße in Richtung Südwesten, bis ich bei Rawene einen großen Meeresarm mittels kleiner Autofähre zu überqueren habe. Geduldig warte ich am Ufer, bis die Fähre von der anderen Seite übergesetzt hat und lasse mich ans südliche Ufer überführen, wo ich nach einer kurzen Fahrt auf den State Highway 12 einbiege, der mich ab sofort wieder etwas zügiger voranbringt.

Mein Weg führt mich nun zunächst am Meeresarm entlang und ich komme nicht umhin, an einem der zahlreichen Aussichtspunkte anzuhalten und ein Stück weit die Klippen entlangzugehen.

Und dann verändert sich das Landschaftsbild wieder einmal. Die Straße wird kurviger und scheint sich schließlich auch zu verengen, bis mir auffällt, dass zweiteres daran liegt, dass die Bäume größer werden und näher an die Straße heranwachsen. Links und rechts der Straße sehe ich nun vermehrt sogenannte Kauri-Bäume, die bis zu 50 Meter hoch in den Himmel wachsen und auf einen Stammdurchmesser von bis zu 4 Metern kommen. Richtige Giganten also. Ich fahre in das Gebiet des Waipoua Waldes und erreiche schließlich eine kleine Lichtung, auf der sich links der Straße ein paar Parkplätze auftun und dahinter eine grün leuchtete Picknickwiese zum Vorschein kommt. Am Eingang zur Lichtung steht ein Cafèwagen, den ich als erstes ansteuere, nachdem ich mein Auto geparkt habe. Die Sonne scheint und es ist warm; ich bestelle einen Cappuccino und setze mich vor dem umgebauten Wohnwagen auf ein Kissen am Boden. Ich frage die beiden Frauen hinter der Kaffeemaschine nach einer Alternative zu dem gewöhnlichen Pappbecher und eine der beiden bietet mir ihr Glas als Trinkgefäß an; als Dank für die Mülleinsparung erlassen sie mir einen Dollar und wir kommen ins Gespräch…

45 Minuten später stehe ich vor dem Tāne Mahuta und es macht sich Ehrfurcht in mir breit. Die beiden Maori-Damen aus dem Cafèwagen haben mir bereits erzählt, dass der “Gott des Waldes”, wie ihn die Maoris betiteln, ungeschlagene 51,2 Meter hoch und 4,4 Meter breit ist…der größte bekannte Kauri-Baum. Nice to meet you!

Nach einem weiteren Cappuccino setze ich meinen Weg fort und nach einem sehr schönen Spaziergang durch diesen beeindruckenden, dichten Wald voller gigantischer Kauri-Bäume und allerlei verschiedener Farne nur wenige hundert Meter weit entfernt vom Tāne Mahuta, nehme ich wieder Kurs auf Auckland.

Der Vorteil, wenn man auf Landstraßen unterwegs ist, ist der, dass man mehr von der Umgebung wahrnimmt und durch das meist spektakulärere Hinterland kommt. Die Straße, auf der ich fahre, zieht sich gemächlich über die grünen Hügel Neuseelands, vorbei an Viehweiden und hindurch durch kleine Ortschaften, immer wieder mal den Blick auf das funkelnde Meer in der Ferne freigebend.

Es ist noch ein langer Weg bis nach Auckland…zum Glück.

Die nördliche Westküste nach Rawene.

Die nördliche Westküste nach Rawene.

Die nördliche Westküste nach Rawene.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich Farne liebe?

…und dass Baumfarne bis zu 10 Meter hoch wachsen?

Unvorstellbar, nicht wahr!

Und dann stehe ich vor Tāne Mahuta, dem Gott des Waldes, der geschätzt 2.000 Jahre alt ist…und den ich nicht so wirklich aufs Bild bekomme. Kleine Randinfo: Die ersten Blätter wachsen in 17,7 Meter und es wachsen insgesamt 52 unterschiedliche Pflanzen AUF ihm. Das isolierte Biotop erstreckt sich bis zu den höchsten Zweigen des Kauri-Baumes in 51,5 Meter.

Den zweithöchsten Kauri-Baum Neuseelands treffe ich besser…

Die hing da so im Weg…

Weiter Richtung Auckland…

…was noch ein langer Weg ist.

Neuseeland, Piha

Schon bevor ich in Neuseeland angekommen bin, hatte ich von dem schönen Westen Aucklands gehört beziehungsweise gelesen und als ich dann auf der Südinsel unterwegs war, wurde mir die Region von Einheimischen aus Christchurch schließlich auch empfohlen. Dass ich jetzt hier bin, ist trotzdem Zufall und war nicht so ganz geplant…aber wie ich im 6 Bett Dorm des Piha Beachstay Hostels aufwache und aus dem Fenster schaue, scheint mir die Sonne entgegen und ich freue mich darauf, die Gegend zu erkunden.

Nach einem ausgiebigen Frühstück packe ich meine Sachen zusammen und verstaue sie in mein Mietauto, dass ich für die Erkundung der Nordinsel gestern in Auckland in Empfang genommen habe. Ein alter Nissan Bluebird. Graubraun. 252.000 gefahrene Kilometer. Mit Versicherung OHNE Selbstbeteiligung. Dieser Kamerad hat definitiv schon mehr von diesen Straßen gesehen, als meine letzten beiden Campervans zusammen. Ich wäre gerne nochmal eine Nacht in dem herzlichen Hostel geblieben, dass sich mit einem Privathaushalt vermischt und dadurch eher einer Airbnb-Unterkunft denn einem Hostel gleicht, doch leider ist für kommende Nacht kein Bett mehr frei.

10 Minuten später habe ich mein Auto am südlichen Abschnitt des Piha Beach geparkt und laufe bewaffnet mit meiner Kamera über den weichen Sand in Richtung Wasser. Meine Flipflops habe ich gemäß einem Globetrotter an meinem Rucksack befestigt und meine nackten Füße sinken mit jedem Schritt ein Stück weit in den pulvrigen Untergrund. Ich schlendere zunächst in Richtung “keyhole” und “the gap”, dann zurück über den südlichen Piha Beach und hoch auf den “lion rock”, von wo aus ich einen hervorragenden Blick auf den nördlichen Piha Beach, auf Piha und raus aufs Meer habe. Hatte der Himmel zunächst  nochmal zugezogen, als ich den Strand erreicht hatte, klart er nun wieder auf und die Sonne wärmt meine Haut, während ich alleine auf dem “lion rock” sitze und innerlich zur Ruhe komme. Laut einer kleinen Infotafel, die hier aufgestellt ist, saß hier vor mehreren hundert Jahren bereits an ihrem Lieblingsplatz Ngati Tangiaro Taua, eine Prinzessin und später Stammesmutter des Maori-Stamms Te Kawerau a Maki. Eine geschnitzte Holzskulptur erinnert zusätzlich an die Mitglieder des Te Kawerau a Maki-Stamms, an seine Ahnen und die Wichtigkeit dieses Ortes für den Stamm. Mein Blick schweift in die Ferne, doch mein Geist ist ganz nah.

Irgendwann geht alles zu Ende und so befinde ich mich schließlich wieder im Auto und auf der Straße raus aus Piha. Durch eine Freundin in Christchurch habe ich den Tipp für einen angeblich wunderschönen Rundweg mit dem Namen Mercer Bay Loop Track erhalten, der sich unweit von Piha befindet. Der Rundweg befindet sich etwas abseits und ist nicht ausgeschildert, als ich ihn aber erreiche, eröffnet sich mir ein kleiner Parkplatz, auf dem ich meinen Wagen abstelle.

Der Mercer Bay Loop Track zieht sich als dünner aber fester, liebevoll angelegter Kiesweg die bewachsenen Klippen der Westküste südlich von Piha entlang. Während links der Fels weiter ansteigt, fällt er rechts mehrere Dutzend Meter steil ab. Was die Pflanzenwelt angeht, so ist hier gefühlt die ganze Flora der Welt vertreten. Der Boden links und rechts des Weges ist bedeckt von allerlei duftenden Kräutern und blühenden Bodendeckern, über deren Köpfen sich dann verschiedene mediterrane Sträucher und dichte Büsche mit ihren Zweigen voller runder, dicker oder auch langer, schmaler Blätter gen Sonnenlicht strecken. Hier wachsen Buchsgewächse, Palmlilien, verschiedene Palmengewächse und Farn nebeneinander und werden nur noch von den großen Palmen und Pinien beziehungsweise Kiefernbäumen überragt. Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie einst die verschiedensten Pflanzensamen durch die unterschiedlichsten Himmelswinde übers Meer hierher getragen wurden und die Insel zu blühen begann. Zwischen den Bäumen eröffnet sich mir immer wieder der Blick auf den hellblauen Ozean weit unter mir und die Wellen, die dort gegen den massiven Stein schlagen. Der Weg ist glaub einer der schönsten Pfade, die ich in Neuseeland bisher gelaufen bin, was sicher auch an dem herrlichen Wetter liegt, welches ich genießen darf…die Aussicht und die vielfältige Flora überwältigen mich, während mich die Sonne von oben wärmt und eine leichte Brise durch meine Haare streicht.

Der Westen Aucklands ist ganz besonders.

Der „lion rock“ vom South Piha Beach aus.

An „the gap“…

An „the gap“…

Die Holzskulptur auf dem „lion rock“…

…und der Blick auf den North Piha Beach, den Ngati Tangiaro Taua schon hatte.

…und dann kommt die Sonne raus.

Der South Piha Beach vom „lion rock“ aus.

…Sonnenschein…

North Piha Beach.

…und dann der Mercer Bay Loop Track.

…und die Aussicht.

…und dann gibt es nur noch meine Kamera und die Natur…

Neuseeland, Das Cape Palliser

Bevor ich in Richtung Auckland weiterfahre, mache ich noch einen Abstecher in den Südosten der Nordinsel. Entlang der Küste windet sich der Cape Palliser Road insgesamt 35 Kilometer unmittelbar am Wasser entlang Richtung Osten. Zeitweise befindet sich zwischen dem Asphalt und der Brandung nicht mehr als ein vom Wetter verwitterter Straßenpfosten und ein guter Meter Höhenunterschied, so dass die größeren der großen Wellen ihr Wasser bis über die Straße spucken. Es ist ein rauer Tag. Der Himmel ist grau und von dicken Wolken behangen, der Wind peitscht eisig an die Küste und dringt bis durch die Kleidung. Ich habe Mühe damit, mein Auto auf meiner Fahrbahn zu halten und bin froh, dass ich bis auf wenige Ausnahmen das einzige Fahrzeug auf der Straße bin. Ich frage mich ernsthaft, ob dieser Abstecher hier zum entlegenen Cape Palliser, an dessen Ende sich ein Leuchtturm befindet, wirklich sein muss. Er muss!

Die Fahrt ist anstrengend und zu allem Überfluss fängt es zu regnen an. Kilometer für Kilometer taste ich mich voran, teilweise über unbefestigte Straßenabschnitte, teilweise über von aufgepeitschtem Ozeanwasser bedeckte Straßenabschnitte, teilweise über nur einspurige Straßenabschnitte, weil zu wenig Platz für zwei Spuren zwischen dem Meer und dem zerklüfteten Kliff vorhanden ist. Die See ist heute sehr stürmisch und aufgrund meiner kaum zu übertreffenden Nähe lerne ich sie einmal hautnah von einer anderen Seite kennen. Ehrfurchterregend!

Wenige Kilometer bis zum Leuchtturm weist mich schließlich ein großes Schild am Straßenrand darauf hin, dass auf dem Abschnitt vor mir Seebären den Küstenstreifen als Ruheort verwenden und kurze Zeit später sehe ich sie dann auch. Hunderte von Tieren liegen entlang des schmalen Streifen Lands zwischen Straße und Meer und dösen vor sich hin. Als ich vorbeifahre heben sie vereinzelt neugierig ihren Kopf und blicken in meine Richtung, bleiben allerdings liegen und kümmern sich auch nicht weiter um mich, als ich aus meinem Wagen steige und ein paar Meter auf sie zugehe, um ein Foto zu machen. Dann geht’s weiter bis zum Leuchtturm.

Auf dem Rückweg vom Cape Palliser biege ich auf etwa halber Strecke nach rechts, ins Landesinnere, ab und bringe meine Fahrzeug 200 Meter weiter auf einem Parkplatz zum stehen. Ein weiterer Herr der Ringe-Drehort ist auf meiner Neuseeland-Karte aufgeflammt und wenn ich schonmal hier bin…der Drehort befindet sich weiter im Hinterland und so kann ich das Ganze mit einem schönen Abenteuerspaziergang verbinden. Von meinem Auto aus führt mich ein ausgewiesener aber kaum zu erkennender Pfad zunächst auf einem ausgetrockneten Flussbett entlang Richtung Norden. Der Regen hat zwischenzeitlich eine Pause eingelegt und der Wind scheint von den wenigen Bäumen um das Parkplatzareal herum gut abgeschirmt zu werden, so dass das Vorankommen jetzt etwas leichter fällt. Die Landschaft neben dem Flussbett ist felsig und der Boden ist von hüfthohen Pflanzen mit hübschen Blüten aber dornigen Stielen bedeckt. Nach einigen hundert Metern führt ein kleiner Fußweg vom Flussbett weg und etwas steiler den Berg hinauf in ein Waldgebiet hinein. Fachmännisch wurden hier Stufen in den Hang geschlagen, um den Aufstieg zu erleichtern und so marschiere ich den Fußweg entlang, vorbei an allerlei verschiedenen Farnen, die ich so sehr liebe, bis ich vor einem Schild stehe. “300 Meter bis zu den Putangirua Pinnacles”. Ich befinde mich plötzlich wieder auf dem steinigen Flussbett, in dem sich ein kleiner Bach seinen Weg Richtung Tal sucht, und steige ab sofort wieder über Steine hinweg auf eine felsige Front voller seltsam aussehender Formationen zu. Als sich die spitzen Türme aus einem grauen Stein-Lehm-Gemisch links und rechts von mir Richtung Himmel strecken, das Flußbett schmaler wird, im Fels vereinzelte Nischen und enge Öffnungen zum Vorschein kommen, die sich nach wenigen Metern im Inneren der Felsen sowie hinter Kurven und Biegungen verlieren und bis auf das Plätschern des Baches und das leichte Heulen des Windes nichts mehr zu hören ist, wird mir etwas unheimlich. Wie aus dem nichts bläst prompt eine kräftige Windböe das steinige Flussbett vom Meer zu mir hoch hinauf und reißt mich fast von den Füßen, woraufhin ich mich für den Rückweg entscheide. Eine gespenstische Gegend. Genau die richtige Location, um die Herr der Ringe-Szene zu drehen, in der Aragorn, Legolas und Gimli den Pfad der Toten betreten, um die Armee der Toten aufzuspüren und für die finale Schlacht auf den Pelennor Feldern vor den Toren von Minas Tirith zu verpflichten…

Den Cape Palliser Road entlang in Richtung Osten…

Der Südosten der Nordinsel…

Der Südosten der Nordinsel…

Die Seebären…

Das Cape Palliser Lighthouse.

Der Blick vom Leuchtturm aus in Richtung Osten…

Den Cape Palliser Road entlang zurück in Richtung Westen…

Farn…

…ich liebe diese immergrünen Pflanzen!

The Putangirua Pinnacles.

The Putangirua Pinnacles.

The Putangirua Pinnacles.

The Putangirua Pinnacles.

Neuseeland, Wellington Movie Tour

Peter Jackson, der Regisseur der mittlerweile sechs Filme rund um Mittelerde ist in Wellington aufgewachsen und bis heute hier wohnhaft. Viele der Filmszenen aus “Herr der Ringe” und “Der Hobbit” wurden unmittelbar in oder um Wellington herum gedreht und ich entscheide mich dafür, eine Tagestour zu buchen, in der den Teilnehmern verschiedene Lord of the ring-Drehorte gezeigt, mehr zu den Dreharbeiten erklärt und allerlei spannende und auch witzige Geschichten vom Set erzählt werden.

Auf jeden Fall zu empfehlen…

Wellington Movietown

Bei Touren ist es immer wichtig, leise zu sein, wenn der Guide etwas erzählt.

Helm’s Deep und Minas Tirith wurden einfach mal direkt neben einem kleinen Zementwerk unweit von Wellington erbaut. Der Betreiber des Zementwerkes erhielt die Summe eines geschätzten Jahresumsatzes gezahlt und stellte dafür für diesen Zeitraum seinen Betrieb ein + überlies der Filmcrew für diesen Zeitraum seinen Grund.

Hier läuft „Andi, der Grau-Blaue“ mit seinem Umhang und Zauberstab durch die Gärten Isengards.

Der Eingang nach Bruchtal…

…und ich leiste meinen Grundwehrdienst beim Volk der Elben.

Hier stand einst Legolas mit gespanntem Bogen und posierte fürs Filmposter.

Hier rauchte schon Elijah Wood als Frodo 1999 sein Pfeifchen, während sein Reisegefährte Sam auf dem Boden das Abendessen zubereitete.

Witzig…Merry ist damals bei der Flucht vor dem Farmer Maggot an der gleichen Stelle diesen blöden Hang heruntergestürzt und hat sich auch seine Möhre gebrochen.

Heeeey!

F*ck!

Wie Gandalf schon sagte…

Neuseeland, Wellington

Nachdem gestern Abend keine Fähre mehr von Picton nach Wellington übergesetzt hat, als ich am Fährhafen angekommen bin, habe ich die Nacht über nochmal auf der Südinsel verbracht und nehme heute Morgen das erste Schiff nach Wellington.

Der Morgen ist kalt und stürmisch, die Nacht über hat es geregnet und schwere Gewitterwolken bedecken den Himmel, als ich am Fährhafen ankomme. Ich werde entsprechend meiner Wagenlänge und meines Gewichtes klassifiziert und warte mit meinem Fahrzeug in der Spur 4 schließlich auf weitere Instruktionen. Die Einweiser der Fähre koordinieren die klassifizierten Fahrzeuge der insgesamt 12 Spuren auf die 3 Stockwerke des gigantischen Schiffes und nach einer Stunde hat jedes Fahrzeug einen Platz gefunden. Pünktlich auf 9.00 Uhr legen wir ab. Das Wasser ist trotz des Windes überraschend ruhig, auf den beiden Außendecks zieht es allerdings unerträglich und ich verbringe den Großteil der gut 3 stündigen Fahrt im beheizten und geräumigen Inneren.

Angekommen im Hafen von Wellington, fahre ich direkt in die Stadt und parke auf einem großen Parkplatz in Zentrumsnähe. Aufgrund des eisigen Wetters, dass sich offenbar gerade überlegt, ob es zu regnen beginnen soll, entscheide ich mich spontan für einen Besuch des Nationalmuseums in der neuseeländischen Hauptstadt und widme mich der Kultur statt die Innenstadt zu erkunden.

Als ich am Ende der Ausstellung im zweiten von insgesamt sechs Stockwerken angekommen bin, in der ich etwas über die Maorikultur lernen durfte, erlebe ich ein neues “Abenteuer”. Ich steuere gerade auf einen kleinen Kinosaal zu, als ich prompt das Gefühl habe, schwammige Beine zu bekommen und vernehme ein leichtes Grollen in meinem Ohr. Ich halte kurz inne und lausche. Nichts mehr. Was war das denn? Habe ich mir da grad etwas eingebildet?

Ich betrete den kleinen Kinosaal und sehe, dass hier eine Maori-Dokumentation gezeigt wird, in der gerade ein Ureinwohner über sein Land spricht. Ich werfe einen Blick auf die vereinzelten Leute im etwa 30 Sitzplätze großen Saal, als das Grollen wieder zu hören ist. Dieses Mal lauter, irgendwo aus den Tiefen des Gebäudes beziehungsweise von irgendwo unter mir. Und ich bilde es mir nicht ein, wie ich an den großen, erstarrten Augen einer dunkelhaarigen Frau erkennen kann, die meinen Blick mit wartendem Gesichtsausdruck erwidert. Dann beginnt der Boden leicht zu zittern. Die Sitze im Saal quietschen leise, die Bilder zu meiner Rechten wackeln und die Rahmen klopfen gegen die Wand, an der sie befestigt sind. Ich halte die Luft an. 5 Sekunden, 6 Sekunden, 7 Sekunden, dann ist es still. Ich bin angespannt, nervös, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich entscheide mich, in das Erdgeschoss zu gehen. Wie ich unten ankomme, schaue ich zurück und sehe viele Leute, die offensichtlich die gleiche Entscheidung für sich getroffen haben. Eine große Menschenmasse drängt sich die Stufen runter. Ich begebe mich nicht nach draußen; ich entscheide mich, in den Souvenirladen des Museums zu gehen, weil ich prompt das starke Bedürfnis verspüre, unter Menschen zu sein. Hier ist bereits wieder Ruhe eingekehrt und lediglich die beiden jungen Kassiererinnen tuscheln noch aufgeregt miteinander. Es bleibt ruhig. Und ich konzentriere mich auf die hübschen Andenken, die man hier erwerben kann.

Jeden Tag finden durchschnittlich vier Erdbeben auf den beiden Inseln Neuseelands statt. Die meisten von ihnen sind so schwach, dass sie von den Bewohnern der Insel nicht wahrgenommen werden.

Goodbye, Picton!

Auf der Fähre durch die Marlborough Sounds…

Auf der Fähre durch die Marlborough Sounds…

Auf der Fähre durch die Marlborough Sounds…

Goodbye, Südinsel!

Goodbyyyeee!

Laaand in Siiicht!

Hello Nordinsel, hello Wellington!

Macht die Leinen fest!

Wellington Harbour.

Fish&Chips

Im Museum findet aktuell eine Ausstellung über den Einsatz der neuseeländischen Soldaten im zweiten Weltkrieg statt…

…und zwischen den Ausstellungsräumen, die sich immer auf die Geschichten Einzelner konzentrieren, finden sich Statuen der Charaktere.

Sehr realitätsnah. Sehr bewegend!