Ayutthaya…kaum ein Ort weist mehr Geschichte auf als die einstige Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs. Ein Imperium, das zu seiner Glanzzeit flächenmäßig größer war, als das heutige Frankreich und die UK zusammen.
Bereits bei meinem ersten Besuch in Thailand stand der geschichtsträchtige Ort, an dem heute lediglich noch Ruinen an den Reichtum und die Macht aus vergangenen Zeiten erinnern, ganz oben auf meiner Liste. Irgendwie haben meine Wege bisher aber immer daran vorbei geführt. Bis gestern…
Peeravit, der Manager meines Hostels, bot mir vorgestern in einem Gespräch urplötzlich an, mich nach Ayutthaya zu führen. In Thailand gilt es als Ehre, die starke Mönchskultur zu unterstützen und Peeravit hat gemeinsam mit seiner Schwester einige neue Roben, Sitzkissen und andere Utensilien für ein Kloster in Ayutthaya gekauft, in dem Peeravit selbst zwei Jahre als Mönch verbracht hat. Gestern war der Tag, an dem die beiden die Spenden übergeben wollten und ich nahm das Angebot an und fuhr mit. Als wir mit dem Auto im 1 ½ Stunden nördlich von Bangkok gelegenen Ayutthaya ankamen, besuchten wir zunächst einen großen Tempel, in dem wir Buddha unsere Ehre erwiesen, bevor wir zum “Teacher”, dem Oberhaupt eines Tempels etwas ausserhalb der Stadt, weiterfuhren. Vollbepackt mit orangenen und rotbraunen Paketen überquerten wir das Tempelareal, umrundeten den Haupttempel und steuerten auf einen kleinen Torbogen in der rückseitigen Tempelmauer zu. Wir betraten einen kleinen Innenhof, der mit durch die Sonne bereits ausgeblichenen, langen Holzdielen ausgelegt war, auf denen harmonisch zwei Katzen in der warmen Sonne dösten und an dessen Ende ein überdachter Durchgangsbereich die Freifläche mit den Behausungen der Mönche und anderen Klosterbewohnern verband. Unter dem Dach angekommen, legten wir die Spenden auf eine leicht erhöhte Fläche vor einem Sitzkissen ab und die beiden Thailänder knieten sich davor auf den Boden. Ich selbst platzierte mich mit etwa drei Metern Abstand hinter den beiden auf den einfachen Holzboden, gemäß dem Anstand meine nackten Füßen nach hinten abgewinkelt. Der “Teacher Monk”, wie ihn Peeravit betitelt, erschien nach etwa zehn Minuten in seiner einfachen orangefarbenen Robe und nahm auf dem Sitzkissen auf der Anhöhe Platz. Die drei unterhielten sich auf thailändisch und obwohl ich nichts verstehen konnte, wusste ich, dass meine Begleiter den Mönch um Rat ersuchten. Die Konversation war überlegt, alle Beteiligten sprachen ruhig und ohne Hast…ich übte mich in Respekt und Geduld. Der Buddhismus ist geprägt vom Glauben an die Wiedergeburt und nach einer knappen Stunde des Gesprächs wurde ich Zeuge eines Rituals, das man wohl etwa mit einer christlichen Beichte vergleichen könnte. Die Schwester von Peeravit hatte darum ersucht, “befreit zu werden” und während der Obermönch sie mit einem großen Tuch bedeckte und begann, unverständliche Worte zu murmeln, erklärte mir Peeravit, dass das alte Leben seiner Schwester nun enden und eine neue Lebenszeit ihres Selbsts beginnen wird. Peeravit stimmte als ehemaliger Mönch in das Gebet mit ein und ich wartete weiter. Als der Prozess schließlich beendet war und die drei von einer kleinen Buddha-Statue zurückkehrten, vor der sie im stillen Gebet und mit Räucherstäbchen in den gefalteten Händen verweilt hatten, bat mich der Obermönch zwischen meinen beiden Freunden vor ihm Platz zu nehmen. Er lud mich zum gemeinsamen Gebet ein und ich gab ab sofort mein Bestes, die auf thailändisch gesprochenen Gebetssätze des Mönches nachzusprechen. Peeravit übersetzte die Anweisungen des Gebetführers für mich und bat mich schließlich darum, an meine für mich wichtigsten Menschen zu denken, während vor uns dreien Wasser in kleine Schalen ausgegossen wurden. An meinen Gedanken festhaltend, standen wir nach Vollendung des Gebetes auf, gingen zu einem kleinen, grünen Baum in dem von Sonne gefluteten, abgeschotteten Innenhof und führten das Wasser langsam der ausgetrockneten Erde darunter zu. Wasser, als Geschenk für das Leben.
Nach der Zeremonie fuhren wir gemeinsam zu einem weiteren Tempel außerhalb der Stadt. Der Obermönch vertraute mir seine Tasche zur Aufbewahrung an und auch wenn ich praktisch als Taschenträger missbraucht wurde, empfand ich die Aufgabe, gleich wie es jeder asiatische Buddhist empfinden würde, als große Ehre. Der Obermönch bat schließlich Peeravit darum, ein Foto von uns zu machen und mein Freund übersetzte für mich lachend dessen Bemerkung: Normalerweise tragen Thailänder oder jüngere Mönche meine Tasche; ein Farang (zu deutsch: Ein Ausländer) hat das bisher noch nicht für mich übernommen.
Als es an den Abschied ging, bat mich der Mönch dann nochmal, alleine vor ihm niederzuknien. Während er mir ein Armbändchen umband, sprach er ein buddhistisches Gebet und als er meine Hand und auch meinen Unterarm fest umfasste, gab er mir im Geiste Glück mit auf meinen Weg.
Peeravit und seine Schwester sind dann gestern Abend wieder heimgefahren und ich habe die Nacht in einem kleinen, gemütlichen Hostel verbracht. Bereits gestern Abend bin ich noch durch den historischen Park von Ayutthaya gewandelt und hatte das Glück, die diesjährige Light & Sound-Show mitzuerleben. Seit dem Jahr 1991 zählt die Ruinenstadt zum UNESCO Weltkulturerbe und jedes Jahr wird diese Ehrung mit der einwöchigen Ayutthaya World Heritage Fair gefeiert. Die Tempel erstrahlen in Scheinwerferlicht, ein riesiges Freilichttheater erzählt (auf thailändisch) die Geschichte des Königreichs, allerlei Stände bieten kulinarische Köstlichkeiten und historische Produkte an und bereits am Eingang tauscht man sein Geld gegen spezielle Steine, die einst wohl als Zahlungsmittel verwendet wurden.
Bevor ich heute Abend zurück nach Bangkok fahre, schaue ich mir heute nochmal das Areal bei Tageslicht an. Alte Ruinen, über denen die Magie längst vergangener Tage schwebt…voll mein Ding!
Im Wat Chaiwatthanaram.Im Wat Chaiwatthanaram.Im Wat Chaiwatthanaram.Etwas außerhalb von Ayutthaya……als ich die Tasche des Teachers trug.Peeravit und ich gemeinsam beim Gebet.Die Ayutthaya World Heritage Fair.Das Freilichttheater… …mit echten Elefanten……und unzähligen Darstellern.Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya…völlig relaxed.
Seit meiner Zeit in Mandalay ist bereits eine Woche vergangen, in der mich mein Weg über “Inle Lake” weiter Richtung Süden, nach Yangon geführt hat. Nach einem kurzen Zwischenstopp von einer Nacht in Yangon, bin ich gestern Mittag dann mit dem Bus spontan nochmal direkt ins 200 Kilometer (und durch die Straßenverhältnisse 5 Stunden!!!) entfernte Kinpun weitergefahren, dass am Fuße eines Berges liegt, auf dessen Gipfel sich der goldene Felsen befindet. Der goldene Felsen, the golden rock, ist mit das mächtigste buddhistische Heiligtum in Myanmar und jährlich pilgern Tausende von Buddhisten zu diesem heiligen Ort, den ich auf Anraten anderer Backpacker gerne bereits zu einem Sonnenaufgang besuchen möchte. In Kinpun angekommen, musste ich zunächst feststellen, dass der Tourismus hier zwar Einzug erhalten hat, sich dieser aber wohl eher auf den Tag konzentriert. Lediglich eine Handvoll Hotels und Herbergen sind hier ansässig und die Preise sind bereits im Tal, am Fuße des Berges zum Golden Rock hin, durchaus denen von Bagan ebenbürtig. Auf dem Gipfel des Berges, nahe dem goldenen Felsen liegt das Örtchen Kyaiktiyo, in dem es ebenfalls Unterkünfte gibt, deren Kosten für eine Nacht allerdings wohl nochmal deutlich höher liegen, wodurch ich an meiner ursprünglichen Idee festhielt und mir in Kinpun eine Unterkunft für die Nacht suchte. Laut meinen Informanten aus Yangon und auch einer hilfsbereiten Rezeptionistin in Kinpun vor Ort fahren jeden Morgen die Busse noch vor Sonnenaufgang zum Gipfel hoch, wodurch es für mein Vorhaben keine Probleme geben sollte. Nachdem ich in einer 12,-USD-Absteige eingecheckt hatte, bei der sich die Toilette sowie der Wasserschöpfer zum Duschen hinter dem Haus befanden und die Matratze einer mit Stoff überzogenen Ansammlung von Metallfedern glich, erkundigte ich mich im Dorf darüber, wo am nächsten Morgen ab 6.00Uhr die Shuttles zum goldenen Felsen abfahren und buchte außerdem direkt noch ein Rückfahrticket nach Yangon für den Folgetag. Und dann legte ich mich auch bald schon schlafen…
…05.15Uhr. Wieder einmal klingelt der Wecker zu früh, doch ich muss raus. Kurz über den Innenhof hinters Haus zum Bad marschiert und anschließend mein Hab und Gut zusammengepackt, verlasse ich um kurz nach halb 6 mein “Family Guesthouse” und mache mich Richtung Shuttle-Station auf. Wie ich an der Station ankomme, stehen die Shuttles, große LKWs mit Aluminium-Aufbauten hinter der Fahrerkabine, auf deren festgeschraubten Metall-Sitzbänken Platz für jeweils etwa 50 Personen ist, bereits in den Startlöchern. Von überall her strömen verschlafene Menschen aus dunklen Ecken, aus Hoteleingängen und auch schon von vereinzelten Reisebussen zu dem von mir angestrebten Ziel; damit habe ich nicht gerechnet. Entsprechend geht es auch auf den LKWs zu: Ich werde zügig zu einem der großen Fahrzeuge gewunken und finde gemeinsam mit vier anderen Männern Platz auf der hintersten Bank. Für meinen Geschmack ist das Fahrzeug nun voll und wir sind bereit zur Abfahrt…nach verschiedenen anderen Fahrten sollte ich es aber doch inzwischen besser wissen. Kaum habe ich fertig gedacht, kommt eine Gruppe von etwa 10 Personen, Männer sowie Frauen mit Babys auf den Armen, ans Fahrzeug und wird unter “Da passt schon noch einer rein”-Blicken des Einweisers auf die einzelnen Sitzreihen des LKW-Aufbaus aufgeteilt…in der letzten Reihe sind wir nun 7. Im Buddhismus steht die 7 für Glück. Hätte ja auch noch ein 8ter Passagier dazukommen können.
Die Fahrt beginnt und während sich der Himmel langsam gräulich färbt, holpern und poltern wir, über Schlaglöcher hinweg, Richtung Golden Rock. Die Sicht auf die Straße vor uns ist uns durch das LKW-Führerhaus versperrt, wodurch der eigentliche Streckenverlauf eine Überraschung bleibt. Plötzlich stoppen wir und während Marktfrauen beginnen, ihre Waren darzubieten und einige Gläubige mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wird der Fahrpreis kassiert. Und dann stehen wir. Die Urnen rasseln, die Marktfrauen rufen, der Himmel färbt sich langsam rose. Nach etwa 10 Minuten geht es weiter und ich denke mir noch, jetzt muss es zügig gehen, als wir auf einer Art Standstreifen vor einer kleinen, lokalen Gaststätte wieder stoppen. Unser Fahrer verlässt das Führerhaus, schlägt die Tür hinter sich zu und nichts. Wir stehen. Hinter uns stoppt ein weiterer LKW und der Fahrer tut es Unserem gleich. Ich sehe, wie er in die kleine Gaststätte eintritt und im Hinterzimmer verschwindet. Trinken die etwa Kaffee, während die Passagiere auf den voll besetzten LKWs sitzen? Die haben ja wirklich die Ruhe weg…
Unser LKW steht unter einem Dach, wodurch ich den Himmel nicht sehen kann, das Licht meiner Umgebung verrät mir allerdings, dass der Sonnenaufgang bereits in vollem Gange ist. Ich bin traurig und sauer zugleich, dass mein Vorhaben durch einen Kaffeetrinkenden Shuttle-Fahrer vereitelt wurde (und selbst beim Korrekturlesen ein paar Tage später kocht die Wut wieder in mir hoch!). Nach etwa 15 Minuten kommt unser Driver endlich wieder zurück und startet den Motor. “Ich hoffe, dein Kaffee hat geschmeckt, du blöder Aff!”. Was nun folgt, erinnert mich an Achterbahnfahren oder einen Flugsimulator: Unser Fahrer gibt Gas und beginnt die steilen, schmalen Sträßchen zum goldenen Felsen emporzusteigen, die dann in regelmäßigen Abständen auch wieder sehr steil abfallen. Wie eine Schlange windet sich unser Weg um den Berg herum nach oben. Von meinem Platz auf der letzten Bank (Im Bus ganz hinten, Baicco!) kann ich den Fels zu meiner Linken sehen und erahne den Abhang zu meiner Rechten. Was den Weg vor mir angeht, so sehe ich nur die extremsten Stellen über das Fahrerhaus, nämlich wenn der LKW mit voller Geschwindigkeit die Absenkungen hinunterrauscht. Rausfallen kann bei dieser Höllenfahrt freilich keiner; zu eng sind wir auf den unbequemen Metallbänken aneinandergequetscht. Um kurz vor 7AM erreichen wir schließlich endlich die Bergstation und ich sehe die Sonne. Wunderschön und groß steigt sie vor mir aus dem nebelverhangenen Tal herauf und beginnt in diesem Moment, wie ich sie sehe, damit, die Welt zu erleuchten. Auf diesen Moment kam es mir an! Mir fehlen die Worte!
Mit der Sonne im Rücken mache ich mich auf Richtung Golden Rock, der in etwa 1000 Meter vor mir liegt. Von der Shuttle-Station aus führt eine breite Straße durch das Dörfchen Kyaiktiyo zum Golden Rock hin, die zu beiden Seiten mit Verkaufsständen übersät ist. Allerlei Essen, haufenweise Souvenirs und eine Vielzahl an verschiedensten rituellen und religiösen Schmuck- und Dekorationsgegenständen werden hier zum Kauf dargeboten. Eine Vielzahl von Mönchen unterschiedlicher Glaubensorden kreuzen meinen Weg, junge Novizen durchstreifen die Straße auf der Suche nach Spendengaben, alte Gelehrte sprechen laut Mantras oder klopfen mit kleinen Stäben auf Klangscheiben, um den Vorbeieilenden Glück zu spenden. Es ist so früh am Morgen und trotzdem sind die Straßen hier bereits voll. So viele Menschen.
Wie ich am Golden Rock ankomme, kann ich die Magie des Ortes spüren. Groß erstreckt sich der Koloss vor mir und auf der Fläche um den Felsen herum knien unzählige Gläubige, die in Richtung des heiligen Monuments beten. Der Legende nach befinden sich unter dem Golden Rock zwei Haare vom Kopf des Buddha, die den Stein im Gleichgewicht halten. Zu Ehren Buddhas werden bündelweise Kerzen entzündet, Blumensträuße dargelegt, Gebete gesprochen, Verbeugungen über Verbeugungen durchgeführt. Ein Rundweg führt um den goldenen Felsen herum und wie ich ihn entlang gehe, eröffnet sich mir zusätzlich ein wundervoller Blick auf die Berglandschaften außenrum. Ich sehe Pilger, andächtig Betende und Mönche von überall her. Einen Mönch, der sich an einem Selfie versucht, frage ich höflich, ob ich ihm helfen darf, um den Golden Rock hinter ihm vollständig mit aufs Bild zu bekommen und wir kommen ins Gespräch. Er ist aus Hsipaw im Norden und besucht mit einer Hand voll weiterer Glaubensbrüder aus seinem Kloster erst Kyaiktiyo und dann Yangon. Wie ich ihm Bilder von meinem Trek und Arnoon’s Dorf zeige, erkennt er die Orte prompt wieder…das ist witzig. Ich plaudere ein wenig mit einem seiner Weggefährten und ihm, während wir den Rundgang um den Felsen weitergehen; die Einladung zum Frühstück lehne ich dann leider dankend ab, da mein Bus zurück nach Yangon um 10.00Uhr startet.
Bevor ich mich endgültig zum Busterminal aufmache, möchte ich dem Felsen und mir allerdings die große Ehre erweisen und stelle mich in die Schlange vor den Metalldetektor. Der Bereich vor dem Felsen ist circa 5 Meter weit abgesperrt und nur über eine kleine Brücke erreichbar. Jeder männliche Besucher, der in diesen Bereich eintreten möchte, muss sich erst einer Kontrolle durch das Sicherheitspersonal unterziehen und Frauen ist das Betreten des inneren Bereichs leider völlig untersagt. Ich gebe meinen Rucksack beim Wachpersonal ab, gehe durch den Metalldetektor und wandle fromm, nach einem bestätigenden Nicken von einem der Sicherheitsmänner, weiter zum Stein. Mächtig erstreckt er sich vor mir in Richtung Himmel und die Schicht aus Blattgold, mit der der Felsen überzogen ist, schimmert majestätisch in der Morgensonne. Aus einem Meter Entfernung kann ich genau erkennen, wie nahe der runde Felsblock auf dem steinernen Untergrund, direkt am Abgrund liegt…so nah…nur ein kleiner Schubser und…und doch viel zu schwer, um jemals bewegt zu werden und dadurch über Buddha’s Haare hinweg runterzufallen. Ich habe Glück, denn es sind nur ganz wenige Menschen um das Heiligtum versammelt und der Weg vor mir ist frei. Ich gehe ganz dicht an den Riesen heran und lege meine flache Hand auf die kühle, raue Oberfläche. Ich schließe die Augen, atme tief ein und aus und halte einen Moment inne. Ein magisches Gefühl, etwas so Heiliges, etwas so Uraltes zu berühren…
Es ist etwa 08.40Uhr, als ich schließlich am LKW ankomme und gemeinsam mit den beiden Mönchen in der ersten Reihe Platz nehme, die ich am goldenen Fels kennengelernt und auf dem Rückweg durch Kyaiktiyo dann prompt wieder getroffen habe. Der Truck füllt sich langsam…ein Blick auf die Uhr; 08.55Uhr…voll. Normalerweise genießen die Mönche hier in Südostasien ein besonderes Ansehen und niemandem ist es gestattet, den Geistlichen selbst oder dessen Robe zu berühren. Die Geistlichen werden bevorzugt und die Geistlichen haben ihre etwas von der Allgemeinheit abgeschotteten Sitzplätze und Aufenthaltsräume. Anders hier…wir werden alle regelrecht aufeinander geschoben, wie Vieh zusammengepfercht. Einziges Ziel: Möglichst viel Umsatz. Während ich mich anfangs noch darauf gefreut habe, in Kinpun gemütlich einen Kaffee zu trinken, freue ich mich inzwischen darauf, dass Geld für einen Kaffee gespart zu haben, da die Uhrzeiger weiterlaufen, der volle Truck aber steht und vom Fahrer jede Spur fehlt. Um 09.10Uhr geht’s endlich los; die Fahrtzeit ist mit 30 Minuten angegeben. Genug Zeit, denke ich. Wie bereits auf dem Hinweg fliegen wir die Serpentinen regelrecht hinunter; mich drückt es links gegen den Mönch, mich drückt es rechts gegen den Mönch; und dann bleiben wir prompt stehen. Vier oder fünf andere LKWs versperren vor uns die Straße, alle mit Passagieren voll beladen, einer hat irgendwas an der Achse. Nichts geht voran…irgendwann schau ich auf die Uhr; noch 20 Minuten bis 10. 20 Minuten bis mein Bus nach Yangon fährt. Bis wir uns wieder in Bewegung setzen, vergehen unzählige Minuten und wie ich mir gerade ausmale, dass ich den Bus nur sehr knapp erreichen werde, stoppen wir erneut. Wieder die Gläubigen, die mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wieder die Marktfrauen, die ihr Habe anbieten und dieses Mal völlig abartig allerlei Spielzeugwaffen für Kinder hochhalten. Mit einem Blick auf die Uhr wird mir bewusst: Ich verpasse meinen Bus. Erneut vom Schicksal vorgeführt, abermals trotz reichlicher Bemühung nicht entlohnt und stattdessen von übermenschlichen Kräften gepeinigt. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es bei etwaigen Verspätungen meiner Person in der Vergangenheit, die es ohne jeglichen Zweifel gab und die ich in keinster Weise bestreiten möchte, meist nicht mein Verschulden war! Vielmehr wurden mir von der Vorbestimmung Steine in den Weg gelegt, die ich kaum zu umgehen vermochte. Ich als das Spielzeug der Gestirne.
Aber nicht dieses Mal! Im Land des Buddha meint es offenbar etwas jenseits meiner Vorstellungskraft gut mit mir! Der Bus setzt sich prompt und ohne Vorwarnung wieder in Bewegung, fliegt regelrecht die restlichen Kilometer in Richtung Dorfzentrum Kinpun, passiert die Kontrollstation am Ortseingang geschwind wie der Wind und kommt um 10.05Uhr Ortszeit 500 Meter von der Busstation entfernt zum Stillstand. Der junge Mann, der mir am Vorabend noch das Ticket verkauft hatte, steht neben der Treppe, über die die hinteren Passagiere bereits vom Lastwagen steigen und ruft fragend nach “Yangon, Yangon”. Wie er mich erkennt ,wedelt er grinsend mit einem Zettel in der Hand und als ich endlich vom Truck gestiegen bin, begleitet er mich mit großen Schritten zum auf mich wartenden Fernreisebus. Sitz 4A. Ich glaube es kaum. Geschafft! Auf nach Yangon…
Es sieht ruhiger aus, als es ist…die Shuttle-Station um kurz vor 6.00Uhr.