Rom. Ich wollte schon immer mal hierher in die italienische Hauptstadt und nun endlich ist es soweit. Nachdem ich gestern Abend in meinem Hostel im Stadtteil Trastevere angekommen bin hab ich nicht mehr allzu viel gemacht. Doch warte…ich aß eine erste original italienische Pizza.
Meinen ersten Tag hier in Rom widme ich ganz der Vergangenheit. Schon beim Erreichen der Piazza Venezia im Stadtzentrum, in deren Süden das Kapitol liegt, werde ich von der Pracht alter Gebäude regelrecht übermannt. Die Kirche San Marco. Das Denkmal für Vittorio Emanuele II (auf italienisch: Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II), das vor dem Kapitol liegt. Das Kapitol selbst, das auf dem kleinsten der sieben Hügel Roms erbaut wurde. Die Basilika Santa Maria in Aracoeli, die aus dem sechsten Jahrhundert stammt und der dahinter liegende Kapitolsplatz, die Piazza del Campidoglio, die von Michelangelo neu entworfen wurde und wo heute das römische Rathaus steht. Ich schlendere durch enge Gässchen über uralte Pflastersteine in Richtung Süden und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kleine Balkone und Erker an den Hauswänden, Gebäude verbindende Brückchen, imposante Statuen und Brunnen aus Marmor, alte Straßenlaternen, die das Stadtbild schmücken. Überall laden mich kleine Wasserspender dazu ein, meine Trinkflasche mit erfrischendem Trinkwasser aufzufüllen. Es ist heiß in Rom. Ich strahle von innen heraus, genieße jeden Schritt und weiß nicht, wo ich mein Kameraobjektiv als erstes hinrichten soll.
Ich finde mich schließlich vor dem Eingang zum Palatin wieder und steige den Hügel empor, auf dem einst, bereits im achten Jahrhundert vor Christus, die ersten und später dann zu Zeiten des römischen Reichs die prächtigsten Gebäude Roms standen. Was den Überlieferungen nach einst vor luxuriösen und reich geschmückten Palästen nur so erstrahlte, ist heute lediglich noch zu erahnen, doch selbst die Ruinen wirken mit etwas Fantasie majestätisch. Vom Palatin aus eröffnet sich mir ein atemberaubender Blick auf Rom und das Forum Romanum, wo weit vor unserer Zeit das Herz sowie der geschäftliche und politische Nabel des Römischen Reiches lag. Über breite Treppen aus weißem Marmor steige ich vom Palatin hinunter ins Forum Romanum, um die Ruinen uralter Tempel und Versammlungsorte auf mich wirken zu lassen.
Um 17.00Uhr habe ich ein Rendezvous, auf das ich mich schon seit Tagen freue. Bereits von weitem sehe ich das Kolosseum vor mir und umso näher ich komme, umso beeindruckender wirkt das alte Bauwerk auf mich. Einst fanden sich hier bis zu 50.000 Menschen der unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten ein, um Kämpfe gegen wilde Tiere aus aller Herren Länder und zwischen den Gladiatoren zu verfolgen. Wie ich das Kolosseum betrete und durch die großen Gänge auf uralten Treppen mit meterhohen Decken aus Travertinstein ins innere der Arena vordringe, kann ich mir vorstellen, wie laut es hier einst vor den Kämpfen war, wenn die Zuschauer zu ihren Rängen drängten. Als ich schließlich am Ende meiner Besichtigungstour den untersten der vier Ring erreiche und auf gleicher Höhe wie einst die Gladiatoren stehe, ergreift mich beim Blick hoch zu den Rängen ein ehrfürchtiges Gefühl. Vor meinem inneren Auge sehe ich tausende von jubelnden Menschen von den Rängen auf mich herabblicken. Zum Glück geht es bei mir jetzt nicht um Leben und Tod. Beeindruckend und erschaudernd zugleich.
Meinen Heimweg nehme ich über das Zentrum von Trastevere…und gönne mir echtes italienisches Eis.
Meine erste Pizza in Rom.Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II.Im Inneren der Kirche San Marco.Im Inneren der Kirche San Marco.Auf der Piazza del Campidoglio, dem Kapitolsplatz. Auf dem Weg zum Palatin…Auf dem Weg zum Palatin…Auf dem Weg zum Palatin…Auf dem Weg zum Palatin…Der Palatin…Der Blick vom Palatin in Richtung Kapitol.Der Blick vom Palatin ins Forum Romanum.Das Forum Romanum.Das Forum Romanum.Das Forum Romanum.Das Forum Romanum.Das Kolosseum.Das Kolosseum.Das Kolosseum.Das Kolosseum.Junge Liebe.Der Tiber mit dem Petersdom am Horizont.Mein erstes Eis in Rom.
Eine weitere Reise in der Ferne geht zu Ende. Knapp vier Monate war ich unterwegs und durfte in meiner Denkweise und meinen Ansichten, weit entfernt meiner Heimat, weiter reifen. Mein Weg führte mich abermals nach Australien und noch weiter ostwärts, nach Neuseeland. Ein langer Traum wurde war; niemals hatte ich damit gerechnet, einmal bis in dieses Land auf der anderen Seite der Welt vorzudringen. Unbeschreibliche Gewalten und phänomenale Naturwunder erwarteten mich und gaben mir neue Einblicke darüber, wie wundervoll unsere Erde ist. Dreh- und Angelpunkt meiner Reise war immer wieder Thailand und Bangkok. Teils weil sich diese Stadt hervorragend als Sprungbrett anbietet und die westlichen und östlichen Kontinente dank riesiger und technisch hochentwickelter Flughäfen ausgezeichnet miteinander verbindet, teils weil Thailand und die Hauptstadt ganz besondere Orte für mich geworden sind und ich mich jedesmal aufs Neue freue, hier etwas Zeit verbringen zu dürfen. Was mich dieses Mal leider sehr erschüttert hat, sind die unglaublichen Müllmassen, die sich an den Stränden der südlichen Inseln und im Meer um Thailand herum befinden. So viel Plastik, das großteils achtlos weggeworfen wird, ohne dass die Menschen darüber nachdenken, was damit geschieht. Das Problem beginnt bereits früher…bei der Verwendung.
Ich möchte meine letzten Sätze in diesem Reiseblog-Kapitel dazu verwenden, etwas stärker auf dieses Thema einzugehen und würde mich freuen, wenn ich deine zukünftige Denkweise in Bezug auf die Verwendung von Plastik ein wenig sensibilisieren kann…
Wusstest du, dass Singapur seit einigen Monaten die Benutzung von Strohhalmen untersagt? Weltweit haben Länder bereits Gesetze und Regelungen gegen deren Verwendung eingeführt, die EU diskutiert aktuell als geschlossene Gemeinschaft über ein Verbot. Strohhalme, die einmal verwendet werden und anschließend im Müll landen. Wir verwenden teilweise sogar Strohhalme, wenn wir im Restaurant oder in Bars sind, obwohl doch eigentlich nichts dagegen spricht, auf herkömmliche Art aus einem Glas zu trinken. Oder?
Einwegbecher sind ein anderes Übel. Getränke werden uns teilweise in Plastikbechern ausgegeben, obwohl die alternativen Gläser und Tassen hinter der Theke gespült in der Vitrine stehen. Natürlich…vielleicht sind wir auf dem Sprung! Vielleicht wollen wir unser Getränk mit auf den Weg nehmen! …doch ist es nicht viel schöner, sich kurz die Zeit zu nehmen und sich hinzusetzen; den heißen Cappuccino oder den erfrischenden Fruchtshake bewusst zu genießen, anstatt ihn auf dem Weg zu sich zu nehmen, während man mit dem Kopf schon wieder bei völlig anderen Dingen ist?
Die Plastiktüten. Plastiktüten, die nach dem Transport unserer gekauften Waren umweglos im Müll landen…wäre es so viel umständlicher, eine Stofftasche, einen Korb oder einen Rucksack zu verwenden, welche wir bei Nichtverwendung im Kofferraum unseres Autos oder bei unseren Jacken und Schuhen an der Garderobe zuhause “auf Abruf” deponieren? Kleinere Artikel würden doch auch in die Taschen unserer Hosen oder die Handtaschen unserer Freundinnen passen? Oder wir könnten die Plastiktüten zuhause noch als Mülltüte ein zweites Mal verwenden?
…das sind lediglich drei Produkte, die wir nur allzu oft aus Bequemlichkeit verwenden ohne sie wirklich zu benötigen. Weitere Beispiele: Die dünnen reißanfälligen Plastiktüten, in die wir im Supermarkt lediglich einen oder zwei Äpfel einpacken, obwohl wir die meisten Obst- und Gemüsesorten doch auch ohne nochmal zusätzliche Verpackungen transportieren könnten. Die PET-Wasserflasche, die wir zum Sport mitnehmen, obwohl wir uns ebenso gut etwas in eine Trinkflasche abfüllen könnten. In Plastik eingeschweißte Snacks, obwohl wir auch etwas an der Frischetheke kaufen könnten, was im Einzelfall etwas teurer, dafür aber vermutlich auch gesünder sein würde. Die Plastikbecher in Flugzeugen, von denen selbst für das Nachfüllen von Wasser ein neuer Becher verwendet wird, obwohl wir doch auch unseren bereits verwendeten Becher zum Nachfüllen anbieten könnten. Die Utensilien aus Plastik, die wir zum Mischen unserer Getränke mit Milch, Zucker oder ähnlichem benutzen, obwohl meistens auch ein Teelöffel aus Metall auf Nachfrage zur Verfügung liegen würde. Diese blöden Tütchen, die man über den Heckscheibenwischer gezogen bekommt, wenn man durch die Auto-Waschanlage fährt; meist vergisst man doch sogar, diese anschließend wieder zu entfernen, wodurch der Fahrtwind diese früher oder später irgendwo Richtung Straßenrand wirbelt. Heute Mittag habe ich tatsächlich einen westlich aussehenden Mann entdeckt, der frittiertes Fingerfood mit einem Einweg-Plastikhandschuh über seiner rechten Hand gegessen hat! Der Mann saß zwischen den großen Einkaufszentren Siam Discovery und Siam World, welche beide riesige, kostenlose Toilettenräume im Untergeschoss beherbergen, die aus allen erdenklichen Richtungen ausgeschildert sind und wo man sich problemlos die Hände waschen kann. Die Möglichkeiten, etwas Müll einzusparen und so die Umwelt etwas zu entlasten sind grenzenlos…vielleicht möchtest du das ja mal im Hinterkopf behalten?
Ich sitze nun am Bangkoker Suvarnabhumi-Flughafen und freue mich auf zuhause. Deutschland, ich komme!
Chinatown Bangkok.Der Wat Traimit in Chinatown.Die weisen Thailänder…oder weise Deutsche?
Ayutthaya…kaum ein Ort weist mehr Geschichte auf als die einstige Hauptstadt des gleichnamigen Königreichs. Ein Imperium, das zu seiner Glanzzeit flächenmäßig größer war, als das heutige Frankreich und die UK zusammen.
Bereits bei meinem ersten Besuch in Thailand stand der geschichtsträchtige Ort, an dem heute lediglich noch Ruinen an den Reichtum und die Macht aus vergangenen Zeiten erinnern, ganz oben auf meiner Liste. Irgendwie haben meine Wege bisher aber immer daran vorbei geführt. Bis gestern…
Peeravit, der Manager meines Hostels, bot mir vorgestern in einem Gespräch urplötzlich an, mich nach Ayutthaya zu führen. In Thailand gilt es als Ehre, die starke Mönchskultur zu unterstützen und Peeravit hat gemeinsam mit seiner Schwester einige neue Roben, Sitzkissen und andere Utensilien für ein Kloster in Ayutthaya gekauft, in dem Peeravit selbst zwei Jahre als Mönch verbracht hat. Gestern war der Tag, an dem die beiden die Spenden übergeben wollten und ich nahm das Angebot an und fuhr mit. Als wir mit dem Auto im 1 ½ Stunden nördlich von Bangkok gelegenen Ayutthaya ankamen, besuchten wir zunächst einen großen Tempel, in dem wir Buddha unsere Ehre erwiesen, bevor wir zum “Teacher”, dem Oberhaupt eines Tempels etwas ausserhalb der Stadt, weiterfuhren. Vollbepackt mit orangenen und rotbraunen Paketen überquerten wir das Tempelareal, umrundeten den Haupttempel und steuerten auf einen kleinen Torbogen in der rückseitigen Tempelmauer zu. Wir betraten einen kleinen Innenhof, der mit durch die Sonne bereits ausgeblichenen, langen Holzdielen ausgelegt war, auf denen harmonisch zwei Katzen in der warmen Sonne dösten und an dessen Ende ein überdachter Durchgangsbereich die Freifläche mit den Behausungen der Mönche und anderen Klosterbewohnern verband. Unter dem Dach angekommen, legten wir die Spenden auf eine leicht erhöhte Fläche vor einem Sitzkissen ab und die beiden Thailänder knieten sich davor auf den Boden. Ich selbst platzierte mich mit etwa drei Metern Abstand hinter den beiden auf den einfachen Holzboden, gemäß dem Anstand meine nackten Füßen nach hinten abgewinkelt. Der “Teacher Monk”, wie ihn Peeravit betitelt, erschien nach etwa zehn Minuten in seiner einfachen orangefarbenen Robe und nahm auf dem Sitzkissen auf der Anhöhe Platz. Die drei unterhielten sich auf thailändisch und obwohl ich nichts verstehen konnte, wusste ich, dass meine Begleiter den Mönch um Rat ersuchten. Die Konversation war überlegt, alle Beteiligten sprachen ruhig und ohne Hast…ich übte mich in Respekt und Geduld. Der Buddhismus ist geprägt vom Glauben an die Wiedergeburt und nach einer knappen Stunde des Gesprächs wurde ich Zeuge eines Rituals, das man wohl etwa mit einer christlichen Beichte vergleichen könnte. Die Schwester von Peeravit hatte darum ersucht, “befreit zu werden” und während der Obermönch sie mit einem großen Tuch bedeckte und begann, unverständliche Worte zu murmeln, erklärte mir Peeravit, dass das alte Leben seiner Schwester nun enden und eine neue Lebenszeit ihres Selbsts beginnen wird. Peeravit stimmte als ehemaliger Mönch in das Gebet mit ein und ich wartete weiter. Als der Prozess schließlich beendet war und die drei von einer kleinen Buddha-Statue zurückkehrten, vor der sie im stillen Gebet und mit Räucherstäbchen in den gefalteten Händen verweilt hatten, bat mich der Obermönch zwischen meinen beiden Freunden vor ihm Platz zu nehmen. Er lud mich zum gemeinsamen Gebet ein und ich gab ab sofort mein Bestes, die auf thailändisch gesprochenen Gebetssätze des Mönches nachzusprechen. Peeravit übersetzte die Anweisungen des Gebetführers für mich und bat mich schließlich darum, an meine für mich wichtigsten Menschen zu denken, während vor uns dreien Wasser in kleine Schalen ausgegossen wurden. An meinen Gedanken festhaltend, standen wir nach Vollendung des Gebetes auf, gingen zu einem kleinen, grünen Baum in dem von Sonne gefluteten, abgeschotteten Innenhof und führten das Wasser langsam der ausgetrockneten Erde darunter zu. Wasser, als Geschenk für das Leben.
Nach der Zeremonie fuhren wir gemeinsam zu einem weiteren Tempel außerhalb der Stadt. Der Obermönch vertraute mir seine Tasche zur Aufbewahrung an und auch wenn ich praktisch als Taschenträger missbraucht wurde, empfand ich die Aufgabe, gleich wie es jeder asiatische Buddhist empfinden würde, als große Ehre. Der Obermönch bat schließlich Peeravit darum, ein Foto von uns zu machen und mein Freund übersetzte für mich lachend dessen Bemerkung: Normalerweise tragen Thailänder oder jüngere Mönche meine Tasche; ein Farang (zu deutsch: Ein Ausländer) hat das bisher noch nicht für mich übernommen.
Als es an den Abschied ging, bat mich der Mönch dann nochmal, alleine vor ihm niederzuknien. Während er mir ein Armbändchen umband, sprach er ein buddhistisches Gebet und als er meine Hand und auch meinen Unterarm fest umfasste, gab er mir im Geiste Glück mit auf meinen Weg.
Peeravit und seine Schwester sind dann gestern Abend wieder heimgefahren und ich habe die Nacht in einem kleinen, gemütlichen Hostel verbracht. Bereits gestern Abend bin ich noch durch den historischen Park von Ayutthaya gewandelt und hatte das Glück, die diesjährige Light & Sound-Show mitzuerleben. Seit dem Jahr 1991 zählt die Ruinenstadt zum UNESCO Weltkulturerbe und jedes Jahr wird diese Ehrung mit der einwöchigen Ayutthaya World Heritage Fair gefeiert. Die Tempel erstrahlen in Scheinwerferlicht, ein riesiges Freilichttheater erzählt (auf thailändisch) die Geschichte des Königreichs, allerlei Stände bieten kulinarische Köstlichkeiten und historische Produkte an und bereits am Eingang tauscht man sein Geld gegen spezielle Steine, die einst wohl als Zahlungsmittel verwendet wurden.
Bevor ich heute Abend zurück nach Bangkok fahre, schaue ich mir heute nochmal das Areal bei Tageslicht an. Alte Ruinen, über denen die Magie längst vergangener Tage schwebt…voll mein Ding!
Im Wat Chaiwatthanaram.Im Wat Chaiwatthanaram.Im Wat Chaiwatthanaram.Etwas außerhalb von Ayutthaya……als ich die Tasche des Teachers trug.Peeravit und ich gemeinsam beim Gebet.Die Ayutthaya World Heritage Fair.Das Freilichttheater… …mit echten Elefanten……und unzähligen Darstellern.Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya. Ayutthaya…völlig relaxed.
Auf dem Weg von Auroville nach Neu Delhi lege ich einen kurzen Zwischenstopp in Mahabalipuram ein. Ein kleines Dörfchen an der Ostküste Indiens, dass unter Steinmetzen, so wurde mir erzählt, auf der ganzen Welt bekannt ist. Tatsächlich reihen sich hier straßenweise Steinmetzbuden aneinander und jede von ihnen wartet mit wunderschönen Künsten auf. Der Grund für meinen Besuch ist der Rat von Einheimischen, die mir erzählten, dass auch die Landschaft um Mahabalipuram die Geschichte der Steinmetzkunst an diesem Ort erahnen lässt…
Direkt an der Küste gelegen… Mahabalipuram und die Kühe.
Nach weiteren zwei Tagen mit Ludek heißt es erneut “Goodbye” und während sich Ludek weiter Richtung Norden aufmacht, um dort einem Vipassana-Retreat beizuwohnen, fahre ich mit dem Local Bus ins zwei Stunden weiter südlich gelegene Kandy, die zweitgrößte Stadt der Insel.
Wie ich Kandy erreiche, erkenne ich sogleich eine seltsame Art von Beschaulichkeit, was mir sehr gut gefällt. Sicher, in Sri Lanka laufen die Uhren überall auf Hochtouren aber hier scheint jemand darauf zu achten, dass die Zeiger einigermaßen gleichmäßig die Runden drehen.
Der Zahntempel, the golden Canopy, ist sicher mit eines der wichtigsten Gebäude in Kandy und gleichzeitig der wichtigste buddhistische Platz in Sri Lanka, da er den Erzählungen nach einen der Zähne Buddhas beherbergt. Leider bleibt mir der Eintritt zum Tempel verwehrt. Am Wachpersonal komme ich noch vorbei, indem ich meine Schultern mit einem dünnen Pullover aus meinem Rucksack bedecke und ich fürs Verstecken meiner Knie den Sitz meiner kurzen Hosen im Gedenken an alte Zeiten unter meine Hüften ziehe. Baggy-Style. Als ich wieder einmal vor einem Kassenhäuschen stehe, an dem die Ausländer zur Kasse gebeten werden, werde ich jedoch stinkig und entscheide mich dazu, die umgerechnet etwa EUR 8,00 nicht zu bezahlen. Der Betrag möchte gering erscheinen, für mich ist es allerdings ein Drittel meines Tagesbudgets. Das Drittel eines Tagesbudgets, dass ich durchaus bereit bin zu zahlen, wenn ich nicht in 15-20 Minuten durch etwas hindurch gejagt werde und kaum zum Wahrnehmen bzw. Erleben komme. Nach all den Ländern, die ich bisher besucht habe, muss ich leider feststellen, dass Sri Lanka bisher am dreistesten ist, was das Kassieren von Eintrittsgeldern angeht.
Betrübt entschließe ich mich dazu, die St. Paul’s Kirche unweit des Zahntempels zu besuchen, um mich dort etwas abzureagieren und die Ruhe der alten, massiven Gemäuer, in denen normalerweise kaum Touristen anzutreffen sind, zu genießen. Und stehe vor verschlossenem Tor…
…was mir auf meinen Reisen bisher sehr positiv aufgefallen ist und worauf ich als Christ tatsächlich auch etwas stolz bin, ist die Tatsache, dass ich noch nirgends für den Besuch eines Gotteshauses hab ein Eintrittsgeld entrichten müssen. Getreu dem Motto: Gott bietet immer Zuflucht. Wer sich ein bisschen mit den massiven, aus schwerem Stein erbauten Gebäuden beschäftigt, wird sehr schnell feststellen, dass die Architektur, das Innendesign, die hohen Dachstühle, die farbigen Fenster und die schicken Heiligtümer eine unglaubliche Magie versprühen und oft regelrechte Kunstwerke darstellen. Kunstwerke, für die man teils durchaus Eintrittsgelder verlangen könnte, was mich jedoch, eben aufgrund des Grundgedanken, der hinter diesen Gebäuden steckt, sehr enttäuschen würde. Was ich leider häufiger feststelle, sind Öffnungszeiten und dadurch auch teils verschlossene Türen. Meist ist das Pfarrhaus allerdings nicht allzu weit von der Kirche entfernt und durch freundliches Fragen habe ich schon manch einmal wohlwollend den Hauptschlüssel mit der Bitte ausgehändigt bekommen, ich möge doch abschließen und den Türöffner wieder zurückbringen, wenn ich fertig bin. Hier in Kandy ist leider kein Pfarrhaus in der Nähe und das große Tor aus Metall ist provokativ zusätzlich mit einer schweren Eisenkette versperrt. Sehr schade…
Ich spüre Zorn in mir aufkommen durch so viel zunichte gemachten Plan und bin ziemlich niedergeschlagen, als mir ein Tor zwischen St. Paul’s Kirche und dem Gelände des Zahntempels ins Auge sticht. Ich gehe zu der etwas dickeren Frau in Uniform vom Typ Mama, die vor dem Eingang Position bezogen hat und frage sie, was sich hinter dem Tor verbirgt. Den Namen verstehe ich nicht, wenn ich meine Schultern bedeckt habe, darf ich allerdings kostenlos eintreten. Ich krame meinen dünnen Pullover wieder aus meinem Rucksack und durchquere das Tor.
Ein riesiger Buddhabaum erwartet mich auf der anderen Seite. Auf einer Art gemauertem Sockel, der im oberen Drittel fein säuberlich mit weißer Farbe verputzt wurde und zu dessen Plattform in etwa 3 Meter Höhe eine breite, steile Steintreppe führt, erstreckt sich der Gigant in alle Richtungen. Am Fuß des Baumes sitzt in einem kleinen Häuschen Buddha und begrüßt mit seinem entspannten Lächeln jeden, der die Stufen zum Baum erklimmt. Ich halte meine gefalteten Hände vor meine Stirn, verneige mich tief und beginne, um den großen Baum herumzugehen, bevor ich schließlich weitere Stufen emporsteige und nun direkt am Stamm stehe. Ich lege meine Hand auf das nasse Holz und genieße für einen Moment mit geschlossenen Augen die Ruhe. Ich schaue zur Baumkrone nach oben, sehe die alten, dicken Äste, die sich in alle Himmelsrichtungen erstrecken und von denen aus neuere, jüngere Äste das Geäst zunehmend verdichten. Die kleinen Knospen, die sich überall entlang der Äste befinden und sich darauf vorbereiten, den Baum in ein neues, schönes Blätterkleid zu hüllen, spiegeln den Kreislauf des Lebens wieder, der unaufhörlich voranschreitet. Ich sehe ein…zwei, drei…Eichhörnchen, die zwischen den Ästen umhertollen und höre allerlei Vögel über mir. Die pechschwarzen Raben, die sich um den Baum herum versammelt haben und geheimnisvoll schaudernd krächzen, bringen etwas übersinnliches mit in die Situation. Ein magischer Platz.
Ich beginne zu schmunzeln und spüre Freude in mir aufkommen. Oft lohnt es sich nicht, sich über etwas verbissen aufzuregen und den Kopf hängen zu lassen…im nächsten Moment hält das Leben manchmal schon etwas anderes Schönes, manchmal sogar etwas sehr viel Wichtigeres für einen selbst, bereit.
Im botanischen Garten.
Im botanischen Garten.
Im botanischen Garten.
Der Blick vom Buddhabaum.
Der Blick zum Buddhabaum und zur St. Paul’s Kirche.
Manchmal verlaufen Wege nur ein Stück weit getrennt voneinander, bevor sie sich dann doch nochmal überschneiden. Bei den Wegen von Ludek und mir ist das so. Nachdem wir uns vor in etwa einem Monat in Mandalay nach unvergesslichen Wanderungen durch Myanmar voneinander verabschiedet haben, treffen unsere Wege nun in Sri Lanka ein zweites Mal aufeinander. Unsere Routen sind gleich…und wir entscheiden uns spontan dazu, gemeinsam ein Stück weiter in den Norden zu ziehen.
Dambulla ist nicht besonders groß und blieb von den Touristenmassen bisher weitestgehend verschont, obwohl das Örtchen unmittelbar neben einigen sehr imposanten Sehenswürdigkeiten liegt. Sigiriya, Pidurangala, die Höhlentempel von Dambulla.
Trotz guter Empfehlungen lassen wir Sigiriya, the lion rock, aus. Zu teuer ist mir der Eintritt und zu hoch ist mir das Touristenaufkommen vor Ort. Ludek und ich entscheiden uns stattdessen, den Pidurangala zu besuchen und fahren für umgerechnet etwa 0,25€ von Dambulla an eine etwa einen Kilometer von Sigiriya entfernte, mitten im Nirgendwo gelegene, Bushaltestelle. Der vierzig minütige Aufstieg zum Gipfel des Monolithen ist nicht ohne, wird allerdings mit wenig anderen Besuchern belohnt. Wie wir oben ankommen, ist die Sicht zunächst eher bescheiden. Die Wolken hängen äußerst tief am Himmel und Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in den grauen Dunst. Als wenig später schließlich prompt starker Wind einsetzt und über die Ebene hinweg bläst, vertreibt dieser auch die Wolken und die Sicht wird klarer. Mitten aus dem Nichts heraus erscheint Sigiriya klar vor uns und das flache Umland erstrahlt in den verschiedensten Grüntönen…beeindruckend, was die Natur so alles erschaffen hat und beeindruckend, wie mächtig Wind ist. Den größten Respekt vor Aiolos.
…das Erste, was uns bewusst wird, als wir die Stufen zu den Höhlentempeln von Dambulla hinaufsteigen, ist zweifelsohne, dass es hier Affen gibt. Sie sitzen links und rechts des Weges, hangeln sich von Baum zu Baum oder posen arrogant inmitten des Weges. Fotografieren lassen sie sich, beachten tun sie dich aber keines Blickes. Zumindest nicht aus unmittelbarer Nähe…ich beobachte sie, wie sie uns aus sicherer Entfernung mit ihren wachen, braunen Augen verfolgen. Augen so unfassbar ähnlich den unseren. Ich beobachte sie, wie sie mit ihren winzigen Händen und flinken Fingerchen umgehen, wie sie eine Banane schälen, wie sie das Ungeziefer im Fell des Nachbarn herauspulen, wie sie Gegenstände in die Hand nehmen und fachmännisch auf mögliche Verwendungszwecke hin inspizieren. Faszinierende, kleine Kerlchen.
Vor den Höhlentempel empfängt uns Besucher zunächst ein Buddhabaum, eine Pappelfeige. Ein mächtiger, wunderschöner Baum, der seine Äste in alle Richtungen weit ausstreckt und mich aufgrund seiner Größe und Bedeutung in seinen Bann zieht. Die Höhlentempel von Dambulla sind über verschiedene kleine Pforten erreichbar und beherbergen unterschiedliche Buddha-Statuen, die stehen, sitzen und auch liegen. Die Wände und auch die Decke über unseren Köpfen ist mit allerlei Inschriften und Porträts bemalt. Ich hatte gehofft, mich hier etwas zurückziehen zu können, die Magie des Ortes ein wenig genießen und ein Stück weit in mir aufnehmen zu können. Doch wo viele Menschen sind, hält auch Lautstärke und Unruhe Einzug. Und die Temperatur in den kleinen Katakomben ist schwül; mir beginnt der Schweiß von der Stirn zu tropfen…
Dambulla ist größentechnisch und auch das Klima betreffend nicht vergleichbar mit Colombo. Aber es liegt das gleiche Flair in der Luft…es ist laut und es geht hektisch zu…eine Mischung aus geschäftigem Treiben und stressigem Durcheinander. Sind manche Dinge vielleicht doch nicht ganz so verschieden zum großen Nachbarland im Norden Sri Lankas? Wie auch immer…hinter jedem Chaos steht ein System…und es scheint zu funktionieren.
Auf dem Weg zu Pidurangala’s Gipfel
Kabelbinder, Spax und Panzertape halten die Welt zusammen…kleine Äste und Steine sorgen an den richtigen Stellen offenbar für den nötigen Abstand.
…Sigiriya sowie das Umland des Pidurangala hüllen sich in grauen Dunst.
…und dann erscheint Aiolos mit Euros und Apheliotes.
Der Buddhabaum vor der Höhlentempeln von Dambulla.
Einer der Eingänge zu den Höhlentempeln von Dambulla.
Mein nächstes Reiseziel ist Sri Lanka. Klein und unscheinbar südöstlich von Indien gelegen, sollte man meinen, es unterscheide sich nicht allzu sehr von seinem großen Nachbarn, was laut vieler Meinungen ein Trugschluss ist. “Same, same, but different”, lautet auch hier die Devise. Im Moment kann ich das noch nicht beurteilen…
In Colombo gelandet, muss ich zunächst feststellen, dass die Hauptstadt nicht allzu viel zu bieten hat. Groß, verkehrsbelastet, heiß. Schade. Auf meinen Reisen habe ich schon viele Städte wie Colombo gesehen…Georgetown, Mandalay, Vientiane…und meine Gedanken schweifen ab: Hanoi…Chiang Mai…Bangkok.
Ich hab knapp 3 Wochen Zeit bis zu meinem Weiterflug nach Madurai.
Zeig was du hast, Sri Lanka…
Erinnert mich im ersten Moment irgendwie an russischen Zupfkuchen…ich liebe russischen Zupfkuchen! Und der hier ist ganz bestimmt noch warm…
Wohlgemerkt die Aussicht von einem Hostel aus… #islandhostelmountlavinia
Etwa 70% der Bevölkerung sind Buddhisten…
Hier mischen sich indische und südostasiatischen Besonderheiten…
Nach sieben Tagen in der malaysischen Hauptstadt, entscheide ich mich dazu, wenigstens noch nach Penang weiterzufahren, um ein bisschen mehr von Malaysia zu sehen.
Penang liegt an der Westküste von Malaysia an der Straße von Malakka und gehört mit der großen Stadt Georgetown im Nordosten der Insel zu den touristischen Orten in Malaysia. Im Moment ist besonders viel los; in Georgetown leben viele Chinesen und morgen beginnt das chinesische Neujahrsfest…
Good Morning, Penang…oder besser Planet Hoth?
Streetart in Penang.
Kek Lok Si-Tempel, Penang
Georgetown…
happy chinese new year!
Ein gutes Frühstück ist reichhaltig…oder war das andersrum?
Yangon in Myanmar. Ehemals Rangon in Birma. Meine vorerst letzte Station in Myanmar. Ein wundervolles Land, dass mich wirklich verzaubert hat…vielleicht auf bald…und jetzt erstmal weiter nach Malaysia.
Seit meiner Zeit in Mandalay ist bereits eine Woche vergangen, in der mich mein Weg über “Inle Lake” weiter Richtung Süden, nach Yangon geführt hat. Nach einem kurzen Zwischenstopp von einer Nacht in Yangon, bin ich gestern Mittag dann mit dem Bus spontan nochmal direkt ins 200 Kilometer (und durch die Straßenverhältnisse 5 Stunden!!!) entfernte Kinpun weitergefahren, dass am Fuße eines Berges liegt, auf dessen Gipfel sich der goldene Felsen befindet. Der goldene Felsen, the golden rock, ist mit das mächtigste buddhistische Heiligtum in Myanmar und jährlich pilgern Tausende von Buddhisten zu diesem heiligen Ort, den ich auf Anraten anderer Backpacker gerne bereits zu einem Sonnenaufgang besuchen möchte. In Kinpun angekommen, musste ich zunächst feststellen, dass der Tourismus hier zwar Einzug erhalten hat, sich dieser aber wohl eher auf den Tag konzentriert. Lediglich eine Handvoll Hotels und Herbergen sind hier ansässig und die Preise sind bereits im Tal, am Fuße des Berges zum Golden Rock hin, durchaus denen von Bagan ebenbürtig. Auf dem Gipfel des Berges, nahe dem goldenen Felsen liegt das Örtchen Kyaiktiyo, in dem es ebenfalls Unterkünfte gibt, deren Kosten für eine Nacht allerdings wohl nochmal deutlich höher liegen, wodurch ich an meiner ursprünglichen Idee festhielt und mir in Kinpun eine Unterkunft für die Nacht suchte. Laut meinen Informanten aus Yangon und auch einer hilfsbereiten Rezeptionistin in Kinpun vor Ort fahren jeden Morgen die Busse noch vor Sonnenaufgang zum Gipfel hoch, wodurch es für mein Vorhaben keine Probleme geben sollte. Nachdem ich in einer 12,-USD-Absteige eingecheckt hatte, bei der sich die Toilette sowie der Wasserschöpfer zum Duschen hinter dem Haus befanden und die Matratze einer mit Stoff überzogenen Ansammlung von Metallfedern glich, erkundigte ich mich im Dorf darüber, wo am nächsten Morgen ab 6.00Uhr die Shuttles zum goldenen Felsen abfahren und buchte außerdem direkt noch ein Rückfahrticket nach Yangon für den Folgetag. Und dann legte ich mich auch bald schon schlafen…
…05.15Uhr. Wieder einmal klingelt der Wecker zu früh, doch ich muss raus. Kurz über den Innenhof hinters Haus zum Bad marschiert und anschließend mein Hab und Gut zusammengepackt, verlasse ich um kurz nach halb 6 mein “Family Guesthouse” und mache mich Richtung Shuttle-Station auf. Wie ich an der Station ankomme, stehen die Shuttles, große LKWs mit Aluminium-Aufbauten hinter der Fahrerkabine, auf deren festgeschraubten Metall-Sitzbänken Platz für jeweils etwa 50 Personen ist, bereits in den Startlöchern. Von überall her strömen verschlafene Menschen aus dunklen Ecken, aus Hoteleingängen und auch schon von vereinzelten Reisebussen zu dem von mir angestrebten Ziel; damit habe ich nicht gerechnet. Entsprechend geht es auch auf den LKWs zu: Ich werde zügig zu einem der großen Fahrzeuge gewunken und finde gemeinsam mit vier anderen Männern Platz auf der hintersten Bank. Für meinen Geschmack ist das Fahrzeug nun voll und wir sind bereit zur Abfahrt…nach verschiedenen anderen Fahrten sollte ich es aber doch inzwischen besser wissen. Kaum habe ich fertig gedacht, kommt eine Gruppe von etwa 10 Personen, Männer sowie Frauen mit Babys auf den Armen, ans Fahrzeug und wird unter “Da passt schon noch einer rein”-Blicken des Einweisers auf die einzelnen Sitzreihen des LKW-Aufbaus aufgeteilt…in der letzten Reihe sind wir nun 7. Im Buddhismus steht die 7 für Glück. Hätte ja auch noch ein 8ter Passagier dazukommen können.
Die Fahrt beginnt und während sich der Himmel langsam gräulich färbt, holpern und poltern wir, über Schlaglöcher hinweg, Richtung Golden Rock. Die Sicht auf die Straße vor uns ist uns durch das LKW-Führerhaus versperrt, wodurch der eigentliche Streckenverlauf eine Überraschung bleibt. Plötzlich stoppen wir und während Marktfrauen beginnen, ihre Waren darzubieten und einige Gläubige mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wird der Fahrpreis kassiert. Und dann stehen wir. Die Urnen rasseln, die Marktfrauen rufen, der Himmel färbt sich langsam rose. Nach etwa 10 Minuten geht es weiter und ich denke mir noch, jetzt muss es zügig gehen, als wir auf einer Art Standstreifen vor einer kleinen, lokalen Gaststätte wieder stoppen. Unser Fahrer verlässt das Führerhaus, schlägt die Tür hinter sich zu und nichts. Wir stehen. Hinter uns stoppt ein weiterer LKW und der Fahrer tut es Unserem gleich. Ich sehe, wie er in die kleine Gaststätte eintritt und im Hinterzimmer verschwindet. Trinken die etwa Kaffee, während die Passagiere auf den voll besetzten LKWs sitzen? Die haben ja wirklich die Ruhe weg…
Unser LKW steht unter einem Dach, wodurch ich den Himmel nicht sehen kann, das Licht meiner Umgebung verrät mir allerdings, dass der Sonnenaufgang bereits in vollem Gange ist. Ich bin traurig und sauer zugleich, dass mein Vorhaben durch einen Kaffeetrinkenden Shuttle-Fahrer vereitelt wurde (und selbst beim Korrekturlesen ein paar Tage später kocht die Wut wieder in mir hoch!). Nach etwa 15 Minuten kommt unser Driver endlich wieder zurück und startet den Motor. “Ich hoffe, dein Kaffee hat geschmeckt, du blöder Aff!”. Was nun folgt, erinnert mich an Achterbahnfahren oder einen Flugsimulator: Unser Fahrer gibt Gas und beginnt die steilen, schmalen Sträßchen zum goldenen Felsen emporzusteigen, die dann in regelmäßigen Abständen auch wieder sehr steil abfallen. Wie eine Schlange windet sich unser Weg um den Berg herum nach oben. Von meinem Platz auf der letzten Bank (Im Bus ganz hinten, Baicco!) kann ich den Fels zu meiner Linken sehen und erahne den Abhang zu meiner Rechten. Was den Weg vor mir angeht, so sehe ich nur die extremsten Stellen über das Fahrerhaus, nämlich wenn der LKW mit voller Geschwindigkeit die Absenkungen hinunterrauscht. Rausfallen kann bei dieser Höllenfahrt freilich keiner; zu eng sind wir auf den unbequemen Metallbänken aneinandergequetscht. Um kurz vor 7AM erreichen wir schließlich endlich die Bergstation und ich sehe die Sonne. Wunderschön und groß steigt sie vor mir aus dem nebelverhangenen Tal herauf und beginnt in diesem Moment, wie ich sie sehe, damit, die Welt zu erleuchten. Auf diesen Moment kam es mir an! Mir fehlen die Worte!
Mit der Sonne im Rücken mache ich mich auf Richtung Golden Rock, der in etwa 1000 Meter vor mir liegt. Von der Shuttle-Station aus führt eine breite Straße durch das Dörfchen Kyaiktiyo zum Golden Rock hin, die zu beiden Seiten mit Verkaufsständen übersät ist. Allerlei Essen, haufenweise Souvenirs und eine Vielzahl an verschiedensten rituellen und religiösen Schmuck- und Dekorationsgegenständen werden hier zum Kauf dargeboten. Eine Vielzahl von Mönchen unterschiedlicher Glaubensorden kreuzen meinen Weg, junge Novizen durchstreifen die Straße auf der Suche nach Spendengaben, alte Gelehrte sprechen laut Mantras oder klopfen mit kleinen Stäben auf Klangscheiben, um den Vorbeieilenden Glück zu spenden. Es ist so früh am Morgen und trotzdem sind die Straßen hier bereits voll. So viele Menschen.
Wie ich am Golden Rock ankomme, kann ich die Magie des Ortes spüren. Groß erstreckt sich der Koloss vor mir und auf der Fläche um den Felsen herum knien unzählige Gläubige, die in Richtung des heiligen Monuments beten. Der Legende nach befinden sich unter dem Golden Rock zwei Haare vom Kopf des Buddha, die den Stein im Gleichgewicht halten. Zu Ehren Buddhas werden bündelweise Kerzen entzündet, Blumensträuße dargelegt, Gebete gesprochen, Verbeugungen über Verbeugungen durchgeführt. Ein Rundweg führt um den goldenen Felsen herum und wie ich ihn entlang gehe, eröffnet sich mir zusätzlich ein wundervoller Blick auf die Berglandschaften außenrum. Ich sehe Pilger, andächtig Betende und Mönche von überall her. Einen Mönch, der sich an einem Selfie versucht, frage ich höflich, ob ich ihm helfen darf, um den Golden Rock hinter ihm vollständig mit aufs Bild zu bekommen und wir kommen ins Gespräch. Er ist aus Hsipaw im Norden und besucht mit einer Hand voll weiterer Glaubensbrüder aus seinem Kloster erst Kyaiktiyo und dann Yangon. Wie ich ihm Bilder von meinem Trek und Arnoon’s Dorf zeige, erkennt er die Orte prompt wieder…das ist witzig. Ich plaudere ein wenig mit einem seiner Weggefährten und ihm, während wir den Rundgang um den Felsen weitergehen; die Einladung zum Frühstück lehne ich dann leider dankend ab, da mein Bus zurück nach Yangon um 10.00Uhr startet.
Bevor ich mich endgültig zum Busterminal aufmache, möchte ich dem Felsen und mir allerdings die große Ehre erweisen und stelle mich in die Schlange vor den Metalldetektor. Der Bereich vor dem Felsen ist circa 5 Meter weit abgesperrt und nur über eine kleine Brücke erreichbar. Jeder männliche Besucher, der in diesen Bereich eintreten möchte, muss sich erst einer Kontrolle durch das Sicherheitspersonal unterziehen und Frauen ist das Betreten des inneren Bereichs leider völlig untersagt. Ich gebe meinen Rucksack beim Wachpersonal ab, gehe durch den Metalldetektor und wandle fromm, nach einem bestätigenden Nicken von einem der Sicherheitsmänner, weiter zum Stein. Mächtig erstreckt er sich vor mir in Richtung Himmel und die Schicht aus Blattgold, mit der der Felsen überzogen ist, schimmert majestätisch in der Morgensonne. Aus einem Meter Entfernung kann ich genau erkennen, wie nahe der runde Felsblock auf dem steinernen Untergrund, direkt am Abgrund liegt…so nah…nur ein kleiner Schubser und…und doch viel zu schwer, um jemals bewegt zu werden und dadurch über Buddha’s Haare hinweg runterzufallen. Ich habe Glück, denn es sind nur ganz wenige Menschen um das Heiligtum versammelt und der Weg vor mir ist frei. Ich gehe ganz dicht an den Riesen heran und lege meine flache Hand auf die kühle, raue Oberfläche. Ich schließe die Augen, atme tief ein und aus und halte einen Moment inne. Ein magisches Gefühl, etwas so Heiliges, etwas so Uraltes zu berühren…
Es ist etwa 08.40Uhr, als ich schließlich am LKW ankomme und gemeinsam mit den beiden Mönchen in der ersten Reihe Platz nehme, die ich am goldenen Fels kennengelernt und auf dem Rückweg durch Kyaiktiyo dann prompt wieder getroffen habe. Der Truck füllt sich langsam…ein Blick auf die Uhr; 08.55Uhr…voll. Normalerweise genießen die Mönche hier in Südostasien ein besonderes Ansehen und niemandem ist es gestattet, den Geistlichen selbst oder dessen Robe zu berühren. Die Geistlichen werden bevorzugt und die Geistlichen haben ihre etwas von der Allgemeinheit abgeschotteten Sitzplätze und Aufenthaltsräume. Anders hier…wir werden alle regelrecht aufeinander geschoben, wie Vieh zusammengepfercht. Einziges Ziel: Möglichst viel Umsatz. Während ich mich anfangs noch darauf gefreut habe, in Kinpun gemütlich einen Kaffee zu trinken, freue ich mich inzwischen darauf, dass Geld für einen Kaffee gespart zu haben, da die Uhrzeiger weiterlaufen, der volle Truck aber steht und vom Fahrer jede Spur fehlt. Um 09.10Uhr geht’s endlich los; die Fahrtzeit ist mit 30 Minuten angegeben. Genug Zeit, denke ich. Wie bereits auf dem Hinweg fliegen wir die Serpentinen regelrecht hinunter; mich drückt es links gegen den Mönch, mich drückt es rechts gegen den Mönch; und dann bleiben wir prompt stehen. Vier oder fünf andere LKWs versperren vor uns die Straße, alle mit Passagieren voll beladen, einer hat irgendwas an der Achse. Nichts geht voran…irgendwann schau ich auf die Uhr; noch 20 Minuten bis 10. 20 Minuten bis mein Bus nach Yangon fährt. Bis wir uns wieder in Bewegung setzen, vergehen unzählige Minuten und wie ich mir gerade ausmale, dass ich den Bus nur sehr knapp erreichen werde, stoppen wir erneut. Wieder die Gläubigen, die mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wieder die Marktfrauen, die ihr Habe anbieten und dieses Mal völlig abartig allerlei Spielzeugwaffen für Kinder hochhalten. Mit einem Blick auf die Uhr wird mir bewusst: Ich verpasse meinen Bus. Erneut vom Schicksal vorgeführt, abermals trotz reichlicher Bemühung nicht entlohnt und stattdessen von übermenschlichen Kräften gepeinigt. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es bei etwaigen Verspätungen meiner Person in der Vergangenheit, die es ohne jeglichen Zweifel gab und die ich in keinster Weise bestreiten möchte, meist nicht mein Verschulden war! Vielmehr wurden mir von der Vorbestimmung Steine in den Weg gelegt, die ich kaum zu umgehen vermochte. Ich als das Spielzeug der Gestirne.
Aber nicht dieses Mal! Im Land des Buddha meint es offenbar etwas jenseits meiner Vorstellungskraft gut mit mir! Der Bus setzt sich prompt und ohne Vorwarnung wieder in Bewegung, fliegt regelrecht die restlichen Kilometer in Richtung Dorfzentrum Kinpun, passiert die Kontrollstation am Ortseingang geschwind wie der Wind und kommt um 10.05Uhr Ortszeit 500 Meter von der Busstation entfernt zum Stillstand. Der junge Mann, der mir am Vorabend noch das Ticket verkauft hatte, steht neben der Treppe, über die die hinteren Passagiere bereits vom Lastwagen steigen und ruft fragend nach “Yangon, Yangon”. Wie er mich erkennt ,wedelt er grinsend mit einem Zettel in der Hand und als ich endlich vom Truck gestiegen bin, begleitet er mich mit großen Schritten zum auf mich wartenden Fernreisebus. Sitz 4A. Ich glaube es kaum. Geschafft! Auf nach Yangon…
Es sieht ruhiger aus, als es ist…die Shuttle-Station um kurz vor 6.00Uhr.