Nach einem kurzen, eintägigen Zwischenstopp in Auckland bin ich direkt weiter nach Matamata gefahren, von wo aus ich heute nach Hobbiton, zu deutsch Hobbingen, aufbreche. Hobbiton liegt etwa 30 Minuten außerhalb von Matamata auf dem Gelände einer großen Farm und diente seinerzeit als Drehort für die Heimat von Bilbo und Frodo Beutlin, Sam Gamdschie, Merry Brandybock und Pippin Tuk. Die Heimat der Hobbits aus dem Auenland, Charaktere und Schauplatz aus den Filmtrilogien “Der Herr der Ringe” und “Der Hobbit”, wurde für die jeweiligen Dreharbeiten aufwändigst und unter Berücksichtigung etlicher Details in die Landschaft eingebettet und ist der einzige Drehort, der nach Abschluss der Dreharbeiten nicht zurückgebaut und wieder in den Originalzustand versetzt wurde.
Der Besuch von Hobbiton ist nur im Zuge einer Tour möglich, für die ich mit dem Bus in Matamata abgeholt werde. Wie ich vor dem Informationszentrum in Matamata stehe und auf den Bus warte, lerne ich Claudia aus Wales kennen, die ebenfalls die Tour mitmacht. Wir verstehen uns auf Anhieb sehr gut und sitzen schließlich auch im Bus nebeneinander, sprechen über unsere bisherigen Reiseerlebnisse, diskutieren über die Vor- und Nachteile von Neuseeland gegenüber zuhause.
Wie wir in Hobbiton ankommen, verlassen wir den Bus und folgen unserem Tourguide, Leonie aus “Germany”, einen schmalen Kiesweg entlang um einen kleinen Hügel herum. Hinter dem Hügel eröffnet sich uns der Blick…ins Auenland. Ich realisiere es im ersten Moment überhaupt nicht und schaue zu meiner Rechten, wo Claudia steht, nachdem ich ihr geflüstertes “oh my god” höre. Sie steht da mit den Händen auf den Wangen, die weit aufgerissen Augen geradeaus gerichtet. Und dann ist meine Wahrnehmung wieder da. Da ist der große Baum und der Festplatz. Hier sind die Fenster einer Hobbithöhle zu sehen. Dort ragt ein kleiner Kamin aus dem Hügel und daneben hängen kleine Kleidungsstücke auf einer zwischen zwei Holzstöcken gespannten Wäscheleine. Wie in einem Kessel liegt Hobbingen vor mir, eingebettet in unterschiedlich hohen Grashügeln und ist durchzogen von kleinen Pfaden und überall sind bunte, runde Haustüren mit hübschen Vorgärten davor zu sehen. Und hoch oben an der höchsten Stelle, in der Mitte des kleinen Kessels, steht ein großer Baum, der mir bekannt vorkommt und darunter befindet sich eine grüne, runde Türe, die mir vertraut ist. Die Haustür zur Höhle der Beutlins. Obwohl überall kleine Menschengrüppchen zu sehen sind, komme ich mir vor wie im Film. Bis auf die fehlenden Hobbits ist hier alles genauso, wie man es sich vorgestellt hat. Unglaublich!
ABER: Ich muss an dieser Stelle vermerken, dass ich vom Konzept des Veranstalters sehr enttäuscht bin. Der Besucher wird trotz des hohen Preises zügig durch das Areal gedrängt, wodurch man sich zu Beginn der Tour entscheiden muss, ob man am Anfang der Gruppe läuft und den Erzählungen des Tourguides folgt oder sich ans Ende der Gruppe setzt, um das ein oder andere Foto zu schießen, ohne andere Besucher im Bild zu haben. Am Ende der Tour bekommt man im Gasthaus “Green Dragon” dann noch ein Bier spendiert, für das einem zwanzig Minuten eingeräumt werden; bewundert man das Gebäude zunächst noch von außen und schießt das ein oder andere Foto, kommt das spendierte Bier genießen einem Wettexen gleich. Schade!


























