…nachdem ich gestern Abend noch ein Stück weit die Küste in Richtung Süden entlang gefahren bin, steuere ich heute in Richtung Westen. Bevor mich meine Route weiter entlang der Küste führt, mache ich einen Abstecher ins bergige Hinterland, wo einzigartige Bergseen auf mich warten sollen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich Neuseeland hinter jeder Kurve neu erfindet und die Landschaft aufgrund der vielen verschiedenen Höhenmetern auf engstem Raum unterschiedlichste Facetten bietet. Und so ist es schließlich auch. Ich fahre in meinem Van die kurvige Landstraße entlang und an meinen Seitenfenstern ziehen dunkle Nadelwälder, tiefe Täler und karge Ebenen vorbei, die sich bis zum Horizont zu erstrecken scheinen, während der kühle Südwind an meine Beifahrertür hämmert und im Radio der Woodkid-Song “run boy run” gespielt wird.
Wie ich den Lake Tekapo schließlich erreiche, staune ich nicht schlecht. Er ist größer als ich gedacht habe und das Panorama ist überwältigend. Über einen Campingplatz-Navigator, den ich mir in Christchurch vor meinem Aufbruch auf mein Smartphone geladen habe, finde ich einen etwas abgeschiedenen und sehr günstigen Campingplatz, den ich mir näher anschauen möchte und fahre über ein unscheinbares Sträßchen weiter ins Hinterland, wodurch ich den See aus weiteren Perspektiven zu sehen bekomme, was mein Gesicht zum Strahlen bringt. Autos kommen mir inzwischen keine mehr entgegen und plötzlich verwandelt sich die asphaltierte Straße in eine staubige Schotterpiste. Mein Hunger nach Abenteuern ist zwischenzeitlich wieder vollständig erwacht und so lasse ich mich hiervon natürlich nicht aufhalten…und erreiche den kleinen Lake Alexandrina. Das Tor des Campingplatzes, der sich unmittelbar neben dem Gewässer befindet, ist weit geöffnet und die Wohnwagen klassischer Langzeitcamper stehen akkurat nebeneinander, von Menschen fehlt jedoch jede Spur. Einzig zwei kleine Wildkaninchen grasen im Eingangsbereich, springen allerdings panisch davon, als sie mich wahrnehmen und zwei Enten watscheln gemütlich schnatternd an mir vorbei. Bei genauerem Hinschauen, sind die Wohnwagen offenbar noch eingewintert, laut einem großen Schild neben dem Tor ist der Platz allerdings schon seit Anfang September geöffnet, wodurch ich in meinem Van langsam in den Platz hinein rolle und mein Fahrzeug unweit der Sanitäranlagen positioniere. Ein schlechter Horrorfilm könnte durchaus so anfangen…
Glücklich, endlich den Platz für die Nacht gefunden zu haben, schlendere ich mit einer Dose Bier und meiner Kamera ans Ufer des Lake Alexandrina, der im Sommer, den zahlreichen Booten im Uferbereich nach, ein beliebter Ort für Angelausflüge zu sein scheint, setze mich auf ein Bänkchen direkt am Wasser und öffne den Dosenverschluss passend zum Sonnenuntergang.
Der Ort, der sich im Zentrum eines kleinen Naturschutzgebietes befindet und der Augenblick, den ich ohne eine andere Menschenseele um mich herum genießen darf, sind in Verbindung miteinander etwas ganz besonderes. Ich spüre Frieden in mir.








Deine Fotografien sind so sagenhaft überwältigend, da könntest echt ne Vernissage machen! Wunderschöne Natur und Umgebung!!!!!!
Schön, dass dir die Bilder gefallen :-*