Nachdem gestern Abend keine Fähre mehr von Picton nach Wellington übergesetzt hat, als ich am Fährhafen angekommen bin, habe ich die Nacht über nochmal auf der Südinsel verbracht und nehme heute Morgen das erste Schiff nach Wellington.
Der Morgen ist kalt und stürmisch, die Nacht über hat es geregnet und schwere Gewitterwolken bedecken den Himmel, als ich am Fährhafen ankomme. Ich werde entsprechend meiner Wagenlänge und meines Gewichtes klassifiziert und warte mit meinem Fahrzeug in der Spur 4 schließlich auf weitere Instruktionen. Die Einweiser der Fähre koordinieren die klassifizierten Fahrzeuge der insgesamt 12 Spuren auf die 3 Stockwerke des gigantischen Schiffes und nach einer Stunde hat jedes Fahrzeug einen Platz gefunden. Pünktlich auf 9.00 Uhr legen wir ab. Das Wasser ist trotz des Windes überraschend ruhig, auf den beiden Außendecks zieht es allerdings unerträglich und ich verbringe den Großteil der gut 3 stündigen Fahrt im beheizten und geräumigen Inneren.
Angekommen im Hafen von Wellington, fahre ich direkt in die Stadt und parke auf einem großen Parkplatz in Zentrumsnähe. Aufgrund des eisigen Wetters, dass sich offenbar gerade überlegt, ob es zu regnen beginnen soll, entscheide ich mich spontan für einen Besuch des Nationalmuseums in der neuseeländischen Hauptstadt und widme mich der Kultur statt die Innenstadt zu erkunden.
Als ich am Ende der Ausstellung im zweiten von insgesamt sechs Stockwerken angekommen bin, in der ich etwas über die Maorikultur lernen durfte, erlebe ich ein neues “Abenteuer”. Ich steuere gerade auf einen kleinen Kinosaal zu, als ich prompt das Gefühl habe, schwammige Beine zu bekommen und vernehme ein leichtes Grollen in meinem Ohr. Ich halte kurz inne und lausche. Nichts mehr. Was war das denn? Habe ich mir da grad etwas eingebildet?
Ich betrete den kleinen Kinosaal und sehe, dass hier eine Maori-Dokumentation gezeigt wird, in der gerade ein Ureinwohner über sein Land spricht. Ich werfe einen Blick auf die vereinzelten Leute im etwa 30 Sitzplätze großen Saal, als das Grollen wieder zu hören ist. Dieses Mal lauter, irgendwo aus den Tiefen des Gebäudes beziehungsweise von irgendwo unter mir. Und ich bilde es mir nicht ein, wie ich an den großen, erstarrten Augen einer dunkelhaarigen Frau erkennen kann, die meinen Blick mit wartendem Gesichtsausdruck erwidert. Dann beginnt der Boden leicht zu zittern. Die Sitze im Saal quietschen leise, die Bilder zu meiner Rechten wackeln und die Rahmen klopfen gegen die Wand, an der sie befestigt sind. Ich halte die Luft an. 5 Sekunden, 6 Sekunden, 7 Sekunden, dann ist es still. Ich bin angespannt, nervös, weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich entscheide mich, in das Erdgeschoss zu gehen. Wie ich unten ankomme, schaue ich zurück und sehe viele Leute, die offensichtlich die gleiche Entscheidung für sich getroffen haben. Eine große Menschenmasse drängt sich die Stufen runter. Ich begebe mich nicht nach draußen; ich entscheide mich, in den Souvenirladen des Museums zu gehen, weil ich prompt das starke Bedürfnis verspüre, unter Menschen zu sein. Hier ist bereits wieder Ruhe eingekehrt und lediglich die beiden jungen Kassiererinnen tuscheln noch aufgeregt miteinander. Es bleibt ruhig. Und ich konzentriere mich auf die hübschen Andenken, die man hier erwerben kann.
Jeden Tag finden durchschnittlich vier Erdbeben auf den beiden Inseln Neuseelands statt. Die meisten von ihnen sind so schwach, dass sie von den Bewohnern der Insel nicht wahrgenommen werden.













