Das schummrige Licht, das zwischen den Gardinen meines Vans hindurchdrückt, verrät mir bereits, dass kein Sommertag auf mich wartet. Ich strecke mich noch einmal so gut man sich in einem Van bei einer Körpergröße von 1.90 Meter eben strecken kann, schlage die warme Decke zurück und öffne die linke Schiebetür. Kalte Morgenluft strömt mir entgegen und ich erinnere mich augenblicklich daran, dass ich eine Fleecejacke im Auto habe. Ich habe die letzte Nacht auf einem Parkplatz am Ufer des Lake Pukaki verbracht, der diesen Morgen unruhig Wellen in Richtung Steinstrand schiebt. Es regnet.
Ich lass das Auto kurz auslüften und verstaue mein Bettzubehör im hinteren Teil des Wagens; das Frühstück verschiebe ich heute auf einen späteren und vielleicht etwas gemütlicheren Zeitpunkt. Für heute habe ich einen Ausflug ins hintere Bergland, in den Aoraki/Mount Cook National Park, geplant, wo der Hooker Valley Track zum Hooker Lake am Fuße des Mount Cook führt. Der Mount Cook, in der Maori-Sprache Aoraki genannt, ist mit 3.754 Metern der höchste Berg Neuseelands und gleichzeitig Australasiens. Hoffentlich hört der Regen später auf…
…hört er nicht! Nach einer guten Stunde Autofahrt erreiche ich den Parkplatz, von wo aus der Track startet und das Wetter ist unverändert schlecht. Ich überlege einen kurzen Moment, ob ich mein Vorhaben verschieben soll, entscheide mich aber schließlich, den Walk durchzuziehen, da ich extra hierfür hergefahren bin und sich die Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt ohne größere Umwege zu fahren, nicht mehr ergeben wird. Ist ja eigentlich auch nur Wasser. Also los!
Eingepackt in meine Regenjacke gehe ich los, mein Frühstück in Form belegter Brötchen und einer Banane als Wegproviant in meinem Rucksack verstaut, der ebenfalls in eine wasserundurchlässige Hülle gepackt ist. Unter der Gürtellinie trage ich eine kurze Hose…die wird weniger feucht als eine lange Hose. Der Weg führt mich einen schmalen Fußpfad entlang, der sich vom Landschaftstyp her durch eine klassische Bergtundra zieht, die zu beiden Seiten von hohen Bergmassiven umgeben ist. Zu meiner linken Seite schlängeln sich schmale Bergseen mit azurblauem Wasser und dreimal kann ich meine Tour nur dank riesiger Hängebrücken fortführen, da mich diese sicher über tiefe Schluchten geleiten, die sich im zickzack durchs Gelände ziehen. Das trübe Wetter trübt leider auch den Blick und so marschiere ich großteils durch eine von Nebelschwaden durchzogene Schlechtwetterfront, die das ganze Terrain nur umso gespenstischer erscheinen lässt, was vielleicht aber auch gerade den besonderen Charme ausmacht.
Nach etwa 90 Minuten erreiche ich schließlich den Hooker Lake und lasse mich von der besonderen Aura faszinieren. Eingebettet zwischen steilen Felswänden ruht er still vor mir und lässt den kühlen Nieselregen über sich ergehen. Was den größten Berg Neuseelands angeht, so wurde mir bereits im Voraus prophezeit, dass ich vermutlich nicht allzu viel von ihm sehen werde, da sich der Gigant die meisten Tage des Jahres inmitten einer dichten Nebelbank versteckt hält. Aoraki bedeutet übersetzt übrigens “der die Wolken durchbohrt”.
Trotz des Wetters halte ich einen Moment inne, setze mich auf einen großen Stein in Ufernähe und genieße mein Frühstück.








