Neuseeland, Oamaru

Ich fahre zurück Richtung Ostküste und lasse das Hochland fürs Erste hinter mir. Bevor mich das Gefälle des State Highway Nummer 8 spürbar zurück in die Küstenregion hinab führt, passiere ich das Königreich Gondor oder zumindest die Pelennor-Felder, auf denen einst die große Schlacht zwischen der Armee Mordors und dem letzten Widerstand der Menschen ausgetragen wurde. Die Original-Drehorte für diese Szenen des Filmepos “Herr der Ringe” liegen leider auf dem Privatgelände einer großen Schafs- und Milchfarm und sind von der Straße aus nicht zu sehen. Mir reicht es allerdings auch schon nur zu wissen, dass es sich hier irgendwo vor mir zugetragen hat…und mein Blick wandert verträumt über das Gebiet vor mir.

Die Abfahrt wird steiler und das Gelände verändert sich. Die Struktur wird wieder runder, hügeliger, die Wiesen werden grüner und sind mithilfe von klassischen Lattenzäunen aus Holz liebevoll zu Quadraten abgesteckt, auf denen in regelmäßigen Abständen, Schafe, Kühe oder vereinzelt auch Pferde grasen. Zwischen den Hügeln kommen immer wieder vereinzelte Bauernhöfe zum Vorschein und passend zu dieser Szenerie kommt nach Tagen wieder einmal richtig die Sonne raus. Diese Bilderbuch-Landschaft sprüht eine unglaubliche Harmonie aus und ich werde unweigerlich an einen anderen Film erinnert, in dem der Hauptdarsteller ohne wenn und aber aus dieser Gegend zu stammen beziehungsweise sein Hof hier irgendwo zu stehen hat. Das Schweinchen namens Babe war ein Kiwi!

Und dann erreiche ich Oamaru, ein anderes nicht all zu großes Küstenstädtchen, in dem ich mich kurzerhand entscheide, die Nacht zu verbringen, da es bereits Nachmittag geworden ist. Nachdem ich einen Stellplatz für die Nacht ausfindig gemacht habe, fahre ich nochmal zurück ins Dorfzentrum und schlendere noch ein wenig durch die Straßen. Oamaru war früher einmal ein sehr bedeutender Fleischlieferant und aufgrund regem Seehandel im eigenen Hafen sehr wohlhabend, wodurch heute einige sehr beeindruckende Gebäude im englischen Baustil die Hauptstraße schmücken. Südlich vom Stadtzentrum erstreckt sich ein altes viktorianisches Geschäftsviertel, welches mir besonders gut gefällt. Die alten Fachwerkgebäude mit riesigen Glasfenstern und großen Eingangstüren wirken unglaublich einladend und so trödel ich die Tyne Street und Harbour Street entlang, die von staubigen Antiquitätenläden, alten Buchhandlungen, gemütlichen Cafès, pfiffigen Galerien und allerlei Fachgeschäften tüchtiger Schmiede, Steinmetze und Schneider bewohnt sind. Volle Begeisterung und viele nette Gespräche lassen mich schließlich vergessen, wo ich bin und wie viel Uhr es ist…im Nachhinein wäre ich hier gerne noch etwas länger geblieben.

Das Königreich Gondor.
Die Landschaft um Oamaru.
Die Landschaft um Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.
Die Straßen von Oamaru.