Australien, Fischen im Kakadu Nationalpark

Bist du im Northern Territory unterwegs, so kommst du mit einem Thema definitiv in Berührung. Fischen. Hier im Norden Australiens dreht sich alles um den großen Fang. Man könnte mich wohl als Fisherman’s Friend betiteln, denn mein Kumpel Kyle ist definitiv jemand, der weiß, wie man fischen geht. Bei meinem letzten Aufenthalt vor einem guten Jahr in Kyle seinem Haus sind wir einen Tag mit dessen Boot auf den Adelaide River zur Krabenjagd rausgefahren, heute konzentrieren wir uns aufs Angeln mit der Route und lassen die Gitterboxen zuhause im Schopf.

Die rote Kühlbox hingegen kommt wie gewohnt mit und ist mit ausreichend Bier sowie Jack’s für Kyle gefüllt. Ein paar Snacks sind im Boot verstaut, die spezielle Fischerkleidung ist angelegt. Los geht’s. Nach circa 45 Minuten, von denen wir etwa die Hälfte auf unbefestigten Feldwegen aus Sand und Staub zurücklegen, erreichen wir eine staubige, kahle Fläche, auf deren äußerem Rand ein paar Mülltonnen aufgestellt wurden…ein Parkplatz mitten im Nirgendwo…außer uns ist niemand da. Direkt hinter dem Stellplatz erstreckt sich der Billabong at Hardy’s am Rande des Kakadu Nationalparks, den Kyle als Ziel für heute auserkoren hat. Billabong ist ein Begriff aus der Sprache der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, und steht für ein Gewässer, dass sich während der Regenzeit mit Wasser füllt und über die trockenen Monate hinweg dann langsam austrocknet.

Kyle fährt mit seinem Auto rückwärts die Rampe aus festgetretenem Dreck zum Ufer runter, bis der Anhänger und das Boot vollständig im Wasser stehen. Kleine Wellen schwappen in Richtung Gewässermitte davon. Die Sonne scheint am wolkenlosen azurblauen Himmel, es ist mit etwa 35°C und deutlich höherer Luftfeuchtigkeit als in Europa schon fast zu heiß und das Wasserloch, das sich von hier aus kilometerweit über schmalere und breitere Läufe ausgebreitet hat, ruht still vor uns…fast habe ich vergessen, dass es hier giftige Spinnen gibt, Schlangen gibt und vor allem ganz gefährlich…Krokodile gibt. Mit wachen Augen treten Kyle und ich ins Wasser und machen das Boot los, während Sophie bereits an Land aufs Boot geklettert ist und nun von Bord aus die Umgebung und das Wasser um uns herum beobachtet. Das Wasser ist ruhig…zu sehen ist in der braunen Suppe ohnehin nichts. Während Kyle das Auto wegfährt, stehe ich mit einem mulmigen Gefühl am Uferrand und halte das Boot mithilfe eines Taus fest.

Fünf Minuten später haben wir alle drei im Boot Platz genommen und Kyle steuert das Boot in den Billabong hinaus. Ich öffne das erste Bier der Marke Great Northern und lehne mich in meinen Campingstuhl zurück. Ich genieße den kühlen Fahrtwind und beobachte das vorbeiziehende Ufer, während Kyle nach einer geeigneten Stelle Ausschau hält, an der es die Köder auszuwerfen lohnt.

…und wie wir über die Ausläufe des Billabong dahin schippern, ändert der Himmel langsam seine Farbe von blau zu orange und die ersten Tiere kommen aus ihrem Unterschlupf, der sie vor der heißen Mittagssonne Australiens beschützt hat, hervor, um am Ufer zu grasen oder sich im Wasser zu erfrischen. Wallabys, Kängurus, Vögel in jeglicher Größe und Farbvariation, Wasserbüffel und auch ein paar erste kleinere Krokodile. Gerade die Kängurus und Wallabys wieder in freier Wildbahn zu sehen, erfüllt mich mit einer großen Zufriedenheit. Ein sehr schöner Moment. Wir werfen den Anker schließlich in einer kleinen Bucht aus und die Fischköder an unseren Angelhaken sinken zusammen mit der Sonne aus unserem Blickfeld.

Der Himmel ist sternenklar, doch die Nacht ist dunkel. Es ist Neumond. Mit Stirnlampen ausgerüstet sitzen wir gemütlich im Boot, werfen den Haken ein ums andere mal aus und genießen die abgekühlte Nachtluft. Es ist einer dieser perfekten Abende…solange die Lampen ausbleiben. Schalte ich meine Stirnleuchte an, um die Angel vor mir zu prüfen, so stürzen sich augenblicklich gefühlt alle Fluginsekten Nordaustraliens auf den Lichtkegel über meinen Augen und sowohl sehen als auch atmen fällt mir schwer. Die Schnur ist richtig aufgewickelt…schnell wieder ausschalten…jetzt hat Sophie ihre Lampe angeknipst…ich atme tief durch den offenen Mund.

Gegen 23.00Uhr drängt uns nach sechs Stunden dann schließlich langsam der Hunger zur Rückkehr. Mit Scheinwerfern, die am Bug des Bootes angebracht sind, tasten wir uns behutsam zurück zum Anlegeplatz und ich achte mithilfe meiner Stirnlampe auf aus dem Wasser herausragende Bäume und Steine. Regelmäßig trifft der Lichtstrahl meiner Stirnlampe nun auch auf kleine reflektierende Punkte im Uferbereich; die Augen von Krokodilen, die im seichten Wasser auf Beute lauern. Die aktive Zeit der Urwesen ist angebrochen…aber um unsere Anlegestelle am äußeren Rand des Billabong herum ist es zum Glück ruhig und unsere Lichtstrahlen werden von nichts reflektiert.

Thanks for a new awesome experience, mate!

Bereit zur Abfahrt.
…und rein mit dem Kahn.
Der Billabong.

Ob das wohl der aus dem Film Crocodile Dundee ist…

Cheers mate!

Myanmar, Auf dem Irrawaddy River weiter gen Westen

Myanmar. Oder wie von vielen bis heute genannt: Birma. Nachdem ich gestern Abend mit dem Flugzeug aus Chiang Mai in Mandalay gelandet bin, geht es heute direkt weiter in das weiter westlich gelegene Bagan. Shelby, die seit Sukhothai regelmässig meinen Weg kreuzt, ist auch hier in Mandalay und wir haben beschlossen, gemeinsam loszuziehen, um die berühmten Tempel von Bagan zu entdecken. Es gibt einen herrlichen Tagestrip per Boot auf dem Irrawaddy River von Mandalay Richtung Westen und als echte Abenteurer lassen wir uns diese Alternative zum üblichen Langstreckenbus natürlich nicht entgehen. Als ich gestern Abend, gegen 10:30pm, nach einem langen Tag in meinem Hostel eingecheckt und mich ins WLan einwählt habe, war ich über Shelby’s Nachricht vielleicht nicht ganz so erfreut, in der sie mir mitteilte, dass wir uns am nächsten Morgen bereits um 06.30Uhr am Hafen einzufinden haben…aber gut.

Mein Wecker geht um 05.40Uhr runter und nach einem kurzen Sprung ins Bad plus einem Early-Checkout, sitze ich um kurz nach 6 zusammen mit dem Kerl von der Nachtschicht auf dessen Roller, mit dem er mich freundlicherweise zum Hafen chauffiert. Es ist kalt. Und es ist noch dunkel. Trotzdem sind die ersten Leute bereits auf den Straßen und überall in der Stadt kreuzen die Mönche in den für Myanmar so typischen bordeauxroten Mönchsroben unseren Weg. Sie sind schon seit etwa 4:00am auf den Beinen, haben bereits die erste Meditation beendet und gehen nun, wie jeden Morgen, von Haus zu Haus, um Essensspenden entgegenzunehmen. Obwohl mir der eisige Fahrtwind ins Gesicht bläst, genieße ich die Fahrt. Ein magischer Moment.

Um 6.20Uhr treffe ich (erneut etwas verfrüht, MT!) am Hafen ein, bezahle meinen Fahrer und höre nach kurzem Warten die vertraute Stimme von Shelby hinter mir. Hello again. Shelby führt mich zum Fluß hinunter und über mehrere Schiffe hinweg auf unser Boot. Boot ist dabei nicht wirklich passend, hat es doch einen großen Laderaum und Sitzplätze für etwa zwanzig Passagiere unter Deck sowie weitere zwanzig bis dreißig Plätze, ein Sonnendeck, zwei Toiletten, eine kleine Bar und die Fahrerkabine auf dem Deck. Shelby hat bereits einen Platz auf dem Oberdeck für mich reserviert und so vertraue ich meinen Backpack der Schiffscrew an und mach es mir mit meiner Hello Kitty-Decke, die mir durch ein Mitglied der Besatzung gereicht wird, auf meinem Sitzplatz gemütlich.

Während die Sonne langsam hinter dem Horizont hervorkommt, stechen wir in Mandalay mit vollbesetztem Boot in See bzw. in den River. Unsere Fahrt wird in etwa 8 Stunden betragen…viel Zeit, um die letzten Wochen in Thailand gedanklich weiter zu verarbeiten, die Flusslandschaft des neuen Landes zu genießen und den letzten Abenteuern von Shelby zu lauschen.