Myanmar, Bagan, Part2

…09.00Uhr. Ich starte den Motor meines gemieteten E-Bikes und mache mich gemeinsam mit Shelby und Maja, die bereits von Mandalay aus mit uns zusammen über den Irrawaddy-Fluss nach Bagan aufgebrochen ist, auf den Weg nach Old Bagan. Ich möchte unbedingt mehr von der wundervollen Umgebung Bagan’s erkunden.

Auch entlang der Hauptstraße zum früheren Bagan finden sich viele verschiedene Pagoden und Stupas, um die sich herum verschiedene Straßenhändler und Souvenirverkäufer versammelt haben, um möglichst mit einem von uns Touristen das große Geschäft zu machen. Die Menschen in Myanmar sprechen ein erstaunlich gutes Englisch und wo immer schließlich auch wir an den zahlreichen religiösen Stätten halten, kommen freundliche Gespräche zustande, die stets von viel Lachen begleitet werden. Myanmar ist besonders.

Gegen 11.30Uhr trenne ich mich schließlich von den beiden Mädels, um das Areal in Flußnähe noch für mich alleine etwas zu genießen, bevor ich mich auf 14.00Uhr mit Ludek treffe, um nochmal im Detail über die Reise in den Westen Myanmar’s zu sprechen. Eigentlich habe ich mich ja bereits entschieden.

Ich alter Abenteurer…

Für dieses Bild kniete ich knapp 10 Minuten regungslos auf dem Boden und wartete geduldig, bis der gnädige Flattermann die Güte besaß…
Die Welt ist groß…
…und die See ist rau.

Myanmar, Bagan

Ich bin nun den zweiten Tag in Bagan. Gestern habe ich mir gemeinsam mit Shelby einen Überblick über die kleine Stadt “New Bagan” verschafft, war lecker essen und schaute mir nachmittags mit einem gemieteten E-Bike einen ersten Teil der Tempellandschaft rund um Bagan an. Für heute habe ich mich zu einer Tempeltour angemeldet, die von meinem Hostel angeboten wird und durch die ich mir nun weitere, fundiertere Informationen und Eindrücke über die Gegend erhoffe.

Mein Tag beginnt sehr früh. Shelby und ich haben gestern während unserer Entdeckungstour etwas Abseits der üblichen Wege einen coolen Tempel gefunden, zu dessen Spitze man steigen kann und von dort aus den Sonnenuntergang angesehen. Nach diesem Spektakel haben wir dann direkt vereinbart, dass wir heute vom Nachbartempel aus den Sonnenaufgang verfolgen wollen. Wir treffen uns um 05.45Uhr im Erdgeschoss an der Rezeption und machen uns nach einem schnellen Kaffee auf zum E-Bike-Verkaufsshop des Vortages, um dort erneut einen fahrbaren Untersatz für den Tag zu mieten. Ein Gesetz in Myanmar verbietet regionenbezogen das Fahren sowie auch bereits das Vermieten von Motorrädern und Scootern an Ausländer, in Bagan sind jedoch Elektroroller erlaubt und überall erhältlich. Ich finde das großartig!

Es ist noch dunkel, als wir am Tempel ankommen und durch einen schmalen, unscheinbaren Seitengang die Treppen nach oben ertasten. Oben angekommen, beginnt sich der Himmel nach kurzer Zeit dann schließlich von schwarz zu grau und grau zu blau zu färben. Uns eröffnet sich die gleiche atemberaubende Aussicht wie am Vortag. Weite Flächen mit sandigem Grund, niedrigem Buschwerk und den Tempeln, die überall elegant und mystisch zugleich aus dem Boden ragen. Die Nächte in Myanmar sind recht kalt und zwischen den Büschen und kleineren Bäumen hängen die Nebelschwaden. Nach und nach lichtet sich der Nebel und gibt unserem Sichtfeld weitere Tempel frei. Und wie sich der Himmel langsam rosa färbt, steigen wenige hundert Meter weiter nördlich die Ballons auf… Die Tempellandschaft von Bagan zum Sonnenaufgang aus einem Heißluftballon heraus zu bestaunen, ist sehr gefragt und teuer zugleich. Der stolze Preis für eine etwa 60 minütige Fahrt liegt bei grob 430,- US-Dollar. Und die Anbieter sind Tage im Voraus ausgebucht! …die Ballons steigen höher und höher in Richtung Firmament hinauf und mit ihnen die Sonne. Was zunächst nach einem Flop aussieht, entpuppt sich als wahres Wunder. Die Sonne steigt ohne große Vorankündigung in Form von Morgenrot oder Sonnenstrahlen aus den dichten Nebelschwaden am Horizont empor. Rund und leuchtend rot wie ein Feuerball. Schlagartig erhellt sich die Landschaft um uns herum und was wenige Minuten zuvor noch grau schien, färbt sich jetzt in sattes grün. Es ist kalt. Und es ist still. Und wie die Ballons näherkommen, ist das einzige Geräusch, dass zu vernehmen ist, das gelegentliche Rauschen der Gasbrenner, die die Luft im Inneren der Ballons erhitzen, um höher hinauf zu steigen.

Um 7.45Uhr bin ich schließlich am Hostel zurück und nach einem kurzen Frühstück finde ich mich auf 08.30Uhr mit meinem E-Bike vor dem Hostel ein, von wo aus die mittels Tourguide geführte Besichtigungstour startet. Wir sind insgesamt 24 Personen, was normalerweise deutlich zu viel für meinen Geschmack ist. Hier sind jedoch die meisten Teilnehmer Alleinreisende und ich lerne bereits auf der 10 minütigen Fahrt zur ersten Pagoda Leute aus Israel, Vietnam, der Schweiz und den Niederlanden kennen, was wirklich witzig ist. Nach und nach werden es dann mehr; nochmal Israel, Thailand, Japan, Indien, China, Brasilien, tschechische Republik….die ganze Welt scheint vertreten zu sein und unser birmanischer Tourguide sorgt mit unglaublichem Wissensschatz dafür, dass uns nicht langweilig wird.

Nachdem wir Dhammayazaka, die einzige Pagoda in ganz Bagan mit fünf Eingängen, verlassen, führt uns unser Weg in ein kleines Dorf weiter, in dem allerlei einheimische Handwerkskunst zu bestaunen ist. Die Leute sind nett hier und bieten uns allerlei Waren zu einem “good price” an. Während sich die anderen Tourteilnehmer die Kunstwerke anschauen oder sich in Verkaufsverhandlung begeben, komme ich mit Ludek aus Tschechien ins Gespräch. Ludek ist etwas älter als ich, alleine reisend und sucht einen Travel Buddy für einen Trek weiter im Westen. Er möchte mit dem Bus in das sieben Stunden entfernte Mindat fahren und dort einen Local Guide anheuern, der ihn von Mindat aus in einem 3 Tage-Trek auf den zweithöchsten Berg Myanmars, auf den Mount Victoria, führt. Mindat liegt im westlich von Bagan gelegenen Chin-Staat, dem ärmsten Staat Myanmars, der erst seit drei Jahren überhaupt für den Tourismus geöffnet ist und nördlich der Rakhine-Provinz liegt, in der seit Monaten ein Glaubenskrieg in der Bevölkerung herrscht. Warmwasser, Internet und auch Touristen findet man in Mindat und Mindat’s Umgebung nur sehr selten; die Vorstellung gefällt mir gut. Da ich ohnehin keinen wirklichen Plan für die Zeit nach Bagan habe, verabrede ich mich mit Ludek auf den nächsten Tag, um weitere Informationen zu seiner Idee, dem Chin-Staat und nicht zuletzt auch über Ludek selbst zu erhalten.

Unsere Bagan-Tour führt uns bis in den Nachmittag hinein zu verschiedenen Tempeln der insgesamt über 2.000 Monumente…Bagan ist beeindruckend.

Bin unheimlich stolz auf dieses Bild!

Die Zeichnungen an der Wand sind aus dem 11. Jahrhundert!

…auch hier: 1.000 Jahren alt!
DAS ist Bagan!

Myanmar, Auf dem Irrawaddy River weiter gen Westen

Myanmar. Oder wie von vielen bis heute genannt: Birma. Nachdem ich gestern Abend mit dem Flugzeug aus Chiang Mai in Mandalay gelandet bin, geht es heute direkt weiter in das weiter westlich gelegene Bagan. Shelby, die seit Sukhothai regelmässig meinen Weg kreuzt, ist auch hier in Mandalay und wir haben beschlossen, gemeinsam loszuziehen, um die berühmten Tempel von Bagan zu entdecken. Es gibt einen herrlichen Tagestrip per Boot auf dem Irrawaddy River von Mandalay Richtung Westen und als echte Abenteurer lassen wir uns diese Alternative zum üblichen Langstreckenbus natürlich nicht entgehen. Als ich gestern Abend, gegen 10:30pm, nach einem langen Tag in meinem Hostel eingecheckt und mich ins WLan einwählt habe, war ich über Shelby’s Nachricht vielleicht nicht ganz so erfreut, in der sie mir mitteilte, dass wir uns am nächsten Morgen bereits um 06.30Uhr am Hafen einzufinden haben…aber gut.

Mein Wecker geht um 05.40Uhr runter und nach einem kurzen Sprung ins Bad plus einem Early-Checkout, sitze ich um kurz nach 6 zusammen mit dem Kerl von der Nachtschicht auf dessen Roller, mit dem er mich freundlicherweise zum Hafen chauffiert. Es ist kalt. Und es ist noch dunkel. Trotzdem sind die ersten Leute bereits auf den Straßen und überall in der Stadt kreuzen die Mönche in den für Myanmar so typischen bordeauxroten Mönchsroben unseren Weg. Sie sind schon seit etwa 4:00am auf den Beinen, haben bereits die erste Meditation beendet und gehen nun, wie jeden Morgen, von Haus zu Haus, um Essensspenden entgegenzunehmen. Obwohl mir der eisige Fahrtwind ins Gesicht bläst, genieße ich die Fahrt. Ein magischer Moment.

Um 6.20Uhr treffe ich (erneut etwas verfrüht, MT!) am Hafen ein, bezahle meinen Fahrer und höre nach kurzem Warten die vertraute Stimme von Shelby hinter mir. Hello again. Shelby führt mich zum Fluß hinunter und über mehrere Schiffe hinweg auf unser Boot. Boot ist dabei nicht wirklich passend, hat es doch einen großen Laderaum und Sitzplätze für etwa zwanzig Passagiere unter Deck sowie weitere zwanzig bis dreißig Plätze, ein Sonnendeck, zwei Toiletten, eine kleine Bar und die Fahrerkabine auf dem Deck. Shelby hat bereits einen Platz auf dem Oberdeck für mich reserviert und so vertraue ich meinen Backpack der Schiffscrew an und mach es mir mit meiner Hello Kitty-Decke, die mir durch ein Mitglied der Besatzung gereicht wird, auf meinem Sitzplatz gemütlich.

Während die Sonne langsam hinter dem Horizont hervorkommt, stechen wir in Mandalay mit vollbesetztem Boot in See bzw. in den River. Unsere Fahrt wird in etwa 8 Stunden betragen…viel Zeit, um die letzten Wochen in Thailand gedanklich weiter zu verarbeiten, die Flusslandschaft des neuen Landes zu genießen und den letzten Abenteuern von Shelby zu lauschen.