Laos, Luang Prabang, Der Norden von Laos

Einer dieser perfekten Tage…

7.45Uhr: Zum Frühstück gibt’s Banana-Pancakes im Hostel

8.20Uhr: Ich treffe mich mit Trevor und Irene bei “Tiger Trail” und wir haben gemeinsam mit zwei anderen Travellern und einem Local-Guide einen nicht zu übertreffenden Tages-Trek im Norden Luang Prabangs. Ablauf: 30Minuten mit dem Mini-Van nordwärts aus der Stadt raus. Eine kurze Bootstour zu unserem Ausgangspunkt im Nirgendwo. Trekking-Tour über etwa 5Stunden, die uns sowohl auf befestigten Wegen als auch schmalen Trampelpfaden durch den Dschungel und die berühmten Karst-Landschaften führt. Während der Tour besuchen wir zwei abgelegene Dörfer laotischer Urvölker und erfahren ein bisschen etwas über deren Lebensweise. Der Trek endet mit einem Kaffee an einem superschönen Wasserfall und einer etwa 20-minütigen Bootsfahrt zurück zum Ausgangspunkt. Zurück in die Stadt bringt uns ein TukTuk. Das Wetter ist den Tag über nicht zu warm und nicht zu kalt, es ist trocken und nachmittags kommt passend zum Ende des Trekkings die Sonne hinter den Wolken hervor.

17.15Uhr: Sonnenuntergang direkt am Mekong-River mit einem kühlen Bier (ein Meckatzer-Bier wäre an dieser Stelle dann wohl wirklich zu viel des Guten).

18.00Uhr: Eine heiße Dusche mit entkalkter Brause.

18.45Uhr: Eine 1-stündige Vollkörper-Massage mit Öl (witzigerweise bietet solche Sachen hier u.a. das rote Kreuz an).

20.00Uhr: Über den Nightmarket schlendern und an einem dieser Straßenstände supervielfältig und lecker zu Abend essen

21.45Uhr: Ein ordentliches Stück Schokoladen-Toffee-Torte als Dessert.

22.30Uhr: Ein weiteres, gekühltes Bierchen. Draußen im Vorhof einer kleinen, gemütlichen Bar. Bei grob 20°C Aussentemperatur. Mit getrockneten Bananen-Scheibchen als Snack, ruhiger Rock-Musik im Hintergrund und Leuten, die man gern hat.

to be continued…

Auch hier gibt es Schulen…
…und Kindergartenschwänzer

Laos, Luang Prabang, Kouang Si Wasserfall

…hab ich mich gestern doch wirklich dazu entschieden, heute nen Bicycle-Trip mit Irene und Trevor mitzumachen (man könnte durchaus auch schreiben, ich nehme an einer Fahrradtour teil aber dann würde sich das Ganze nicht so cool anhören und außerdem würde es dem Trip nicht gerecht). Ziel sollte der Kouang Si Wasserfall sein und die Tagesdistanz liegt bei stolzen 60 Kilometern.

Was soll ich groß schreiben: Ich hab’s geschafft und bin echt stolz drauf! …das schwierigste Stück der Strecke ist definitiv der steile Berg kurz vor Luang Prabang auf dem Rückweg, dessen kleine Serpentinen man auf dem Hinweg noch (bei dem Zustand des Asphalts fast schon Downhill, MT) runterrast und somit den ganzen Tag im Hinterkopf behält. In einer besonders steilen Kurve bin ich auf dem Rückweg dann schließlich vom Rad gestiegen und wie ich das Rad um die nächste Wegbiegung schiebe, sehe ich prompt den Berggipfel 100 Meter vor mir, direkt vor mir. Witzigerweise habe ich vor lauter darauf warten, dass es endlich zu hart für mich wird, gar nicht gemerkt, dass ich diesen für mich zu harten Berg bereits am hochbicyceln war. Für diese letzten Meter zum Gipfel bin ich dann natürlich nochmal aufs Rad gestiegen…und was den Wasserfall angeht:

Mister Kouang Si höchstpersöhnlich
Fried Rice und Mekong-Flussfisch; DAS war geschmacklich der absolute Wahnsinn!

Vietnam, Grenzübergang nach Laos

Was für ein Trip…

Das Wetter in Sapa wird einfach nicht besser und so spricht wenig dagegen, meinen Weg fortzusetzen. Es ist Zeit, Vietnam zu verlassen. Was ich bereits im Vorhinein grob recherchiert habe, bestätigt mir Andrew nochmal im Detail: Es gibt eine Direktverbindung mit dem Bus von Sapa nach Luang Prabang. Aber Andrew warnt mich auch: Es ist ein verdammt langer Weg.

Ich denke gar nicht erst darüber nach, mich über einen Flug von Hanoi aus zu informieren. Ich wollte doch ein Abenteuer. Mein Taxi zum Busbahnhof kommt also um 5, der Sleeping-Bus startet pünktlich um 19.00Uhr.

Ich merke bereits im Sleeping-Bus den Unterschied zu bisherigen Fahrten. Der Weg ist sehr kurvenreich und uneben. Was den Busfahrer angeht, so muss er sich bei seinem, trotz Regenwetter, rasanten Fahrstil bestens auf diesen schmalen Sträßchen durch das bergige Ödland auskennen…ich hoffe es zumindest. Es ist das erste Mal, dass ich mich im Bus anschnalle…um nicht aus dem „Bett“ zu fallen. Wir fahren tiefer und tiefer in die abgelegenen Gegenden des nordwestlichen Hochlands und ich zwinge mich in den Schlaf.

Wir erreichen den Busbahnhof von Dien Bien Dong gegen 5.00am und ich habe einen zweistündigen Zwischenstopp, bevor ich auf einen kleineren, lokalen Bus (25-Sitzer) umsteigen darf. Ich nutze die Zeit für ein vorerst letztes, typisch vietnamesisches Frühstück: Pho Suppe. Neben Trevor, den ich bereits vom Bus aus Sapa kenne, gesellen sich zwei Mädels aus der französischen Schweiz, eine Portugiesin, drei Leute aus Kanada und ein Pärchen aus London  zu mir in den Bus. Unser Gepäck wird, anders als bei den großen Bussen, auf dem Dach verstaut. Nach und nach kommen Einheimische zu uns in den Bus. Es werden etliche Säcke voller Reis und Mais sowie diverse Pakete und weitere Taschen auf das Dach gepackt und wir hoffen, dass es dabei bleibt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Geflügel oder auch Ziegen und Schafe mit solchen lokalen Bussen transportiert werden.

Es ist kurz nach 7, das Dach ist vollbepackt und alle 25 Sitze sind belegt. Ready for takeoff…denken wir. Doch es kommen noch immer weitere Fahrgäste zum Bus gelaufen. Weitere weiße und orangene Säcke werden aufs Dach gehievt und unsere Armlehnen zum Mittelgang hin werden prompt zur Seite geklappt, um weitere Sitzfläche zu schaffen. Um 7.30Uhr starten wir endlich…und halten nach wenigen Metern erneut. Vier weitere Gäste steigen ein und dann über die vorderen Passagiere hinweg, um sich bei uns im hinteren Bereich mit auf die Notsitze zu quetschen. Rein rechnerisch besitze ich nur noch 50% meines Sitzes, dafür aber nun auch etwa 25% des Sitzes meiner Sitznachbarin. Kurz: Es ist eng. Die neuen Gepäckstücke werden aufs Dach geladen und die Getreidesäcke, die zuvor noch auf dem Dach verstaut waren, kurzerhand abgeladen und zwischen unseren Sitzen sowie dem Mittelgang auf dem Boden verteilt. Und ab jetzt wirds scheiße!

Nach zwei Stunden erreichen wir den Grenzübergang Nähe Panghok. Als wir das vietnamesische Grenzhäusschen erreichen und aus dem Bus steigen, kommt prompt einer der vier asiatischen Passagiere von der Rückband mit einer riesengroßen Machete, eingewickelt in Stoff und mit Garn verschnürt, auf meine Höhe und versteckt das gute Stück unter der Sitzreihe neben mir. Die Formalitäten auf vietnamesischer Seite gehen recht sauber über die Bühne und 45 Minuten später durchqueren wir im Bus sitzend das No-Mans-Land zwischen Vietnam und Laos. 5 Minuten Fahrzeit später der zweite Part: Registrierung und Visumerteilung auf laotischem Grund. Die Kosten für ein 30 Tage-Visum variieren je nach Staatszugehörigkeit. Als deutscher Staatsbürger fahre ich dabei mit 30,- US-Dollar (USD) recht günstig. Sofern alles rechtens abläuft…

Nachdem ich auf den drei mir ausgehändigten Formularen alle Felder ausgefüllt habe, gehe ich zu Schalter Nummer 1 und reiche dem Zollbeamten gegenüber meinen Pass, die ausgefüllten Formulare und das Bargeld (1×20,-USD, 1×10,-USD) durch. Der Beamte schaut erst mich, dann das Geld an, prüft beide Scheine auf Unversehrtheit und gibt mir prompt die 20,-USD zurück. „Den möchte ich nicht“. Ich bin verdutzt und erkläre ihm, dass ich noch weitere 15,-USD und somit nicht ausreichend Bargeld bei mir habe. Seinem Blick nach interessiert ihn das kein bisschen. Er schlägt mir vor, ich solle die Banknote irgendwo tauschen und ich erinnere ihn daran, dass wir uns auf einem Gebirgspass inmitten von Bergen befinden, sich hier weder ein Geldautomat noch eine Wechselstube befindet und mein Bus auf der anderen Seite der Zollstation auf die Weiterfahrt wartet. Ich bitte ihn, er möge sich den Geldschein doch nochmal ansehen, doch er schaut mich unverändert gelangweilt und gleichgültig an und ich muss erkennen, dass diese „Beamten“ hier machen, auf was sie gerade Lust haben. Trevor steht hinter mir und hat die Idee, in der Landeswährung zu bezahlen. Der Mann hinter der Scheibe willigt ein und Trevor legt mir das nötige Geld aus, dass er aufgrund des Umtausches seiner übriggebliebenen vietnamesischen Dong in der Tasche hat. 200.000,- laotische Kip (LAK). Mein Pass geht weiter zu Schalter Nummer 2, wo ich für die Ausstellung des Visums weitere 2,-USD „Bearbeitungsgebühr“ bezahlen muss, bevor ich am Schalter Nummer 3 für den offiziellen Einreisestempel die 3,-USD zu zahlen habe, die ich gerade noch in meiner Hand halte. Plötzlich steht Trevor neben mir und zeigt auf eine Umrechnungstabelle auf seinem Handy, wonach 200.000,-LAK = 25,-USD sind. Ich habe definitiv zu viel für mein Visum bezahlt. Durch den gesamten Prozess bereits leicht gereizt, gehe ich zum Schalter Nummer 1 zurück und konfrontiere den Mann hinter der Scheibe mit der Tatsache. Er hört mir aufmerksam zu und bittet mich darum, ihm nochmal meinen Pass zu geben. Das hätte ich nicht tun sollen. Er legt den Pass neben sich, schmeißt mir die 200.000,- LAK regelrecht entgegen und erklärt ohne eine Mine zu verziehen, ich könne zurückkommen, wenn ich das Geld getauscht habe. Ich bin schockiert über seine Reaktion und erkenne urplötzlich, dass ich ihm völlig ausgeliefert bin. Zu meiner Situation: Ich befinde mich zwischen zwei Staaten und während ich nach Laos nicht einreisen kann, kann ich nach Vietnam ohne Visum nicht zurück. Ich gebe mich erschöpft geschlagen und erhalte nach zweimaligem, demütigem Bitten meinen Pass zurück. Herzlichen Dank, du korrupte Sau.

Der Bus setzt sich wieder in Bewegung. Die Lust auf Laos ist mir erstmal vergangen. Nach wenigen Straßenbiegungen stoppen wir mitten im Nirgendwo und der Kamerad von der Rückbank steigt mit einem anderen Mann zusammen aus dem Bus, inklusive Machete. Wohin sie wollen, ist mir ein Rätsel. Hier ist nichts. Alles in allem haben wir etwa 2 Stunden für den Grenzübergang benötigt und die ursprüngliche Ankunft in Luang Prabang verzögert sich bereits um 2 Stunden auf 22.00Uhr. Der Bus setzt sich abermals in Bewegung und wir kommen ohne weitere Unterbrechungen voran. Unser Weg führt uns nun über ein verlassenes Bergsträßchen entlang eines Flusses durch die für diese Region so typische Karstlandschaft und schon bald ist der Stress von der Grenze beim Anblick der wunderschönen Wälder und Berge um uns herum vergessen.

Leider bleibt uns eine weitere Unterbrechung etwa zwei Stunden später nicht erspart und so erreichen wir prompt eine Unfallstelle, die die gesamte Straße und somit den Verkehr auf beiden Seiten blockiert. Während es allmählich dunkel wird, zieht Nebel auf und die Sicht verschlechtert sich, was uns am Ende glücklicherweise nicht zum Verhängnis wird und somit lediglich für eine mystische Aura sorgt. Eine weitere Stunde Wartezeit lässt uns schlussendlich nach 27 Stunden um kurz nach 23.00Uhr in Luang Prabang ankommen. Ausgehungert und erschöpft verabschieden wir uns von unseren Reisebegleitern, die freundlich lächelnd zurückwinken und treten die 3 Kilometer Fussmarsch Richtung Stadtzentrum an…

Sabaidee Laos!

Unser Bus vor dem vietnamesischen Grenzposten.
Nebel zieht auf…
…und verleiht dem Verkehrsunfall…
…etwas mystisches.
Gegen die Kälte hilft nur ein kontrolliertes Waldbrändchen…