Thailand, Chiang Mai – Die Zweite

Nach drei Tagen Sukhothai mache ich mich auf, zurück nach Chiang Mai, wo ich Weihnachten verbringen werde. Nach sechs Stunden Busfahrt erreiche ich schließlich mit Einbruch der Nacht den Busbahnhof östlich der Altstadt. Das Tuk Tuk für 100 thailändische Baht zum East Gate spare ich mir, weiß ich doch, dass auf der Hauptstraße die großen, roten Taxis mit Platz für mehr als nur zwei Personen deutlich günstiger sein können, sofern bereits Passagiere an Bord sind.

Gedacht, getan. Ich laufe also zur Hauptstraße und nach kaum zwei Minuten erfolgt die Kontaktaufnahme des erhofften Transportmittels auch schon prompt in Form eines Hupgeräusches direkt hinter mir. Ich strecke meinen Arm in die Höhe, “the red cab” hält und wie ich nach rechts schaue, schauen die Fahrerin und ein Mönch in orangener Kutte vom Beifahrersitz aus durchs offene Fenster nach links. “East Gate?”, frage ich, “Thapae Gate?”, entgegnet sie. Ich nicke mit dem Kopf, sie hebt 5 Finger, ich hebe 4 Finger zurück, sie nickt mit dem Kopf, Deal. Durch einen flüchtigen Blick nach hinten in den Wagen erkenne ich einige Personen und frage noch, ob der Wagen nicht schon voll sei, was sie durch ein melodisches “not fuuull” verneint. Ich laufe nach hinten zum Eingang der Passierskabine und gut…ich finds voll. Die acht Personen (mit Gepäck), die sich bereits im Inneren des Fahrzeugs befinden, schauen mich mit meinen zwei Rucksäcken an und denken vermutlich das selbe.

Als echter Backpacker lässt man sich von sowas aber natürlich nicht einschüchtern! Ich nehme meinen großen Backpack vom Rücken, hieve ihn auf das letzte freie Plätzchen auf der rechten Bank direkt am Eingang und gehe mit meinem kleinen Rucksack auf dem Rücken auf der Metallstufe am hinteren Fahrzeugende in die Hocke. Ich halte mich an den beiden Metallgestängen links und rechts des Eingangs fest und rufe “ok”, woraufhin sich der Wagen in Bewegung setzt. Ich fühle mich ein bisschen wie Indiana Jones…

Wir haben bereits ein paar Blocks hinter uns gebracht (und meine Füße sind bereits eingeschlafen), da kommen eine hübsche Frau, zwei kleine Kindern und ein weißer, zotteliger Hundewelpe auf einem Motorroller näher. Das Mädchen auf dem Rücksitz wird in etwa zwölf sein, während der Junge, der vor der Mama auf dem Trittbrett steht und sich am Lenker festhält, drei oder vier sein dürfte. Was den Hund angeht, den das Mädchen im Arm hält, so habe ich bezüglich dem Alter keine Ahnung. Klein ist er. Der Wagen und somit auch der Roller kommen aufgrund einer vermutlich roten Ampel zum Stehen, was ich dazu nutze, um dem Jungen ein freundliches “Sawadee khap” zuzurufen, da er mich fasziniert und zugleich schinant beobachtet, was an meinem westlichen Aussehen liegen dürfte. Auf die Aufforderung zum Gegengruß seiner Mama hin nimmt der Junge seine beiden Händchen vom Lenker, faltet sie zusammen vor sein Gesicht und verneigt sich vor mir. Eine geradezu perfekte Ausführung eines respektvollen Grußes gegenüber älteren Personen in Thailand. Gut…ich bin keine 20 mehr. Indiana Jones auch nicht.

Der Wagen setzt sich wieder in Bewegung und kurz darauf erreiche ich das East Gate. Ich springe leichtfüßig von Bord, schnalle mir meine beiden Backpacks auf die Hüften, bezahle meine verhandelten 40 Baht und setze mich Richtung Altstadt in Bewegung. Ich habe bereits zwei Tage zuvor Irene vom Vida Guesthouse gegenüber mit dem E-Mail-Betreff “Want to come back :-)” angedeutet, dass ich gerne nochmal für ein paar Tage vorbeikommen würde, woraufhin sie kurzerhand mein altes Zimmer 305 für weitere vier Nächte auf meinen Namen reserviert hat. Als ich im Guesthouse ankomme, ist es bereits 19.00Uhr. Irene sitzt am Empfang und wie ich eintrete, fragt sie mich aufgebracht, wo ich denn gewesen sei und wieso ich erst jetzt komme, wo ich doch 18.00Uhr in meiner E-Mail angekündigt hatte. Ich ahne schlimmes und frage vorsichtig, ob mein Zimmer den noch verfügbar sei…

”Suuure…i was waiting for youuu”, grinst sie freudestrahlend und hebt mir den Zimmerschlüssel entgegen.

Hello again, Vida!
Hello again, Vida-Katze!
Hello again, Chiang Mai-Mäuslen!
Hello again, Mönch!

Laos, Über den Mekong gen Westen (Teil3)

Es ist witzig und traurig zugleich: Auf Reisen lernt man oft freundliche und interessante Menschen kennen, deren Wege sich mit dem Eigenen kreuzen und manchmal ein Stück weit identisch verlaufen, bevor sie sich über kurz oder lang dann üblicherweise aber in verschiedene Himmelsrichtungen wieder auseinander bewegen.

So auch in Huay Xai. Regelrecht erholt sind wir am Abend des zweiten Tages unserer Tour gegen 17.00Uhr am Fährhafen in Huay Xai an Land gegangen und die Wege der einzelnen Passagiere trennten sich. Die meisten von ihnen versuchten zügig ein Tuk-Tuk in Richtung Grenzübergang aufzutreiben, um möglichst am Abend noch nach Thailand und von dort aus in aller Herren Länder weiterzuziehen. Ich schnappte mir gemütlich meine zwei Rucksäcke und machte mich, vorbei an der hektisch einen Fahrpreis aushandelnden Meute ins Zentrum von Huay Xai auf. Im Zentrum wollte ich mir eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, von der mich am nächsten Morgen dann mein bereits im Vorhinein gebuchter Minivan nach Chiang Mai bringen würde.

Auch hier in Asien gibt es Zweitjobs und so ist mein Rezeptionist vom Vorabend nun witzigerweise auch mein Pick-Up zum Grenzübergang bzw. zunächst zum Transportunternehmen, wohin ich spontan auf dem Rücksitz seines Motorrollers gelange. Auf dem Weg zur Grenze hin treffe ich Herman wieder, den ich vom Slow Boat her bereits kenne und mit dem ich das ganze bürokratischen Grenzprozedere durchlaufe. Herman war über zwanzig Jahre in einem Museum in Amsterdam angestellt, für dass er überall auf der Welt Dokumentarfilme drehte…eine spannende Art sein Geld zu verdienen. Die Ausreise aus Laos und die darauf folgende Einreise nach Thailand verlaufen dieses Mal ohne Probleme. Ausreisestempel abholen, die letzten laotischen Kip in thailändische Baht tauschen, mit dem Grenzbus auf der “Freundschaftsbrücke” den Mekong und somit die Landesgrenze überqueren, am thailändischen Grenzposten den Einreisestempel und das für Deutsche kostenlose 30 Tage-Visum in den Reisepass eintragen lassen, im Minivan Platz nehmen und entspannen. Herman reist von hier aus mit einem anderen Bus weiter…wie geschrieben: Üblicherweise trennen sich die Wege über kurz oder lang wieder.

Bereits während der Fahrt spüre ich die Vorfreude, die sich in mir aufbaut. Thailand. Ich war im Januar 2016 schon einmal hier und freue mich darauf, dieses schöne Land mit all seiner kulturellen und kulinarischen Vielfältigkeit wieder bereisen zu können. Nach knapp sechs Stunden, auf 16.00Uhr, erreichen wir schließlich die Stadt Chiang Mai und ich kann es kaum erwarten, am Tha Phae Gate, auf der Ostseite der Altstadt aus dem Wagen zu steigen.

Sawadee khap, Thailand!