So unbedeutend das neue Sukhothai tagsüber ist, so bedeutend ist es Nachts…zumindest für einen…die Vögel.
Yo erzählt mir, dass es sich um den Mina-Bird handelt (zu deutsch: Hirtenmaina). Ein bis zu 25cm großes Kerlchen, das weltweit vorkommt, seine Wurzeln aber vor allem in Indien hat. Die Anzahl der Flattermänner ist so gewaltig, dass sie einen Platz in der Liste der invasiven Neobiota inne haben.
Woher SIE kommen, wieso SIE genau hier sind und wohin SIE am Morgen wieder verschwinden, weiß ich nicht. Aber SIE sind da…hunderte und aberhunderte von ihnen…sobald die Sonne untergeht, kommen SIE, setzen sich auf die Stromleitungen und deren Masten, auf die Hausdächer, Balkone und Mauervorsprünge. Am schlimmsten ist es wohl unweit der beiden Tempel, wenn der Fluß seine weitläufige Biegung gen Osten nimmt, zwischen der großen Brücke und den 7/11-Supermärkten, auf Höhe der Bar64000. Früher waren SIE auf der anderen Flussseite anzutreffen, unweit des Hostels, in dem ich untergekommen bin, wodurch Yo beim Check-In standardmässig Ohrstöpsel zum Zimmerschlüssel dazugibt. Seit die Bäume vor dem Hostel gestutzt wurden, muss sich das ganze Spektakel etwas auf die andere Flussseite verlegt haben, wo ich ab 18.00Uhr kaum ein gedachtes Wort verstehe. SIE schreien und kreischen, erzählen und ärgern sich…und wenn es dann dunkel geworden ist, sitzen SIE oft reglos auf den Stromleitungen entlang der Hauptstraße und starren lautlos auf die Bevölkerung herab. Ein Fluch für die Stadt…
Auszug Wikipedia: In der Dämmerung versammeln sich die Schwärme zum Schlafen in Bäumen und rufen mit gurgelnden, quiekenden und klickenden Tönen…
Im Jahr 1238 n.Ch. als neues Thai-Königreich gegründet, herrschte die Sukhothai-Dynastie ziemlich genau 200 Jahre lang, bevor die Hauptstadt Sukhothai im Jahr 1438 an Ayutthaya (gut 380 Kilometer weiter südlich gelegen) fiel. Das Königreich Sukhothai hatte in seiner Blütezeit Mitte des 13.Jahrhunderts bis ins späte 14.Jahrhundert hinein immensen Einfluß auf die Kunst, die Sprache, die Literatur und die Religion der modernen thailändischen Gesellschaft und gilt nicht zuletzt aufgrund seiner Größe im frühen 14.Jahrhundert, die flächenmäßig über das heutige Thailand hinausragte, zu einem der bedeutendsten Thai-Königreiche der Geschichte. Leider ist von diesem einst so mächtigen Imperium und dessen Zentrum heute kaum noch etwas zu sehen.
Ich bin gestern Abend in Sukhothai oder, genauer beschrieben, in der Neustadt Sukhothai, etwa 12 Kilometer östlich der ehemaligen Metropole gelegen, angekommen. Die kleine Ortschaft hat leider nicht all zu viel zu bieten: Die typischen Massage-Salons, die in gefühlt jeder Straße Thailand’s zu finden sind, den klassischen night/food market, auf dem man so wunderbar gut essen kann (bereits seit Vietnam verfolgt mich ein Gericht/Beilage/Gemüse, dass ich zu lieben gelernt habe: Fried Morning Glory WITH GARLIC and Rice), zwei Tempel, drei 7/11-Supermärkte, eine Handvoll Bars, Restaurants und kleinerer Unterkünfte sowie Yo. Yo hat die ersten 23 Jahre seines Lebens in den Niederlanden verbracht, ist vor vier Jahren mit seiner thailändischen Mutter nach Suhkothai gezogen und hat vor einer Woche als Rezeptionist in “meinem” Hostel angefangen. Sein Vorname ist japanisch, sein Nachname der seines französischen Vaters, sein Humor der meine. Cooler Typ.
Voller Vorfreude auf den Tag springe ich mit Leichtigkeit um kurz vor 8 aus dem Bett und begebe mich nach einer viel zu kalten Dusche (das mit dem Warmwasser funktioniert hier manchmal nicht so) in den Aufenthaltsraum und zum kostenlosen Frühstück. Toast und Marmelade sind nichts weltbewegendes, aber mit selbstgemachter Erdbeer-, Ananas- und Bananen-Marmelade einfach nur lecker.
Anmerkung nach Palmerston: “Da kommen dann schon auch mal schnell 12 zusammen”.
Nach einem ausgedehnten Frühstück, bei dem ich mit Yalan aus Mexico und Shelby aus Arizona, U.S. mit großer Wahrscheinlichkeit meine Gesellschaft für Weihnachten gefunden habe, mache ich mich per wooden bus (einem überdimensionalen Tuk Tuk) für umgerechnet etwa 0,80€ in die Altstadt unweit dem Historical Park auf. Angekommen, miete ich mir ein Fahrrad für den Tag (weitere 0,80€), löse ein Eintrittsticket für die zentrale Zone (mit Fahrrad 2,85€), gönn mir noch kurz einen Cappuccino und radel mit meinem Drahtesel am Ticket-Kontrollhäuschen vorbei, rein in den Historical Park. Durch Alleen hindurch, an künstlich angelegten Seen vorbei, sind mein Ziel die letzten Überbleibseln der einst so mächtigen Stadt.
Leider ist es mir nicht möglich, mit meinen Fotos auszudrücken, was ich sehe und fühle. Sicher, man vermag mit einem Bild das Objekt zu zeigen, doch wird dadurch nie die Besonderheit des Moments vermittelt. Weder kann man die Geräusche der flatternden und gurrenden Tauben hören, die sich hier überall in den steinernen Überbleibseln eingenistet haben noch das Summen der Insekten, die über die Grünflächen entlang der Fuß-Rad-Wege schwirren. Weder kann man die Wärme der Sonne spüren, die von oben auf einen herab scheint, noch die Wärme der Steine ehemaliger Tempelanlagen, auf denen ich mich niederlasse, um die alten Gebäude in Ruhe zu bestaunen und auf mich wirken zu lassen. Weder kann man die Magie spüren, die von den alten Tempelbauten ausgeht, noch die stille Ehrfurcht der wenigen anderen Besucher, die mir an diesem Tag entgegenkommen…
Nördlich der zentralen Zone.Wat Mahathat in der zentralen Zone.Wat Mahathat in der zentralen Zone.Wat Mahathat in der zentralen Zone. Vor diesem Panorama hab ich deinen Brief gelesen, Mona!Wat Mahathat in der zentralen Zone.In der westlichen Zone…In der nördlichen Zone…