Te Anau ist ein überschaubares Dörfchen, dessen Einwohnerzahl von etwa 2.000 in den kalten Monaten durch Touristen im Sommer, die dann all die Ferienapartments und Campingplätze stürmen, auf rund 10.000 Menschen ansteigt. Te Anau liegt am Rande des Fjordland Nationalparks und ist das Tor in eine andere Welt. Von Te Anau aus führt der einzige Weg zum weltbekannten Milford Sound. Über Te Anau führt die Hauptroute zum Startpunkt in den Doubtful Sound, der weiter im Süden liegt. Die nähere Umgebung von Te Anau bietet dutzende von wundervollen Wanderwegen in Neuseelands größten Nationalpark und ist der Ausgangspunkt von gleich drei weltbekannten Great Walks: Dem Kepler, dem Milford und dem Routeburn Track.
Ich gönne mir in Te Anau eine kleine Pause von den langen Autofahrten, all den Besichtigungen und dem ständigen “den nächsten Schritt planen”. Ich hab mich auf einem schönen Campingplatz eingemietet und genieße einfach mal…
…und lasse mir den Weg nach Te Anau durch den einsamen Süden Neuseelands nochmal durch den Kopf gehen…Irgendwo in den Catlins; im Südland…Irgendwo in den Catlins; im Südland…Nugget Point Lighthouse am Kap Nugget Point, im Herzen der Catlins.Unweit von Slope Point, dem südlichsten Punkt der Südinsel. Was man auf dem Bild nicht erkennen kann: Zwischen dem Teich im Vordergrund und dem blaunen, südpazifischen Ozean dahinter führen zerklüftete Klippen etwa 200 Meter senkrecht nach unten.Irgendwo zwischen Tuatapere und Clifden im Central Southland, von dem ich aufgrund verregnetem, grauen Wetter kaum etwas sehe, holt mich prompt der Winter ein.…und innerhalb von einer guten Stunde wirft es mal schnell gut 20cm Neuschnee auf den Boden, so dass sogar kurzzeitig Straßen gesperrt werden.Das winterliche Wetter hält schließlich zunächst auch noch in Te Anau an und ich ziehe mich in das warme Dorfcafè zurück…Manchmal ist der Weg das Ziel…der Kepler Track.Auf dem Kepler Track.Auf dem Kepler Track.Gute Nacht, Te Anau.
Nach 1 ½ Wochen auf Tour bin ich inzwischen im Fjordland Nationalpark im Südwesten der Südinsel angekommen. Während der südliche Teil des über 12.500 Quadratkilometer großen Areals bis heute recht unerschlossen ist und auch keine Menschen in diesem Gebiet wohnen, gibt es im oberen nördlichen Teil eine Hand voll kleinerer Siedlungen und unzählige Möglichkeiten, den Nationalpark zu Fuß zu erkunden. Über 12.500 Quadratkilometer, auf denen sich breite Meeresarme zu azurblauen Seen und wilden Flüssen, zu Ebenen voller grün leuchtendem Farn und mit Moos überzogenen Waldböden, zu dichten Nadel- und uralten Laubwäldern, zu beeindruckenden Felsformationen, über die Wasserfälle Richtung Erde prasseln, vortasten.
Die zwei bekanntesten Buchten bzw. Fjorde im Fjordland sind der Milford Sound und der Doubtful Sound, zu denen auch Touren angeboten werden und die man so von einem Boot aus näher betrachten kann. Der Startpunkt der Touren in den Milford Sound beginnt 122 Kilometer nördlich dem kleinen 2.000 Einwohner-Städtchen Te Anau, in dem ich vorübergehend mein Lager aufgeschlagen habe. Bereits die Anfahrt zu benanntem Startpunkt über den Milford Sound Highway soll unbeschreiblich schön sein, was ich mir natürlich anschaue…
Mein Trip beginnt erstmal damit, dass ich vor lauter Vorfreude mit erhöhter Geschwindigkeit aus Te Anau rausfahre und plötzlich ein blinkendes Polizeiauto in meinem Rückspiegel sehe. 80,- NZD (Neuseeländische Dollar); umgerechnet etwa 45,- EUR (Euro). Die Ordnungshüterin verkündet stolz, dass die Rechnung an meine Anschrift in Deutschland geschickt wird, ich den Betrag aber auch vorab bereits per Kreditkarte auf der Homepage drivesafe.org.nz begleichen kann. Vielen Dank!
Danach führt meine Fahrt langsamer zunächst durch klassisches neuseeländisches Weideland, auf dem unzählige Schafe mit ihren aktuell etwa 1-2 Monate alten Lämmchen am grasen sind. Weder an diesem wunderschönen Weideland noch an den Tieren darauf kann ich mich satt sehen und so wandert mein Blick freudestrahlend von links nach rechts und wieder zurück. Nach einigen Kilometern verändert sich schließlich das Landschaftsbild und es wird rauer. Ich fahre nun tiefer ins südliche Alpenland hinein. An meinem Fenster ziehen vor allem Wälder vorbei, die von Zeit zu Zeit lichter werden und dann den Blick auf große ausgetrocknete Flußläufe und typische Tundra-Ebenen freigeben. Die Straße ist sehr kurvig und unübersichtlich, wodurch ich trotz der erlaubten 100 Stundenkilometer nun mit nur etwa 50-60 Stundenkilometer und somit deutlich unter der zulässigen Höchstgeschwindigkeit vorankomme. Dem Neuseeländer hinter mir macht das vermutlich mehr aus als mir; er kennt die Strecke und will zügig an sein Ziel, ich fahre gerade mein Ziel entlang und bestaune die Umgebung.
Wie ich nach insgesamt 86 Kilometer “the divide”, den niedrigsten Ost/West-Pass der südlichen Alpen, passiere, verändert sich die Landschaft um mich herum erneut und der Milford Sound Highway führt mich tief in ein Tal hinab. Während die Felswand links von mir höher und höher wächst, eröffnet sich mir zu meiner Rechten ein riesiger Bergeinschnitt, der von schneebedeckten Gipfeln umgeben ist und durch den sich mittig ein gewaltiger Gebirgsfluss zwischen buntem Mischwald hindurchschlängelt. Und dann geht es wieder aufwärts. Zum Homer Tunnel. Ein gelbes Hinweisschild links der Fahrbahn bittet mich darum, den hier in der Region lebenden Bergpapagei Kea nicht zu füttern. Der Kea ist der einzige Papagei der Welt, der ausschließlich in den Bergen beheimatet ist und kommt nur hier im Süden Neuseelands vor. Wenn ich ihn sehe…nicht füttern. Verstanden.
Vor dem Homer Tunnel stehe ich erstmal vor einer roten Ampel. Die Öffnung zum Tunnel ist auf 922 Metern über Meeresspiegel der höchste Punkt des Milford Sound Highways und der Tunnel trotz oder gerade wegen der Länge von 1,2 Kilometern nur einspurig befahrbar. Als die Ampel schließlich auf grün schaltet, stelle ich fest, dass der Durchgang innen so ausschaut, als würde er sich noch im Rohbau befinden, während ich auf 793 Höhenmeter runter fahre. Mit Druck auf den Ohren gelange ich in ein weiteres Tal, das von den Felswänden links und rechts erdrückt zu werden scheint und in dem ein bedrohlicher Nebelschleier über den engen Serpentinen hängt. Das gelbe Hinweisschild, das ich dieses Mal sehe, weißt mich nicht auf den Kea-Vogel sondern auf mögliche Steinlawinen hin und bittet mich darum, auf den nächsten Kilometern nicht anzuhalten sondern zügig durchs Tal zu fahren. Nachdem ich das Ende der Serpentinen erreicht habe, ohne dass mir von links oder rechts Gesteinsbrocken Kratzer in den Lack gemacht haben, führt mich die kurvige Straße die letzten 20 Kilometer durch wundervollen bunten Mischwald, bevor ich schließlich mein Ziel erreiche und am Ufer vor dem Eingang zum Milford Sound stehe.
Grob 45 Minuten später mache ich mich wieder auf den Rückweg. Es ist bereits später Nachmittag und so begegnen mir kaum noch Autos auf der Straße, da der Highway von Te Anau ausschließlich zum Eingang in den Fjord führt und die meisten Besucher in ihren Autos und Reisebussen bereits morgens hierher fahren und am frühen Nachmittag wieder den Heimweg antreten, um der Abenddämmerung in diesem Gebiet zu entgehen. Das Tal vor dem Homer Tunnel scheint sich bei meiner Rückkehr weiter eingenebelt zu haben, so dass die Fahrt nach oben zum Tunneleingang, auf der mich steigende Nebelschwaden begleiten, irgendwie gespenstisch wirkt. Oben angekommen, zeigt mir die Ampel vor dem großen, schwarzen Loch im Berg das rote Licht und ein Countdown daneben, dass ich noch knapp 10 Minuten zu warten habe, bevor die Ampel auf grün schalten wird und ich meine Fahrt fortsetzen kann. Entschlossen greife ich nach meiner Kamera auf dem Beifahrersitz und steige aus dem Auto. All zu viel ist von den Serpentinen und dem Tal vor mir aufgrund des grauen Schleiers nicht zu sehen aber gerade das verleiht meinen Fotos den gewissen Charme, den ich mir erhofft habe. Ich laufe über die verlassene, durch den Nebel ganz feuchte, Straße ein paar Meter in Richtung Abgrund, nehme meine Einstellungen an der Kamera vor und betätige den Auslöser.
Wie ich zu meinem Auto zurückkehre, registriere ich im ersten Augenblick nicht, was da regungslos auf meinem Autodach sitzt und mich anschaut. Und wie ich es schließlich registriere, realisiere ich es nicht. Ein vergleichbar riesiger Vogel beobachtet mich fixierend mit seinen kleinen Augen. Lange grün schimmernde Federn bedecken seinen Körper und sein Schnabel sowie seine Krallen wirken gigantisch, wie ich drei Meter vor meinem Autodach stehe. Ein Blick auf die Ampeluhr gibt mir einen Teil meiner Gelassenheit zurück; ich hab noch gute 5 Minuten, bis die Ampel auf grün schaltet. Ein zweiter Kea-Papagei erscheint aus dem Gebüsch auf der anderen Straßenseite, hüpft blitzschnell über den Asphalt und hoch auf mein Autodach. Während sich der Zweite schnurstracks mit seinem Schnabel an meiner Türdichtung zu schaffen macht und daran offensichtlich großen Gefallen findet, beäugt mich der Erste immernoch regungslos mit aufgeschlossenem Blick. Behutsam rede ich auf ihn ein, während ich langsam meine Kamera vor mein Auge führe und die Einstellungen auf die neue Gegebenheit anpasse. Selbst als ich meine Fotos gemacht habe und ohne Objektiv vor dem Gesicht noch näher ans Auto herantrete, um die Beiden von Nahem zu beobachten, lassen diese sich nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als der Ampel-Countdown schließlich 60 Sekunden anzeigt und ich langsam die Autotüre öffne, ins Auto steige, den Motor starte, losrolle. Über mir auf dem Autodach höre ich Getrappel, doch offenbar haben die Beiden kein Interesse daran, das Dach meines Vans zu verlassen. Erst als ich 200 Meter weiter vorn, kurz vor dem Tunneleingang, kurzzeitig mein Tempo etwas beschleunige und dann nochmal abbremse, sehe ich im Rückspiegel, wie die zwei Kameraden gelassen vom Autodach hüpfen und gemächlich über den Asphalt Richtung Gebüsch stolzieren.
Der Milford Sound Highway…on the road.Am Lake Gunn.Am Lake Gunn.Am Homer Tunnel liegt Schnee…Kannst du den Eingang erkennen?Chasm Walk…auf dem bewundert werden kann, wie sich der Cleddau River seinen Weg durch die Felsen bahnt. Was auf dem Bild wie ein Ast wirkt, ist in Wahrheit ein langer Baumstamm… Der Milford Sound Highway…on the road.Am Eingang zum Milford Sound.DER Eingang zum Milford Sound!Das Tal zum Homer Tunnel auf meinem Rückweg……und der Kea-Papagei.Zugenebelt.
Glaubst du an Gott? Oder glaubst du an Allah, wie der Name des Herrn im Islam lautet? Glaubst du, dass sich dieser von Zeit zu Zeit durch Zeichen dir gegenüber zu erkennen gibt?
Die Otago Peninsula ist ein Naturschutzgebiet nordöstlich von Dunedin, der man eine einzigartige Flora und Fauna nachsagt. Albatrosse, verschiedene Pinguinarten, neuseeländische Seelöwen, Wale vor den Küsten, Delfine; hier besteht die Chance, diese Geschöpfe in freier Wildbahn und in ihrem natürlichen Lebensraum anzutreffen. Alleine schon die Fahrt die verwinkelte Küstenstraße entlang ist ein Erlebnis, auch wenn ich heute vor allem die Hoffnung hege, einen Pinguin oder Seelöwen in freier Natur zu sehen.
Ich habe mich vor meinem Aufbruch in der Stadt erkundigt, wo ich die beste Möglichkeit habe, diese einzigartigen Tiere anzutreffen ohne dafür eine der teuren Touristenführungen zu buchen, bei der lokale Farmer Auswärtige über ihr privaten Anwesen zu den entlegensten der Buchten bringen, wo die Wahrscheinlichkeit aufgrund geregelter Besucherströme grundsätzlich sehr hoch ist, etwas zu erspähen. Mein Weg führt mich zunächst an den nördlichsten Punkt der Peninsula, an dem ein Albatros-Schutzzentrum errichtet wurde, wo ich zunächst jedoch leider nur Möwen sehen kann. Die weißen Vögel sind überall; es ist laut und überall liegt Vogelkot. Der Bereich, in dem mehr von den weltgrößten Vögeln zu sehen ist, ist abgesperrt. “Entry with Guide only”. Um das Schutzzentrum zu unterstützen, trinke ich noch einen heißen Cappuccino im Cafè, das sich gleich rechts nach der Eingangstür befindet und fahre anschließend weiter…und wie ich die enge Küstenstraße zurückschleiche, die sich an den steilen Feldklippen entlangschlängelt, sehe ich doch tatsächlich prompt drei riesige Vögel, die sich rechts von mir in der Bucht mithilfe der Thermik im Kreis nach oben gleiten lassen. Ich muss mich auf die Straße konzentrieren und verliere die Albatrosse augenblicklich wieder aus den Augen.
Zu den nächsten beiden Stränden, an die ich mich auf unbefestigten Schleichwegen mit meinem Auto rantaste, wird mir leider, gefühlt kurz vor dem Ziel, jeweils der Zutritt verwehrt. “Privatgelände”; und hier in Neuseeland besitzen die Farmer Waffen. Über Infotafeln am dritten Strand werde ich schließlich daran erinnert, was ich bereits in der Ortschaft Timaru an der Ostküste gelernt habe: Pinguine sind nachtaktiv. Vereinzelt sehe ich die Spuren von Vogelfüßen im Sand, die sich von denen der Möwen unterscheiden und sich in den Dünen verlaufen. Immer wieder fällt mein Blick auf Infotafeln, die auf die Anwesenheit von Seelöwen und eben auch Pinguinen hinweisen und daran appellieren, dass man zum Schutz aller Beteiligten bitte einen angemessenen Abstand zu den Tieren halten soll. Und so laufe ich unter den neugierigen Blicken der Möwen und den tosenden Wellen den ansonsten verlassenen Strand entlang und hoffe darauf, dass sich mir irgendwo ein Seelöwe zeigt oder unter den Pinguinen Frühaufsteher existieren. Die Hinweise sind da, doch nichts zeigt sich mir.
Der vierte Strand, den ich ansteuere, ist gleichzeitig der vorletzte auf meiner Liste und es wird zwischenzeitlich auch langsam Abend. Wieder führt mich mein Anfahrtsweg über Schleichwege im Hinterland, die so eng sind, dass keine zwei Autos nebeneinander fahren können und für die wahrscheinlich nicht einmal angedacht ist, dass diese irgendwann mal asphaltiert werden, obwohl sie vereinzelte Häuser und Gehöfte hier im Hinterland mit der Welt draußen verbinden. Die Landschaft hier auf der Otago Peninsula ähnelt wohl ein bisschen der der Region Cornwall im Südwesten Englands; ich war noch nie dort aber dank meiner Mutter kenne ich die Liebesfilme der Autorin Rosamunde Pilcher, die meist dort spielen und dementsprechend dort gedreht werden. Wie ich am vierten Strand, am Victory Strand, schließlich ankomme, habe ich zunächst erstmal einen ordentlichen Fußmarsch vor mir, der mich durch Schafweiden führt. In Neuseeland ist momentan Lammzeit, wodurch überall auf den Wiesen kleine Lämmer und auch kleine Kälbchen umhertollen. Leider sind die Kleinen alles andere als zutraulich und nehmen panisch reißaus, wie sie mich sehen. Weiter führt mein Weg durch eine sandige Sumpflandschaft und dabei Dünen hoch und Dünen runter, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit am Wasser ankomme und wieder nichts außer ein paar Möwen sehe, die berechnend außerhalb der Wellenreichweite auf dem Sand stehen und sich dann blitzschnell die Muscheln und andere eventuell essbaren Dinge schnappen, die die Brandung ans Ufer spült. Raffinierte kleine Schreihälse! Ich laufe also abermals einen Sandstrand entlang und ziehe den Reißverschluss meiner Fleecejacke bis ganz nach oben, weil mich der kühle Wind, der vom pazifischen Ozean herzieht, frösteln lässt. Die Hoffnung, etwas wertvolles im Sand zu finden, dass vom Meer ausgespuckt wurde und mich reich macht, habe ich inzwischen aufgegeben und die hübschen Muschelschalen, die in den verschiedensten Farben aus dem Sand heraus leuchten, beginnen mich nicht mehr zu begeistern. Die Strümpfe in meinen offenbar undichten Schuhen sind zwischenzeitlich feucht und ich habe Hunger. Mit den Händen in den Hosentaschen schau ich nach oben in den Himmel und mit der Vorstellung an einen Verbündeten, der jeden von uns freundschaftlich umgibt und wohlwollend jeden einzelnen unserer Schritte mitverfolgt, beschwichtige ich in leisem Ton: Pinguine, Seelöwen, Wale, Delfine…ich könnt jetzt schreien und betteln…aber eigentlich will ich gar nichts erwarten…und trotzdem wäre es schön, wenn ich irgendwas sehe…nur einen…”.
Und wie ich ausgesprochen habe und nach rechts oben vor mir in die Dünen schaue, traue ich meinen Augen nicht. Übers ganze Gesicht grinsend strahle ich: “Das ist jetzt aber nicht dein Ernst…ist das etwa ?…nee, komm, das kann doch jetzt nicht sein!” 50 Meter vor mir in der Düne liegt schlafend ein neuseeländischer Seelöwe. Riesengroß, geschätzt 2 Meter, gemütlich eingebettet im Sand, überall Fliegen auf ihm drauf, weil er schon aus 10 Meter wirklich fürchterlich nach altem Fisch stinkt! Ein echter neuseeländischer Seelöwe. In freier Natur. In seinem natürlichen Lebensraum. Wie ich meine Fotos gemacht habe, stehe ich reglos etwa 3 Meter vor dem unwirklich aussehenden Lebewesen und beobachte ihn beim schlafen. Mit Tränen in den Augen.
50 Meter vor mir in der Düne liegt schlafend……ein neuseeländischer Seelöwe.Die Otago Peninsula vom Mount Cargill.Beim Albatros-Schutzzentrum gibt’s auch Möwen…On the Road…Otago Peninsula.Die raffinierten Schreihälse…Der Strand Nummer 4…der Victory Strand.On the Road…Otago Peninsula.On the Road…Otago Peninsula.Der Eingang zum fünften Strand……an dem ich schließlich nochmal Seelöwen sehe.
Otago Peninsula.By the way: Die Baldwin Street, laut dem Guinness-Buch der Rekorde die steilste Straße der Welt.
Ich fahre zurück Richtung Ostküste und lasse das Hochland fürs Erste hinter mir. Bevor mich das Gefälle des State Highway Nummer 8 spürbar zurück in die Küstenregion hinab führt, passiere ich das Königreich Gondor oder zumindest die Pelennor-Felder, auf denen einst die große Schlacht zwischen der Armee Mordors und dem letzten Widerstand der Menschen ausgetragen wurde. Die Original-Drehorte für diese Szenen des Filmepos “Herr der Ringe” liegen leider auf dem Privatgelände einer großen Schafs- und Milchfarm und sind von der Straße aus nicht zu sehen. Mir reicht es allerdings auch schon nur zu wissen, dass es sich hier irgendwo vor mir zugetragen hat…und mein Blick wandert verträumt über das Gebiet vor mir.
Die Abfahrt wird steiler und das Gelände verändert sich. Die Struktur wird wieder runder, hügeliger, die Wiesen werden grüner und sind mithilfe von klassischen Lattenzäunen aus Holz liebevoll zu Quadraten abgesteckt, auf denen in regelmäßigen Abständen, Schafe, Kühe oder vereinzelt auch Pferde grasen. Zwischen den Hügeln kommen immer wieder vereinzelte Bauernhöfe zum Vorschein und passend zu dieser Szenerie kommt nach Tagen wieder einmal richtig die Sonne raus. Diese Bilderbuch-Landschaft sprüht eine unglaubliche Harmonie aus und ich werde unweigerlich an einen anderen Film erinnert, in dem der Hauptdarsteller ohne wenn und aber aus dieser Gegend zu stammen beziehungsweise sein Hof hier irgendwo zu stehen hat. Das Schweinchen namens Babe war ein Kiwi!
Und dann erreiche ich Oamaru, ein anderes nicht all zu großes Küstenstädtchen, in dem ich mich kurzerhand entscheide, die Nacht zu verbringen, da es bereits Nachmittag geworden ist. Nachdem ich einen Stellplatz für die Nacht ausfindig gemacht habe, fahre ich nochmal zurück ins Dorfzentrum und schlendere noch ein wenig durch die Straßen. Oamaru war früher einmal ein sehr bedeutender Fleischlieferant und aufgrund regem Seehandel im eigenen Hafen sehr wohlhabend, wodurch heute einige sehr beeindruckende Gebäude im englischen Baustil die Hauptstraße schmücken. Südlich vom Stadtzentrum erstreckt sich ein altes viktorianisches Geschäftsviertel, welches mir besonders gut gefällt. Die alten Fachwerkgebäude mit riesigen Glasfenstern und großen Eingangstüren wirken unglaublich einladend und so trödel ich die Tyne Street und Harbour Street entlang, die von staubigen Antiquitätenläden, alten Buchhandlungen, gemütlichen Cafès, pfiffigen Galerien und allerlei Fachgeschäften tüchtiger Schmiede, Steinmetze und Schneider bewohnt sind. Volle Begeisterung und viele nette Gespräche lassen mich schließlich vergessen, wo ich bin und wie viel Uhr es ist…im Nachhinein wäre ich hier gerne noch etwas länger geblieben.
Das Königreich Gondor.Die Landschaft um Oamaru.Die Landschaft um Oamaru.Die Straßen von Oamaru.Die Straßen von Oamaru.Die Straßen von Oamaru.Die Straßen von Oamaru.Die Straßen von Oamaru.Die Straßen von Oamaru.
Das schummrige Licht, das zwischen den Gardinen meines Vans hindurchdrückt, verrät mir bereits, dass kein Sommertag auf mich wartet. Ich strecke mich noch einmal so gut man sich in einem Van bei einer Körpergröße von 1.90 Meter eben strecken kann, schlage die warme Decke zurück und öffne die linke Schiebetür. Kalte Morgenluft strömt mir entgegen und ich erinnere mich augenblicklich daran, dass ich eine Fleecejacke im Auto habe. Ich habe die letzte Nacht auf einem Parkplatz am Ufer des Lake Pukaki verbracht, der diesen Morgen unruhig Wellen in Richtung Steinstrand schiebt. Es regnet.
Ich lass das Auto kurz auslüften und verstaue mein Bettzubehör im hinteren Teil des Wagens; das Frühstück verschiebe ich heute auf einen späteren und vielleicht etwas gemütlicheren Zeitpunkt. Für heute habe ich einen Ausflug ins hintere Bergland, in den Aoraki/Mount Cook National Park, geplant, wo der Hooker Valley Track zum Hooker Lake am Fuße des Mount Cook führt. Der Mount Cook, in der Maori-Sprache Aoraki genannt, ist mit 3.754 Metern der höchste Berg Neuseelands und gleichzeitig Australasiens. Hoffentlich hört der Regen später auf…
…hört er nicht! Nach einer guten Stunde Autofahrt erreiche ich den Parkplatz, von wo aus der Track startet und das Wetter ist unverändert schlecht. Ich überlege einen kurzen Moment, ob ich mein Vorhaben verschieben soll, entscheide mich aber schließlich, den Walk durchzuziehen, da ich extra hierfür hergefahren bin und sich die Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt ohne größere Umwege zu fahren, nicht mehr ergeben wird. Ist ja eigentlich auch nur Wasser. Also los!
Eingepackt in meine Regenjacke gehe ich los, mein Frühstück in Form belegter Brötchen und einer Banane als Wegproviant in meinem Rucksack verstaut, der ebenfalls in eine wasserundurchlässige Hülle gepackt ist. Unter der Gürtellinie trage ich eine kurze Hose…die wird weniger feucht als eine lange Hose. Der Weg führt mich einen schmalen Fußpfad entlang, der sich vom Landschaftstyp her durch eine klassische Bergtundra zieht, die zu beiden Seiten von hohen Bergmassiven umgeben ist. Zu meiner linken Seite schlängeln sich schmale Bergseen mit azurblauem Wasser und dreimal kann ich meine Tour nur dank riesiger Hängebrücken fortführen, da mich diese sicher über tiefe Schluchten geleiten, die sich im zickzack durchs Gelände ziehen. Das trübe Wetter trübt leider auch den Blick und so marschiere ich großteils durch eine von Nebelschwaden durchzogene Schlechtwetterfront, die das ganze Terrain nur umso gespenstischer erscheinen lässt, was vielleicht aber auch gerade den besonderen Charme ausmacht.
Nach etwa 90 Minuten erreiche ich schließlich den Hooker Lake und lasse mich von der besonderen Aura faszinieren. Eingebettet zwischen steilen Felswänden ruht er still vor mir und lässt den kühlen Nieselregen über sich ergehen. Was den größten Berg Neuseelands angeht, so wurde mir bereits im Voraus prophezeit, dass ich vermutlich nicht allzu viel von ihm sehen werde, da sich der Gigant die meisten Tage des Jahres inmitten einer dichten Nebelbank versteckt hält. Aoraki bedeutet übersetzt übrigens “der die Wolken durchbohrt”.
Trotz des Wetters halte ich einen Moment inne, setze mich auf einen großen Stein in Ufernähe und genieße mein Frühstück.
Auf dem Weg zum Lake Alexandrina.Lake Pukaki.Die Kapelle am Lake Pukaki.Nochmal Lake Pukaki.Auf dem Hooker Valley Track.Auf dem Hooker Valley Track.Ziel…der Hooker Lake.Hooker Lake. Und der Mount Cook im Hintergrund.On the road again…
…nachdem ich gestern Abend noch ein Stück weit die Küste in Richtung Süden entlang gefahren bin, steuere ich heute in Richtung Westen. Bevor mich meine Route weiter entlang der Küste führt, mache ich einen Abstecher ins bergige Hinterland, wo einzigartige Bergseen auf mich warten sollen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass sich Neuseeland hinter jeder Kurve neu erfindet und die Landschaft aufgrund der vielen verschiedenen Höhenmetern auf engstem Raum unterschiedlichste Facetten bietet. Und so ist es schließlich auch. Ich fahre in meinem Van die kurvige Landstraße entlang und an meinen Seitenfenstern ziehen dunkle Nadelwälder, tiefe Täler und karge Ebenen vorbei, die sich bis zum Horizont zu erstrecken scheinen, während der kühle Südwind an meine Beifahrertür hämmert und im Radio der Woodkid-Song “run boy run” gespielt wird.
Wie ich den Lake Tekapo schließlich erreiche, staune ich nicht schlecht. Er ist größer als ich gedacht habe und das Panorama ist überwältigend. Über einen Campingplatz-Navigator, den ich mir in Christchurch vor meinem Aufbruch auf mein Smartphone geladen habe, finde ich einen etwas abgeschiedenen und sehr günstigen Campingplatz, den ich mir näher anschauen möchte und fahre über ein unscheinbares Sträßchen weiter ins Hinterland, wodurch ich den See aus weiteren Perspektiven zu sehen bekomme, was mein Gesicht zum Strahlen bringt. Autos kommen mir inzwischen keine mehr entgegen und plötzlich verwandelt sich die asphaltierte Straße in eine staubige Schotterpiste. Mein Hunger nach Abenteuern ist zwischenzeitlich wieder vollständig erwacht und so lasse ich mich hiervon natürlich nicht aufhalten…und erreiche den kleinen Lake Alexandrina. Das Tor des Campingplatzes, der sich unmittelbar neben dem Gewässer befindet, ist weit geöffnet und die Wohnwagen klassischer Langzeitcamper stehen akkurat nebeneinander, von Menschen fehlt jedoch jede Spur. Einzig zwei kleine Wildkaninchen grasen im Eingangsbereich, springen allerdings panisch davon, als sie mich wahrnehmen und zwei Enten watscheln gemütlich schnatternd an mir vorbei. Bei genauerem Hinschauen, sind die Wohnwagen offenbar noch eingewintert, laut einem großen Schild neben dem Tor ist der Platz allerdings schon seit Anfang September geöffnet, wodurch ich in meinem Van langsam in den Platz hinein rolle und mein Fahrzeug unweit der Sanitäranlagen positioniere. Ein schlechter Horrorfilm könnte durchaus so anfangen…
Glücklich, endlich den Platz für die Nacht gefunden zu haben, schlendere ich mit einer Dose Bier und meiner Kamera ans Ufer des Lake Alexandrina, der im Sommer, den zahlreichen Booten im Uferbereich nach, ein beliebter Ort für Angelausflüge zu sein scheint, setze mich auf ein Bänkchen direkt am Wasser und öffne den Dosenverschluss passend zum Sonnenuntergang.
Der Ort, der sich im Zentrum eines kleinen Naturschutzgebietes befindet und der Augenblick, den ich ohne eine andere Menschenseele um mich herum genießen darf, sind in Verbindung miteinander etwas ganz besonderes. Ich spüre Frieden in mir.
Nachdem ich in den vergangenen Tagen eine grobe Route über die Südinsel Neuseelands erarbeitet und mich nach einer günstigen Fortbewegungsmöglichkeit umgesehen habe, geht es heute endlich los. Ich habe mich dazu entschieden, einen Campervan für 3 ½ Wochen zu mieten und schlage damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen bin ich unabhängig, was meine Reiseroute angeht und zum anderen spare ich Geld bei den Unterkünften, da sich mein Nachtlager in Form einer großen Matratze über die Rücksitze erstreckt. Im Kofferraum habe ich zusätzlich eine kleine Küche in Form eines Spülbeckens, einem gasbetriebenen Campingkocher und allem notwendigen Geschirr mit im Gepäck. Ich hoffe, 3 ½ Wochen sind ausreichend…oh man, ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind an Weihnachten!
Mein Weg führt mich nach Süden und meine ersten Kilometer erstrecken sich über die kurvigen Landstraßen der Banks Peninsula (einer Halbinsel im Südosten von Christchurch). Bereits nach den ersten Minuten bin ich geflasht von dem Anblick, der sich mir hier außerhalb der Stadt bietet. Saftige grüne Wiesen, große grasbewachsene Hügel und auf der rechten Seite der Straße schroffe felsige Klippen, die in der Gischt des stürmischen Pazifik-Wassers verschwinden.
Das kulturelle Highlight der Halbinsel ist Akaroa und ich habe von verschiedensten Seiten gehört, dass ich hierhin unbedingt einen Abstecher machen muss. Eingebettet zwischen grasbewachsenen Hügeln, die momentan aufgrund der hier weit verbreiteten und sich momentan in der Blüte befindenden Stechginster alle in gelb erstrahlen, liegt das hübsche Küstendörfchen in einer kleinen Bucht geschützt vor dem rauen pazifischen Ozean. Nachdem ich meinen Van geparkt habe, laufe ich gemütlich die Uferpromenade entlang und schlendere durch die verwinkelten Souvenirlädchen auf der Suche nach “etwas Besonderem”. Wie ich schließlich am Hafen ankomme und den Bootssteg aus Holz rauslaufe, finde ich “etwas Besonderes” in Form einer alten Dame in einem kleinen Fish&Chips-Verkaufswagen, die mich freundlich fragt, ob ich vom Schiff komme, dass rund 4.000 Passagiere beherbergt und an diesem Tag einige hundert Meter weit draußen vor Anker liegt, bevor sie mir eine Portion lokalem Fisch und Pommes zubereitet. Um es in den Worten des Lonely Planet-Reiseführers auszudrücken: “Der Ort wirkt im Allgemeinen recht verschlafen, wird jedoch turnusmäßig von Touristenhorden überrannt, die von gigantischen Kreuzfahrtschiffen aus einen Landgang machen.”. Und um das Ganze um die Worte der alten Dame abzurunden: “Die kommen jetzt jeden Tag bis zum Herbstanfang. Jeden Tag ein anderes Schiff mit Menschen von überall her auf der Welt. Für mich wäre das ja nichts; im Urlaub will man doch schließlich seine Ruhe haben”.
Am vergangenen Dienstag bin ich von Sydney aus nach Christchurch auf die Südinsel Neuseelands geflogen und befinde mich seither in dem Land, das bereits seit Beginn meiner langen Reise im November des vergangenen Jahres ganz weit oben auf meiner Liste steht. Neuseeland ist nach den Cook Islands, die nochmal 3.232 Kilometer weiter östlich im Südpazifik liegen, das am weitesten von Deutschland entfernt liegende Land der Welt. Ich befinde mich in der Zeitzone +12 und somit aufgrund der momentanen europäischen Sommerzeit ganze 10 Stunden vor meiner Familie und Freunden in meiner Heimat. Wenn wir hier übermorgen die Uhren um eine Stunde auf die neuseeländische Sommerzeit vorstellen werden, sind es 11 Stunden Unterschied und Ende Oktober werden es dann sogar 12 Stunden sein, wenn die Winterzeit in Deutschland begonnen hat.
…beim nochmaligen Lesen dieser Tatsache ergreift mich jetzt gerade schon wieder die Ehrfurcht, PaLi! 🙂
Im Jahr 2011 wurde Christchurch leider von einem schrecklichen Erdbeben heimgesucht, das einen Großteil der Stadt zerstört hat. Bis heute sind viele Gebäude beschädigt und teilweise sogar für den Zutritt gesperrt. Die Stadt besteht heute aus einem Mix antiker Gebäude, die die Tragödie überstanden haben, hochmodernen Neubauten, etlichen Baustellen und riesigen geräumten Flächen, auf denen die zu stark beschädigten Gebäude bereits abgerissen aber mit dem Bau neuer Gebäude noch nicht begonnen wurde. Hinter jeder Wegbiegung zeigt sich die größte Stadt der Südinsel von einer völlig anderen Seite.
Ich wohne seit meiner Ankunft im Jailhouse am südwestlichen Stadtrand von Christchurch, einem alten Gefängnis, dass bis 1999 in Betrieb war und nach dessen Auflösung in ein Hostel umgebaut wurde. Die wesentlichen Merkmale eines Gefängnisses wurde dabei beibehalten; es gibt bis auf zwei 10Bett- und einen 6Bett-Dorm ausschließlich 2Bett-Zimmer, die sich allesamt in den ehemaligen Zellen mit dicken Stahltüren und Gittern vor den Fenstern befinden. Ein ganz besonderes Flair; glücklicherweise habe ich einen Schlüssel zu meiner Kerkertür. Dass mir Christchurch als Stadt gefällt, muss ich leider verneinen. Ich fühle mich allerdings wohl und habe meine Haftzeit aufgrund dessen heute morgen nun nochmal um vier weitere Nächte verlängert…
Die Straßen von Christchurch…Die Straßen von Christchurch…Die Straßen von Christchurch…Die Straßen von Christchurch…
Auch Christchurch hat einen sehr schönen botanischen Garten……mit allerlei Blumen……und anderen Pflanzen. Ich stehe auf Farne!…nachts im Museum.Das Jailhouse Hostel.Das Jailhouse Hostel.Eine Gedenkstätte für die 185 Todesopfer des Erdbebens im Jahr 2011.