Malaysia, Penang, Monkey Beach

Altr kommt aus der Türkei und beklagt sich darüber, dass jeder Kebap für ein türkisches Gericht hält, obwohl es ursprünglich eigentlich irgendwo aus dem libanesischen Raum komm. Egal…bevor wir uns zum Monkey Beach aufmachen, suchen wir in Georgtown’s indischem Viertel nach Bananen, die ursprünglich eigentlich auch irgendwo anders herkommen.

Der Monkey Beach liegt etwas abseits im Nordwesten der malaysischen Insel Penang und für meinen letzten Tag auf Penang haben Alpr und ich uns vorgenommen, gemeinsam ein Abenteuer zu erleben. Mit dem Linienbus 101 kommen wir bis an den Eingang des Penang National Park, wo wir uns mit unserem Vorhaben in eine Liste eintragen; damit die Parkwache weiß, wer sich in etwa wo in dem unerschlossenen Gebiet aufhält.

Bei über 30°C und deutlich höherer Luftfeuchtigkeit als in irgendeinem anderen asiatischen Land, dass ich in den letzten Wochen besucht habe, mache ich mich mit Alpr zusammen Richtung Monkey Beach auf. Die Entfernung zu unserem Ziel beträgt rund 3 Kilometer, was die meisten Touristen heutzutage vermutlich entspannt mit den Booten zurücklegen, die man am Eingang zum Nationalpark chartern kann. So ein Weg am Wasser entlang gerät da recht schnell in Vergessenheit…

Der alte, großteils verfallene und bereits von der Natur zurückeroberte Pfad windet sich Meter um Meter an den felsigen Klippen entlang weiter Richtung Westen. Bereits nach Minuten sind Alpr und ich nass geschwitzt doch folgen wir dem teils schwer zu erkennenden Pfad abenteuerlustig weiter durchs Unterholz. An den besonders gefährlichen Stellen wurden in der Vergangenheit kleine Brücken und Treppen verbaut, die jedoch bereits ziemlich marode sind und wodurch ich achtsam und nur sehr langsam einen Fuß vor den anderen setze. Woher der Strand seinen Namen hat, bleibt kein Geheimnis; auf unserem Weg hören wir sie schon immer wieder ganz in der Nähe unseres Weges und als wir nach knapp zwei Stunden endlich unser Ziel erreichen, sehen wir sie dann auch in Strandnähe umhertollen und nach Futter sowie Spielzeug Ausschau halten: Affen. Clevere, kleine Biester, die dir, wenn du nicht aufpasst, alles klauen, was nicht niet- und nagelfest ist. Und wehe, du schimpfst sie…dann werden sie zickig und veräppeln dich, in dem sie Augen und Mund weit aufreißen.

Der Monkey Beach liegt direkt vor uns und das Meerwasser glitzert im Sonnenschein, während die Wellen sanft über den Sandstrand streichen. Es sind weit weniger Badegäste da als erwartet, was uns natürlich entgegenkommt. Alpr und ich ziehen unsere Schuhe aus und laufen Barfuß den Strand entlang, stolz auf den gemeisterten Weg, der hinter uns liegt. Während uns das kalte Salzwasser an den Füßen kitzelt und eine leichte Meeresbrise für Erfrischung sorgt, schauen wir uns nach einem geeigneten Plätzchen um, an dem wir unsere Energiereserven wieder auffüllen können, bevor wir die Strecke nach einem erfrischenden Bad im Meer zurückgehen wollen. Wir haben Hunger…

Malaysia, Penang

Nach sieben Tagen in der malaysischen Hauptstadt, entscheide ich mich dazu, wenigstens noch nach Penang weiterzufahren, um ein bisschen mehr von Malaysia zu sehen.

Penang liegt an der Westküste von Malaysia an der Straße von Malakka und gehört mit der großen Stadt Georgetown im Nordosten der Insel zu den touristischen Orten in Malaysia. Im Moment ist besonders viel los; in Georgetown leben viele Chinesen und morgen beginnt das chinesische Neujahrsfest…

Good Morning, Penang…oder besser Planet Hoth?
Streetart in Penang.

Kek Lok Si-Tempel, Penang
Georgetown…

happy chinese new year!
Ein gutes Frühstück ist reichhaltig…oder war das andersrum?

Malaysia, Kuala Lumpur

Unterhalte ich mich mit Langzeit-Travellern, so werde ich immer wieder darin bestätigt, dass eine Reise aus Höhen und auch aus Tiefen besteht. Ich denke, unabhängig davon, wo wir uns aufhalten, wo wir unseren Tag verbringen, wo wir leben, befinden wir uns alle auf einer Reise. Auf der Reise des Lebens. Alle kennen wir gute Zeiten und schlechte Zeiten (Sind Ricky und Cora inzwischen eigentlich auf RTL wieder aus dem Luftschutzbunker rausgekommen, TaTwo?), alle kennen wir Zeiten, in denen wir vor Energie strotzen und Zeiten, in denen wir träge sind.

Ich bin nun seit über vierzehn Wochen unterwegs und nach so vielen Eindrücken, die ich zuletzt in Myanmar erhalten durfte, in einer trägen Phase meiner Reise angekommen. Mir geht es gut aber ich sehne mich nach Ruhe, nach Nichtstun und nach Schlaf.

Malaysia zu besuchen war nicht geplant und dadurch gibt es auch keine wirklichen Ziele für meinen Aufenthalt hier. Mehr oder weniger auf meinen Weiterflug nach Sri Lanka wartend, hatte ich mir nun überlegt, die Zeit mit am Strand liegen und tauchen gehen zu vertreiben. “Il dolce far niente”, wie man in Italien wohl sagen würde.

Leider muss ich direkt zu Beginn meiner Recherche feststellen, dass die Tauchsaison momentan Winterpause genießt, wodurch die meisten Inseln verweist sind und bis auf ein paar wenige teure Luxus-Resorts alles geschlossen hat.

Und so zieht mit mir oberschwäbische Gemütlichkeit in Kuala Lumpur ein. Kurzerhand verlängere ich meinen Hotelaufenthalt von zwei auf fünf Nächte und verbringe meine Tage in Cafès und in den Straßen um mein Hotel herum. Ein bisschen Sightseeing ist dann zum Schluß natürlich auch dabei und spätestens, als ich Sasha kennenlerne, die in “KL” aufgewachsen ist, lerne ich mit ihr auch ein paar nicht so ganz touristische Plätzchen und ein bisschen die malaysische Lebensweise kennen.

Vielen Dank für alles, Sasha!

Ein hohes Haus ist meist ein Hochhaus.
Petronas Towers bei Tag.
Petronas Towers bei Nacht.
Der Eingang zu den Batu Caves.

Der Versuch, kurzzeitig die Heimat zu besuchen…

Myanmar, Yangon

Yangon in Myanmar. Ehemals Rangon in Birma. Meine vorerst letzte Station in Myanmar. Ein wundervolles Land, dass mich wirklich verzaubert hat…vielleicht auf bald…und jetzt erstmal weiter nach Malaysia.

Independence Monument, Yangon
In einer alten Stadt gibt’s auch alte Häuser…
Irgendwo am River…
Shwedagon Pagoda, Yangon
Auch kleine Nonnen lieben eine schöne Aussicht…
…aber Geduld beim Warten zu bewahren…
…ist eine Tugend.
Hallo Malaysia…

Myanmar, The Golden Rock und der verpasste Sonnenaufgang

Seit meiner Zeit in Mandalay ist bereits eine Woche vergangen, in der mich mein Weg über “Inle Lake” weiter Richtung Süden, nach Yangon geführt hat. Nach einem kurzen Zwischenstopp von einer Nacht in Yangon, bin ich gestern Mittag dann mit dem Bus spontan nochmal direkt ins 200 Kilometer (und durch die Straßenverhältnisse 5 Stunden!!!) entfernte Kinpun weitergefahren, dass am Fuße eines Berges liegt, auf dessen Gipfel sich der goldene Felsen befindet. Der goldene Felsen, the golden rock, ist mit das mächtigste buddhistische Heiligtum in Myanmar und jährlich pilgern Tausende von Buddhisten zu diesem heiligen Ort, den ich auf Anraten anderer Backpacker gerne bereits zu einem Sonnenaufgang besuchen möchte. In Kinpun angekommen, musste ich zunächst feststellen, dass der Tourismus hier zwar Einzug erhalten hat, sich dieser aber wohl eher auf den Tag konzentriert. Lediglich eine Handvoll Hotels und Herbergen sind hier ansässig und die Preise sind bereits im Tal, am Fuße des Berges zum Golden Rock hin, durchaus denen von Bagan ebenbürtig. Auf dem Gipfel des Berges, nahe dem goldenen Felsen liegt das Örtchen Kyaiktiyo, in dem es ebenfalls Unterkünfte gibt, deren Kosten für eine Nacht allerdings wohl nochmal deutlich höher liegen, wodurch ich an meiner ursprünglichen Idee festhielt und mir in Kinpun eine Unterkunft für die Nacht suchte. Laut meinen Informanten aus Yangon und auch einer hilfsbereiten Rezeptionistin in Kinpun vor Ort fahren jeden Morgen die Busse noch vor Sonnenaufgang zum Gipfel hoch, wodurch es für mein Vorhaben keine Probleme geben sollte. Nachdem ich in einer 12,-USD-Absteige eingecheckt hatte, bei der sich die Toilette sowie der Wasserschöpfer zum Duschen hinter dem Haus befanden und die Matratze einer mit Stoff überzogenen Ansammlung von Metallfedern glich, erkundigte ich mich im Dorf darüber, wo am nächsten Morgen ab 6.00Uhr die Shuttles zum goldenen Felsen abfahren und buchte außerdem direkt noch ein Rückfahrticket nach Yangon für den Folgetag. Und dann legte ich mich auch bald schon schlafen…

…05.15Uhr. Wieder einmal klingelt der Wecker zu früh, doch ich muss raus. Kurz über den Innenhof hinters Haus zum Bad marschiert und anschließend mein Hab und Gut zusammengepackt, verlasse ich um kurz nach halb 6 mein “Family Guesthouse” und mache mich Richtung Shuttle-Station auf. Wie ich an der Station ankomme, stehen die Shuttles, große LKWs mit Aluminium-Aufbauten hinter der Fahrerkabine, auf deren festgeschraubten Metall-Sitzbänken Platz für jeweils etwa 50 Personen ist, bereits in den Startlöchern. Von überall her strömen verschlafene Menschen aus dunklen Ecken, aus Hoteleingängen und auch schon von vereinzelten Reisebussen zu dem von mir angestrebten Ziel; damit habe ich nicht gerechnet. Entsprechend geht es auch auf den LKWs zu: Ich werde zügig zu einem der großen Fahrzeuge gewunken und finde gemeinsam mit vier anderen Männern Platz auf der hintersten Bank. Für meinen Geschmack ist das Fahrzeug nun voll und wir sind bereit zur Abfahrt…nach verschiedenen anderen Fahrten sollte ich es aber doch inzwischen besser wissen. Kaum habe ich fertig gedacht, kommt eine Gruppe von etwa 10 Personen, Männer sowie Frauen mit Babys auf den Armen, ans Fahrzeug und wird unter “Da passt schon noch einer rein”-Blicken des Einweisers auf die einzelnen Sitzreihen des LKW-Aufbaus aufgeteilt…in der letzten Reihe sind wir nun 7. Im Buddhismus steht die 7 für Glück. Hätte ja auch noch ein 8ter Passagier dazukommen können.

Die Fahrt beginnt und während sich der Himmel langsam gräulich färbt, holpern und poltern wir, über Schlaglöcher hinweg, Richtung Golden Rock. Die Sicht auf die Straße vor uns ist uns durch das LKW-Führerhaus versperrt, wodurch der eigentliche Streckenverlauf eine Überraschung bleibt. Plötzlich stoppen wir und während Marktfrauen beginnen, ihre Waren darzubieten und einige Gläubige mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wird der Fahrpreis kassiert. Und dann stehen wir. Die Urnen rasseln, die Marktfrauen rufen, der Himmel färbt sich langsam rose. Nach etwa 10 Minuten geht es weiter und ich denke mir noch, jetzt muss es zügig gehen, als wir auf einer Art Standstreifen vor einer kleinen, lokalen Gaststätte wieder stoppen. Unser Fahrer verlässt das Führerhaus, schlägt die Tür hinter sich zu und nichts. Wir stehen. Hinter uns stoppt ein weiterer LKW und der Fahrer tut es Unserem gleich. Ich sehe, wie er in die kleine Gaststätte eintritt und im Hinterzimmer verschwindet. Trinken die etwa Kaffee, während die Passagiere auf den voll besetzten LKWs sitzen? Die haben ja wirklich die Ruhe weg…

Unser LKW steht unter einem Dach, wodurch ich den Himmel nicht sehen kann, das Licht meiner Umgebung verrät mir allerdings, dass der Sonnenaufgang bereits in vollem Gange ist. Ich bin traurig und sauer zugleich, dass mein Vorhaben durch einen Kaffeetrinkenden Shuttle-Fahrer vereitelt wurde (und selbst beim Korrekturlesen ein paar Tage später kocht die Wut wieder in mir hoch!). Nach etwa 15 Minuten kommt unser Driver endlich wieder zurück und startet den Motor. “Ich hoffe, dein Kaffee hat geschmeckt, du blöder Aff!”. Was nun folgt, erinnert mich an Achterbahnfahren oder einen Flugsimulator: Unser Fahrer gibt Gas und beginnt die steilen, schmalen Sträßchen zum goldenen Felsen emporzusteigen, die dann in regelmäßigen Abständen auch wieder sehr steil abfallen. Wie eine Schlange windet sich unser Weg um den Berg herum nach oben. Von meinem Platz auf der letzten Bank (Im Bus ganz hinten, Baicco!) kann ich den Fels zu meiner Linken sehen und erahne den Abhang zu meiner Rechten. Was den Weg vor mir angeht, so sehe ich nur die extremsten Stellen über das Fahrerhaus, nämlich wenn der LKW mit voller Geschwindigkeit die Absenkungen hinunterrauscht. Rausfallen kann bei dieser Höllenfahrt freilich keiner; zu eng sind wir auf den unbequemen Metallbänken aneinandergequetscht. Um kurz vor 7AM erreichen wir schließlich endlich die Bergstation und ich sehe die Sonne. Wunderschön und groß steigt sie vor mir aus dem nebelverhangenen Tal herauf und beginnt in diesem Moment, wie ich sie sehe, damit, die Welt zu erleuchten. Auf diesen Moment kam es mir an! Mir fehlen die Worte!

Mit der Sonne im Rücken mache ich mich auf Richtung Golden Rock, der in etwa 1000 Meter vor mir liegt. Von der Shuttle-Station aus führt eine breite Straße durch das Dörfchen Kyaiktiyo zum Golden Rock hin, die zu beiden Seiten mit Verkaufsständen übersät ist. Allerlei Essen, haufenweise Souvenirs und eine Vielzahl an verschiedensten rituellen und religiösen Schmuck- und Dekorationsgegenständen werden hier zum Kauf dargeboten. Eine Vielzahl von Mönchen unterschiedlicher Glaubensorden kreuzen meinen Weg, junge Novizen durchstreifen die Straße auf der Suche nach Spendengaben, alte Gelehrte sprechen laut Mantras oder klopfen mit kleinen Stäben auf Klangscheiben, um den Vorbeieilenden Glück zu spenden. Es ist so früh am Morgen und trotzdem sind die Straßen hier bereits voll. So viele Menschen.

Wie ich am Golden Rock ankomme, kann ich die Magie des Ortes spüren. Groß erstreckt sich der Koloss vor mir und auf der Fläche um den Felsen herum knien unzählige Gläubige, die in Richtung des heiligen Monuments beten. Der Legende nach befinden sich unter dem Golden Rock zwei Haare vom Kopf des Buddha, die den Stein im Gleichgewicht halten. Zu Ehren Buddhas werden bündelweise Kerzen entzündet, Blumensträuße dargelegt, Gebete gesprochen, Verbeugungen über Verbeugungen durchgeführt. Ein Rundweg führt um den goldenen Felsen herum und wie ich ihn entlang gehe, eröffnet sich mir zusätzlich ein wundervoller Blick auf die Berglandschaften außenrum. Ich sehe Pilger, andächtig Betende und Mönche von überall her. Einen Mönch, der sich an einem Selfie versucht, frage ich höflich, ob ich ihm helfen darf, um den Golden Rock hinter ihm vollständig mit aufs Bild zu bekommen und wir kommen ins Gespräch. Er ist aus Hsipaw im Norden und besucht mit einer Hand voll weiterer Glaubensbrüder aus seinem Kloster erst Kyaiktiyo und dann Yangon. Wie ich ihm Bilder von meinem Trek und Arnoon’s Dorf zeige, erkennt er die Orte prompt wieder…das ist witzig. Ich plaudere ein wenig mit einem seiner Weggefährten und ihm, während wir den Rundgang um den Felsen weitergehen; die Einladung zum Frühstück lehne ich dann leider dankend ab, da mein Bus zurück nach Yangon um 10.00Uhr startet.

Bevor ich mich endgültig zum Busterminal aufmache, möchte ich dem Felsen und mir allerdings die große Ehre erweisen und stelle mich in die Schlange vor den Metalldetektor. Der Bereich vor dem Felsen ist circa 5 Meter weit abgesperrt und nur über eine kleine Brücke erreichbar. Jeder männliche Besucher, der in diesen Bereich eintreten möchte, muss sich erst einer Kontrolle durch das Sicherheitspersonal unterziehen und Frauen ist das Betreten des inneren Bereichs leider völlig untersagt. Ich gebe meinen Rucksack beim Wachpersonal ab, gehe durch den Metalldetektor und wandle fromm, nach einem bestätigenden Nicken von einem der Sicherheitsmänner, weiter zum Stein. Mächtig erstreckt er sich vor mir in Richtung Himmel und die Schicht aus Blattgold, mit der der Felsen überzogen ist, schimmert majestätisch in der Morgensonne. Aus einem Meter Entfernung kann ich genau erkennen, wie nahe der runde Felsblock auf dem steinernen Untergrund, direkt am Abgrund liegt…so nah…nur ein kleiner Schubser und…und doch viel zu schwer, um jemals bewegt zu werden und dadurch über Buddha’s Haare hinweg runterzufallen. Ich habe Glück, denn es sind nur ganz wenige Menschen um das Heiligtum versammelt und der Weg vor mir ist frei. Ich gehe ganz dicht an den Riesen heran und lege meine flache Hand auf die kühle, raue Oberfläche. Ich schließe die Augen, atme tief ein und aus und halte einen Moment inne. Ein magisches Gefühl, etwas so Heiliges, etwas so Uraltes zu berühren…

Es ist etwa 08.40Uhr, als ich schließlich am LKW ankomme und gemeinsam mit den beiden Mönchen in der ersten Reihe Platz nehme, die ich am goldenen Fels kennengelernt und auf dem Rückweg durch Kyaiktiyo dann prompt wieder getroffen habe. Der Truck füllt sich langsam…ein Blick auf die Uhr; 08.55Uhr…voll. Normalerweise genießen die Mönche hier in Südostasien ein besonderes Ansehen und niemandem ist es gestattet, den Geistlichen selbst oder dessen Robe zu berühren. Die Geistlichen werden bevorzugt und die Geistlichen haben ihre etwas von der Allgemeinheit abgeschotteten Sitzplätze und Aufenthaltsräume. Anders hier…wir werden alle regelrecht aufeinander geschoben, wie Vieh zusammengepfercht. Einziges Ziel: Möglichst viel Umsatz. Während ich mich anfangs noch darauf gefreut habe, in Kinpun gemütlich einen Kaffee zu trinken, freue ich mich inzwischen darauf, dass Geld für einen Kaffee gespart zu haben, da die Uhrzeiger weiterlaufen, der volle Truck aber steht und vom Fahrer jede Spur fehlt. Um 09.10Uhr geht’s endlich los; die Fahrtzeit ist mit 30 Minuten angegeben. Genug Zeit, denke ich. Wie bereits auf dem Hinweg fliegen wir die Serpentinen regelrecht hinunter; mich drückt es links gegen den Mönch, mich drückt es rechts gegen den Mönch; und dann bleiben wir prompt stehen. Vier oder fünf andere LKWs versperren vor uns die Straße, alle mit Passagieren voll beladen, einer hat irgendwas an der Achse. Nichts geht voran…irgendwann schau ich auf die Uhr; noch 20 Minuten bis 10. 20 Minuten bis mein Bus nach Yangon fährt. Bis wir uns wieder in Bewegung setzen, vergehen unzählige Minuten und wie ich mir gerade ausmale, dass ich den Bus nur sehr knapp erreichen werde, stoppen wir erneut. Wieder die Gläubigen, die mit rasselnden Urnen um Geld für ein neues Gotteshaus bitten, wieder die Marktfrauen, die ihr Habe anbieten und dieses Mal völlig abartig allerlei Spielzeugwaffen für Kinder hochhalten. Mit einem Blick auf die Uhr wird mir bewusst: Ich verpasse meinen Bus. Erneut vom Schicksal vorgeführt, abermals trotz reichlicher Bemühung nicht entlohnt und stattdessen von übermenschlichen Kräften gepeinigt. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es bei etwaigen Verspätungen meiner Person in der Vergangenheit, die es ohne jeglichen Zweifel gab und die ich in keinster Weise bestreiten möchte, meist nicht mein Verschulden war! Vielmehr wurden mir von der Vorbestimmung Steine in den Weg gelegt, die ich kaum zu umgehen vermochte. Ich als das Spielzeug der Gestirne.

Aber nicht dieses Mal! Im Land des Buddha meint es offenbar etwas jenseits meiner Vorstellungskraft gut mit mir! Der Bus setzt sich prompt und ohne Vorwarnung wieder in Bewegung, fliegt regelrecht die restlichen Kilometer in Richtung Dorfzentrum Kinpun, passiert die Kontrollstation am Ortseingang geschwind wie der Wind und kommt um 10.05Uhr Ortszeit 500 Meter von der Busstation entfernt zum Stillstand. Der junge Mann, der mir am Vorabend noch das Ticket verkauft hatte, steht neben der Treppe, über die die hinteren Passagiere bereits vom Lastwagen steigen und ruft fragend nach “Yangon, Yangon”. Wie er mich erkennt ,wedelt er grinsend mit einem Zettel in der Hand und als ich endlich vom Truck gestiegen bin, begleitet er mich mit großen Schritten zum auf mich wartenden Fernreisebus. Sitz 4A. Ich glaube es kaum. Geschafft! Auf nach Yangon…

Es sieht ruhiger aus, als es ist…die Shuttle-Station um kurz vor 6.00Uhr.
Die Sonne, wie ich auf dem Gipfel ankomme.
The golden rock.
Flüssigkeit ist wichtig…auch für Novizen.

Myanmar, Mandalay, Das Umland

…und bei all der Zeit in Mandalay, hat es mich auf der Suche nach Abenteuern und guten Fotomotiven dann auch in Mandalay’s Umland getrieben:

Inwa, südlich von Mandalay
Inwa, südlich von Mandalay
Inwa, südlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
Mingun, nordwestlich von Mandalay
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay (Eines meiner Lieblingsbilder!)
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay (Ein weiteres meiner Lieblingsbilder!)
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay
U-Bein-Bridge, südlich von Mandalay

Myanmar, Mandalay

Mandalay ist die zweitgrösste Stadt Myanmars. Die Stadt, über die ich nach Myanmar eingereist bin, in der ich für etwa 2 ½ Stunden verweilte, als ich vom Chin State in den Shan State übersiedelte, in die ich für zwei Nächte entspannten Schlaf nach so vielen Tagen Trekking zurückkehrte…und dann für 6 Nächte blieb, weil’s sich grad so anbot.

Mandalay ist nicht Hanoi, Mandalay ist nicht Chiang Mai. Und trotzdem hat Mandalay Charme. Birmanischen Charme.

Da gehört eigentlich noch ein braun-weiß gefleckter Hund mit ins Bild, der jedoch bei allen drei Versuchen das Weite gesucht hat…

Unverhofft auf dem Heimweg mit dem Fahrrad…DAS war unglaublich!

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day III)

06.00Uhr. Der Hahn kräht. Und dann der Hahn des Nachbarn. Und dann der Hahn vom anderen Ende des Dorfes. Und dann…wieso hat denn hier jeder nen eigenen Hahn in Myanmar? Wieso musste unser sch**ß Hahn der erste Schreihals sein? …insgeheim vermute ich, dass die Hähne bereits früher angefangen haben, den Tag zu begrüßen und ich lediglich aufgrund meines tiefen Schlafes erst jetzt aufgewacht bin. Es ist ja so viel einfacher, sich aufzuregen…bringt nur nix! Ich döse noch bis 06.45Uhr unter meinen zwei warmen Decken vor mich hin und dann geht der Alarm meines und auch des Handys von Ludek runter. Keine Zeitverschiebung zwischen Deutschland und der tschechischen Republik also.

Kurz vor 8 nehmen wir unsere Bambus-Wanderstöcke in die Hand und machen uns auf den Weg. Zurück nach Hsipaw. Während die Sonne höher und höher an den Himmel steigt und die Kälte der Nacht vertreibt, passieren wir den Grenzposten der Shan-Armee in gegengesetzte Richtung, folgen der Hauptstraße (ein breiter Feldweg, der vor wenigen Jahren in einem NGO-Projekt angelegt wurde) für etwa 60 Minuten und biegen dann erneut auf die klassischen Wald- und Wiesenpfade, die ich so sehr liebe. Es ist bereits Mittagszeit, als wir ein unscheinbares Feld passieren und unser Guide plötzlich “peanuts” ruft. Ich schaue mich irritiert um.

Wusstet ihr, dass Erdnüsse unter der Erde wachsen? Ich dachte immer, die wachsen an Büschen oder Bäumen, so wie es Nüsse normalerweise so tun. Anders die Erdnüsse! Die hängen über den Wurzeln unscheinbarer Gräser unter der Erde. Lange Rede, kurzer Sinn…ich kenne unbehandelte Erdnüsse bereits von meiner ersten Reise in Vietnam aber selbst geerntet schmecken die noch besser. Nachdem uns Arnoon zeigt, wie wir an die Nüsse kommen; den ganzen Strang umfassen und dann ziehen; fangen wir zu futtern an. Und dann halte ich plötzlich SIE in der Hand. Lang aber zierlich liegt SIE zwischen meinem Daumen und meinem Zeigefinger. Hart und robust, lässt SIE sich doch sanft und willig öffnen. Und als ich die beiden Schalenhälften auseinanderklappe und vier große, pralle Nüsse zum Vorschein kommen, weiß ich mit Bestimmtheit: Das ist die Königin. Die Königin der Erdnüsse, die Gebieterin des Ackers, die Regentin des Feldes. Die edle Mutter der Saatschaft, die Herrscherin unter Tage. Die Größte, die Schönste, die Tollste…sehr lecker.

Der Rest ist schnell erzählt. Wir marschierten nach etwa 15 Minuten weiter, kommen an einer riesigen Wassermelonen-Farm vorbei (auch sehr amüsant anzuschauen, da es ein bisschen etwas von Matrix hat, wie die kleinen Pflänzchen in Reih und Glied aus einer Plastikfolie hervorschauen, die den Boden bedeckt und unter der links und rechts am Pflänzchen Wasserleitungen vorbeiführen, die die noch junge Melone rund um die Uhr mit Wasser versorgen), laufen auf einem Feldweg durch herrliche, bereits abgeerntete Felder und haben so den Geruch von trockenem Gras und Kräutern in der Nase, während wir die Berge hinter uns lassen und schließlich nach etwa 2 Stunden unser Ziel Hsipaw und somit das Ende unseres Treks erreichen. Was für eine wunderschöne Gegend, was für wundervolle Menschen, was für ein Erlebnis.

“rok mai tan tan”, Arnoon!

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day II)

Nirgends habe ich diese Extreme bisher so sehr verspürt, wie hier in Myanmar. Sobald die Sonne am Himmel steht, was jeden Tag der Fall ist, so erstrahlt alles in warmen Licht und die Temperaturen liegen irgendwo bei 25°-32°C. Sobald die Sonne aber abends dann verschwunden ist, kühlt die Luft enorm runter und die Nächte sind mit etwas um die 10°C bitterkalt. Die letzte Nacht haben wir im Haus eines Onkels unseres Guides verbracht und wie überall im Land sind die Wände sehr dünn bzw. in den Dörfern dann meistens aus Bambus geflochten, wodurch sie nicht völlig geschlossen sind. Trotz drei Decken konnte ich die Kälte der Nacht spüren und bin froh, dass ein neuer Tag beginnt. Guten Morgen, Myanmar.

Nach dem Frühstück, zu dem in den südostasiatischen Ländern traditionell wie auch zum Mittag- und Abendessen Reis serviert wird, packen wir unsere Sachen zusammen und machen uns zum Abmarsch bereit. Geplant ist ein etwa 2 ½ stündiger Trip bergabwärts zum Fluß, an dem wir fischen, baden und schließlich auch zu Mittag essen wollen, bevor wir uns dann an den etwa 2 ½ stündigen Aufstieg zurück zu unserem Quartier von letzter Nacht und dann auf den Weg zu unserem neuen Quartier in das etwa 60 Minuten entfernte Heimatdorf unseres Guides Arnoon machen, in dem er die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbracht hat, bevor er für sieben Jahre nach Mandalay ins Kloster gegangen ist.

Der Abstieg zum Fluß ist anstrengender als gedacht. Das volle Gewicht meines Körpers und meines Rucksacks lastet auf meinen Knien, denn Arnoon hat nicht übertrieben, als er meinte, der Weg würde steil sein. Der Weg ist für mich ohnehin nicht erkennbar in diesem Gebiet. Neben Arnoon begleitet uns heute sein Onkel, der den Tag frei genommen hat und am Fluß fischen möchte. Im Zickzack geht es durchs Unterholz, unter großen schattenspendenden Bäumen hindurch, den Berg hinab. Dass wir uns mit einem Wanderstock bei diesem Abstieg leichter tun, merken wir spätestens, als der Onkel mit seinem großen Messer (Klinge in etwa 40cm?), das etwas an ein Ninjaschwert erinnert, kurzerhand einen langen Bambusstamm absäbelt, mit geschickten Hieben zwei handliche 1,20 cm-lange Stäbe zurechtstuzt und uns diese in die Hand drückt. Nach etwa 90 Minuten verlässt uns der Onkel dann zu einem guten Platz zum Fischen etwas weiter Flußaufwärts und streckt mir, bevor er uns den Rücken zukehrt, sein Messer entgegen…nun habe ich das Schweeert!

Wir erreichen schließlich das Flußufer und Arnoon sammelt sogleich etwas trockenes Holz zusammen, um ein Feuer zu machen. In Bambushölzern, die standardmäßig  Innen hohl sind, schöpft er Wasser aus dem Fluß und stellt diese zum Erhitzen ins Feuer. Wasser zum Kochen und Wasser für Tee. Einge Zeit später stößt der Onkel zu uns und siehe da, in seinem Kescher hat er zwei gute Dutzend kleinerer Fische mit dabei. Die Beute zerlegt er großteils fein säuberlich, wascht sie im Flusswasser nochmal ab und schüttet alles zusammen in ein neues Bambusrohr, in das Arnoon zusätzlich gesammelten Waldfarn schiebt, das Ganze mit Wasser auffüllt, mit einem gesäuberten, zurechtgeschnittenen Bananenblatt verschließt und ebenfalls ins Feuer stellt. Die größeren der kleinen Fische spannt Arnoon’s Onkel zwischen zwei kleine Bambusstäbchen, umwickelt die Bambusstäbchen mit Bambusfasern und hängt die ganze Konstruktion mithilfe zweier Äste übers Feuer. Dem Teewasser wurden zwischenzeitlich Teeblätter hinzugegeben und der Tee kocht; Arnoon gießt uns Tee in kleine Becher ein. Die Becher sind aus Bambus. Die machen hier wirklich alles aus Bambus. Und ich verbrenne mir erstmal ordentlich die Zunge.

Zusammengefasst sitzen wir bei Sonnenschein zusammen am Fluss, trinken selbstgemachten Tee von den Teeplantagen ringsherum und warten darauf, den selbst gefangenen Fisch zu essen, der neben uns über offener Flamme gart. Myanmar ist eines der ärmsten Länder der Welt und die Bevölkerung ist gleichzeitig so unendlich reich.

Naja, gut. Wir befinden uns an der Grenze der freigegebenen Fläche. Die andere Seite des etwa 4 Meter breiten und vielleicht 50cm tiefen Flusses ist rotes Gebiet und somit für Touristen gesperrt und auch die Einheimischen meiden die unbefestigten Gegenden. Auf der anderen Seite des Flusses ist die Gefahr real, auf eine Landmine zu treten…

Nach dem Lunch, der ausgesprochen gut war und bei dem ich, jaaa, auch das Fischgericht inklusive Fischflossen, Fischgräten und Fischköpfen gegessen habe, packen wir unsere Sachen zusammen, löschen das Feuer und machen uns an den Aufstieg. Wir starten barfuß, da uns unser Rückweg zunächst ein Stück weit durch den Fluß führt, bevor wir schließlich etwas südlicher emporsteigen. Wie bereits am Vormittag verläuft der Pfad im zickzack und der Berg ist steil. Ich bin schlecht im schätzen aber er ist steil genug, damit ich mich bereits nach kurzer Zeit von Stein zu Wurzel und Wurzel zu Gesteinsvorsprung hieve. Trotz der großen Bäume mit ihrem dichten Blätterdach über unseren Köpfen ist es heiß und das atmen fällt schwer. Mit zunehmender Höhe verändert sich glücklicherweise die Umgebung und als wir nach einer Stunde etwa auf den ersten Bergkamm zusteuern, verläuft unser Pfad wieder über weite Wiesen mit blauen Blumen, die zwischen Bergreis und Pinien-Nadelbäumen wachsen. Hier erfrischt uns nun wieder eine leichte Brise und die Luft ist etwas kühler, während die Sonne unverändert warm vom Himmel strahlt. Die wundervolle Aussicht auf die höheren Berge um uns herum ist die Gleiche wie am Vortag.Wir schöpfen neue Kraft.

Unser Weg führt uns höher und höher und wie wir schließlich auf den nächsthöheren Berg übersetzen, finden wir uns in der gewohnten Umgebung zwischen Teeplantagen wieder. Unser Weg ist ein Trampelpfad und wie ich so mit meinem Wanderstab aus Bambus den lehmbraunen Pfad, der sich durch die saftig grüne Teeplantage windet, entlang marschiere, während das intensive Sonnenlicht alle Farben leuchten lässt, spüre ich das Abenteuer in der Luft liegen.

Der Weg von Arnoon’s Onkel und der unsere haben sich zwischenzeitlich getrennt und wir sind kurz vor unserer Unterkunft für die kommende Nacht, als wir erneut auf die Shan-Armee treffen. Dieses Mal sind es mehr. Unsere Unterkunft für die kommende Nacht befindet sich in Arnoon’s Geburtsdorf und an der Grenze zum roten Bereich Myanmar’s. Wir laufen auf eine heruntergelassene Schranke aus rot-weiß lackiertem Bambus zu, zu deren linken Seite etwas nach oben versetzt mit Hilfe von Sandsäcken zwei Gefechtsstellungen in den Hang gebaut wurden und zur Rechten der Berg weiter abfällt. Hinter der Schranke befindet sich eine Wegkreuzung, von wo aus der Weg geradeaus den Berg hinunter und ins etwa 5 Minuten entfernte Dorf führt. Auf dieser Seite des Berges, rechts neben dem Weg ins Dorf, befinden sind drei weitere Gefechtsstellungen und dahinterliegend die Zelte, in denen die etwa 10 Soldaten dieser Stellung schlafen. Die Soldaten hier kennen Arnoon, der immer mal wieder im Dorf seiner Eltern vorbeischaut, wenn die Palaung-Armee nicht in der Nähe ist und wodurch wir ungehindert passieren können. Auf dem Weg in Richtung Dorf den Berg runter kommen uns vier patrouillierende Soldaten entgegen und so kann ich sie das erste Mal direkt vor mir in voller Montur sehen…inklusive amerikanischem M16-Sturmgewehr auf dem Rücken. Das Geburtsdorf von Arnoon liegt in einem kleinen Talkessel und ist von hohen Bergen umgeben. Unser Guide erzählt uns, dass hier in der Umgebung rund um das Dorf in etwa 1.000 Shan-Soldaten stationiert sind, die den Grenzbereich an dieser Stelle schützen und wie ich weiß, auf was ich achten muss, sehe ich im Licht der untergehenden Sonne plötzlich tatsächlich mehrere kleine Stellungen auf den Berggipfeln rund um den Kessel. Immerhin gab es keine Explosionen heute…der Kampf vom Vortag fand etwa 50 Kilometer nördlich des Dorfes statt. Die Zone, in der das Risiko für Landminen steigt, liegt hingegen nur etwa 2000 Meter entfernt.

Im Dorf ist alles friedlich und wie wir unser Nachtquartier erreichen, stellen wir voller Freude fest, dass unser Gastgeber auch einen kleinen Supermarkt betreibt, in dem es neben “Walt Disney’s Rapunzel”-Notizblöckchen und Taschenlampen Bier zu kaufen gibt. Und wie die Sonne am Horizont verschwindet, sitzen Ludek und ich auf einem kleinen, hölzernen Balkon, den Blick über die Berggipfel schweifend, mit Bier aus Myanmar…

Guten Morgen, Shan State.
Der Abstieg zum Fluss…
…und iiich hab das Schweeert!

…und ich spüre das Abenteuer in der Luft liegen.
Unser Quartier für die zweite Nacht…
…und auch ein anderer Wächter beobachtet uns am Vorbeigehen.

Prost!

Myanmar, Hsipaw, Trekking im Shan State (Day I)

Nachdem wir Mindat verlassen haben, führte Ludek’s und mein Weg weiter über Mandalay nach Pyin U Lwin, wo wir nach Tagen das erste Mal wieder eine warme Dusche genießen durften, und zwei Tage später schließlich mit dem Zug in das sieben Stunden weiter nördlich gelegene Hsipaw. In Hsipaw angekommen, machten wir uns erneut auf die Suche nach einem Privatguide aus der Region und wurden schnell fündig. Arnoon ist 24 Jahre alt, ist in einem Dorf in den Bergen aufgewachsen und hat im Kloster englisch sprechen gelernt, bevor er nach sieben Mönchsjahren vor drei Jahren zurück nach Hsipaw zu seinen Großeltern gezogen ist. Geld haben wir dieses Mal ausreichend dabei und so verabredeten wir uns gestern Abend, nach einem ersten Kennenlernen mit Arnoon, zu einen 3 Tages-Trek für heute Morgen.

Arnoon ist pünktlich um 8.30Uhr in unserer Guesthouse-Lobby, um uns abzuholen. Die ersten Meter aus der Stadt heraus fahren wir noch mit dem TukTuk, bevor wir dann am Stadtrand absteigen und zu Fuß weitergehen. Es ist ein kalter Morgen und wir wandern zunächst durch Nebelschwaden Richtung nördliches Hochland. Arnoon erstaunt uns recht schnell mit sehr großem Wissen über allerlei Dinge…

-Wusstet ihr zum Beispiel, dass die Pflanze “Mimosa” nach einer Berührung durch Wassertropfen oder einem menschlichen Zeigefinger zum Schutz die Blätter hängen lässt? Ich konnte sehen, was die deutsche Redensart “Stell dich halt an wie eine Mimose” bedeutet.-

…er erzählt uns von den Konflikten im Land und einer Karte Myanmar’s, auf der zu sehen ist, in welche Bereiche des Landes Touristen reisen dürfen. Die Farbe Gelb bedeutet “erlaubt, da safe”, Orange heißt “erlaubt, Zustand ist aber kritisch” und Rot gibt zu verstehen “gesperrt, da nicht sicher”. Der Chin State ist orange, was wir nach eigenen Recherchen bereits vermutet haben, da nur etwa 100-150 Kilometer südwestlich des Mount Victoria, im rot markierten Rakhine State aktuell die religiösen Kämpfe zwischen Buddhisten und Muslime stattfinden. Das Gebiet rund um Hsipaw erstrahlt in gelb, doch unweit unserer Trekkingroute beginnt die rote Nordhälfte Myanmar’s, in der es keinem Touristen erlaubt ist zu reisen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Gegenden mit Landminen kontaminiert sind und dort die kämpferischen Handlungen zwischen dem staatlichen Militär sowie deren verbündeten ethnischen Armeen und der rebellenähnlichen Palaung-Armee geführt werden. Arnoon erzählt uns davon, wie die Palaung-Armee versucht, ihre Unabhängigkeit beizubehalten und sich gegen die Idee von einem gemeinsamen Myanmar sträubt. Um neue Mitstreiter für den Kampf gegen die Regierung zu gewinnen, dringen sie sporadisch in die Bergdörfer vor, um junge Frauen und Männer zwischen 18 und 30 in die Armee zu zwingen. Viele junge Menschen verlassen aus Angst ihre Dörfer und Familien und auch unser Guide lebt aufgrund dieser Tatsache bei seinen Großeltern in der Stadt. Die Anhänger der Palaung-Bewegung schrecken offenbar nicht davor zurück, bei der Rekrutierung ihre Schusswaffen einzusetzen oder die jungen Menschen durch untergejubeltes Opium zu erpressen, in dem sie sie des Rauschgifthandels bezichtigen. Unser Guide erzählt uns, dass die einzelnen Dörfer dank Smartphones in regelmäßigem Kontakt miteinander stehen können, um sich gegenseitig darüber zu informieren, wenn Militär oder Palaung-Armee in der Nähe sind und auch er unsere Route von Zeit zu Zeit von seinen Kontaktpersonen auf der Strecke freigeben lassen wird. Alles in allem hört sich das nicht gerade ungefährlich an und ich frage ihn, ob wir eventuell Soldaten der Palaung-Armee begegnen werden, was er nicht ausschließt.

Und dann sind sie auch bereits da. Auf einem Hügel platziert, sitzt ein in Flecktarn gekleideter junger Soldat neben der Straße vor einem Campingtisch mit einem Funkgerät darauf und zwei weitere Kameraden lehnen rauchend an einem Holzzaun, die Straße mit einem Eisengatter versperrt. Als wir näherkommen, schauen die beiden Kämpfer auf und kommen auf uns zu. Unser Guide flüstert uns von rechts zu, wir sollen weiterlaufen, was wir tun. Ich verspüre Angst. In einiger Entfernung bleiben Ludek und ich schließlich stehen und linsen zurück. Unser Guide hat seinen Rucksack auf einen kleinen Tisch gestellt und unterhält sich mit einem der beiden Soldaten, während der andere den Rucksack inspiziert. Wenige Minuten später ist Arnoon dann wieder bei uns; alles gut, das waren Anhänger der Shan-Armee, Kämpfer einer der ethnischen Gruppen Myanmar’s, die mit der Regierung zusammenarbeiten. Sein Rucksack wurde auf Opium, Waffen und Anzeichen für eine Zugehörigkeit zur Palaung-Armee kontrolliert und ihm wurden Fragen zu unserer Trekking-Route gestellt.

Schon bald passieren wir dann auch im Shan-State die üblichen kleinen Dörfer und die Kinder kommen uns, wie bereits im Chin State, winkend, bis über beide Ohren strahlend und mit riesigen, freudestrahlenden, braunen Augen entgegengesprungen. Die Wörter, die sie rufen, kann ich dieses Mal aber nicht verstehen, die Sprache hat sich abermals geändert; neue Provinz, neue ethnische Gruppe, neue Sprache. Auf dem Weg über eine weite, grüne Wiese, kurz nach dem ersten Dörfchen, hören wir dann auch schließlich zum ersten Mal das Grollen. Während ich es für einen Donner in der Ferne halte, identifiziert Ludek es als ein unbedeutendes Tiergeräusch in der näheren Umgebung. Arnoon wählt indessen einen Kontakt auf seinem Mobiltelefon und wählt die Nummer…er erkundigt sich, ob unser Nachtquartier sicher ist. Arnoon hat eine Explosion gehört…die Kämpfe finden weiter im Norden statt; das Nachtquartier ist für heute sicher.

…wir folgen dem Pfad aus dem zweiten Dörfchen heraus und schon bald erkennen wir überall um uns herum Tee-Bäume, durch deren Mitte uns unser Pfad führt. Hier in der Region nordöstlich Mandalays leben viele Tee-Farmerfamilien. Aus den Teeplantagen heraus, geht es schließlich steiler bergauf und wir folgen alten Trampelpfaden, welche durch freilebende Rinder erschaffen wurden. Es ist inzwischen Nachmittag, die Sonne steht hoch am Himmel und strahlt warm herab. Die Luft ist erfüllt von allerlei Gerüchen, welche von Gräsern und Blumen stammen, Vögel zwitschern ihr Lied. Wir hiken durch alte Wälder, die mich bereits deutlich an Urwald erinnern und haben eine herrliche Aussicht, auf die Berge ringsherum. Eine wundervolle Gegend! …Donner.

Gegen 16.30Uhr erreichen wir schließlich unser Quartier für die Nacht. Ein Farmhaus am Rande eines kleinen Dörfchens, dessen Vorhof uns einen phantastischen Blick auf das Tal und die dahinter liegende Bergkette beschert. Der kleine Vorhof ist zum Weg, über den wir ins Dorf gekommen sind, etwa drei Meter nach unten versetzt und strahlt ein heimeliges Gefühl aus. Hühner mit kleinen Küken bicken im Hof umher, zwei Kätzchen hetzen spielerisch hintereinander her, ein kleiner pelziger Hundewelpe rennt uns schwanzwedelnd entgegen und…ein etwa 12-jähriger Junge reitet uns auf einem Buffalo grinsend entgegen. Das Haus selbst ist wie üblich auf Stelzen, aus Holz erbaut und die Schlafräume befinden sich im ersten Stock. Um die Stelzen wurden hier aus Bambusfasern Wände geflochten, die so nun einen großen Stauraum im Erdgeschoss für Lebensmittel schaffen.

Feierabend. Ab jetzt wirds gemütlich. Nachdem wir unser weniges Gepäck auf unser Zimmer gebracht und uns flüchtig etwas frisch gemacht haben (Duschen gibt’s hier wieder nicht mehr), setzen wir uns in den Vorhof auf zwei Stühle. Arnoon hat ein Lagerfeuer entzündet, von der Küche werden uns ein paar köstlich-süße Bananen sowie aufgebrühter Grüntee aus eigenem Anbau gebracht. Wir genießen die herrliche Aussicht auf die grüne Berglandschaft ringsherum, die sich auf der anderen Seite des Tals in das rot markierte Nord-Myanmar erstreckt. Atemberaubend präsentiert sich vor uns die Natur und darüber der blaue Himmel, während wir vertraute Vogelgesänge und das Summen unterschiedlicher Insekten vernehmen können. Ein magisches Fleckchen, an dem es sich definitiv aushalten lässt.

Was das Grollen in der Ferne betrifft, so haben wir über den Nachmittag verteilt insgesamt vier bis fünf Explosionen wahrgenommen. Kontakte zur Palaung-Armee oder anderen Rebellentruppen gab es aber keine mehr.

Hier hörte ich „den Donner“ zum ersten Mal…

Unser Dörfchen für die erste Nacht.
Unser Quartier für die erste Nacht.
…und unser Empfangskomitee.

Da hat er sich ein eigenst mit der Steinschleuder erlegtes Eichhörnchen gebraten…der kleine Spitzbub.