Myanmar, Trekking im Chin State, Mount Victoria

Die Nacht war kalt und der Morgen beginnt früh. Bereits ab 03.45Uhr hört man die ersten Hähne durchs Tal krähen und ab 06.00Uhr vernehme ich schließlich auch Kinderstimmen aus dem Zimmer nebenan. Die Wände sind hier dünn, nicht völlig dicht und nach oben in Richtung Dach nicht geschlossen. Ich kuschel mich nochmal in meine zwei dicken Decken, die mir zum Schlafen überlassen wurden und versuche etwas vor mich hinzudösen, bis dann gegen 06.30Uhr nebenan schließlich die Feuerstelle entzündet wird. Schwarzer Rauch zieht wie bereits am Vorabend durch die löchrigen Holzwände in unser Zimmer herein und die Luft über uns verdunkelt sich. Ich schlage meine Decken zur Seite, stehe auf und öffne die Fenster. Während es drinnen inklusive meiner eigenen Person nach Lagerfeuer riecht, strömt mir von draußen kalte, klare Luft entgegen. Das Morgengrauen beginnt gerade. Auch Ludek ist inzwischen aufgewacht und zieht sich schnell etwas über, während Nonie neben unseren Plätzen dank Ohrstöpseln und Schlafmaske, von der aus uns Bärenaugen anäugeln, seelig schläft. Ludek und ich gehen nach draußen und zu einem etwa 150 Meter entfernten Bach, um uns die Müdigkeit aus den Augen zu waschen. Die ersten Leute sind bereits unterwegs und begrüßen uns am vorbeilaufen freudestrahlend, das Pfeifchen im Mundwinkel, mit dem für die Region typischen “Ne-gei-do”. Zurück an unserem Haus erwarten uns die beiden Jungs des Hauses und schauen uns wie am Vorabend neugierig aber schweigend entgegen. Dass wir anders aussehen, kommt mir spätestens ins Gedächtnis zurück, als die drei kleinen Hunde vor dem Haus bei unserem Anblick prompt das Spielen aufhören und den Kopf zur Seite schlagen, bevor sie dann aber doch Schwanzwedelnd auf uns zuspringen, um sich auf unsere Schnürsenkel zu stürzen. Also doch nicht so anders…

Nach dem Frühstück machen wir uns zunächst auf den Weg zu den Motorrädern. Wir haben einen langen Weg vor uns; wir wollen auf den Mount Victoria, den mit 3.053 Metern zweithöchsten Berg Myanmars. Nach einem kurzen Ritt durch das Dorf Kyrado kommen wir vor einer Hängebrücke leider direkt wieder zum stehen; zu steil und zu eng ist der Pfad auf der anderen Seite der Brücke den Berg hinauf, um ihn zu zweit auf dem Motorrad zu erklimmen. Ludek, Nonie und ich schnappen also unser Zeug und laufen los. Der Pfad führt uns weiter und weiter den Berg hoch, freundlich gestimmte Bauern kommen uns grinsend entgegen und die Sonne steigt höher und höher gen Himmel und taucht die andere Seite des Tals weiter und weiter in ihr wärmendes Licht. Die Aussicht ist erstaunlich und überall duftet es nach frischen und von der Nacht noch leicht feuchten Kräutern und Gräsern. Ein neuer wundervoller Tag startet hier im Chin State.

Nach etwa 30 Minuten werden die Pfade schließlich wieder besser und wir können unseren Weg auf den Motorrädern fortsetzen. Der Ausgangspunkt zum Gipfel des Mount Victoria liegt etwa 30 Kilometer entfernt, trotzdem ist aufgrund der steilen und lediglich provisorischen Straßen mit einer Fahrzeit von etwas um 2 Stunden zu rechnen. Unsere Route führt uns zunächst weiter den Berg hinauf, auf der anderen Seite wieder etwas runter, nördlich um den Berg herum und erneut bergauf. Überall, wo wir Dörfer passieren, kommen die Kinder zur Straße gelaufen und rufen winkend “hello, hello”, während dieses Mal vor allem auch die Mädchen interessiert und schüchtern zugleich den Blickkontakt zu mir suchen…

Nach knapp zwei Stunden erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt zum Mount Victoria und werden zunächst Zielscheibe von einheimischen Touristen. Drei Mönche sind die ersten, die kommen und grinsend um ein Foto bitten, bevor andere Wander-Touristen hinterhereilen, um ebenfalls ein Erinnerungsfoto mit den Komischen zu ergattern. In diesem Land laufen die Dinge definitiv noch anders als in allen Ländern, in denen ich zuvor war…

Naing Awm gibt schließlich den Befehl zum Abmarsch; wir müssen los. Wir schnappen uns unsere Sachen und gehen abseits der Straße durch einen unscheinbaren Pfad durchs Gestrüpp nach oben. Bereits fünf Minuten später verändert sich die Landschaft dann aber und uns eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf das Gebiet und die Berge um uns herum. Vor uns liegt klar der Pfad, der über freie Grasflächen hinweg führt und um uns herum blüht, mit roten Blüten versehen, Rhododendron, während die Sonne auf knapp 3.053 Metern warm auf uns herab scheint. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir schließlich den Gipfel des zweithöchsten Berges Myanmars. Es ist etwas kühler hier oben und auf 3.053 Metern weht durchaus auch ein frisches Lüftchen. Am höchsten Punkt des Mount Victoria erwartet uns, sitzend, Buddha in Gestalt einer großen Steinfigur und schaut zufrieden auf uns herab. Well done!

Nach einem ausgedehnten, leicht verspäteten Mittagessen und einem dafür recht zügigen Abstieg sind wir, stolz über unsere erbrachte Leistung, kurz nach 15.00 Uhr am Ausgangspunkt zurück. Nach einem kurzer 3in1-Instant-Kaffee am Kiosk, um unseren Erfolg zu feiern, klettern wir zurück auf die Rücksitze unserer Motorräder und unsere Fahrer drehen die Gashähne auf; der Tag neigt sich langsam Richtung Abend zu und es ist ein langer Heimweg. Während die Ziffern meiner Digitaluhr auf dem Handy nach oben zählen, geht die Strahlkraft der Sonne nach unten und wie wir schließlich auf die östliche Seite der Bergkette, auf die Schattenseite, wechseln, wird es kalt. Ich spüre schnell, wie die Kälte in mich hineinkriecht. Ich beginne mich auf dem Rücksitz hinter Naing Awm zusammenzukauern, während mir der eisige Fahrtwind ins Gesicht peitscht. Meine Muskeln beginnen sich zu verkrampfen und ich verliere den Blick für die wunderschöne Landschaft um mich herum. Ich wünsche mir sehnlichst unsere Ankunft herbei. Nach einer gefühlten Ewigkeit fahren wir dann um eine weitere Kurve herum und endlich ist sie zu sehen…im Licht der untergehenden Sonne funkelnd, hoch oben auf einem Berg…die Stadt Mindat. In mir keimt neue Hoffnung auf, ich atme tief die kühle Luft ein, strecke meine Wirbelsäule durch und setze mich aufrecht. Ich versuche mich auf meinen Fahrer zu konzentrieren und mich an seine Bewegungen anzupassen. Links am Schlagloch vorbei. Rechts um einen großen Stein herum. Rechts um ein weiteres Schlagloch herum. Linkskurve.

Die Sonne beginnt bereits unterzugehen, als wir schließlich nach 3 ½ stündiger Fahrt die letzten Serpentinen Richtung Mindat hinter uns zurücklassen, den Rand der kleinen Stadt passieren und vor unserem “Victoria Guesthouse” zum Stillstand kommen. Ich steige wankend vom Motorrad ab und strecke mich kräftig in alle Richtungen. Was für ein Trek!

Guten Morgen, Kyrado.
Da ist das doofe Federvieh!
So sehen hier die Küchen aus…
Könnt ihr den Übergang in die nächste Höhenzone sehen?
Mount Victoria…
Mount Victoria…
MOUNT VICTORIA. 3.053 Meter über Meeresspiegel.
Hier die Aussicht vom höchsten Punkt…
…und das bin ich, wie ich die Sicht versperre 😛
Ich; keine Ahnung, vermutlich ein Cowboy; Mönch; Mönch; Mönch; Ludek; Peace-Frau…
Die Serpentinen um Mindat.
93 Jahre alt und in Myanmar eine kleine Berühmtheit, weil sie durch ihre Nase Flöte spielt.

Myanmar, Trekking im Chin State, Mindat

Guten Morgen, Mindat. Es ist 08.30Uhr und Ludek, Nonie und ich stehen vor dem Victoria Guesthouse. Nonie lebt in Melbourne und ist gestern morgen vor dem Ostello Bello-Hostel in Bagan zu uns gestoßen, als wir auf unseren Fahrer nach Pakokku gewartet haben, von wo aus dann der Bus nach Mindat losfuhr. Gleich wie wir ist Sie alleine unterwegs und hat Lust, den Chin-Staat bei einem Trek etwas besser kennenzulernen…willkommen in der Gang.

《Klammer auf》 Nachdem wir gestern Nachmittag in Mindat angekommen sind, mussten wir feststellen, dass die Gerüchte wahr sind. Nachdem bereits in unserem Mini-Van, mit dem wir angekommen waren, keine weiteren westlichen Menschen mitgefahren sind, ist auch hier in Mindat keine wirkliche Spur von Tourismus zu sehen. Ebenso gibt es kein Internet, in unserem Guesthouse kann man die Dusche nur auf kälter stellen und Geldautomaten können wir auch keine finden. Letzteres wurde uns dann später am Abend schließlich zum Verhängnis, als wir mit unserem Guide die Bestandteile der Tour zusammengesteckt hatten. Als das Programm soweit stand und es ans bezahlen ging, fiel uns dreien prompt auf, dass keiner von uns ausreichend liquide war. Der nächste ATM steht laut unserem Guide im sechs Stunden entfernten Pakokku und ein Bankkonto zu besitzen ist in dieser Umgebung nicht üblich. Wir freuen uns jetzt auf einen 2 Tages-Trek, in dem wir dank unserem Guide aber trotzdem auf nichts verzichten müssen, was uns wichtig war. 《Klammer zu》

Naing Awm, unser Guide, kommt mit zwei seiner Freunde auf Motorrädern, um uns abzuholen. Ich schwing mich bei unserem Guide auf den Rücksitz, Helme gibt es hier nicht. Nach kurzen Zwischenstopps, bei denen zunächst die Motorräder und dann unsere Rucksäcke mit Flüssigkeit aufgefüllt werden, rollen wir vom in etwa 1.500 Höhenmeter gelegenen Mindat über provisorische Straßen aus platt gestampftem Staub in Richtung Tal. Runde um Runde windet sich die Serpentine am Hang entlang nach unten, bis wir schließlich einen Fluß erreichen, an dem wir die Motorräder und auch die beiden Freunde von Naing Awm hinter uns lassen und zu Fuß weitergehen. Zu Fuß weiter, über eine schmale Hängebrücke aus Holz, auf der anderen Seite wieder den Berg hoch. Naing Awm erzählt uns, dass durch die Regenzeit von Juli bis Oktober die Straßen hier durch Erdrutsche vollkommen zerstört werden und so jedes Jahr aufs Neue große Firmen aus Mandalay anrücken, um neue Straßen in den Hang zu graben. Ein lohnendes Geschäft.

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir das erste Dörfchen, dass sich auf der Spitze des erklommenen Berges befindet. Pukun. Allzu viele Touristen dürften sich hier nicht her verirren; die Dorfbewohner inspizieren uns erstaunt aber freundlich lächelnd und die Kinder schlawinern ginant um uns herum. Unser Guide erzählt uns von zwei unterschiedlichen Glaubensrichtungen in der Region, wonach die Menschen dem alten Glauben nach den Geistern von Kühen huldigen, die sie einst besaßen und dann geschlachtet haben. Die Schädel der Kühe werden zum Gedenken (und aufgrund des hohen Anschaffungspreises für eine Kuh auch ein wenig als Statussymbol) an den Hauswänden der jeweiligen Besitzer angebracht. Der neue Glaube ist der Christliche. Und wie uns unser Guide davon berichtet hat, kommt auch prompt schon der christliche Pastor des Dorfes angeeilt und lädt uns in sein Haus ein, um den großen Kürbis zu betrachten, der in seinem Garten gewachsen ist…

Unser Weg führt uns weiter über kleinere Sträßchen und Pfade, durch herrliche Waldlandschaften, immer den Blick auf die Berge ringsherum gerichtet. Gegen 14.00Uhr erreichen wir dann irgendwann das zweite, etwas größere Dorf, wo eine leckere Kohl-Suppe und gebratener “Ich will da rein liegen”-Gemüsereis mit Ei auf uns warten. Madat. Uns fallen überall die älteren Frauen mit tätowierten Gesichtern auf und Naing Awm erzählt uns, dass die Frauen sich in der Vergangenheit tätowiert haben, um hässlich zu sein. Hässlich sein zum Schutz, um nicht vom König an seinen Hof ausgewählt zu werden und später dann zum Schutz vor Übergriffen durch die Soldaten der birmanischen Armee.

Für den späten Nachmittag sind wir in ein weiteres Dorf unweit unseres Nachtquartiers eingeladen worden, um dort einem lokalen Tanz beizuwohnen. Die Dorfbewohner feiern dort die Rückkehr verschiedener Familienmitglieder, die zuletzt auf den Farmen im Hochland verbracht haben und nun ins Heimatdorf zurückkehren. Zusätzlich werden drei Gäste aus Europa erwartet, die vor 13 Jahren bereits einmal im Namen einer NGO das Dorf besucht haben und bis heute mit den Bewohnern in Kontakt stehen. Wir sind nach dem hervorragenden Mittagessen und einigen Fotos sowie Gesprächen mit dem Dorf-Pastor, der uns im Namen Gottes in Madat willkommen geheißen hat, spät dran und unser Guide führt uns prompt querfeldein. “The most dangerous animals in this area are tigers and a very poisonously and aggressive short, black snake. But the tigers are living more in the deeper jungle”. “Ähm, und die sch**ß Schlange?”. Wir stolpern auf einem schmalen Trampelpfad einen erneuten Berg hinunter, durch hohes Savannengras, über loses Geröll, unter Bananenstauden hindurch und an irgendwelchen Kletten vorbei, die sich überall an uns festklammern. Als wir das Dorf erreichen, werden wir mit einem lauten Schuss aus einem alten Jagdgewehr und traditioneller Musik begrüßt. Der Eingang zum Dorf ist mit roten Bändern und Fahnen geschmückt und Frauen mit tätowierten Gesichtern, die hier im Chin-Staat im übrigen auch überall Pfeife rauchen, reichen uns strahlend in ausgekochten Kuhhörnern selbstgemachten Wein. Wir sind durch die genommene Abkürzung prompt die ersten Ankömmlinge im Dorf und da die Ehrengäste erst in etwa 45 Minuten erwartet werden, entscheiden wir uns spontan zu einem kleinen Spaziergang durch das Dorf Lote Pei…

…und finden uns prompt auf einem Fussballfeld oder vielmehr in einer kleinen Arena wieder. Der Platz, auf dem wir stehen, ist von Hügeln umgeben, an denen sich die Hütten Lote Pei’s nach oben ziehen. Etwa fünfzehn Jungs zwischen 6 und 12 Jahren stehen uns gegenüber, alle sind sie in Fussballtrikots verschiedener, internationaler Vereine gekleidet und jeder Einzelne grinst voller aufgeregter Vorfreude, als wir unsere Rucksäcke von den Schultern nehmen. Der Ball liegt auf dem Feld. Mit einem lauten Schrei startet das Match und zunächst herrscht einfach nur wildes Gewusel, bis jeder seine passende Position findet. Nach wenigen Minuten hochstrategischem Hin- und Hergekicke kommt prompt einer von Ludek’s Pässen genau auf meinem Größe 48-Fuß an und ich verwandle das Ding in CR7-Manier zum 0:1. Führung. Die Lote Pei-Allstars erhöhen als Antwort darauf nun das Tempo und drängen uns in unsere Spielfeldhälfte zurück. Getrieben vom Siegeswunsch starten sie einen Angriff nach dem anderen und ich habe Mühe damit, auf keinen der Knirpse draufzutreten. Der Heimvorteil beschert schließlich den Ausgleich. 1:1. In einer guten Geschichte würde nun das Dramatik-Level steigen. Der Himmel würde sich verdunkeln und Blitze spucken. Der Boden würde aufbrechen und Lemminge zum Vorschein bringen. Riesige Tiger und kurze, schwarze Giftschlangen würden aus dem Dschungel auf den Platz treten und sich vor uns verbeugen, bevor sie sich ihre Trikots überwerfen und sich, zum Angriff bereit, auf unsere Seite des Spielfelds stellen würden. Hätten wir einen Trainer oder Captain im Team, würde dieser eine heroische Rede halten. Hätten wir Fans, würden ihre rauen Sprechchöre unter donnernden Paukenschlägen, wehenden Fahnen und lauten Hände-Klatsch-Choreos übers Feld hallen (“we are blue – we are white”, Namenskollege!). Nichts des gleichen passiert; wir kriegen ne Packung. 2:1. Es geht weiter. Wir versuchen mit aller Kraft, der geballten Kraft der dunklen Seite der Macht etwas entgegenzusetzen und wie durch ein Wunder gelingt es unserem Guide, einen Pass auf Nonie zu schieben, die zwar definitiv im Abseits steht (sie ist die einzige Person in der gegnerischen Spielhälfte), das Ei aber klaaar zum Ausgleich versenkt. Wir sind größer, wir haben Bartwuchs, 2:2! Trotz zweier Überläufer, die uns ab sofort den Kasten sauber halten, gelingt es uns nicht noch einmal, den Ball nach vorne zu spielen und mit der Schlussphase verlässt uns schließlich die Konzentration. Die Profis von Lote Pei starten einen neuen Angriff…der Junge im Trikot der argentinischen Nationalmannschaft spielt quer…uuund…klar, der Torschütze trägt das weiße Real Madrid-Shirt. 3:2. Unfaire Fauler! Wie auch immer: Vom Jungen im Dortmund-Trikot hatte ich mir etwas mehr erhofft, Domi!

Wir kommen genau zur rechten Zeit zurück zur Festgesellschaft und wie wir eintreffen sehen wir die Neuankömmlinge durchs Tor schreiten. Der Tanz beginnt und alle schauen gespannt zu den Akteuren. Der Tanz beinhaltet vier Teile und erzählt die Geschichte des alten Glaubens, wonach der Geist der Kuh die Dorfbewohner beschützt und bei der Nahrungsbeschaffung unterstützt. Der Tanz endet mit einem kräftigen Applaus (den wir beim Fussballspiel vermisst haben).

Etwa 20 Minuten später erreichen wir das Dörfchen Kyrado und werden herzlich von der Familie, bei der wir die Nacht über untergebracht sind, begrüßt. Naja gut, die beiden Jungs im Alter von etwa 6 und 10 betrachten uns erstmal schüchtern aus sicherer Entfernung. Das Stelzenhaus, das vollständig aus Holz erbaut ist, hat drei große Räume, wovon im Rechten die Küche untergebracht ist und der Linke der Familie als Schlafplatz dient. Der mittlere Raum dient als Lagerraum und Gästezimmer. Als wir eintreten, sehen wir direkt unsere Schlafplätze; jemand hat liebevoll drei dünne Matratzen auf dem Boden ausgelegt, gegen die Kälte von unten zusätzlich über jede Matratze einen Teppich ausgebreitet und für jeden von uns zwei dicke Decken zum Zudecken bereitgelegt; wir befinden uns auf etwa 2.500 Höhenmetern, da wird es zu dieser Jahreszeit nachts auch in Myanmar empfindlich kalt.

Ludek, Nonie und ich entscheiden uns vor dem Abendessen und dem zu Bett gehen noch eine kleine Runde durch das Dorf zu drehen und bekommen hierfür von unserem Guide das Wörtchen Hallo in Chin State-Sprache mit auf den Weg. “Ne-gei-do”. Dass Neuankömmlinge im Dorf sind, die ganz anders aussehen und die riesig sind, spricht sich schnell herum und wie wir so den Hauptpfad entlangschlendern, strecken überall die Kinder und auch Frauen und Männer die Köpfe aus den Fenstern heraus. Die Kinder rufen “Hello hello”, “ne-gei-do” und “dada”, was soviel wie byebye heißt. Sie winken uns zu und strahlen mit funkelnden Augen. Die meisten zumindest. Als wir zu ein paar Kindern näher herantreten, fangen die Kleinsten aufgrund unserer Größe, der weißen Haut sowie dem strohblonden Haar von Nonie und den dunklen Bärten von Ludek und mir zu weinen an. Das wollten wir nicht. Schnell weiter…

Let’s go…übern Fluß, ge Mellau!
Alter Glaube…
…und neuer Glaube.
Über Stock und Stein, dann prompt querfeldein.
Alle tätowiert…
Alle am Pfeifle rauchen…

Das Match der Giganten…
Der Tanz…
Unser Schlafplatz…
Gute Nacht!

Myanmar, Bagan, Part2

…09.00Uhr. Ich starte den Motor meines gemieteten E-Bikes und mache mich gemeinsam mit Shelby und Maja, die bereits von Mandalay aus mit uns zusammen über den Irrawaddy-Fluss nach Bagan aufgebrochen ist, auf den Weg nach Old Bagan. Ich möchte unbedingt mehr von der wundervollen Umgebung Bagan’s erkunden.

Auch entlang der Hauptstraße zum früheren Bagan finden sich viele verschiedene Pagoden und Stupas, um die sich herum verschiedene Straßenhändler und Souvenirverkäufer versammelt haben, um möglichst mit einem von uns Touristen das große Geschäft zu machen. Die Menschen in Myanmar sprechen ein erstaunlich gutes Englisch und wo immer schließlich auch wir an den zahlreichen religiösen Stätten halten, kommen freundliche Gespräche zustande, die stets von viel Lachen begleitet werden. Myanmar ist besonders.

Gegen 11.30Uhr trenne ich mich schließlich von den beiden Mädels, um das Areal in Flußnähe noch für mich alleine etwas zu genießen, bevor ich mich auf 14.00Uhr mit Ludek treffe, um nochmal im Detail über die Reise in den Westen Myanmar’s zu sprechen. Eigentlich habe ich mich ja bereits entschieden.

Ich alter Abenteurer…

Für dieses Bild kniete ich knapp 10 Minuten regungslos auf dem Boden und wartete geduldig, bis der gnädige Flattermann die Güte besaß…
Die Welt ist groß…
…und die See ist rau.

Myanmar, Bagan

Ich bin nun den zweiten Tag in Bagan. Gestern habe ich mir gemeinsam mit Shelby einen Überblick über die kleine Stadt “New Bagan” verschafft, war lecker essen und schaute mir nachmittags mit einem gemieteten E-Bike einen ersten Teil der Tempellandschaft rund um Bagan an. Für heute habe ich mich zu einer Tempeltour angemeldet, die von meinem Hostel angeboten wird und durch die ich mir nun weitere, fundiertere Informationen und Eindrücke über die Gegend erhoffe.

Mein Tag beginnt sehr früh. Shelby und ich haben gestern während unserer Entdeckungstour etwas Abseits der üblichen Wege einen coolen Tempel gefunden, zu dessen Spitze man steigen kann und von dort aus den Sonnenuntergang angesehen. Nach diesem Spektakel haben wir dann direkt vereinbart, dass wir heute vom Nachbartempel aus den Sonnenaufgang verfolgen wollen. Wir treffen uns um 05.45Uhr im Erdgeschoss an der Rezeption und machen uns nach einem schnellen Kaffee auf zum E-Bike-Verkaufsshop des Vortages, um dort erneut einen fahrbaren Untersatz für den Tag zu mieten. Ein Gesetz in Myanmar verbietet regionenbezogen das Fahren sowie auch bereits das Vermieten von Motorrädern und Scootern an Ausländer, in Bagan sind jedoch Elektroroller erlaubt und überall erhältlich. Ich finde das großartig!

Es ist noch dunkel, als wir am Tempel ankommen und durch einen schmalen, unscheinbaren Seitengang die Treppen nach oben ertasten. Oben angekommen, beginnt sich der Himmel nach kurzer Zeit dann schließlich von schwarz zu grau und grau zu blau zu färben. Uns eröffnet sich die gleiche atemberaubende Aussicht wie am Vortag. Weite Flächen mit sandigem Grund, niedrigem Buschwerk und den Tempeln, die überall elegant und mystisch zugleich aus dem Boden ragen. Die Nächte in Myanmar sind recht kalt und zwischen den Büschen und kleineren Bäumen hängen die Nebelschwaden. Nach und nach lichtet sich der Nebel und gibt unserem Sichtfeld weitere Tempel frei. Und wie sich der Himmel langsam rosa färbt, steigen wenige hundert Meter weiter nördlich die Ballons auf… Die Tempellandschaft von Bagan zum Sonnenaufgang aus einem Heißluftballon heraus zu bestaunen, ist sehr gefragt und teuer zugleich. Der stolze Preis für eine etwa 60 minütige Fahrt liegt bei grob 430,- US-Dollar. Und die Anbieter sind Tage im Voraus ausgebucht! …die Ballons steigen höher und höher in Richtung Firmament hinauf und mit ihnen die Sonne. Was zunächst nach einem Flop aussieht, entpuppt sich als wahres Wunder. Die Sonne steigt ohne große Vorankündigung in Form von Morgenrot oder Sonnenstrahlen aus den dichten Nebelschwaden am Horizont empor. Rund und leuchtend rot wie ein Feuerball. Schlagartig erhellt sich die Landschaft um uns herum und was wenige Minuten zuvor noch grau schien, färbt sich jetzt in sattes grün. Es ist kalt. Und es ist still. Und wie die Ballons näherkommen, ist das einzige Geräusch, dass zu vernehmen ist, das gelegentliche Rauschen der Gasbrenner, die die Luft im Inneren der Ballons erhitzen, um höher hinauf zu steigen.

Um 7.45Uhr bin ich schließlich am Hostel zurück und nach einem kurzen Frühstück finde ich mich auf 08.30Uhr mit meinem E-Bike vor dem Hostel ein, von wo aus die mittels Tourguide geführte Besichtigungstour startet. Wir sind insgesamt 24 Personen, was normalerweise deutlich zu viel für meinen Geschmack ist. Hier sind jedoch die meisten Teilnehmer Alleinreisende und ich lerne bereits auf der 10 minütigen Fahrt zur ersten Pagoda Leute aus Israel, Vietnam, der Schweiz und den Niederlanden kennen, was wirklich witzig ist. Nach und nach werden es dann mehr; nochmal Israel, Thailand, Japan, Indien, China, Brasilien, tschechische Republik….die ganze Welt scheint vertreten zu sein und unser birmanischer Tourguide sorgt mit unglaublichem Wissensschatz dafür, dass uns nicht langweilig wird.

Nachdem wir Dhammayazaka, die einzige Pagoda in ganz Bagan mit fünf Eingängen, verlassen, führt uns unser Weg in ein kleines Dorf weiter, in dem allerlei einheimische Handwerkskunst zu bestaunen ist. Die Leute sind nett hier und bieten uns allerlei Waren zu einem “good price” an. Während sich die anderen Tourteilnehmer die Kunstwerke anschauen oder sich in Verkaufsverhandlung begeben, komme ich mit Ludek aus Tschechien ins Gespräch. Ludek ist etwas älter als ich, alleine reisend und sucht einen Travel Buddy für einen Trek weiter im Westen. Er möchte mit dem Bus in das sieben Stunden entfernte Mindat fahren und dort einen Local Guide anheuern, der ihn von Mindat aus in einem 3 Tage-Trek auf den zweithöchsten Berg Myanmars, auf den Mount Victoria, führt. Mindat liegt im westlich von Bagan gelegenen Chin-Staat, dem ärmsten Staat Myanmars, der erst seit drei Jahren überhaupt für den Tourismus geöffnet ist und nördlich der Rakhine-Provinz liegt, in der seit Monaten ein Glaubenskrieg in der Bevölkerung herrscht. Warmwasser, Internet und auch Touristen findet man in Mindat und Mindat’s Umgebung nur sehr selten; die Vorstellung gefällt mir gut. Da ich ohnehin keinen wirklichen Plan für die Zeit nach Bagan habe, verabrede ich mich mit Ludek auf den nächsten Tag, um weitere Informationen zu seiner Idee, dem Chin-Staat und nicht zuletzt auch über Ludek selbst zu erhalten.

Unsere Bagan-Tour führt uns bis in den Nachmittag hinein zu verschiedenen Tempeln der insgesamt über 2.000 Monumente…Bagan ist beeindruckend.

Bin unheimlich stolz auf dieses Bild!

Die Zeichnungen an der Wand sind aus dem 11. Jahrhundert!

…auch hier: 1.000 Jahren alt!
DAS ist Bagan!

Thailand, Auf nach Myanmar

Heute vor 10 Wochen habe ich Deutschland verlassen, habe ich mein Zuhause hinter mir gelassen und bin hinaus in die Welt gezogen. Zu diesem Zeitpunkt war Thailand noch überhaupt kein Bestandteil meiner Reiseroute und nun habe ich mein Aufenthaltsrecht bis zum letzten Tag ausgekostet.

Vor 30 Tagen, über den Grenzposten in Chiang Khong, vom Norden von Laos aus, in Thailand eingecheckt, checke ich heute, über den Flughafen in Chiang Mai, mit einem Flug nach Mandalay in Myanmar, in Thailand aus. Ich hatte vier wundervolle Wochen im Norden von Thailand. Ich habe ein paar sehr besondere Menschen kennengelernt, habe ein paar sehr schöne Plätze entdeckt und ein paar sehr wichtige Erkenntnisse über mich selbst erlangt.

Reisen verändert…bái còn ná, Thailand!

Offiziell dussa…
…Propeller?
Neues Land, neue Abenteuer…
Die Welt ist ein Blumenkohl…
Hallo Myanmar…
…eines der ärmsten Länder der Welt.
…wenn das Geld lose im Rucksack transportiert werden muss, weil der Geldbeutel nicht genug Fassungsvermögen besitzt…

Thailand, Pai

Egal wer mit wem über Thailand spricht, früher oder später fällt immer der Name Pai. Ein nicht all zu großes Städtchen, dass in einem kleinen, grünen Tal liegt und von hohen Bergen umgeben ist. Die Ortschaft selbst grenzt an einen kleinen Fluss, der gemütlich dahin plätschert, die Straßen sind mit allerlei netten Cafès und kleinen, gemütlichen Restaurants zu beiden Seiten geschmückt und das Umland ist gesegnet mit wundervoller Natur, herrlichen Wanderwegen, heißen Quellen im Norden und Süden sowie einigen sehr nett anzuschauenden, kulturellen Plätzchen. Leider wird mein Aufenthalt von einer Art Rachenentzündung begleitet, wodurch ich meinen geplanten 6 Tage-Aufenthalt bereits nach drei Tagen beende, um in Chiang Mai ärztlichen Rat aufzusuchen…

Pai. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich hier irgendwann nochmal zurückkomme…see ya!

Auch Pai kann „spicy“.

Vorsicht ist besser als Nachsicht…Augen auf im hohen Gras!

Schlaf gut, Pai.

Thailand, Chiang Rai

Neues Jahr, neues Glück…und neue Ziele.

Nach 7 Tagen in Bangkok bin ich gestern Abend schließlich nach Chiang Rai geflogen und schau mir das Örtchen so nun also doch noch an. Nach einer ordentlichen Portion Schlaf gönne ich mir unweit meines Hostels erst einmal ein leckeres Frühstück bei Risen Koff, die hier den Kaffee ihrer eigenen Plantage aus dem Westen Chiang Rai’s vertreiben. Leider fehlt mir die Zeit für einen Besuch der Kaffee-Plantage, zumal Risen Koff seine Kaffeebohnen wohl auch in Europa vertreibt. Wer also mal über das Logo mit dem schwarzen Kaffeeblatt stolpert…aus Thailand’s Nordosten, unweit dem goldenen Dreieck, wo die Grenzen der Länder Thailand, Laos und Myanmar zusammenlaufen. Was die Pancakes angeht, die ich zum Frühstück bestellt habe, so müssen diese sich geschmacklich leider hinter denen aus dem “Blue Diamond” in Chiang Mai anstellen…aber gut; Meckatzer haben sie auch nicht; überall alles bekommen zu können, würde den Dingen ihren Charme rauben.

Dann ist Sightseeing angesagt. Ich miete mir im Hostel ein Fahrrad und radel zunächst zum 12 Kilometer entfernten Wat Rong Khun, dem weißen Tempel. Ein prächtiges Gebäude, das allerdings von Touristen regelrecht überrannt wird. Eine Stunde später geht’s abseits der Hauptverkehrsstraße gemütlich zurück nach Chiang Rai, damit ich mir auch einen Eindruck über die Stadt selbst verschaffen kann, wenn ich schon einmal hier bin. Ich muss mich an dieser Stelle leider auf die Seite derer stellen, die meinen, dass es ausreichend ist, von Chiang Mai aus eine Tagestour zu buchen…sicher handelt es sich bei einer solchen Tour um einen vollgepackten Tag, aber man hat am Abend ganz bestimmt mehr gesehen als ich es tat, da die Sehenswürdigkeiten alle etwas verstreut liegen. Außerdem kann man sich tags darauf dann anderen, schöneren Orten widmen, an denen der Tourismus und meinem Gefühl nach auch das an den Tourismus angepasste Preisgefüge nicht so allgegenwärtig ist. Beeindruckend waren der “white temple” und der Wat Phra Kaew, in dem der Smaragd-Buddha, offizieller Name “Phra Phuttha Maha Mani Ratana Patimakorn”, Thailand’s National-Heiligtum, im Jahr 1434 gefunden wurde, allemal.

Morgen geht’s übrigens nach Chiang Mai zurück…von wo aus ich dann am Freitag aber auch wirklich gleich wieder in das Städtchen Pai aufbreche!

Bei Risen Koff sieht das auch gut aus…
Wat Rong Khun…
…oder auch „white temple“.
Der Eingang zum Tempel symbolisiert die Hölle, durch die man zum Himmelreich aufsteigt.
Das…ähm…war das Dach des Klohäusschens.
Eines der Gebäude innerhalb des Wat Phra Kaew.
Der Bronze Buddha im Wat Phra Kaew.
Der Wat Jedyod…den ich, wieso nur, sofort dem Jedimeister Yoda zugeschrieben hab…

Thailand, Bangkok, happy new year

Ein 01. Januar gehört grundsätzlich nicht zu meinen Lieblingstagen…aber die Nacht war cool. Silvester 2017/2018. One Night in Bangkok.

Ich wünsche dir an dieser Stelle von Herzen alles Gute, vor allem viel Gesundheit und schöne Erlebnisse, für das neue Jahr 2018!

„Gutes Neues“ von der Siam Journey Guesthouse-Crew.
…neues Jahr; neue Fachgebiete, die man erkunden könnte…
…und dann stand dort Tom.

Thailand, Bangkok

Bangkok. Die Stadt der Engel.

Nachdem ich gestern Morgen mit dem Zug aus Chiang Mai gekommen bin und die erste Nacht unweit der Khao San Road verbracht habe, ziehe ich heute in ein anderes Hostel um. Nirgends reihen sich mehr preisgünstige Hotels, Restaurants und Massagesalons aneinander und viele der berühmten Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Gehminuten von der Khao San Road entfernt. Für einen ersten Besuch in Bangkok ist eine Unterkunft in dem Gebiet im Westen der Stadt also absolut empfehlenswert. Ich bin jetzt bereits das dritte Mal in Bangkok und habe das Gebiet westlich vom Golden Mountain mehrfach besucht. Auch die anderen Viertel der Stadt haben eine Menge zu bieten, wodurch ich gerne etwas mehr ins Zentrum sowie näher an die Stationen des öffentlichen Nahverkehrs heran möchte.

Um ihn selbst nicht zu vergessen, muss ich an dieser Stelle den Massagesalon “Massage in Garden” unweit der Khao San Road erwähnen, in dem ich gestern Abend eine absolut phantastische Ganzkörper-Öl-Massage bekommen habe. Wer mal in der Nähe ist: Umgerechnet etwa 9,00 € für 60 Minuten…ich tendiere dazu, das als meine beste Massage zu betiteln, die ich bisher genießen durfte!

Zurück zu meiner Stadt. Ich war in der Vergangenheit stets ein großer Fürsprecher Bangkok’s und die letzten Tage dann sehr gespannt darauf, wie ich mich dieses Mal hier wohl fühlen würde, nachdem ich so viele andere Orte auf dieser schönen Welt seit meinem letzten Aufenthalt vor knapp zwei Jahren gesehen habe und kennenlernen durfte. Was sich gestern dann zunächst tatsächlich etwas fremd angefühlt hat, ändert sich nun schlagartig, nachdem ich meinen Unterkunftswechsel in das “Siam Journey Guesthouse”, zwischen den BTS-Stationen Ratchathewi und Phaya Thai gelegen, vollzogen habe und mich zu Fuß den Phaya Thai Road in Richtung der großen Siam-Einkaufszentren und dem MBK aufmache. Es ist schön, wenn man seine Umgebung kennt und ich verspüre unendliche Freude in mir aufkommen, als die Straßen beginnen, mir vertrauter zu erscheinen. Es scheint alles so unverändert. Die unzähligen Cafès entlang der Straße, all die unterschiedlichen Essensstände auf den Gehwegen davor, die vollen Straßen, die sich übereinanderwinden, bevor die BTS-Bahn ganz oben darüber hinwegrauscht, all die unterschiedlich aussehenden Menschen, die mir entgegenkommen oder an mir vorbeieilen.

Ich entscheide mich in das Siam-Center zu gehen und finde mich vor dem Cafè “the coffee bean and tea leaf” wieder, in dem ich vor knapp zwei Jahren, bei meinem letzten Aufenthalt in Bangkok, am Abend vor meinem Rückflug nach Deutschland einen Cappuccino getrunken habe. Ich muss bei der Sicht auf den Preis für einen Cappuccino kurz schmunzeln; hatte ich damals wirklich so viel bezahlt!? Reist man mit einem festen Tagesbudget, lernt man die günstigeren Plätze zu finden und trinkt (zumindest) nicht täglich Kaffee in der Nobel-Mall. Nun gut. Ich bestelle das gleiche Getränk wie damals, wähle den gleichen Platz hinten rechts in dem vielleicht 50 Quadratmeter großen Raum, dessen zwei Außenwände aus einer gut isolierten Glasfassade bestehen und sitze so mit meinem Cappuccino an dem mir bereits bekannten Tischchen mit dem Rücken zur Wand. Zu meiner Rechten, etwa 4 Meter unter mir, windet sich der stark befahrene, sechsspurige Rama I. Road unter der BTS-Station Siam hindurch, auf dem Verkehrspolizisten versuchen, den Verkehr in die und aus der Parkhaus-Einfahrt des Siam Centers zu lotsen und gerade aus, auf meiner Höhe, springen die durch all die Lichter und Leuchten funkelnden Wasserfontänen vor dem Eingang zum Siam Paragon in regelmäßigen Abständen in die Höhe. Wie ich so da sitze, fühle ich mich prompt in die Zeit meines letzten Besuchs zurückversetzt und ich fühle in mir das gleiche, zufriedene und stolze Gefühl, wie ich es damals in mir getragen habe.

Bangkok. Schön, hier zu sein…

Bangkok…Stadt der Engel.
Mit dem Slowboat durch die Kanäle…
Wat Arun jenseits des großen Flußes.
Buddha-Statue am Wat Saket; Golden Mountain.
Das Krematorium zu Ehren des verstorbenen Königs Rama IX.
Garuda, der Götterbote.
Das Geleit des toten Königs.
Der Rama I. Road unterhalb der BTS-Station Siam.

Bangkok, City of Life.

Thailand, Chiang Mai, Overnight nach Bangkok

Das Weihnachtsfest neigt sich dem Ende zu.

Nach einem ersten Weihnachtsfeiertag, der von intensiven und tiefgründigen Gesprächen mit für mich besonders gewordenen Menschen aus meinem Guesthouse und darum herum geprägt war, fühle ich eine tiefe Zufriedenheit in mir. Ich bin ein Stück weit gesättigt und sehne mich nach allein sein, um die ganzen Erlebnisse der letzten Tage und die Gesprächsinhalte von gestern zu verarbeiten.

Mir fehlt etwas die Lust auf Chiang Rai, das als nächstes auf meiner Liste steht, bevor es dann in drei Tagen für Silvester nach Bangkok geht. Die letzten Tage waren hier einfach zu schön und ich hatte keine Energie, um mich wirklich mit meinem nächsten Reiseziel zu befassen. Dennoch buche ich bei einem letzten Kaffee vor dem Vida Guesthouse zwei Nächte in einem Hostel in Chiang Rai und mache mich anschließend auf zum Bahnhof, um noch das Ticket für den Nighttrain nach Bangkok in ein paar Tagen zu buchen.

Ein paar Tage ist gut. Als ich am Bahnhof ankomme und mich nach einem Ticket erkundige, offenbart mir der Herr hinter der Ticketschalterscheibe, das alle Express- und Nachtzüge bis Silvester ausgebucht sind. Ich entscheide mich unter Erwägung aller Möglichkeiten für eine Fahrt mit dem normalen, öffentlichen Zug. Freitag, 6.30Uhr-21.10Uhr, DRITTE Klasse.

Vom Bahnhof geht’s mit dem Tuk Tuk (wer sich diesen Namen ernsthaft und langsam durch den Kopf gehen lässt und vielleicht noch zwei bis drei Mal leise vor sich hin murmelt, muss feststellen…dass der Fahrzeugname schon echt dümmlich ist) weiter zum Busbahnhof, von wo ich nach Chiang Rai aufbrechen werde. Ein Ticket hab ich noch nicht gekauft, da die Busse stündlich fahren und die Busse immer ein Plätzchen frei haben. Hatten! …steh ich vor der Scheibe, schaut die Ticketschalterscheibendame mich an und erzählt mir ernsthaft, dass jeder Bus restlos ausgebucht ist. Sie versucht mir ein Ticket für den Folgetag, 11.00Uhr, anzudrehen, doch ich lehne ab. Ich muss erstmal realisieren, dass ich heute nicht mehr in den Norden komme…und habe eine Idee.

By the way: Wie die Dame hinter der Scheibe mir zum Beweis den Sitzplan der voll gebuchten Busse zeigt, erkenne ich auf dem Computerbildschirm, dass die doch ernsthaft Symbole für männliche und weibliche Passagiere führen sowie separate Symbole für Onlinebuchungen und Mönche haben. Letzteres eventuell, weil Mönche vermutlich kostenlos fahren dürfen. Süß, die Thailänder.

Ich laufe zurück zum Bahnhof, zurück zu dem Mann, der mir vor einer knappen Stunde das Ticket nach Bangkok verkauft hat und frage ihn, ob ich das Ticket umtauschen kann. Es ist inzwischen 16.00Uhr. Er fragt mich, wann ich gehen möchte und ich antworte “jetzt”. Er schaut kurz in seinen Computer und bestätigt, was ich erhofft habe. Da sind Plätze in einem Nighttrain vorhanden, der in einer Stunde abfährt. Gebucht!

Ich vertreibe mir die letzten 60 Minuten mit einer leckeren Portion “Fried Basil Pork with Rice” und ein paar Einkäufen im 7/11-Supermarkt, bevor ich kurz vor 17.00Uhr am Gleis Nummer 3 stehe (Nein, nicht 9 ¾…dieses Gleis befindet sich in London und ich will schließlich nach Bangkok). Manchmal laufen die Dinge anders als erwartet…

…und ich spüre, dass dies der richtige Weg ist.

Goodbye, Chiang Mai.
Nur keine Eile; wir haben noch Zeit.
Nighttrain bei Tag…
…und Nighttrain bei Nacht.