Thailand, Chiang Mai, Christmas 2017

Weihnachten…das Fest der Liebe.

Ich könnte jetzt darüber schreiben, wie sehr ich die süddeutsche Adventszeit vermisst habe oder wie hier in Asien einfach kein Weihnachtsfeeling aufkommen will. Ich könnte darüber schreiben, wie schwer es so weit weg von Adventskalendern und Vorweihnachtsprogramm ist, ein Bewusstsein für das stattfindende Ereignis zu erlangen oder über das trotzdem heimliche Beneiden derer, die pünktlich zurückfliegen, um die Feiertage mit ihren Liebsten zu verbringen. Ich könnte auch darüber schreiben, wie grotesk es klingt, wenn um 22.00Uhr bei 25°C Außentemperatur “let it snow, let it snow, let it snow” aus den Boxen der Bar nebenan ertönt. Ich könnte…ich glaube aber, dass es am Interessantesten ist zu erfahren, auf welch wunderbare Weise ich dieses wirklich besondere Weihnachtsfest in diesem Jahr erlebt habe…

Zunächst habe ich den Tag damit begonnen, unweit des Vida Guesthouses zur Feier des Tages einmal klassisch thailändisch zu frühstücken. Bestellst du Khao Soi Gai, so bekommst du eine würzig-scharfe Curry-Nudelsuppe mit Huhn, wobei das klassische Huhn in dem Fall als Hühnerschlegel serviert wird. Sehr lecker.

Im Anschluss daran setzte ich mich auf die kleine Bank an das kleine Tischchen vor dem Vida Guesthouse in die warme Morgensonne und hab eine Tasse von Irene’s leckerem Kaffee genossen. Wie gewohnt: Ein kleines bisschen Milch und ein kleines bisschen Zucker.

Zwischen 9.30Uhr und 10.00Uhr gesellten sich dann schließlich nach und nach erst Danny aus London, dann Christian aus Berlin, Viviën aus Holland und zu guter Letzt Monique aus Braunschweig vor dem Vida zu mir. Wir hatten uns am Vorabend bereits zu einer kleinen Tour verabredet. Das Ziel: Wat Umong im Westen Chiang Mai’s. Das erste Etappenziel war nach etwa 30 Minuten, nach einem gemütlichen Walk durch die Altstadt Chiang Mai’s Richtung Westen, durch das West Gate hinaus, entlang der Hauptstraße vorbei an kleinen Street Kitchen und allerlei Shops, der Friedhof am Wat Suan Dok. Auf einer Fläche so groß wie ein Fussballfeld liegen dort mehrere kleine und große Gruften aus weißem Stein, die Familienangehörige eines früheren Königsgeschlechts beherbergen und die in der Sonne so unfassbar stark strahlten, dass ich meine Augen zusammenkneifen musste und meine Sonnenbrille aus dem Rucksack kramte. Nach einem kurzen Stop ging es weiter entlang der Hauptstraße und schließlich ein Stück entlang einer zweispurigen, mehr als stark befahrenen Straße, wo wir auf Danny’s Definition vom Paradies stießen. Direkt neben der Fahrbahn mit all dem zähfließenden Verkehr, mit all dem Smog, der in der Luft lag und inmitten der kahlen Hauswände, die sich auf der rechten Seite des Gehweges dahinzogen, gab der Beton eine kleine Nische frei. Auf einer Fläche von vielleicht 2 auf 4 Metern erstreckte sich hier ein kleiner Teich, umgeben von einem Dschungel aus Pflanzen. In dem Teich schwammen gut 20 kleine Goldfische und zwei prächtige Koi-Karpfen, einer orange und einer weiß, mit wunderschöner Heckflosse, die sich gemächlich hin und her bewegte. Ein Ort, wie er kontrastreicher nicht sein könnte.

Und dann erreichten wir Wat Umong. Ein wunderschönes Plätzchen. Inmitten des Waldes gelegen, kann man es wohl in drei unterschiedliche Zonen aufteilen: Gerade aus, der eigentliche Tempel mit einer riesigen Stuba oben auf der Anhöhe und mehreren unterirdischen Gängen, in denen kleine Nischen mit Buddha-Statuen zum meditieren einladen. Zur Linken ein kleiner See mit einer Insel in der Mitte, auf der man auf schmalen Bänkchen, unterhalb der großen schattenspendenden Bäume, direkt am Wasser, gemütlich seinen Gedanken nachhängen kann. Fische und Wasserschildkröten strecken regelmäßig das Köpfchen zur Wasseroberfläche und die Insel selbst ist bewohnt von unzähligen Tauben, die sich sichtlich wohlfühlen und durchaus interessiert um einen herumschleichen. Und zur Rechten befindet sich der “Garden of broken Buddha”; ein kleines Waldstück, in das die Leute ihre alten und kaputten Buddha-Statuen zur letzten Ruhe stellen. Hier stehen unzählige Figuren und Statuen unterschiedlichsten Materials, Aussehens, Alters und Zustands. Manche von ihnen sind schon regelrecht zerfressen von Wetter und Zeit. Und dennoch: Zu unansehnlich für das Haus, doch zu heilig für den Müll. Ein wirklich besonderer Ort.

Als wir gegen 5 wieder zurück im Guesthouse waren, kam bei mir kurz der Weihnachtsstress durch. Ein paar Tage zuvor hatte ich in Sukhothai Yalan aus Mexico und Shelby aus Arizona, U.S. kennengelernt, die nun beide ebenfalls in Chiang Mai waren und mit denen ich mich zum Christmas Dinner verabredet hatte. Auf Shelby’s Befehl hin hatten wir außerdem vereinbart zu wichteln…ist ja nicht das erste Mal, dass ich an Weihnachten noch Geschenke kaufen gehe. Ich alter Profi.

Um 7 trafen wir uns bei Shelby im Hotel und nach kurzer Recherche saßen wir um 7:15PM im Tuk Tuk auf dem Weg zum Riverside Restaurant. Direkt am Fluss gelegen und durch das dunkle Holz rustikal aber doch elegant wirkend, super gemütlich eingerichtet, bekamen wir trotz nicht vorhandener Reservierung mit viel weihnachtlichem Glück einen Tisch für drei Personen im hinteren, ruhigeren Bereich. Zur Feier des Tages ließen wir uns natürlich nicht lumpen: Aus den Staaten importiertes Bier, als Snack vornweg warmes Baguette mit Knoblauch und Käse, als Hauptspeise das Filet Mignon mit gebackener Ofenkartoffel und gedünstetem Gemüse. Was das Fleisch betrifft, so war das wohl mit das Beste, was ich je gegessen habe. So zart, dass das Messer nur so hindurch rutschte und es auf der Zunge regelrecht verlief. DAS war ein Steak, Stefan! Unfassbar!

Gegen 11 sind wir schließlich mit Heißhunger auf Dessert zurück in die Stadt spaziert und haben dann Schokoladen-Kuchen gekauft, den wir unweit des Three Kings Monuments im Zentrum gelöffelt haben, bevor feierlich zur Bescherung übergeleitet wurde. Ich habe das Wichtelgeschenk von Shelby bekommen: Eine kleine Buddha-Statue aus den Tempeln von Si Satchanalai.

Shelby ist im Anschluss daran in ihr Hostel zurück und Yalan und ich haben ein Chang-Bier im 7/11-Supermarkt gekauft, das wir zum Abschluss gemütlich auf dem Bänkchen eines geschlossenen Massage-Salons zusammen tranken. Kurz nach Mitternacht erreichte ich schließlich nach einem langen, sehr schönen Tag mein Guesthouse und siehe da, Danny und Christian saßen noch draußen…gemütlich plaudernd…auf der kleinen Bank, an dem kleinen Tischchen vor dem Vida Guesthouse.

Merry Christmas!

Der Friedhof am Wat Suan Dok.
Danny’s Definition vom Paradies.
Die Insel inmitten des Sees am Wat Umong.
“Garden of broken Buddha”.
Einer der zahlreichen Tempel Chiang Mai’s.

Merry Christmas!
„…von mir auch…“.

Thailand, Chiang Mai – Die Zweite

Nach drei Tagen Sukhothai mache ich mich auf, zurück nach Chiang Mai, wo ich Weihnachten verbringen werde. Nach sechs Stunden Busfahrt erreiche ich schließlich mit Einbruch der Nacht den Busbahnhof östlich der Altstadt. Das Tuk Tuk für 100 thailändische Baht zum East Gate spare ich mir, weiß ich doch, dass auf der Hauptstraße die großen, roten Taxis mit Platz für mehr als nur zwei Personen deutlich günstiger sein können, sofern bereits Passagiere an Bord sind.

Gedacht, getan. Ich laufe also zur Hauptstraße und nach kaum zwei Minuten erfolgt die Kontaktaufnahme des erhofften Transportmittels auch schon prompt in Form eines Hupgeräusches direkt hinter mir. Ich strecke meinen Arm in die Höhe, “the red cab” hält und wie ich nach rechts schaue, schauen die Fahrerin und ein Mönch in orangener Kutte vom Beifahrersitz aus durchs offene Fenster nach links. “East Gate?”, frage ich, “Thapae Gate?”, entgegnet sie. Ich nicke mit dem Kopf, sie hebt 5 Finger, ich hebe 4 Finger zurück, sie nickt mit dem Kopf, Deal. Durch einen flüchtigen Blick nach hinten in den Wagen erkenne ich einige Personen und frage noch, ob der Wagen nicht schon voll sei, was sie durch ein melodisches “not fuuull” verneint. Ich laufe nach hinten zum Eingang der Passierskabine und gut…ich finds voll. Die acht Personen (mit Gepäck), die sich bereits im Inneren des Fahrzeugs befinden, schauen mich mit meinen zwei Rucksäcken an und denken vermutlich das selbe.

Als echter Backpacker lässt man sich von sowas aber natürlich nicht einschüchtern! Ich nehme meinen großen Backpack vom Rücken, hieve ihn auf das letzte freie Plätzchen auf der rechten Bank direkt am Eingang und gehe mit meinem kleinen Rucksack auf dem Rücken auf der Metallstufe am hinteren Fahrzeugende in die Hocke. Ich halte mich an den beiden Metallgestängen links und rechts des Eingangs fest und rufe “ok”, woraufhin sich der Wagen in Bewegung setzt. Ich fühle mich ein bisschen wie Indiana Jones…

Wir haben bereits ein paar Blocks hinter uns gebracht (und meine Füße sind bereits eingeschlafen), da kommen eine hübsche Frau, zwei kleine Kindern und ein weißer, zotteliger Hundewelpe auf einem Motorroller näher. Das Mädchen auf dem Rücksitz wird in etwa zwölf sein, während der Junge, der vor der Mama auf dem Trittbrett steht und sich am Lenker festhält, drei oder vier sein dürfte. Was den Hund angeht, den das Mädchen im Arm hält, so habe ich bezüglich dem Alter keine Ahnung. Klein ist er. Der Wagen und somit auch der Roller kommen aufgrund einer vermutlich roten Ampel zum Stehen, was ich dazu nutze, um dem Jungen ein freundliches “Sawadee khap” zuzurufen, da er mich fasziniert und zugleich schinant beobachtet, was an meinem westlichen Aussehen liegen dürfte. Auf die Aufforderung zum Gegengruß seiner Mama hin nimmt der Junge seine beiden Händchen vom Lenker, faltet sie zusammen vor sein Gesicht und verneigt sich vor mir. Eine geradezu perfekte Ausführung eines respektvollen Grußes gegenüber älteren Personen in Thailand. Gut…ich bin keine 20 mehr. Indiana Jones auch nicht.

Der Wagen setzt sich wieder in Bewegung und kurz darauf erreiche ich das East Gate. Ich springe leichtfüßig von Bord, schnalle mir meine beiden Backpacks auf die Hüften, bezahle meine verhandelten 40 Baht und setze mich Richtung Altstadt in Bewegung. Ich habe bereits zwei Tage zuvor Irene vom Vida Guesthouse gegenüber mit dem E-Mail-Betreff “Want to come back :-)” angedeutet, dass ich gerne nochmal für ein paar Tage vorbeikommen würde, woraufhin sie kurzerhand mein altes Zimmer 305 für weitere vier Nächte auf meinen Namen reserviert hat. Als ich im Guesthouse ankomme, ist es bereits 19.00Uhr. Irene sitzt am Empfang und wie ich eintrete, fragt sie mich aufgebracht, wo ich denn gewesen sei und wieso ich erst jetzt komme, wo ich doch 18.00Uhr in meiner E-Mail angekündigt hatte. Ich ahne schlimmes und frage vorsichtig, ob mein Zimmer den noch verfügbar sei…

”Suuure…i was waiting for youuu”, grinst sie freudestrahlend und hebt mir den Zimmerschlüssel entgegen.

Hello again, Vida!
Hello again, Vida-Katze!
Hello again, Chiang Mai-Mäuslen!
Hello again, Mönch!

Thailand, Sukhothai, Die Vögel

So unbedeutend das neue Sukhothai tagsüber ist, so bedeutend ist es Nachts…zumindest für einen…die Vögel.

Yo erzählt mir, dass es sich um den Mina-Bird handelt (zu deutsch: Hirtenmaina). Ein bis zu 25cm großes Kerlchen, das weltweit vorkommt, seine Wurzeln aber vor allem in Indien hat. Die Anzahl der Flattermänner ist so gewaltig, dass sie einen Platz in der Liste der invasiven Neobiota inne haben.

Woher SIE kommen, wieso SIE genau hier sind und wohin SIE am Morgen wieder verschwinden, weiß ich nicht. Aber SIE sind da…hunderte und aberhunderte von ihnen…sobald die Sonne untergeht, kommen SIE, setzen sich auf die Stromleitungen und deren Masten, auf die Hausdächer, Balkone und Mauervorsprünge. Am schlimmsten ist es wohl unweit der beiden Tempel, wenn der Fluß seine weitläufige Biegung gen Osten nimmt, zwischen der großen Brücke und den 7/11-Supermärkten, auf Höhe der Bar64000. Früher waren SIE auf der anderen Flussseite anzutreffen, unweit des Hostels, in dem ich untergekommen bin, wodurch Yo beim Check-In standardmässig Ohrstöpsel zum Zimmerschlüssel dazugibt. Seit die Bäume vor dem Hostel gestutzt wurden, muss sich das ganze Spektakel etwas auf die andere Flussseite verlegt haben, wo ich ab 18.00Uhr kaum ein gedachtes Wort verstehe. SIE schreien und kreischen, erzählen und ärgern sich…und wenn es dann dunkel geworden ist, sitzen SIE oft reglos auf den Stromleitungen entlang der Hauptstraße und starren lautlos auf die Bevölkerung herab. Ein Fluch für die Stadt…

Auszug Wikipedia: In der Dämmerung versammeln sich die Schwärme zum Schlafen in Bäumen und rufen mit gurgelnden, quiekenden und klickenden Tönen…

Thailand, Sukhothai

Im Jahr 1238 n.Ch. als neues Thai-Königreich gegründet, herrschte die Sukhothai-Dynastie ziemlich genau 200 Jahre lang, bevor die Hauptstadt Sukhothai im Jahr 1438 an Ayutthaya (gut 380 Kilometer weiter südlich gelegen) fiel. Das Königreich Sukhothai hatte in seiner Blütezeit Mitte des 13.Jahrhunderts bis ins späte 14.Jahrhundert hinein immensen Einfluß auf die Kunst, die Sprache, die Literatur und die Religion der modernen thailändischen Gesellschaft und gilt nicht zuletzt aufgrund seiner Größe im frühen 14.Jahrhundert, die flächenmäßig über das heutige Thailand hinausragte, zu einem der bedeutendsten Thai-Königreiche der Geschichte. Leider ist von diesem einst so mächtigen Imperium und dessen Zentrum heute kaum noch etwas zu sehen.

Ich bin gestern Abend in Sukhothai oder, genauer beschrieben, in der Neustadt Sukhothai, etwa 12 Kilometer östlich der ehemaligen Metropole gelegen, angekommen. Die kleine Ortschaft hat leider nicht all zu viel zu bieten: Die typischen Massage-Salons, die in gefühlt jeder Straße Thailand’s zu finden sind, den klassischen night/food market, auf dem man so wunderbar gut essen kann (bereits seit Vietnam verfolgt mich ein Gericht/Beilage/Gemüse, dass ich zu lieben gelernt habe: Fried Morning Glory WITH GARLIC and Rice), zwei Tempel, drei 7/11-Supermärkte, eine Handvoll Bars, Restaurants und kleinerer Unterkünfte sowie Yo. Yo hat die ersten 23 Jahre seines Lebens in den Niederlanden verbracht, ist vor vier Jahren mit seiner thailändischen Mutter nach Suhkothai gezogen und hat vor einer Woche als Rezeptionist in “meinem” Hostel angefangen. Sein Vorname ist japanisch, sein Nachname der seines französischen Vaters, sein Humor der meine. Cooler Typ.

Voller Vorfreude auf den Tag springe ich mit Leichtigkeit um kurz vor 8 aus dem Bett und begebe mich nach einer viel zu kalten Dusche (das mit dem Warmwasser funktioniert hier manchmal nicht so) in den Aufenthaltsraum und zum kostenlosen Frühstück. Toast und Marmelade sind nichts weltbewegendes, aber mit selbstgemachter Erdbeer-, Ananas- und Bananen-Marmelade einfach nur lecker.

Anmerkung nach Palmerston: “Da kommen dann schon auch mal schnell 12 zusammen”.

Nach einem ausgedehnten Frühstück, bei dem ich mit Yalan aus Mexico und Shelby aus Arizona, U.S. mit großer Wahrscheinlichkeit meine Gesellschaft für Weihnachten gefunden habe, mache ich mich per wooden bus (einem überdimensionalen Tuk Tuk) für umgerechnet etwa 0,80€ in die Altstadt unweit dem Historical Park auf. Angekommen, miete ich mir ein Fahrrad für den Tag (weitere 0,80€), löse ein Eintrittsticket für die zentrale Zone (mit Fahrrad 2,85€), gönn mir noch kurz einen Cappuccino und radel mit meinem Drahtesel am Ticket-Kontrollhäuschen vorbei, rein in den Historical Park. Durch Alleen hindurch, an künstlich angelegten Seen vorbei, sind mein Ziel die letzten Überbleibseln der einst so mächtigen Stadt.

Leider ist es mir nicht möglich, mit meinen Fotos auszudrücken, was ich sehe und fühle. Sicher, man vermag mit einem Bild das Objekt zu zeigen, doch wird dadurch nie die Besonderheit des Moments vermittelt. Weder kann man die Geräusche der flatternden und gurrenden Tauben hören, die sich hier überall in den steinernen Überbleibseln eingenistet haben noch das Summen der Insekten, die über die Grünflächen entlang der Fuß-Rad-Wege schwirren. Weder kann man die Wärme der Sonne spüren, die von oben auf einen herab scheint, noch die Wärme der Steine ehemaliger Tempelanlagen, auf denen ich mich niederlasse, um die alten Gebäude in Ruhe zu bestaunen und auf mich wirken zu lassen. Weder kann man die Magie spüren, die von den alten Tempelbauten ausgeht, noch die stille Ehrfurcht der wenigen anderen Besucher, die mir an diesem Tag entgegenkommen…

Nördlich der zentralen Zone.
Wat Mahathat in der zentralen Zone.
Wat Mahathat in der zentralen Zone.
Wat Mahathat in der zentralen Zone. Vor diesem Panorama hab ich deinen Brief gelesen, Mona!
Wat Mahathat in der zentralen Zone.
In der westlichen Zone…
In der nördlichen Zone…

Thailand, Chiang Mai, Einfach mal sein

Seit drei Tagen bin ich nun hier in Chiang Mai und eigentlich ist der Zeitpunkt perfekt für ein erstes Resümee.

Eigentlich. Nach all den Abenteuern der letzten sechs Wochen, nach all den Distanzen, die ich auf verschiedenste Weise zurückgelegt habe, all den Orten, die ich sehen durfte, all den Menschen, die ich kennenlernte, bin ich nun das erste Mal zum Stillstand gekommen. Ich bin auf eine befriedigende Art müde und erschöpft.

Ich schlafe lange und verbringe die Mittage in gemütlichen Cafès bei Pancakes mit Früchten, Cappuccino und Shakes. Nachmittags schlendere ich durch die Gassen Chiang Mai’s, genieße das wunderbare thailändische Streetfood und verweile andächtig in den unzähligen Tempeln der Altstadt. Und Abends besuche ich dann die Straßenmärkte in den verschiedenen Stadtvierteln jenseits der Stadtmauer und genieße abschließend ein Bierchen in den rustikalen Kneipen unweit meines Old Town-Guesthouses.

Es fühlt sich fremd und zugleich unglaublich entspannend an, einfach mal keine Verpflichtungen zu haben. Einfach mal den Tag zu leben. Einfach mal zu sein. Der westlich geprägte Teil in mir schreit hierbei natürlich auf. Für ihn ist es unverständlich, dass da kein Plan ist, keine Struktur, kein Ziel, dass es zu erreichen gilt. In mir herrscht ein Konflikt. Ein Konflikt zwischen meinem konsum- und erfolgsorientierten, auf das Prestige Wert legende Ich und meinem friedfertigen, naturverbundenen Selbst, dass einfach mal sein möchte und jetzt auch einfach mal ist.

Blue Diamond Breakfast Club, Chiang Mai

Wenn ich eine Wohnung hätte…
Einfach nur witzig…
…das auch; Banana-Springrolls!
Single-Room gegönnt; mit „only cold shower“ war’s günstiger.

Laos, Über den Mekong gen Westen (Teil2)

Gut 9 Stunden waren wir gestern unterwegs, bis wir mit Einbruch der Nacht das Zwischenziel Pakbeng, ein kleines Örtchen im Nirgendwo, erreicht haben. Glücklicherweise war die Unterkunft (für umgerechnet 2,50€) schnell gefunden und nach einem zügigen Abendessen und ein paar kleineren Provianteinkäufen für den nächsten Tag lag ich um 9:00pm völlig erschöpft und gemäß dem Thema “in der Koje”. Nichtstun kann so anstrengend sein…

Der zweite Tag startet etwas kühler als der Tag zuvor aber die Sonne steigt auf…wie ziemlich jeden Tag hier in Laos. Nachdem gestern alles neu und aufregend war, Fotos geschossen wurden und sich die Zeit ab Nachmittags irgendwann endlos in die Länge zu ziehen schien, wissen wir heute, was auf uns zukommt; der zweite Tag ist entspannter.

…und so schippern wir erneut stromaufwärts auf einem der größten Flüsse Asiens. Entsprungen in Tibet, schlängelt sich der mächtige Mekong gemächlich durch insgesamt sechs verschiedene asiatische Länder, bevor er schließlich nach 4.500 Kilometern im Süden Vietnams, im Mekong-Delta, dort wo meine Reise vor knapp sechs Wochen begonnen hat, in das südchinesische Meer mündet.

Entlang der gleichen, wunderschönen Uferlandschaft wie gestern, esse ich meine gekauften Bananen, die so viel kleiner und geschmacklich so viel süßer als die in Deutschland erhältlichen schmecken, lese ich in meinem Buch von Erich Fromm, höre ich “the very best of Cat Stevens” (auch Father and Son, Josh Holy ;-)) oder hänge einfach nur meinen Gedanken nach…ich hatte schöne Wochen in Laos…ich fühl mich wohl.

Guten Morgen, mein Großer…

Vielen Dank für’s Bringen!

Laos, Über den Mekong gen Westen (Teil1)

Es ist soweit. Auf nach Westen…

Ich habe bereits gestern Abend noch in einem der Reisebüros hier in Luang Prabang ein Kombiticket für die Bootsfahrt an den laotischen Grenzübergang bei Huay Xai bzw. im Paket dazu noch ein Busticket weiter bis Chiang Mai im Norden Thailands gekauft. Die Tickets wären einzeln vor Ort gekauft etwas günstiger gewesen aber so kann ich entspannter drauf los traveln und muss mich auf meinem Weg lediglich abends um eine geeignete Unterkunft kümmern.

Das Slow Boat legt um 08.30Uhr am Fährhafen etwa 10km außerhalb der Stadt ab und zunächst, logisch, beginnt es erstmal zu regnen. Der Captain macht daraufhin die Schotten vorerst dicht und rollt hierzu links und rechts vom Boot blaue Plastikplanen runter, die eingewickelt am Bootsdach befestigt waren. Das wars dann erstmal mit der Aussicht. Glücklicherweise hält sich das schlechte Wetter nicht all zu lange und eine halbe Stunde später etwa kommt der Captain bereits zurück, um die Folien wieder einzurollen. Zunächst noch etwas kühl, lichtet sich der Nebel im Lauf des frühen Vormittags und die warme Sonne kommt zum Vorschein…

…und so schippern wir den Tag über den Mekong River entlang, vorbei an Bergen und Wäldern, Wiesen und Feldern, kleinen Dörfern und Klöstern, badenden Rindern und zickigen Ziegen…

Morgens am Fährhafen in Luang Prabang.
Der Nebel lichtet sich…
…und die Aussicht wird besser.

Ahoi, Käpt’n Blaubär!
Schlaf gut, „Neun-Drachen-Fluß“…bis morgen.

Laos, Phonsavan, UXO & MAG

UXO (Unexploded Ordnance) und MAG (Mines Advisory Group) sind zwei Akronyme, denen man in Laos öfters begegnet. Sie stehen in Verbindung mit einem der größten Probleme, die Laos wohl zu bewältigen hat. Nicht detonierte Bomben. Während des zweiten Indochinakrieges flogen die USA rund 580.000 Luftangriffe auf Laos und warfen dabei mehr als zwei Millionen Tonnen Bomben ab. Experten gehen davon aus, dass 30% davon nicht explodiert und bis heute etwa zwei Drittel des Landes kontaminiert sind.

Im UXO Office Phonsavan (gleichnamige Hilfsorganisation) wird durch eine Frage an der Wand versucht, die Herausforderung darzustellen: Können Sie sich ein Leben in einem Land vorstellen, das immernoch von 600.000 Tonnen nicht explodierter Munition betroffen ist?

Hier, im UXO Office Phonsavan, wird mir vermittelt, wie groß das Problem ist. Jedes Jahr gibt es neue Unfälle, neue Tote. Meistens verunglücken Bauern beim Pflügen der Felder, bei der Brandrodung oder beim Hausbau. Oder beim Spielen. 40% der Betroffenen sind Kinder.

Mithilfe eines 30minütigen Films wird mir die Arbeit von UXO und MAG nähergebracht. Die UXO gliedert sich in zwei Bereiche. Ein großer Teil der Organisation kümmert sich um die verunglückten Opfer, leistet finanzielle und psychologische Unterstützung und erarbeitet gemeinsam mit den Familien Konzepte, um die Betroffenen trotz Handicap möglichst schnell wieder in die täglichen Aufgaben mit einzubinden. Außerdem geht die UXO an die Schulen und in die Dörfer, um die Menschen über das Risiko, die Sprengsätze und das Vorgehen im Falle eines Fundes aufzuklären. Der andere Bereich der UXO kümmert sich wie auch die MAG um das Aufspüren und die Beseitigung entsprechender Sprengsätze.

Auf dem Weg zu den Plaine de Jarres kamen mir gestern unabhängig voneinander gleich zwei der großen MAG-Tracks mit allerhand Gerätschaften entgegen, wobei ich da noch nicht wusste, um wen es sich dabei handelt. Die Plaine de Jarres selbst sind bereits seit 2005 freigegeben; in regelmäßigen Abständen sind quadratische weiße Steine mit der Aufschrift MAG im Boden verankert, die den Bereich markieren, der geräumt ist und in dem man sich ohne Bedenken bewegen kann.

Trotz dem unermüdlichen Einsatz und der erzielten Fortschritte werden die nächsten Generationen das Problem wohl noch mittragen müssen. Die Belastung in Laos ist so immens, dass die Beseitigung aller Kampfmittel (im gegenwärtigen Tempo fortgesetzt) mehr als 1.000 Jahre dauern wird.

Nach etwa einer Stunde verlasse ich das UXO Office Phonsavan und ich spüre eine tiefe Betroffenheit in mir. Ich wusste um das Problem und die Gefahr. Aber so groß? So viele? Krieg ist schlimm.

Die Markierungen der MAG.

Laos, Phonsavan, Plaine de Jarres

Phonsavan hält selbst nicht viel bereit. Ein kleines Örtchen, dass es mit etwas Glück zur Provinzhauptstadt geschafft hat.

Nennenswert ist das SOS-Kinderdorf, welches ich von außen bestaunen kann, die Mulberries-Farm, wo ich etwas über die Entstehung von Seide lerne und selbstverständlich die Plaine de Jarres.

Rund um Phonsavan finden sich an wenigen verschiedenen Stätten Hunderte von ausgehöhlten Monolithen. Die riesigen Steinkrüge sind einmalig auf der südostasiatischen Halbinsel und bis heute ist ungeklärt, welcher Zivilisation die Krüge entstammen. Man geht davon aus, dass es sich dabei um Begräbnisstätten handelt, da im Inneren der Krüge Überreste eingeäscherter Knochen und farbiger Glasperlen gefunden wurden. Das grobe Alter wird auf etwa 500-100 v.Chr. datiert.

Einer thailändischen Legende nach handelt es sich bei den Steinkrügen um gigantische Becher, aus denen die Riesen vor Tausenden von Jahren Reiswein tranken…

Das Bild ist aus einem Schützengraben heraus entstanden. Bei den dunklen kreisrunden Flächen auf der Ebene vor uns handelt es sich um Bombenkrater aus dem zweiten Indochinakrieg.

Laos, Vientiane

Vientiane ist die Hauptstadt und mit Abstand größte Stadt in Laos. Im gesamten Ballungsraum leben etwas mehr als 750.000 Menschen und somit über 10% der Gesamtbevölkerung (Zum Vergleich: Die zweitgrößte Stadt Pakse hat eine Einwohnerzahl von 90.000).

Und trotzdem ist alles ziemlich gemütlich hier…

Vat Sisaket, das älteste erhaltene Kloster Vientianes. Baujahr 1818.
Anousavari (Patuxai) erinnert an die vielen Soldaten, die auf königlicher Seite vor 1975 für Laos gefallen sind.
Die Deckenmalerei des Anousavari (Patuxai).

That Luang, Nationalsymbol und bedeutenstes religiöses Monument von Laos.
Tempel in unmittelbarer Nähe zum That Luang.