Thailand, Chiang Mai, Overnight nach Bangkok

Das Weihnachtsfest neigt sich dem Ende zu.

Nach einem ersten Weihnachtsfeiertag, der von intensiven und tiefgründigen Gesprächen mit für mich besonders gewordenen Menschen aus meinem Guesthouse und darum herum geprägt war, fühle ich eine tiefe Zufriedenheit in mir. Ich bin ein Stück weit gesättigt und sehne mich nach allein sein, um die ganzen Erlebnisse der letzten Tage und die Gesprächsinhalte von gestern zu verarbeiten.

Mir fehlt etwas die Lust auf Chiang Rai, das als nächstes auf meiner Liste steht, bevor es dann in drei Tagen für Silvester nach Bangkok geht. Die letzten Tage waren hier einfach zu schön und ich hatte keine Energie, um mich wirklich mit meinem nächsten Reiseziel zu befassen. Dennoch buche ich bei einem letzten Kaffee vor dem Vida Guesthouse zwei Nächte in einem Hostel in Chiang Rai und mache mich anschließend auf zum Bahnhof, um noch das Ticket für den Nighttrain nach Bangkok in ein paar Tagen zu buchen.

Ein paar Tage ist gut. Als ich am Bahnhof ankomme und mich nach einem Ticket erkundige, offenbart mir der Herr hinter der Ticketschalterscheibe, das alle Express- und Nachtzüge bis Silvester ausgebucht sind. Ich entscheide mich unter Erwägung aller Möglichkeiten für eine Fahrt mit dem normalen, öffentlichen Zug. Freitag, 6.30Uhr-21.10Uhr, DRITTE Klasse.

Vom Bahnhof geht’s mit dem Tuk Tuk (wer sich diesen Namen ernsthaft und langsam durch den Kopf gehen lässt und vielleicht noch zwei bis drei Mal leise vor sich hin murmelt, muss feststellen…dass der Fahrzeugname schon echt dümmlich ist) weiter zum Busbahnhof, von wo ich nach Chiang Rai aufbrechen werde. Ein Ticket hab ich noch nicht gekauft, da die Busse stündlich fahren und die Busse immer ein Plätzchen frei haben. Hatten! …steh ich vor der Scheibe, schaut die Ticketschalterscheibendame mich an und erzählt mir ernsthaft, dass jeder Bus restlos ausgebucht ist. Sie versucht mir ein Ticket für den Folgetag, 11.00Uhr, anzudrehen, doch ich lehne ab. Ich muss erstmal realisieren, dass ich heute nicht mehr in den Norden komme…und habe eine Idee.

By the way: Wie die Dame hinter der Scheibe mir zum Beweis den Sitzplan der voll gebuchten Busse zeigt, erkenne ich auf dem Computerbildschirm, dass die doch ernsthaft Symbole für männliche und weibliche Passagiere führen sowie separate Symbole für Onlinebuchungen und Mönche haben. Letzteres eventuell, weil Mönche vermutlich kostenlos fahren dürfen. Süß, die Thailänder.

Ich laufe zurück zum Bahnhof, zurück zu dem Mann, der mir vor einer knappen Stunde das Ticket nach Bangkok verkauft hat und frage ihn, ob ich das Ticket umtauschen kann. Es ist inzwischen 16.00Uhr. Er fragt mich, wann ich gehen möchte und ich antworte “jetzt”. Er schaut kurz in seinen Computer und bestätigt, was ich erhofft habe. Da sind Plätze in einem Nighttrain vorhanden, der in einer Stunde abfährt. Gebucht!

Ich vertreibe mir die letzten 60 Minuten mit einer leckeren Portion “Fried Basil Pork with Rice” und ein paar Einkäufen im 7/11-Supermarkt, bevor ich kurz vor 17.00Uhr am Gleis Nummer 3 stehe (Nein, nicht 9 ¾…dieses Gleis befindet sich in London und ich will schließlich nach Bangkok). Manchmal laufen die Dinge anders als erwartet…

…und ich spüre, dass dies der richtige Weg ist.

Goodbye, Chiang Mai.
Nur keine Eile; wir haben noch Zeit.
Nighttrain bei Tag…
…und Nighttrain bei Nacht.

Thailand, Chiang Mai – Die Zweite

Nach drei Tagen Sukhothai mache ich mich auf, zurück nach Chiang Mai, wo ich Weihnachten verbringen werde. Nach sechs Stunden Busfahrt erreiche ich schließlich mit Einbruch der Nacht den Busbahnhof östlich der Altstadt. Das Tuk Tuk für 100 thailändische Baht zum East Gate spare ich mir, weiß ich doch, dass auf der Hauptstraße die großen, roten Taxis mit Platz für mehr als nur zwei Personen deutlich günstiger sein können, sofern bereits Passagiere an Bord sind.

Gedacht, getan. Ich laufe also zur Hauptstraße und nach kaum zwei Minuten erfolgt die Kontaktaufnahme des erhofften Transportmittels auch schon prompt in Form eines Hupgeräusches direkt hinter mir. Ich strecke meinen Arm in die Höhe, “the red cab” hält und wie ich nach rechts schaue, schauen die Fahrerin und ein Mönch in orangener Kutte vom Beifahrersitz aus durchs offene Fenster nach links. “East Gate?”, frage ich, “Thapae Gate?”, entgegnet sie. Ich nicke mit dem Kopf, sie hebt 5 Finger, ich hebe 4 Finger zurück, sie nickt mit dem Kopf, Deal. Durch einen flüchtigen Blick nach hinten in den Wagen erkenne ich einige Personen und frage noch, ob der Wagen nicht schon voll sei, was sie durch ein melodisches “not fuuull” verneint. Ich laufe nach hinten zum Eingang der Passierskabine und gut…ich finds voll. Die acht Personen (mit Gepäck), die sich bereits im Inneren des Fahrzeugs befinden, schauen mich mit meinen zwei Rucksäcken an und denken vermutlich das selbe.

Als echter Backpacker lässt man sich von sowas aber natürlich nicht einschüchtern! Ich nehme meinen großen Backpack vom Rücken, hieve ihn auf das letzte freie Plätzchen auf der rechten Bank direkt am Eingang und gehe mit meinem kleinen Rucksack auf dem Rücken auf der Metallstufe am hinteren Fahrzeugende in die Hocke. Ich halte mich an den beiden Metallgestängen links und rechts des Eingangs fest und rufe “ok”, woraufhin sich der Wagen in Bewegung setzt. Ich fühle mich ein bisschen wie Indiana Jones…

Wir haben bereits ein paar Blocks hinter uns gebracht (und meine Füße sind bereits eingeschlafen), da kommen eine hübsche Frau, zwei kleine Kindern und ein weißer, zotteliger Hundewelpe auf einem Motorroller näher. Das Mädchen auf dem Rücksitz wird in etwa zwölf sein, während der Junge, der vor der Mama auf dem Trittbrett steht und sich am Lenker festhält, drei oder vier sein dürfte. Was den Hund angeht, den das Mädchen im Arm hält, so habe ich bezüglich dem Alter keine Ahnung. Klein ist er. Der Wagen und somit auch der Roller kommen aufgrund einer vermutlich roten Ampel zum Stehen, was ich dazu nutze, um dem Jungen ein freundliches “Sawadee khap” zuzurufen, da er mich fasziniert und zugleich schinant beobachtet, was an meinem westlichen Aussehen liegen dürfte. Auf die Aufforderung zum Gegengruß seiner Mama hin nimmt der Junge seine beiden Händchen vom Lenker, faltet sie zusammen vor sein Gesicht und verneigt sich vor mir. Eine geradezu perfekte Ausführung eines respektvollen Grußes gegenüber älteren Personen in Thailand. Gut…ich bin keine 20 mehr. Indiana Jones auch nicht.

Der Wagen setzt sich wieder in Bewegung und kurz darauf erreiche ich das East Gate. Ich springe leichtfüßig von Bord, schnalle mir meine beiden Backpacks auf die Hüften, bezahle meine verhandelten 40 Baht und setze mich Richtung Altstadt in Bewegung. Ich habe bereits zwei Tage zuvor Irene vom Vida Guesthouse gegenüber mit dem E-Mail-Betreff “Want to come back :-)” angedeutet, dass ich gerne nochmal für ein paar Tage vorbeikommen würde, woraufhin sie kurzerhand mein altes Zimmer 305 für weitere vier Nächte auf meinen Namen reserviert hat. Als ich im Guesthouse ankomme, ist es bereits 19.00Uhr. Irene sitzt am Empfang und wie ich eintrete, fragt sie mich aufgebracht, wo ich denn gewesen sei und wieso ich erst jetzt komme, wo ich doch 18.00Uhr in meiner E-Mail angekündigt hatte. Ich ahne schlimmes und frage vorsichtig, ob mein Zimmer den noch verfügbar sei…

”Suuure…i was waiting for youuu”, grinst sie freudestrahlend und hebt mir den Zimmerschlüssel entgegen.

Hello again, Vida!
Hello again, Vida-Katze!
Hello again, Chiang Mai-Mäuslen!
Hello again, Mönch!

Thailand, Sukhothai, Die Vögel

So unbedeutend das neue Sukhothai tagsüber ist, so bedeutend ist es Nachts…zumindest für einen…die Vögel.

Yo erzählt mir, dass es sich um den Mina-Bird handelt (zu deutsch: Hirtenmaina). Ein bis zu 25cm großes Kerlchen, das weltweit vorkommt, seine Wurzeln aber vor allem in Indien hat. Die Anzahl der Flattermänner ist so gewaltig, dass sie einen Platz in der Liste der invasiven Neobiota inne haben.

Woher SIE kommen, wieso SIE genau hier sind und wohin SIE am Morgen wieder verschwinden, weiß ich nicht. Aber SIE sind da…hunderte und aberhunderte von ihnen…sobald die Sonne untergeht, kommen SIE, setzen sich auf die Stromleitungen und deren Masten, auf die Hausdächer, Balkone und Mauervorsprünge. Am schlimmsten ist es wohl unweit der beiden Tempel, wenn der Fluß seine weitläufige Biegung gen Osten nimmt, zwischen der großen Brücke und den 7/11-Supermärkten, auf Höhe der Bar64000. Früher waren SIE auf der anderen Flussseite anzutreffen, unweit des Hostels, in dem ich untergekommen bin, wodurch Yo beim Check-In standardmässig Ohrstöpsel zum Zimmerschlüssel dazugibt. Seit die Bäume vor dem Hostel gestutzt wurden, muss sich das ganze Spektakel etwas auf die andere Flussseite verlegt haben, wo ich ab 18.00Uhr kaum ein gedachtes Wort verstehe. SIE schreien und kreischen, erzählen und ärgern sich…und wenn es dann dunkel geworden ist, sitzen SIE oft reglos auf den Stromleitungen entlang der Hauptstraße und starren lautlos auf die Bevölkerung herab. Ein Fluch für die Stadt…

Auszug Wikipedia: In der Dämmerung versammeln sich die Schwärme zum Schlafen in Bäumen und rufen mit gurgelnden, quiekenden und klickenden Tönen…

Thailand, Chiang Mai, Einfach mal sein

Seit drei Tagen bin ich nun hier in Chiang Mai und eigentlich ist der Zeitpunkt perfekt für ein erstes Resümee.

Eigentlich. Nach all den Abenteuern der letzten sechs Wochen, nach all den Distanzen, die ich auf verschiedenste Weise zurückgelegt habe, all den Orten, die ich sehen durfte, all den Menschen, die ich kennenlernte, bin ich nun das erste Mal zum Stillstand gekommen. Ich bin auf eine befriedigende Art müde und erschöpft.

Ich schlafe lange und verbringe die Mittage in gemütlichen Cafès bei Pancakes mit Früchten, Cappuccino und Shakes. Nachmittags schlendere ich durch die Gassen Chiang Mai’s, genieße das wunderbare thailändische Streetfood und verweile andächtig in den unzähligen Tempeln der Altstadt. Und Abends besuche ich dann die Straßenmärkte in den verschiedenen Stadtvierteln jenseits der Stadtmauer und genieße abschließend ein Bierchen in den rustikalen Kneipen unweit meines Old Town-Guesthouses.

Es fühlt sich fremd und zugleich unglaublich entspannend an, einfach mal keine Verpflichtungen zu haben. Einfach mal den Tag zu leben. Einfach mal zu sein. Der westlich geprägte Teil in mir schreit hierbei natürlich auf. Für ihn ist es unverständlich, dass da kein Plan ist, keine Struktur, kein Ziel, dass es zu erreichen gilt. In mir herrscht ein Konflikt. Ein Konflikt zwischen meinem konsum- und erfolgsorientierten, auf das Prestige Wert legende Ich und meinem friedfertigen, naturverbundenen Selbst, dass einfach mal sein möchte und jetzt auch einfach mal ist.

Blue Diamond Breakfast Club, Chiang Mai

Wenn ich eine Wohnung hätte…
Einfach nur witzig…
…das auch; Banana-Springrolls!
Single-Room gegönnt; mit „only cold shower“ war’s günstiger.

Laos, Phonsavan, UXO & MAG

UXO (Unexploded Ordnance) und MAG (Mines Advisory Group) sind zwei Akronyme, denen man in Laos öfters begegnet. Sie stehen in Verbindung mit einem der größten Probleme, die Laos wohl zu bewältigen hat. Nicht detonierte Bomben. Während des zweiten Indochinakrieges flogen die USA rund 580.000 Luftangriffe auf Laos und warfen dabei mehr als zwei Millionen Tonnen Bomben ab. Experten gehen davon aus, dass 30% davon nicht explodiert und bis heute etwa zwei Drittel des Landes kontaminiert sind.

Im UXO Office Phonsavan (gleichnamige Hilfsorganisation) wird durch eine Frage an der Wand versucht, die Herausforderung darzustellen: Können Sie sich ein Leben in einem Land vorstellen, das immernoch von 600.000 Tonnen nicht explodierter Munition betroffen ist?

Hier, im UXO Office Phonsavan, wird mir vermittelt, wie groß das Problem ist. Jedes Jahr gibt es neue Unfälle, neue Tote. Meistens verunglücken Bauern beim Pflügen der Felder, bei der Brandrodung oder beim Hausbau. Oder beim Spielen. 40% der Betroffenen sind Kinder.

Mithilfe eines 30minütigen Films wird mir die Arbeit von UXO und MAG nähergebracht. Die UXO gliedert sich in zwei Bereiche. Ein großer Teil der Organisation kümmert sich um die verunglückten Opfer, leistet finanzielle und psychologische Unterstützung und erarbeitet gemeinsam mit den Familien Konzepte, um die Betroffenen trotz Handicap möglichst schnell wieder in die täglichen Aufgaben mit einzubinden. Außerdem geht die UXO an die Schulen und in die Dörfer, um die Menschen über das Risiko, die Sprengsätze und das Vorgehen im Falle eines Fundes aufzuklären. Der andere Bereich der UXO kümmert sich wie auch die MAG um das Aufspüren und die Beseitigung entsprechender Sprengsätze.

Auf dem Weg zu den Plaine de Jarres kamen mir gestern unabhängig voneinander gleich zwei der großen MAG-Tracks mit allerhand Gerätschaften entgegen, wobei ich da noch nicht wusste, um wen es sich dabei handelt. Die Plaine de Jarres selbst sind bereits seit 2005 freigegeben; in regelmäßigen Abständen sind quadratische weiße Steine mit der Aufschrift MAG im Boden verankert, die den Bereich markieren, der geräumt ist und in dem man sich ohne Bedenken bewegen kann.

Trotz dem unermüdlichen Einsatz und der erzielten Fortschritte werden die nächsten Generationen das Problem wohl noch mittragen müssen. Die Belastung in Laos ist so immens, dass die Beseitigung aller Kampfmittel (im gegenwärtigen Tempo fortgesetzt) mehr als 1.000 Jahre dauern wird.

Nach etwa einer Stunde verlasse ich das UXO Office Phonsavan und ich spüre eine tiefe Betroffenheit in mir. Ich wusste um das Problem und die Gefahr. Aber so groß? So viele? Krieg ist schlimm.

Die Markierungen der MAG.

Laos, Vientiane

Vientiane ist die Hauptstadt und mit Abstand größte Stadt in Laos. Im gesamten Ballungsraum leben etwas mehr als 750.000 Menschen und somit über 10% der Gesamtbevölkerung (Zum Vergleich: Die zweitgrößte Stadt Pakse hat eine Einwohnerzahl von 90.000).

Und trotzdem ist alles ziemlich gemütlich hier…

Vat Sisaket, das älteste erhaltene Kloster Vientianes. Baujahr 1818.
Anousavari (Patuxai) erinnert an die vielen Soldaten, die auf königlicher Seite vor 1975 für Laos gefallen sind.
Die Deckenmalerei des Anousavari (Patuxai).

That Luang, Nationalsymbol und bedeutenstes religiöses Monument von Laos.
Tempel in unmittelbarer Nähe zum That Luang.

Laos, Vientiane, book exchange

Ich finde die Idee des “book exchange” in den Hostels total cool!

Wo immer sich ein sogenannter “book exchange” in einem Hostel befindet, schaue ich mir direkt die Schätze an, die dort so rumstehen. Abgegriffene Reiseführer vom jeweiligen Land (oft Lonely Planet oder Stefan Loose) und teils den Nachbarländer, wenn der Grenzübertritt des Vorbesitzers zu rasch erfolgte. Bestseller im Taschenbuchformat. Verschiedene Romane in den unterschiedlichsten Sprachen. Ein gelesenes Buch wird hier einem unbekannten, anderen Reisenden zur Verfügung gestellt und gleichzeitig lässt man sich selbst von etwas Neuem inspirieren. Ich mag die Idee. Okay, ich habe viele Menschen gehört, die das klassische Buch längst dem Altpapier des Fortschritts zugeschrieben haben. “In der Zeit von elektronischen Massenspeichern, digitalen Medien und technischen Lesegeräten sind Bücher viel zu teuer, viel zu sperrig und für die Abholzung der Urwälder sind sie auch mitverantwortlich”, begründen sie. Aber ist das richtig? Ist es nicht gerade der Unterschied, der das Besondere ausmacht? Ich finde es schön, ein gutes Buch in den Händen zu halten. Die Seiten zu fühlen, die man gelesen hat und die einen tiefer und tiefer in die Erzählung hineinführen. Den Einband und das Gewicht zu spüren, während man zum Abschluss eines Buchs nochmal die kurze Einführung auf der Rückseite ließt und sich an die Gedanken zurückerinnert, die man vor dem Anfang noch hatte. Ich habe ein Reisebuch mit griffigem, schönem Einband geschenkt bekommen, in das ich jetzt Reisebekanntschaften schreiben lasse, an die ich mich gerne zurückerinnern möchte; Digital hätte das wohl kaum den selben Charme.

Aber gut. Auf was ich eigentlich hinaus wollte: Ich bin zwischenzeitlich in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, angekommen und habe mich hier in ein gemütliches Hostel etwas außerhalb des Zentrums einquartiert. Da ich zuletzt gesundheitlich etwas angeschlagen war, habe ich mich dazu entschieden, zunächst etwas ruhiger anzugehen. Im gerade einmal mit fünf Büchern ausgestatteten “book exchange” des Sailomyen-Hostels bin ich jetzt prompt mit großer Freude über “Die Kunst des Liebens” von Erich Fromm gestolpert. Ich kenne den Autor bereits von seinem anderen Bestseller “Haben oder Sein” und kann beide Bücher nur wärmstens empfehlen. Schwere Kost, die aber den Blick fürs Wesentliche schärft und definitiv zum Nachdenken anregt.

Glücklicherweise habe ich sogar ein anderes Buch zum tauschen dabei…ein Buch, dass sich damit beschäftigt, wie man Frauen am besten anspricht. Selbstverständlich das Buch eines Freundes. Seine Mutter hat ihm das Buch einmal geschenkt, nachdem es ihr beim Aufräumen zufällig in die Hände fiel (vermutlich hat sie es gezielt zwischen ihren ganzen Büchern gesucht, weil sie in Sorge war, sie könne womöglich Enkellos bleiben). Einem Freund ist dieses Buch dann wieder in die Hände gefallen, als er sich auf eine große Reise vorbereitet hatte und er entschloss sich kurzerhand dazu, das Buch mitzunehmen…und es mir dann für den Tausch zu überlassen.

…auf jeden Fall habe ich das genannte Buch, von einem Freund selbstverständlich bereits gelesen, gegen das Buch von Erich Fromm getauscht. Und so sitze ich nun hier in Vientiane, der Hauptstadt von Laos, trinke Tee und lese etwas über die Kunst des Liebens…

Laos, Luang Prabang

Luang Prabang. Mit etwas mehr als 50.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt von Laos und das Tor zum Norden. Vielleicht mag ich dieses Städtchen, weil es nicht viel größer als meine eigene Heimatstadt und dadurch gewohnt überschaubar ist. Und vielleicht, weil mich die Stadt von ihrem Stil her etwas an Hanoi erinnert. Ganz sicher aber auch, weil sie etwas Einzigartiges an sich hat. Den Mekong-River, der ihr einen vielfältigen Reichtum an Nahrung beschert, auf der einen Seite, ist die Stadt auf den restlichen Seiten von Bergen umgeben und vermittelt ein gewisses Gefühl von gemütlicher Verschlafenheit. Das Stadtzentrum ist geprägt von französischer Kolonialarchitektur und die vielen kleinen Restaurants und Cafès vermitteln zusätzlichen Charme. Luang Prabang ist zurecht seit 1995 UNESCO-Weltkulturerbe.

Zunächst zwei Nächte gebucht und schlussendlich für fünf Nächte geblieben. …ein schönes Fleckchen Welt, das ich gerne nochmal besuchen würde.

Laos, Luang Prabang, Der Norden von Laos

Einer dieser perfekten Tage…

7.45Uhr: Zum Frühstück gibt’s Banana-Pancakes im Hostel

8.20Uhr: Ich treffe mich mit Trevor und Irene bei “Tiger Trail” und wir haben gemeinsam mit zwei anderen Travellern und einem Local-Guide einen nicht zu übertreffenden Tages-Trek im Norden Luang Prabangs. Ablauf: 30Minuten mit dem Mini-Van nordwärts aus der Stadt raus. Eine kurze Bootstour zu unserem Ausgangspunkt im Nirgendwo. Trekking-Tour über etwa 5Stunden, die uns sowohl auf befestigten Wegen als auch schmalen Trampelpfaden durch den Dschungel und die berühmten Karst-Landschaften führt. Während der Tour besuchen wir zwei abgelegene Dörfer laotischer Urvölker und erfahren ein bisschen etwas über deren Lebensweise. Der Trek endet mit einem Kaffee an einem superschönen Wasserfall und einer etwa 20-minütigen Bootsfahrt zurück zum Ausgangspunkt. Zurück in die Stadt bringt uns ein TukTuk. Das Wetter ist den Tag über nicht zu warm und nicht zu kalt, es ist trocken und nachmittags kommt passend zum Ende des Trekkings die Sonne hinter den Wolken hervor.

17.15Uhr: Sonnenuntergang direkt am Mekong-River mit einem kühlen Bier (ein Meckatzer-Bier wäre an dieser Stelle dann wohl wirklich zu viel des Guten).

18.00Uhr: Eine heiße Dusche mit entkalkter Brause.

18.45Uhr: Eine 1-stündige Vollkörper-Massage mit Öl (witzigerweise bietet solche Sachen hier u.a. das rote Kreuz an).

20.00Uhr: Über den Nightmarket schlendern und an einem dieser Straßenstände supervielfältig und lecker zu Abend essen

21.45Uhr: Ein ordentliches Stück Schokoladen-Toffee-Torte als Dessert.

22.30Uhr: Ein weiteres, gekühltes Bierchen. Draußen im Vorhof einer kleinen, gemütlichen Bar. Bei grob 20°C Aussentemperatur. Mit getrockneten Bananen-Scheibchen als Snack, ruhiger Rock-Musik im Hintergrund und Leuten, die man gern hat.

to be continued…

Auch hier gibt es Schulen…
…und Kindergartenschwänzer

Vietnam, Sapa, My Tra Homestay

Das „My Tra“ Homestay ist ein kleines Häusschen im Dörfchen Ta Van, 8,5 Kilometer von Sapa entfernt und hält drei Doppelzimmer sowie einen 10Bett-Dorm bereit. Andrew aus Australien und seine vietnamesische Frau betreiben das Homestay seit 2012 und kümmern sich um alles hervorragend, während die 4 1/2jährige My die Gäste auf Trab hält. …am ersten Tag hat sie mir „geholfen“, meinen Rucksack auszupacken, heute waren wir als Chefköche damit beschäftigt, unsichtbare Gäste zu bewirten. …ach und gestern war überall Lava auf dem Boden.

Ich bin inzwischen seit Sonntag hier, werde morgen Abend aber Sapa und auch Vietnam mit dem Bus (25Stunden Busfahrt!) in Richtung Laos verlassen.

Die Leute hier kommen und gehen. Viele bleiben für 2 Nächte, manche für 3, ich für 4. Ich hab mich hier die letzten Tage sehr wohl gefühlt und hatte viel Spaß. Gerade Abends, durch das gemeinsame Homestay-Dinner um 6.30pm, sind alle Gäste zusammen im Aufenthaltsraum und nach regelrechten Festmahlen (reichlich und vielfältig) werden die Bierflaschen geköpft.

Canadian Strategys war ein cooles Kartenspiel, bei dem man nur zwei seiner vier vor sich liegenden Karten (von Ass-König) anschauen darf, wobei auf der Endabrechnung der schwarze König +25 gibt, während der rote König den Wert um -1 senkt.

Haben viel geredet, viel gelacht und 21 von „let’s start the game“ bis „last one is a penis pump“ geschafft.

…werde auf jeden Fall weiter an meinem Englisch arbeiten; wenn die Leute aus Australia, Canada und States erstmal loslegen, werden die Konservation anspruchsvoller…