Darwin…ich bin bereits zum zweiten mal hier und es ist schön, wenn einem eine Umgebung etwas vertraut vorkommt. Der Vorteil in Darwin ist natürlich: Ich kenne ein paar Leute und muss mich nicht groß um eine Unterkunft bemühen. Dieses Mal schlafe ich bei einer Freundin von Sophie im Stuart Park…Alex.
Ich fühle mich wohl in Darwin, wodurch die Zeit leider nur so vorbei rennt und ich gar nicht genau weiß, was ich in der vergangenen Woche eigentlich alles gemacht habe. Am Montag waren wir fischen…am Dienstag waren wir am Hafen essen und hatten dieses leckere Buffet mit allerlei Meeresfrüchten, Shrimps, verschiedenen asiatischen Leckereien und diesem uuunvergesslichen Schokoladenkuchen…Dienstag und gestern war ich an der Waterfront im Meerwasser baden. Die einzige Stelle, an der man hier um Darwin herum ins Wasser gehen kann, weil zur offenen See hin ein großes Netz gespannt ist, um die Krokodile fernzuhalten…heute haben wir Alex ihren Garten auf Vordermann gebracht. Ein paar Bäume versetzt, ein wenig Unkraut gejätet, diverse Topfpflanzen umgetopft…und all die Zeit über ist es heiß. Tropisch heiß. Wieder einmal einfach zu heiß…
Darwin mag ich trotzdem!
Eines Tages an der Waterfront…Der Garten…Der Garten…Der Garten…und die kleine Ananas.Not macht erfinderisch…wer entdeckt die Shisha-Kohle?Ich sehe was, was du nicht siehst? …im Getränkehandel……und war geschockt! Umgerechnet knapp EUR12,- für nen Sixpack Oettinger Dosenbier!Darwin…East Point.Darwin…East Point. Cheers, Sophie!
Bist du im Northern Territory unterwegs, so kommst du mit einem Thema definitiv in Berührung. Fischen. Hier im Norden Australiens dreht sich alles um den großen Fang. Man könnte mich wohl als Fisherman’s Friend betiteln, denn mein Kumpel Kyle ist definitiv jemand, der weiß, wie man fischen geht. Bei meinem letzten Aufenthalt vor einem guten Jahr in Kyle seinem Haus sind wir einen Tag mit dessen Boot auf den Adelaide River zur Krabenjagd rausgefahren, heute konzentrieren wir uns aufs Angeln mit der Route und lassen die Gitterboxen zuhause im Schopf.
Die rote Kühlbox hingegen kommt wie gewohnt mit und ist mit ausreichend Bier sowie Jack’s für Kyle gefüllt. Ein paar Snacks sind im Boot verstaut, die spezielle Fischerkleidung ist angelegt. Los geht’s. Nach circa 45 Minuten, von denen wir etwa die Hälfte auf unbefestigten Feldwegen aus Sand und Staub zurücklegen, erreichen wir eine staubige, kahle Fläche, auf deren äußerem Rand ein paar Mülltonnen aufgestellt wurden…ein Parkplatz mitten im Nirgendwo…außer uns ist niemand da. Direkt hinter dem Stellplatz erstreckt sich der Billabong at Hardy’s am Rande des Kakadu Nationalparks, den Kyle als Ziel für heute auserkoren hat. Billabong ist ein Begriff aus der Sprache der Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, und steht für ein Gewässer, dass sich während der Regenzeit mit Wasser füllt und über die trockenen Monate hinweg dann langsam austrocknet.
Kyle fährt mit seinem Auto rückwärts die Rampe aus festgetretenem Dreck zum Ufer runter, bis der Anhänger und das Boot vollständig im Wasser stehen. Kleine Wellen schwappen in Richtung Gewässermitte davon. Die Sonne scheint am wolkenlosen azurblauen Himmel, es ist mit etwa 35°C und deutlich höherer Luftfeuchtigkeit als in Europa schon fast zu heiß und das Wasserloch, das sich von hier aus kilometerweit über schmalere und breitere Läufe ausgebreitet hat, ruht still vor uns…fast habe ich vergessen, dass es hier giftige Spinnen gibt, Schlangen gibt und vor allem ganz gefährlich…Krokodile gibt. Mit wachen Augen treten Kyle und ich ins Wasser und machen das Boot los, während Sophie bereits an Land aufs Boot geklettert ist und nun von Bord aus die Umgebung und das Wasser um uns herum beobachtet. Das Wasser ist ruhig…zu sehen ist in der braunen Suppe ohnehin nichts. Während Kyle das Auto wegfährt, stehe ich mit einem mulmigen Gefühl am Uferrand und halte das Boot mithilfe eines Taus fest.
Fünf Minuten später haben wir alle drei im Boot Platz genommen und Kyle steuert das Boot in den Billabong hinaus. Ich öffne das erste Bier der Marke Great Northern und lehne mich in meinen Campingstuhl zurück. Ich genieße den kühlen Fahrtwind und beobachte das vorbeiziehende Ufer, während Kyle nach einer geeigneten Stelle Ausschau hält, an der es die Köder auszuwerfen lohnt.
…und wie wir über die Ausläufe des Billabong dahin schippern, ändert der Himmel langsam seine Farbe von blau zu orange und die ersten Tiere kommen aus ihrem Unterschlupf, der sie vor der heißen Mittagssonne Australiens beschützt hat, hervor, um am Ufer zu grasen oder sich im Wasser zu erfrischen. Wallabys, Kängurus, Vögel in jeglicher Größe und Farbvariation, Wasserbüffel und auch ein paar erste kleinere Krokodile. Gerade die Kängurus und Wallabys wieder in freier Wildbahn zu sehen, erfüllt mich mit einer großen Zufriedenheit. Ein sehr schöner Moment. Wir werfen den Anker schließlich in einer kleinen Bucht aus und die Fischköder an unseren Angelhaken sinken zusammen mit der Sonne aus unserem Blickfeld.
Der Himmel ist sternenklar, doch die Nacht ist dunkel. Es ist Neumond. Mit Stirnlampen ausgerüstet sitzen wir gemütlich im Boot, werfen den Haken ein ums andere mal aus und genießen die abgekühlte Nachtluft. Es ist einer dieser perfekten Abende…solange die Lampen ausbleiben. Schalte ich meine Stirnleuchte an, um die Angel vor mir zu prüfen, so stürzen sich augenblicklich gefühlt alle Fluginsekten Nordaustraliens auf den Lichtkegel über meinen Augen und sowohl sehen als auch atmen fällt mir schwer. Die Schnur ist richtig aufgewickelt…schnell wieder ausschalten…jetzt hat Sophie ihre Lampe angeknipst…ich atme tief durch den offenen Mund.
Gegen 23.00Uhr drängt uns nach sechs Stunden dann schließlich langsam der Hunger zur Rückkehr. Mit Scheinwerfern, die am Bug des Bootes angebracht sind, tasten wir uns behutsam zurück zum Anlegeplatz und ich achte mithilfe meiner Stirnlampe auf aus dem Wasser herausragende Bäume und Steine. Regelmäßig trifft der Lichtstrahl meiner Stirnlampe nun auch auf kleine reflektierende Punkte im Uferbereich; die Augen von Krokodilen, die im seichten Wasser auf Beute lauern. Die aktive Zeit der Urwesen ist angebrochen…aber um unsere Anlegestelle am äußeren Rand des Billabong herum ist es zum Glück ruhig und unsere Lichtstrahlen werden von nichts reflektiert.
Thanks for a new awesome experience, mate!
Bereit zur Abfahrt.…und rein mit dem Kahn.Der Billabong.
Ob das wohl der aus dem Film Crocodile Dundee ist…
Was soll ich groß berichten…Bangkok halt. Ich liebe diese Stadt!
Da wir zu zweit unterwegs sind, haben Sophie und ich uns dazu entschieden, für unsere drei Nächte in der Hauptstadt etwas edler abzusteigen und haben uns ein Hotel mit Pool in der Nähe der Khao San Road gebucht. Unsere Tage bestehen aus Relaxen am Pool, günstigem Chang-Bier in den Bars des Khao San-Areals, leckerem thailändischem Essen und täglichen Massagen.
Heute nehme ich mir etwas Zeit für mich. Während Sophie nach dem Frühstück in Richtung Pool schlendert, ziehe ich zu Fuß los in Richtung Wat Saket, dem golden Mountain. Ich erweise Buddha die Ehre, zünde eine Kerze an und verweile ein paar Minuten mit geschlossenen Augen in einer Nebennische. Vom Wat Saket nehme ich das Langboot durch die Kanäle Bangkoks in Richtung Siam Center und genieße ganz traditionell einen Cappuccino im Cafè “The Coffee Bean & Tea Leaf”. Nach einem kurzen Abstecher ins MBK-Einkaufszentrum mache ich mich auf den Rückweg zum Hotel, um mich für den Abend frisch zu machen. Ich brauche nicht viel, um mich in Bangkok glücklich zu fühlen. Ein kleiner Plausch hier, ein freundliches Nicken da, etwas Zeit für mich an meinen besonderen Orten…
Gegen 18.30Uhr steigen Sophie und ich in das Taxi ein und machen uns auf den Weg zum Sofitel. Heute werde ich zum ersten Mal auf eine Skybar in Bangkok gehen. Als wir am Hotel ankommen, wird uns die Autotüre geöffnet und der Hotelpage zeigt einladend zur großen Eingangspforte aus Glas. Drinnen erwartet uns eine große Eingangshalle und eine freundliche Rezeptionistin navigiert uns zu den Aufzügen, von denen uns einer in den 9. Stock katapultiert und einen Moment später rasen wir in einem zweiten Lift in die 29. Etage. Oben angekommen, weht uns eine sanfte Brise entgegen, klassische Musik im Hintergrund bekräftigt die verbeugende Geste des Obers und wie ich das Panorama vor mir zur Kenntnis nehme, stockt mir kurz der Atem. Wow!
Auf 21.00Uhr verabschiede ich mich schließlich von Sophie, die mit dem Taxi zurück in die Khao San Road fährt und mache mich zu Fuß in eine etwa 30 Minuten entfernte Bar auf, in der ich mich mit Mind treffe, die ich bereits seit meinem ersten Besuch in Bangkok kenne. Laut Mind gibt es hier eine der besten Shishas der Stadt, was man allerdings nicht zu laut sagen sollte, da das Shisha rauchen in Thailand strikt verboten ist. Mit Mind lasse ich schließlich den Abend und auch meinen vierten Bangkok-Aufenthalt gemütlich bei Tiger-Bier und einer Shisha mit Minzgeschmack ausklingen. Morgen geht’s weiter nach Süden…
How is going, Australia?
…irgendeinen Bekannten trifft man hier immer!Die Aussicht von der 29sten Etage des Sofitels aus……der Skypool befindet sich im 10ten Stock.Bangkok!
Nach einer mehrmonatigen Pause, in der ich den Jahrhundertsommer in meiner Heimat genoss, habe ich mich dazu entschieden, meine ursprünglich geplante Reise weiterzuführen…zu einem Abschluss zu bringen…zurück nach Asien…und dann weiter in Richtung Süden. Und wie die Maschine auf dem Flughafen Frankfurt abhebt, spüre ich das alte vertraute Gefühl, den Wunsch nach einem Abenteuer. Es geht wieder los…
Bereits um 5 Uhr in der Früh hebt unser Flugzeug ab und bringt meine gute Freundin Sophie, die mich zunächst noch begleiten wird, und mich in das per Flug 2 ½ Stunden entfernte Kiew, die Hauptstadt der Ukraine. Unser Flugplan sieht hier einen Zwischenstopp von 11 Stunden vor und so treten Sophie und ich durch die Passkontrolle und fahren mit dem Flughafen-Shuttle ins Stadtzentrum der Hauptstadt.
Angekommen, machen wir uns auf den Weg zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, die wir heute besuchen möchten und werden prompt Zeuge eines Übergriffs durch Taschendiebe…auf uns.
Eine Gruppe von etwa zehn Mädchen im Alter zwischen 14 und 22 steht um den Treppenabgang zu einer Unterführung herum; was die Herkunft angeht, so stammen die jungen Frauen vermutlich aus einem der Länder des ehemaligen Jugoslawiens. Wie wir an den Mädchen vorbei treten, treffen sich meine Blicke mit denen der vermutlichen Rädelsführerin, die daraufhin aufgeregt mit ihrer Freundin tuschelt. Ich fühle mich noch geschmeichelt, vor allem auch, weil Sophie bemerkt, dass die junge Frau sie anschließend komisch mustert. Wir laufen die Treppen zur Unterführung hinunter und wie wir die vorletzte Stufe erreichen, höre ich Sophie “hey” rufen. Die Gruppe aus jungen Frauen ist uns die Treppen hinab gefolgt. Der Reißverschluss meines Rucksack, den ich auf dem Rücken trage, ist halb geöffnet, mein Stoffbeutel, in dem ich den ganzen Kleinkram von mir aufbewahre, hängt aus dem Rucksack heraus und der Geldbeutel von Sophie befindet sich zwischen den Fingern der Diebin. Durch den Ruf aufgeschreckt, lässt die enttarnte Diebin den Geldbeutel fallen und die Gruppe zieht ungeniert schmunzelnd an uns vorbei. Ich realisiere die Situation noch immer nicht und wie Sophie erzählt, was gerade passiert ist, ziehe ich meinen Rucksack von der Schulter und denke “f*ck, ich hab meinen Rucksack gar nicht geschlossen”. Ich habe weder ein Ziehen noch ein Drücken bemerkt. Ich bin perplex…ich hab nicht gedacht, dass mir sowas mal passieren wird.
Den restlichen Tag verbringen wir ohne weitere Zwischenfälle im Zentrum von Kiew. Wir schauen uns das goldene Tor, die Sophienkathedrale, das St. Michaelskloster und schließlich den Majdan an. Zurück zum Hauptbahnhof, von wo aus uns das Flughafen-Shuttle zu unserem Anschlussflug chauffiert, fahren wir mit der Metro. Kiew besitzt die tiefsten Metrostationen der Welt.
Und dann geht’s auch schon weiter Richtung Osten…nächster Stopp: Bangkok.
Das goldene Tor.Die Sophienkathedrale.Somewhere in kiev…Das St. Michaelskloster.Das St. Michaelskloster.Somewhere in kiev…Somewhere in kiev…Es wird Herbst in Kiew……Kiew besitzt die tiefsten Metrostationen der Welt.
Zurück in Neu Delhi. Zurück in der Hauptstadt Indiens. Heimat von über 25 Millionen Menschen und drittgrößte Stadt der Welt. Neu Delhi ist gewaltig. Und für mich ist Neu Delhi Anstrengung.
Ich habe einmal gesagt, wenn man erstmal das System des öffentlichen Nahverkehrs einer Stadt verstanden hat und weiß, welche U-Bahn einen wohin bringt und welcher Bus einem vielleicht sogar noch die letzten Meter Fußmarsch bis zum gewünschten Ziel hin erspart, dann ist man in einer Stadt angekommen. Für eine Stadt wie Neu Delhi reicht das nicht…
Irgendeine Straße in Neu Delhi.Der Basar vor der Jama Masjid.Jama Masjid, größte Moschee Indiens und eine der größten der islamischen Welt.Ein Blick rein nach Neu Delhi.Das Humayun-Mausoleum.
Das Grab von Nasiruddin Muhammad Humayun, dem zweiten Herrscher des Großmogulreiches von Indien.
Varanasi. Sie gilt als eine der ältesten Städte Indiens und heiligste Stadt des Hinduismus. Bereits 1.200 Jahre vor Christus entstand sie entlang einer Rechtsbiegung auf der linken Uferseite des Ganges, dem heiligen Fluss der Hindus, den Anhängern einer der fünf größten Religionsgemeinschaften auf unserer Erde.
Unser Guesthouse liegt nur wenige Meter vom Flußufer entfernt und befindet sich somit in einem der ältesten Viertel der Stadt. Anhand der Gebäude kann man sehen, wie sich die Baustile im Laufe der Jahrhunderte verändert haben. Hier reihen sich Gebäude an Gebäude; die meisten beherbergen im Erdgeschoss ein Restaurant oder ein Verkaufsgeschäft und in den oberen Stockwerken befinden sich Wohnräume. Manche Gebäude sind sehr schmal, andere sehr hoch, jedes erstrahlt in einem eigenen Anstrich von quietschbunt bis Rohbau-grau. Hier gibt es keine Ordnung. Zwischen den Gebäuden ziehen sich schmale Gässchen hindurch, für Autos oder auch Tuk Tuks zu schmal, für zwei Personen nebeneinander gerade richtig, wenn niemand entgegenkommt. Trotz der Enge herrscht lebhaftes Treiben in den kleinen, schummrigen Gässchen. Die Ladenbesitzer bieten lautstark ihre Waren an, die Restaurantbesitzer werben mit ihrer Speisekarte. Hier wird verhandelt, dort wird gefeilscht, hinter mir vernehme ich das Hupen eines Motorrades, dessen Fahrer sich durch die engen Gassen manövriert. Wie viel Uhr es ist, kann ich lediglich erahnen; schaue ich nach oben, so erspähe ich hoch oben zwischen den Gebäuden Tageslicht. Es ist noch hell “draußen”.
Unser Weg führt uns zum Ganges, dem heiligen Fluß. Als ich das Labyrinth aus Gebäuden des Hafenviertels schließlich hinter mir lasse, ist es, als würden wir eine andere Welt betreten. Vor mir führen steil Steintreppen nach unten und münden in einem befestigten Kai, hinter dem sich die schweren Wassermassen des mächtigen Stroms dahinschieben. Der gigantische Ganges zieht hier in einer großen Kurve nach rechts weiter und auf der gegenüberliegenden Flußseite ist…nichts. Mir eröffnet sich eine Einöde, die sich Hunderte von Metern hinter dem Riesen dahinstreckt. Ich kann ein paar Zelte auf der anderen Flußseite erkennen, einzelne Menschen, die im Fluss baden oder sich in die Einöde dahinter wegbewegen, eine Hand voll Boote, die Passagiere in beide Richtungen über den Fluss transportieren. Hinter der schier endlosen Fläche aus weißem Sand kann ich die Silhouette von undefinierbaren Dingen ausmachen. Vermutlich die gegenüberliegende Uferböschung. Während der Monsunzeit in den europäischen Herbstmonaten ist die gesamte Sandlandschaft den Erzählungen nach nicht zu sehen, da sie sich der Ganges für diesen Zeitraum zurückholt und mit seinen Fluten bedeckt.
Ich steige ein paar Stufen nach unten und stelle fest, dass die einzelnen Stufen unterschiedlich breit und individuell hoch sind, was den Abstieg zum Kai deutlich erschwert. Auf halber Strecke halte ich inne. Der Ganges bringt eine leichte Brise mit sich, es riecht nach nassem Holz und Fisch. Wie ich nach links und rechts blicke, sehe ich die berühmten Ghats entlang des Ganges liegen. Breite Treppen aus Stein, die in regelmäßigen Abständen von der Hafenpromenade zum heiligen Wasser hinunterführen.
Hinter den Ghats die Treppen hinauf ragen in beide Richtungen hohe Mauern, Tore und massive Stadtgebäude wie eine Felswand empor und wie ich mich zurückdrehe und zu dem kleinen Durchgang schaue, durch den mich mein Weg gerade hindurchgeschleust hat, so haben die beiden gewaltigen, aus massivem Stein und mich an mittelalterliche Ritter und Heldengeschichten erinnern lassenden Gebäude den Durchgang fast schon wieder verschluckt. Ich fühle mich winzig im Schatten dieser riesigen Übermacht aus Stein und Beton.
Wir laufen an den künstlich angelegten und bereits uralten Ghats entlang Flussabwärts. Die massive Steinfront auf der linken und die schweren Wassermassen des Ganges auf der Rechten, habe ich Indien im Rücken und Indien vor mir. Ich sehe Gläubige, die sich in den Fluten des heiligen Stroms reinwaschen und Kinder, die miteinander spielen, sich einen Ball zuwerfen, sich gegenseitig unter Wasser tunken. Ich erblicke Frauen, die in den Fluten Wäsche waschen und Kühe, die sich im Fluss ein Bad gönnen, sich von der schwülen Nachmittagshitze abkühlen. Wie wir schließlich das Ende der Flußbiegung erreichen, erreichen wir den Hauptverbrennungsplatz Varanasis. Nun erspähe ich in dem sagenumwobenen Fluss in weiße Laken eingewickelte Leichname, denen der Ganges im Vorüberziehen die letzte Waschung schenkt.
Bereits von weitem sehen wir die Feuer lodern. Der große Platz ist dunkel gefärbt von Ruß und Asche, kein Pflänzchen wächst hier, kein Tier streunt hier umher. Bis auf die Kühe. Die sind überall. Wie wir näherkommen, empfängt uns ein freiwillig dort arbeitender Platzwart und bietet uns freundlich an, uns über das Areal zu führen. Wir überqueren den großen Verbrennungsplatz, der stufenweise vom Wasser zur Stadt hin ansteigt und abhängig der Kaste, zu der die einst Lebenden gehört haben, auf den unterschiedlichen Ebenen Verbrennungsstellen zur Verfügung stellt. Ich schaue mich um. Im Moment brennen auf den unterschiedlichen Ebenen insgesamt sieben Feuer, eines davon in einem nochmal separat abgetrennten und besonders weit oben am Berg angelegten Raum, der für Politiker und andere hohe Personen der Öffentlichkeit vorbehalten ist. Insgesamt fasst der Platz Verbrennungsstellen für schätzungsweise etwa dreißig Leichname, die hier gleichzeitig bestattet werden können. Wir steigen über eine kleine Treppe Richtung Stadttor hinauf und weichen kurz vor Erreichen der letzten Stufe einem neuen Trauerzug aus, der einen leblosen Körper in Leinentücher eingewickelt Richtung Flussufer trägt. Oben angekommen, schauen wir in das Gebäude zu unserer Linken, aus dem uns trockene Hitze entgegenströmt. Hier lodert das Feuer, welches die Scheiterhaufen entzündet. Laut unserem Freund seit hunderten von Jahren ohne je ausgegangen zu sein. Eine der alten Familien Varanasis kümmerte sich durch die Jahrhunderte hindurch um den Erhalt der alten Flammen und gibt ihre Bestimmung bis heute von Generation zu Generation weiter. Welch ehren- und verantwortungsvolle Bürde. Wir gehen an dem alten Gebäude vorbei und folgen dem kleinen Weg, der nach links führt. Holz. Vor uns liegen, zu Haufen aufgeschüttet, unzählige Holzscheite verschiedenster Bäume. Unter einem kleinen Bretterverschlag befindet sich eine provisorisch errichtete, verrostete, große Waage aus Eisen. Für einen erwachsenen Menschen werden 30 Kilogramm Holz benötigt. Wenigstens 3 Kilogramm Zedernholz ist Pflicht. Ist zwar teurer, neutralisiert allerdings die typischen Gerüche von verbranntem Fleisch und verbrannter Haut.
Im Moment ist niemand hier, trotzdem reicht das ganze Holz, dass hier aufgetürmt ist, lediglich für ein paar Tage. Manche indische Familien sparen Jahre, um das Geld für das Holz in der Hinterhand zu haben. Der Platz an der Waage ist intensiv.
Vom Holz weg führt uns unser Weg vor ein altes Haus, dass einer Ruine gleicht und so zur Stadt hin errichtet wurde, dass es den offenen Verbrennungsplatz und die brennenden Feuer wenigstens ein klein wenig vom indischen Chaos der übrigen Stadt abgrenzt. Die Fassade ist großteils bereits abgebröckelt, die Fenster sind scheibenlos und dahinter liegt Dunkelheit. Laut unserem Begleiter wohnen hier die Ärmsten der Alten. Zu schwach, um zu arbeiten, zu alt und zu krank, um vom Leben zu träumen, warten sie hier auf den Tod. Eine alte Frau sitzt vor dem Eingang und sammelt Spenden für die alten Teufel. Für 300 indische Rupie, was etwa 3,80 Euro entspricht, gibt es ein Kilogramm Holz…und als ich ihr das Geld für ein Kilogramm gegeben habe, verrate ich ihr meinen Namen und mein Heimatland, woraufhin sie mir die Hand auflegt und für meine Familie und mich betet.
Wir verlassen den Verbrennungsplatz und begeben uns Richtung Innenstadt zurück und weg vom Fluss. Shelby hat Durst bekommen und so halten wir bei einem der unzähligen, kleinen Straßenstände an, um Wasser zu kaufen. Wie wir dem Händler, der in meinem Alter um die dreißig sein dürfte, auf seine Frage hin erzählen, von wo wir gerade kommen, erzählt er uns freudestrahlend: “Ich kenne den Platz. Wenn ich alt bin und sterbe, werde ich dort auch verbrennen…”.
Varanasi…so habe ich mir das alte, sagenumwobene Indien vorgestellt. Hier in Flußnähe scheint die Zeit stillgestanden zu sein…in der Stadt der Ewigkeit. In der Stadt des Todes. In der Stadt Shivas. Varanasi.
Die berühmten Ghats von Varanasi.
Gespenstisch. Fluss und Stadt im Morgengrauen.…ragen hohe Mauern, Tore und massive Stadtgebäude wie eine Felswand empor…
Inder der ersten Kaste bei ihrer morgendlichen Meditation.Die Waage am Verbrennungsplatz.Varanasi.
Leider wird Agra meist auf das Taj Mahal reduziert, obwohl hier so viel mehr zu sehen ist. Unser Overnight-Train nach Varanasi geht erst heute Abend und so machen wir uns auf, eine von Indiens vielen beeindruckenden Baukunstarten zu bestaunen…hier in Agra übrigens einiges mit einem Stempel von Großmogul Shah Jahan, dem einstigen Ehemann von Mumtaz Mahal, versehen.
Das Agra Fort, das Akbar Mausoleum, das Itimad-ud-Daula-Mausoleum, welches auch liebevoll Baby Taj genannt wird, der Mehtab Bagh Garden…ganz arg besonders für mich. Die Bauwerke sind mit etwa 400 Jahren noch sehr jung und der Baustil weitaus ausgereifter als Baustile anderer Bauwerke, die ich bisher so als besonders erachtet habe. Aber so ist das eben…Dinge sind unterschiedlich und somit auf verschiedene Weise besonders. Oder eben auch nicht. Der Baustil und die Bauwerke hier sind es. Und ich staune mit offenem Mund…
Die Verteidigungsanlagen des Forts in Agra…der Graben einst mit Wasser und Krokodilen gefüllt.Verteidigungsanlagen am Innentor des Forts.Ein anderer Durchgang…Seine letzten Lebensjahre verbrachte Shah Jahan, von seinem Sohn unter Hausarrest gestellt, im Fort von Agra…mit Blick auf das Grabmal seiner Liebsten.Ein Haremsgebäude unweit des Akbar Mausoleums.Hey, aus dem Weg !!!Das Akbar Mausoleum, das flächenmäßig größte Grabmal Indiens.Deckenmalereien im Akbar Mausoleum.
Das Itimad-ud-Daula-Mausoleum oder auch Baby Taj…Einer der vier Eingangsbereiche des Itimad-ud-Daula-Mausoleums.
Mit der Fluggesellschaft Jet Airways, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann, der einmal einen Kurzstreckenflug in diesen Gefilden zu absolvieren hat, flog ich schließlich von der Hauptstadt Chennai des indischen Bundesstaates Tamil Nadu nach Neu Delhi, der Hauptstadt Indiens. In Neu Delhi angekommen, feierte ich dann als allererstes mein Wiedersehen mit Shelby. Shelby aus Arizona, die ich in Sukhothai kennengelernt, mit der ich Weihnachten in Chang Mai gefeiert und mit der ich zusammen das fantastische Bagan besucht habe. Bereits in Bagan hatten wir damals unsere weiteren Reiserouten miteinander verglichen und festgehalten, dass wir Ende März beide in Indien sein werden. Das Wiedersehen stand also schon eine ganze Weile fest.
…nach einem kurzen Zwischenstopp in Neu Delhi fahre ich also zusammen mit Shelby direkt weiter nach Agra. Als Transportmittel haben wir uns den Zug rausgesucht…3 Stunden Fahrtzeit…Holzklasse. Näher kann man der unteren Bevölkerungsschicht Indiens kaum sein und ich erkenne augenblicklich wieder einmal, wie gut wir es in Deutschland, in Europa haben. So viel Armut, so viel Elend…und plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Ein verwahrloster Mann in etwa meinem Alter steht vor mir und bittet um Geld…ohne Arme.
Es ist bereits Nachmittag, als wir in Agra ankommen und trotzdem entscheiden wir uns, am gleichen Tag noch zum Taj Mahal zu wandern, da das Monument Freitags geschlossen hat. Reinigungsarbeiten.
Die Straßen zum weltbekannten Grabmal von Mumtaz Mahal, der dritten und liebsten Frau von Großmogul Shah Jahan, sind weitestgehend leer und es lässt sich nur erahnen, was hier in der Hauptsaison zwischen November und Februar los ist. 50.000 Menschen täglich. Die Besucher sind vor allem auch indischer Herkunft; frisch vermählte Ehepaare reisen aus ganz Indien zum wohl größten Liebesbeweis der indischen Geschichte an und erhoffen sich dadurch lebenslanges Eheglück. …und bezüglich meiner Betitelung als wohl größter Liebesbeweis der indischen Geschichte: Wer baut aus Liebe zu seiner verstorbenen Frau ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum? Aus weißem Marmor? Mit farbigen Blumenverzierungen im gesamten Gebäude, die vollständig aus farbigen Edelsteinen gefertigt sind? Alle Baustoffe fein säuberlich ausgewählt und (der Überlieferung nach mit 1.000 Elefanten) aus ganz Indien und weiteren Teilen Asiens herangeschafft? Mit Gärten außenrum, die nach der Beschreibung der Gärten im Paradies angelegt wurden?
…und dann sind wir da. Wir betreten das Areal über die Eingangspforte im Osten, schlendern über einen riesigen Vorhof auf das eigentliche Haupttor im Norden des Platzes zu und kurz darauf ragt es direkt vor mir, greifbar nah, majestätisch empor. Eines der neuen, sieben Weltwunder (was fairerweise gesagt durch eine Privatinitiative ausgezeichnet wurde und somit nicht offiziell anerkannt ist!). Erbaut aus Liebe zu einer Frau, die ihr Leben für das Leben ihres Kindes gab. Das Grabmal einer aus dem Iran stammenden Märtyrerin, das Grabgebäude der Frau eines indischen Großmoguls, die sich den Erzählungen nach stets für die Armen und Entrechteten einsetzte. Die letzte Ruhestätte von Mumtaz Mahal. Ich stehe vor dem Taj Mahal.
Auf dem Weg von Auroville nach Neu Delhi lege ich einen kurzen Zwischenstopp in Mahabalipuram ein. Ein kleines Dörfchen an der Ostküste Indiens, dass unter Steinmetzen, so wurde mir erzählt, auf der ganzen Welt bekannt ist. Tatsächlich reihen sich hier straßenweise Steinmetzbuden aneinander und jede von ihnen wartet mit wunderschönen Künsten auf. Der Grund für meinen Besuch ist der Rat von Einheimischen, die mir erzählten, dass auch die Landschaft um Mahabalipuram die Geschichte der Steinmetzkunst an diesem Ort erahnen lässt…
Direkt an der Küste gelegen… Mahabalipuram und die Kühe.Steinmetzkunst in und um Mahabalipuram…Steinmetzkunst in und um Mahabalipuram…Steinmetzkunst in und um Mahabalipuram…Steinmetzkunst in und um Mahabalipuram…Steinmetzkunst in und um Mahabalipuram…
“Eine Stadt, die der gesamten Menschheit gehören soll. Ein Ort des lebenslangen Lernens und ständigen Fortschritts. Als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft soll durch Nutzung aller inneren und äußeren Entdeckungen Auroville zukünftigen Verwirklichungen kühn entgegenschreiten. Auroville wird der Platz materieller und spiritueller Forschung für eine lebendige Verkörperung einer wirklichen menschlichen Einheit sein.”
Aus der Vision zweier Personen heraus entstanden, existiert das kleine Städtchen mit knapp 3.000 Einwohnern seit inzwischen 50 Jahren größtenteils autark. Der rechtliche Grundstein wurde hierfür bereits 1988 gelegt, als speziell für Auroville ein Gesetz von der indischen Regierung, der Auroville Foundation Act, verabschiedet wurde und wodurch der alleinige Eigentümer des Landes die Auroville Foundation ist.
Für mich ist Auroville vor allem ein Ort der Entspannung. Ruhig gelegen und voller Freundlichkeit, habe ich hier sehr schöne Tage, an denen ich mit dem Roller die Umgebung erkunde und lokalen Kaffee genieße.
Am heutigen Morgen, am letzten meiner 4 Tage hier in Auroville, gehe ich mit Vikash, dem Manager des kleinen Hostels, in dem ich untergekommen bin, ins Matrimandir. Das Matrimandir. Wirklich beschreiben kann man das eigentlich gar nicht. Man muss es erleben. Aus der Vision “der Mutter” und Auroville-Gründerin Mira Alfassa entstanden, befindet sich die große, 24 Meter Durchmesser betragende, goldene Kugel im Zentrum Aurovilles. Das Matrimandir dient als Ort der stillen Meditation und auch in den großflächig angelegten Gärten außenrum herrscht völlige Stille. Einzig der Wind säuselt sein Lied und die Natur begleitet ihn mit ihrer üblichen Melodie. Betritt man das Innere des Matrimandir, so betritt man zunächst einen Vorraum, in dem man sich weiße, feste Strümpfe anzieht, nachdem man draußen vor der Türe seine Schuhe ausgezogen hat. Anschließend erreicht man einen schummrigen Raum in dem alles in weiß gehalten ist, in dem sanftes, rotes Licht leuchtet und von dessen Wänden Wasser läuft. Das einzige Geräusch, dass hier wahrzunehmen ist, ist das Geräusch des plätschernden Wassers. Völlig surreal wird es, als ich auf den Boden trete, der weich nachgibt. Teppichboden. Über einen stufenlosen Wendelgang laufe ich auf dem Teppichboden nach oben in das Herz der Kugel. Ein großer, dunkler, völlig in weiß gehaltener, kreisrunder Raum. Und in der Mitte: Eine etwa 1 Meter große Kristallkugel, die einen einzelnen, von der Decke herabkommenden Lichtstrahl aufnimmt, teilt und in den Raum zurückreflektiert. Die einzige Lichtquelle des Raumes wirkt magisch und wie Wolken am Himmel draußen vorbeiziehen, kann man diese in der Kugel wiedererkennen und die Reflektion wirkt für den Augenblick schwächer. Im Abstand von etwa 5 Metern sind um das Zentrum herum in zwei Reihen Sitzpolster ausgelegt, wovon ich auf einem Platz nehme und die Aura auf mich wirken lasse.
Etwas so wunderschönes und zugleich bizarres habe ich mein ganzes Leben lang noch nicht gesehen!
Unweit von Auroville hat sich ein Spanier niedergelassen und bietet Kaffee aus ganz Indien an.Auroville existiert größtenteils autark…Das ist ein…ich find’s total gruselig!
In den Gärten sind selbst die Hunde still…Das Matrimandir…näher komme ich mit meiner Kamera nicht ran.